Kahlersberg – Berchtesgadener Alpen

Ein Blick aus dem Fenster…es ist dunkel. Für 3:00 Uhr morgens ist das nicht ungewöhnlich. Die Nacht über hat es mal wieder geregnet. Auch das ist die letzten Tage nicht ungewöhnlich. Bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 92% besteht heute immer noch eine 8%-Chance, dass ich halbwegs trocken auf dem Kahlersberg im Hagengebirge ankomme. Was soll’s, jetzt wo ich wach bin, kann ich die Tour auch machen.
Um 4 Uhr steige ich aus dem Auto am Parkplatz Hinterbrand auf Höhe der Jennerbahn-Mittelstation. Mittlerweile hat es auch angefangen zu regnen, also Regenjacke an und zur Sicherheit noch eine lange Laufhose unter die kurze Hose ziehen und dann geht es auch schon los.

Vorbei an der Mittelstation geht es zunächst Richtung Königsbachalm und dann oberhalb der Alm weiter durch das Priesberger Moos zur Priesbergalm. Immer wieder hört es mal auf zu regnen, aber bevor ich auch nur daran denken kann die Regenjacke auszuziehen regnet es wieder weiter. Der Nebel und die Wolken werden dichter und es lässt sich nur erahnen, welche Aussicht auf die umliegenden Berg mir gerade entgeht.
Nach der Priesbergalm zweigt der Weg nach rechts über den Unteren Hirschenlauf zur Gotzenalm ab und geradeaus führt er weiter zum Seeleinsee.

Jetzt wird es etwas steiniger und durch das feuchte Wetter auch matschiger und rutschiger. Der Pfad zieht sich durch diesen Geländeeinschnitt in moderater Steigung nach oben. Ein paar blaue Flecken am Himmel lassen neue Hoffnung aufkeimen, eventuell doch noch eine gute Aussicht auf dem Gipfel zu haben. Es muss ja kein strahlend blauer Himmel sein, aber etwas Fernsicht wäre schon fein. Schnell ziehen aber wieder neue Wolken auf und das triste grau mit leichtem Regen dominiert wieder den Himmel.
Einziger Lichtblick sind ein paar Gämsen die man immer wieder in den Felsblöcken umherspringen sieht.

An der Abzweigung oberhalb des Seeleinsees geht es rechts weiter über das Hochgschirr Richtung Kahlersberg. Sicherlich könnte man den Gipfel schon sehen, wenn das Wetter mitspielen würde. Nach wenigen Minuten verlasse ich den Weg, der im Hochgschirr weiter nach unten führt nach links und folge dem Aufstieg zum Kahlersberg. Knapp zwei Stunden bin ich nun unterwegs, ich fühle mich topfit, aber bin mittlerweile leicht durchgefroren und meine Klamotten sind alles, nur nicht trocken. Aber jetzt wo ich schon hier bin kommt umdrehen nicht in Frage. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung…irgendwie wird das schon werden und vielleicht ist das Wetter auf dem Gipfel ja besser. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Über den Mauslochsteig geht es nun immer bergauf. Zunächst über ein Geröllfeld und anschließend etwas ausgesetzt entlang der Wand. Bei Nebel ist gerade im unteren Teil die Orientierung nicht immer einfach, aber durchaus ohne größere Umwege zu meistern. Im mittleren Bereich folgen dann ein paar ausgesetztere Stellen, die aber alle mit Stahlseilen gesichert sind. Wäre der Nebel nicht, hätte man hier bestimmt herrliche Tiefblicke auf das Hochgschirr.

Das letzte Stück des Aufstiegs verläuft auf der grünen Flanke des Berges unproblematisch, aber durchaus steil, über Wiesen. Spätestens hier könnte man sicherlich Steinböcke zu Gesicht bekommen, aber bei diesem Wetter, sind sie garantiert irgendwo im Trockenen oder dort wo es etwas gemütlicher ist. Der Wind bläst inzwischen sehr stark und der Regen ist auch heftiger geworden.
Als ich um 7:00 Uhr, drei Stunden nach meinem Aufbruch am Parkplatz, auf dem 2350m hohen Gipfel ankomme, steht fest:
1. Ich komme wieder, aber dann bei besserem Wetter.
2. Foto und runter

Der Wind pfeift immer stärker, aber je weiter ich nach unten komme, desto ruhiger wird er und desto weniger wird der Regen. Kurz reist es sogar einmal auf und man kann einen kurzen Blick hinunter ins Hochgschirr werfen.

