Trailrun auf den Kehlstein

Die wenigsten Leute stehen morgens um 5:00 Uhr auf und starten Richtung Kehlstein, außer sie haben eine mehrstündige Anfahrt vor sich…
…oder sie wollen zu Fuß hoch und oben die Ruhe vor dem großen Ansturm genießen.
Zu Fuß auf den Kehlstein? Da fährt doch ein Bus hoch und die Straße ist logischerweise für Fußgänger gesperrt. Es gibt aber einen sehr interessanten Trail der auf den Gipfel des Kehlstein führt. Trailrunning und Kehlstein klingt im ersten Moment so unterschiedlich wie Feuer und Wasser oder hell und dunkel. Joachim Burghardt beschreibt in seinem Buch einen sehr interessanten Weg, der das Zeug zum Erlebnis-Trail hat.
Los geht es am Restaurant Sonneck in der Nähe des Parkplatzes an der Kehlstein-Busstation. Nach wenigen Metern entlang der Straße beginnt der Pfad, der zunächst noch schön gemütlich und gut erkennbar durch den Wald führt.

Schnell wird klar, dass dieser Weg nicht sehr oft begangen wird, denn je weiter man nach oben kommt, desto mehr Graß überwuchert den ausgetreten Pfad. Markierungen sucht man hier vergebens. Lediglich die gute Beschreibung aus dem Buch verrät mir wie es weiter geht.
Nach einigen Höhenmetern geht es auf einem schmalen, asphaltierten Fahrweg weiter bergauf. Man quert kurz die Kehlsteinstraße und folgt dem Fahrweg weiter, bergauf durch den Wald. An einer größeren Wendeschleife angekommen wird der Fahrweg endlich wieder zum Trail.

Der Wald ruft und es geht zunächst auf weichem Waldboden, mit Wurzeln und Steinen durchsetzt, stetig bergauf. Auch hier gibt es keine Markierungen, aber der Weg ist gut erkennbar. Nach dem Waldstück kommt man in den Bereich der verfallenen Unteren Kehlalm. Hier ist der Weg nur noch sehr schwer zu erkennen und man folgt eigentlich nur einer schmalen Spur im teilweise brusthohen Gras. Definitiv ein sehr interessanter Weg, der den Läufer mitten in die Natur schleudert.

Es geht weiter bergauf, immer wieder durch kurze Waldstücke und dann wieder über verwucherte Almwiesen. Mal ist der Weg gut zu erkennen und an manchen Stellen lässt er sich nur grob erahnen. Im Zweifelsfall immer nach oben.
Es gibt sogar Gämsen am Kehlstein. Der „Bustourist“ bekommt sie nicht zu Gesicht, der einsame Trailrunner schon.

Irgendwann taucht dann auch schon das Kehlsteinhaus auf und es sind nur noch wenige Höhenmeter, über den Kehlriedl und die Obere Kehlalm, zum Wendeplatz der Busse unterhalb des Kehlsteinhauses.

Gerade im letzten Abschnitt vor dem Wendeplatz wird es noch einmal etwas steiler und das hüfthohe, feuchte Gras sorgt für einen sehr rutschigen Untergrund.

Der Trail endet direkt unterhalb der Wendeplatte. Nachdem ich die asphaltierten Serpentinen zum Kehlsteinhaus hinter mir gelassen habe, stehe ich um 7:15 Uhr auf dem Gipfel. Normalerweise tummeln sich hier am Tag unzählige Menschen, aber jetzt bin ich alleine und genieße die Ruhe.

Mit dem allerersten Bus, der die Angestellten der Gaststätte nach oben bringt, kommen auch die ersten Wanderer die sich auf den Weg über den Mannlsteig zum Hohen Göll machen.

Irgendwann ist es dann soweit und die ersten Touristen tauchen auf. Es dauert natürlich ein bisschen bis sie die letzten Meter vom Kehlsteinhaus bis zum Gipfel überwunden haben, aber irgendwann tauchen auch die ersten in meiner Nähe auf und vorbei ist es mit der Ruhe auf meinem kleinen Felsen.

Gegen 9:30 Uhr beschließe ich dann meine Sache wieder zusammenzupacken und mich auf den Weg nach unten zu machen. Knapp zwei Stunden hatte ich meine Ruhe und jetzt räume ich das Feld.
Der Downhill wird noch einmal sehr interessant. Gerade der erste Teil unterhalb der Wendeplatte ist sehr rutschig und bringt meine Schuhe an die „Grip-Grenze“. Ein Ausrutscher und zack…ich hänge mit beiden Beinen in den Brennnesseln, die auch drei Stunden später noch brennen. Die haben wohl die volle Ladung die sich über Monate aufgestaut hat auf einmal abgegeben. Nach diesem steilen Stück, das sich nicht besonders schnell laufen lässt, beginnt endlich der „Bilderbuch-Downhill“.

Mal flach durch hohes Gras und dann wieder steil durch den Wald nach unten. Einfach herrlich und ursprünglich; so muss es sein. Der asphaltierte Fahrweg und dann das letzte Stück Trailerlebnis bis zum Auto. Einfach wunderbar.
Ein sehr interessanter und ruhiger Trail, der den Kehlstein von einer vollkommen anderen Seite zeigt. Der Weg ist nicht markiert, aber mit etwas Orientierungssinn findet man sich sehr gut zurecht. Beim Abstieg gibt es eine Alternative von der Wendeplatte über den Dalsenwinkel bis zur unteren Kehlalm. So spart man sich das steile Stück am Anfang.
Aufstieg 70 Minuten, Abstieg 45 Minuten.

2 Gedanken zu „Trailrun auf den Kehlstein“

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