Auf geht’s

22.07.2009

Es muss wohl die ganze Nacht durchweg geregnet haben. Fast im zwei-Stunden-Rhythmus war ich wach und immer hörte ich den Regen gegen die Scheibe prasseln. So ganz habe ich den Flug und die Zeitumstellung noch nicht verkraftet. Wenn ich hier in Japan langsam anfange aufzustehen würde ich zu Hause erst ins Bett gehen. Was soll’s, gegen sieben Uhr packe ich dann langsam meine Sachen zusammen, ziehe mein Bett ab und begebe mich in die Lobby. Ich war gerade dabei meine Regenklamotten anzuziehen (es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung) da hört es plötzlich auf zu regnen. Also, Kommando zurück und die Regensachen wieder eingepackt. Drückend heiß und nebelig war es trotzdem. Welches Wetter nun besser ist, möchte ich lieber nicht beurteilen. Mit dem Taxi ging es dann an die Bushaltestelle und von dort mit dem Bus zum Fuji Sengen Shrine (850m), dem Startpunkt der Tour auf dem Yoshidaguchi Trail. Der Schrein liegt mitten in der Stadt und ist dank seiner Größe nicht zu verfehlen. Hier beginnt er also, mein Aufstieg auf den höchsten Berg Japans.

Vorbei im Schrein führt der Weg schnell hinein in den dichten Wald auf einen schmalen, ausgetretenen Waldweg. Knappe 6 Kilometer zieht sich dieser Weg durch den Wald. Außer ein paar Autos die auf einer nahen, parallel zum Waldweg verlaufenden, Straße entlang fahren, höre ich außer den Geräuschen des Waldes – Nichts.

Nach fast drei Stunden treffe ich dann die ersten Wanderer. Sie sind so wie es aussieht mit dem Auto bis zum letzten Parkplatz gefahren und beginnen von hier mit dem Aufstieg. Ab der 4. Station (2010m) wird es ganz langsam lebendiger auf dem Weg. Mittlerweile machen sich auch die 20kg in meinem Rucksack bemerkbar. Nie würde ich soviel mit auf einen Berg schleppen, wenn ich nur eine Nacht bleiben würde, aber ich habe ja keinen Platz wo ich die Sachen die ich nicht brauche hätte lagern können und so müssen sie eben mit hoch, auch wenn ich sie ganz bestimmt nicht gebrauchen kann. Vielleicht hätte ich sie im Hostel deponieren können, oder in einem Schließfach; jetzt ist es aber sowieso zu spät. An der 5. Station (2300m) werden dann erst mal die Wasservorräte aufgefüllt. Für knappe 3 Euro gibt es hier 1/2 Liter süßes Mineralwasser. Auch wenn es doppelt so teuer wäre, wer soviel schwitzt wie ich, würde jeden Preis dafür bezahlen; schließlich will ich nicht, dass mein 3 Liter-Behälter irgendwann mitten auf dem Weg leer wird.

Ab der 5. Station hat man einen guten Blick auf einen Teil der Strecke zum Gipfel. Jetzt sieht man auch zum ersten Mal die Menschenmassen, die sich wie ein Bandwurm, die Serpetinen hinauf ihren Weg nach oben bahnen. Wenn die alle auf den Hütten der 7. und 8. Station übernachten wollen wird das eine ziemlich enge Angelegenheit. Ich habe keinen Platz reserviert; hätte ich das besser machen sollen? Zur Not habe ich ja meinen Schlafsack und einen Biwaksack dabei.

An der 7. Station (2700m) angekommen nehme ich Kurs auf die erste Berghütte. Im Vorraum frage ich nach, ob für heute Nacht noch ein Platz frei ist. Der Mann winkt erst ab, jedoch schaltet sich seine Frau sofort ein, diskutiert etwas mit ihm auf Japanisch und schon bekomme ich ein Angebot. Für 5250 Yen (ca. 38 Euro) könnte ich die Nacht bei ihnen verbringen. Ohne lange zu überlegen willige ich ein. Nach dem Aufstieg habe ich keine Lust mehr weiter zu Laufen auf die Gefahr hin, das evtl. keine Hütte mehr einen freien Platz hat. Was man hat, das hat man und so bleibe ich hier und beziehe mein Nachtquartier. Ein großer Raum mit knapp 60 Liegeplätzen ist die Schlafgelegenheit für heute Nacht. Dicht an dicht werden wir hier liegen, sofern alles ausgebucht ist. Matratzen gibt es nicht. Der Holzboden ist lediglich mit einer etwas dickeren Decke ausgelegt. Bevor es ins Bett geht bekomme ich noch einen Tee angeboten und die Möglichkeit mich in dem warmen Raum etwas aufzuhalten. Gegen 18.00 Uhr gehe ich nach oben. Bis jetzt sind wir nur zu viert im Schlafraum, was mir sehr gelegen kommen würde…

…Schlafen kann ich nicht wirklich. Es ist vielmehr ein Dösen mit kurzen Schlafphasen. Immer wieder werde ich durch das Gegruschel meiner Nachbarn wach. Als dann auch noch gegen 19.30 Uhr eine 30-köpfige Gruppe in den Schlafraum stürmt, sich umzieht nach unten geht, eine halbe Stunde später wieder kommt, nach einer weiteren halben Stunden endlich Ruhe ist, so dass die Gruppe gegen 21.30 Uhr wieder aufbrechen kann, ist es mit dem Schlafen endgültig vorbei. Eigentlich wollte ich gegen 0.00 Uhr aufstehen und mich dann auf den Weg machen. Spontan habe ich meinen Plan geändert und mache mich um 23.00 Uhr fertig und marschiere um 23.30 Uhr von der Hütte Richtung Gipfel. Bevor ich mich nur im Bett rumwälze, kann ich auch loslaufen.

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