Bei Nässe und Kälte sind die Stahlseile ohne Handschuhe nicht wirklich angenehm, aber da man aufgrund des feuchten Untergrundes etwas vorsichtiger sein sollte, nutze ich sie natürlich trotzdem. Die Finger werden schon irgendwann wieder warm.
Am Ende des Abstiegs geht es dann auf dem gleichen Weg wieder zurück. Jetzt lasse ich es noch mal laufen und hole mir mein Sonntags-Trail-Erlebniss. Ich habe die Schuhe und den leichten Rucksack ja nicht umsonst angezogen.

Eine Wandergruppe auf dem Parkplatz Hinterbrand schaut etwas komisch, als ich um 9:00 Uhr auf den Parkplatz schieße, ins Auto einsteige und nach Hause fahre, während sie sich gerade die Wanderschuhe anziehen und ihre Tour beginnen.
Eine tolle Tour die ich bei besserem Wetter auf jeden Fall wiederhole. Der Aufstieg zum Kahlersberg ist nicht sonderlich schwierig und erfordert nur an wenigen Stellen etwas Schwindelfreiheit. Alternativ kann man über den Schneibstein den Abstieg etwas erweitern und mit einer Einkehr im Carl-von-Stahl-Haus die Tour abrunden.

5 Gedanken zu „Kahlersberg – Berchtesgadener Alpen“

  1. Habe mit Interesse diesen Bericht gelesen und würde auch gerne mal zum Kahlersberg gehen, um Steinböcke zu fotografieren. Das bedeutet einige Kilo Kamera, Tele, Stativ etc.
    Und wenn man schon kurz vor 70 ist, sollte der Weg nicht zu schwierig und zu lang sein.
    Könnten Sie mir da mit Tipps helfen? Würde mich sehr freuen.
    Es grüßt Naturfotograf Alfred Krappel, Ismaning, T. 0171 716 8876

    1. Hallo Alfred,

      auf den Kahlersberg führt eigentlich nur ein bezeichneter Weg. Dieser geht von der Mittelstation (Parkplatz Hinterbrand) zur Priesbergalm und durch den Stiergraben zum Hochgschirr, oberhalb des Seeleinsees. Ab hier beginnt der schwierigere Weg auf den Kahlerberg, der nun wesentlich steiler und an manchen Stellen mit Drahtseilen gesichert, auf den Gipfel führt. Bis zur Priesbergalm führt der Weg auf Wanderwegen, mit moderater Steigung und ab der Priesbergalm wird er durch den Stiergraben etwas steiler und steiniger. Der „schwierigste“ Teil ist sicherlich der Anstieg ab dem Hochgschirr zum Gipfel.

      Wesentlich einfacher wäre eine Besteigung des Schneibstein. Auch hier hat man, gerade in den Morgenstunden, sehr gute Chancen Steinböcke zu sehen. Erleichtert wird der Aufstieg mit der Fahrt der Jennerbahn bis zu Bergstation. Von dort geht es weiter zum Carl-von-Stahl-Haus und ab hier, auf mäßig schwierigen Pfaden, gut markiert, auf den Gipfel des Schneibstein.
      Das Carl-von-Stahl-Haus hat an 364 Tagen im Jahr geöffnet. Man könnte also auch bis hier aufsteigen, auf dem Haus übernachten und dann früh morgens zum Gipfel aufbrechen.
      Mit etwas Glück ist die Tour auf Schneibstein und/oder auf Kahlersberg bis Mitte November machbar.

      Geschätzte Dauer:
      Hinterbrand – Kahlersberg 4-5 Stunden
      Jenner Bergstation – Schneibstein 2-3 Stunden

      Viele Grüße

      Steve

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.