04.08.08 – 3. Tag

Lingenau – Staufner Haus

Gut genährt ging es nach dem Frühstück weiter. Es war sonnig, doch am Himmel machten sich schon die ersten Wolken breit. Der Wetterbericht hat gestern Regen vorausgesagt; mal schauen ob er Recht behält. Auf der heutigen Etappe habe ich den ersten Maximiliansweg-Wegweiser entdeckt. Die Orientierung ist nicht immer einfach. Aus meinem Wanderführer habe ich mir die kleinen Übersichtkarten als groben Anhalt herausgetrennt. Zur Not habe ich ja noch die großen Detailkarten vom Landesvermessungsamt Bayern.

Nach zwei kleinen Ortschaften ging es dann bergauf. Zum Staufner Haus kann man auf zwei Routen aufsteigen. Aufgrund der Wettervorhersage und der dicken Wolken am Himmel habe ich mich aber für die „einfachere“ Variante entschieden. Auf dem letzten Stück geht es auf steilen Almwiesen bergauf. Ein richtiger Weg ist nicht zu erkennen und nur vereinzelt findet man rote Punkte als Wegmarkierung auf den Steinen. Hinzu kommt, dass die Kühe auf diesen Wiesen einen immer etwas seltsam anschauen wenn man durch ihr Revier läuft. Langsam zog Nebel auf und auf einmal konnte man nicht mal mehr 50 Meter weit sehen. Aufgrund des fehlenden Weges war die Orientierung nun ziemlich schwer. Zum Glück klarte es immer wieder auf und so erreichte ich nach insgesamt 4 1/2 Stunden das Staufner Haus. Ich war schon langsamer unterwegs als am Vortag; es geht aber noch langsamer.

Im Haus angekommen wurde dann erst mal das Nachtlager (16-Bett-Zimmer) bezogen und dann gings unter die Dusche. Dank meiner Duschmarke konnte ich sogar warm duschen. Danach gab es dann in der Gaststube erstmal was Kleines zum Essen.

Auf einmal kamen zwei ältere Damen herein. Schnell erkannte ich sie. Sie hatten mit mir in der gleichen Pension in Lingenau übernachtet. Heute Morgen konnten sie aber erst später los, da eine von ihnen noch neue Wanderschuhe kaufen musste, da die alten den Geist aufgegeben hatten. Trotz neuer Schuhe hat sie den Aufstieg ohne Blasen an den Füßen überstanden. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie Lehrerinnen aus Leipzig sind und auch den Maximiliansweg laufen, allerdings nicht komplett sondern nur einen Teil.

Die Tür zum Gasthaus öffnete sich und der nächste Bekannte kam herein. Es war der Wanderer vom ersten Tag, der auch den Maximiliansweg läuft. Im Gegensatz zum ersten Tag unterhielten wir uns diesmal etwas länger. Wie ich, hat er auch vor den Weg komplett zu laufen und plant sogar weniger als die veranschlagten 22 Tage dafür zu benötigen. Er wollte an manchen Tagen auch mal 2 Etappen laufen. Mit diesem Gedanken spielte ich auch. Je früher ich in Berchtesgaden bin, desto mehr Zeit kann ich dort noch verbringen.

Beim Abendessen lernte ich dann einen weiteren Wanderer kennen. Er war mittlerweile schon seit 6 Wochen unterwegs. Start war in Nizza und er wollte auf jeden Fall bis Salzburg. Von dort wollte er dann, ja nachdem wie viel Zeit er noch hat, weiter in seine Heimatstadt Wien. Auf seiner Wanderung hatte er in der Schweiz einen kleinen Einbruch und entschied sich einige Tage lang im Tal zu laufen um sich zu schonen. Seine Ausrüstung hatte er teilweise schon nach Hause geschickt, da er am Anfang ziemlich überladen war. Insgesamt hatte er rund 3 Monate Zeit. In Österreich scheint das arbeitstechnisch irgendwie zu funktionieren, dass man sich so lange Urlaub nimmt. Die 6 Wochen hat man ihm allerdings schon leicht angesehen. Sein Gesicht hat etwas eingefallen ausgesehen.

Nach dem Abendessen entschied ich mich, aufgrund der schlechten Wettervorhersage, am nächsten Tag nicht bis Gunzesried sondern bis Sonthofen zu laufen. Da es im Haus noch andere Gruppen gab, die als Ziel Sonthofen hatten, buchte ich im Voraus ein Zimmer im Soldatenheim. So war die Übernachtungsmöglichkeit für den nächsten Tag schon mal gesichert.

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