Auf dem Dach Afrikas

13.02.2009

Auf zum Kilimanjaro

Punkt 23:00 Uhr geht das Licht in unserem Zimmer an. Jetzt heißt es aufstehen, anziehen, frühstücken, Sachen packen und los geht’s. Ich habe leichte Kopfschmerzen und nehme zur Vorsorge eine Kopfschmerztablette. Danach gibt es ein paar Kekse, warmen Brei und Tee zum munter werden.

Gegen 00:10 Uhr mache ich mich mit der zweiten Gruppe und drei Guides auf den Weg zum Gipfel. Die Anderen sind schon etwas früher gestartet, da sie etwas langsamer unterwegs sind. So wird das Feld nicht ganz so weit auseinander gerissen. Jetzt erleben wir die Serpentinen, die wir gestern nur von unten gesehen haben, hautnah. Zum Glück ist es dunkel, das erleichtert diesen endlosen Aufstieg.
Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir an die Hans Meyer Höhle. Hier übernachtete der Erstbesteiger, Hans Meyer, 1889 ein letztes Mal, bevor er zum Gipfel aufbrach. Wir nutzen diese Stelle für eine kurze Pause und ziehen uns etwas dicker an, da es ab jetzt deutlich kälter werden wird. Nach weiteren zwei Stunden erreichen wir den 5681m hohen Gillman’s Point. Dieser Gipfel zählt aufgrund seiner Lage schon als Besteigung des Kilimanjaro. Der Weg zieht sich weiter, immer am Kraterrand entlang zum 5740m hohen Stella point. Wer es bis hierhin schafft, darf später die „silberne“ Besteigungsurkunde in Empfang nehmen.

Seit ein paar Metern ist mir schlecht und ein ungutes Gefühl macht sich in meinem Bauch breit. Ich öffne die Reisverschlüsse meiner Jacken ein bisschen, um besser Luft zu bekommen. Auf einer Höhe von knapp 5800m ist es dann soweit. Ein Mitglied unserer Gruppe muss den Rückweg antreten. Es ist Theo unser ältestes Mitglied (70 Jahre). Er hat zwar noch die Kraft weiter zu gehen, aber er macht sich Gedanken über den Rückweg der noch vor ihm liegt. Er beschließt umzukehren und mit einem Guide zur Kibo Hut abzusteigen.

Ich ziehe meinen Hut vor Theo. Mit 70 Jahren einen solchen Berg bis 5800m zu besteigen über eine Aufstiegsroute die nicht zu den einfachsten am Kilimanjaro zählt. Ebenso erwähnenswert ist aber auch, dass er die Entscheidung zur Umkehr selbst getroffen hat und das so kurz vorm Ziel. Das kann nicht jeder. Respekt!

Unsere Blicke schweifen entlang des Kraterrandes zum scheinbar unerreichbaren Uhuru Peak. Immer wieder sieht man Stirnlampen in der Ferne leuchten und man denkt, es dauert noch ewig bis zum Gipfel.

Um 06:20 Uhr, nach 6 Stunden und 10 Minuten, haben wir es endlich geschafft. Wir stehen auf dem Uhuru Peak, dem höchsten Gipfel des Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas, auf 5895m. Wir fallen uns in die Arme und die ein oder andere Freudenträne rollt über die Wange.
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Jetzt heißt es anstellen zum Gipfelfoto. Es ist schon einiges los hier auf dem Gipfel und es dauert ein bisschen bis ich an der Reihe bin und Foto machen kann. Es ist eisig kalt, -20 Grad, und so richtig Lust noch weiter oben zu bleiben habe ich nicht. Schnell noch ein paar Fotos machen und dann nichts wie runter. Meine Hände sind eiskalt. Da ich mit den Fäustlingen den Fotoapparat nicht bedienen kann, hatte ich sie ausgezogen, was sich jetzt deutlich bemerkbar macht. Kurz nach dem Gipfel kommen uns vier der sechs Machame-Besteiger aus unserer alten Gruppe entgegen. Sie sind nun auch kurz vor dem Gipfel. Die fehlenden zwei mussten leider krankheitsbedingt, in der Mitte der Tour, aufhören.


Die aufgehende Sonne zeigt uns nun den Weg den wir in der Nacht aufgestiegen sind. Am Gillman’s Point angekommen können wir die unter uns liegende Kibo Hut erkennen. 1000 Höhenmeter bergab liegen nun vor uns. 1000 Höhenmeter über ein Geröllfeld, immer in Serpentinen nach unten. Motivation sieht anders aus.

Nach gefühlten vier Stunden (es waren wohl nur zwei) kamen wir an der Kibo Hut an. Dort war dann erst mal schlafen angesagt. Hinter uns liegt ein anstrengender Aufstieg und ein ebenso anstrengender Abstieg. Gegen 13:00 Uhr bekamen wir ein leckeres Mittagessen und machten uns dann, gut gestärkt und ein wenig ausgeruht, auf den Weg zur Korombo Hut. Wieder ging es durch die karge Alpinwüste, weitere 1000 Höhenmeter nach unten.

Mit etwas Glück und Verhandlungsgeschick bekamen wir wieder die kleine, gemütliche Hütte als Nachtlager zugewiesen. Nach einem üppigen Abendessen und dem obligatorischem Konyagi fiel jeder gegen 20:00 Uhr ins Bett und genoss seinen wohlverdienten Schlaf. Leider ließen uns die Mäuse in unserer Hütte, diese Nacht nicht vollständig durchschlafen.
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