Trailrun auf die Schärtenspitze

Wie schon bei meiner Tour auf den Hochkalter vor fast einem Jahr, so startet auch die heutige Tour am Parkplatz Seeklause, am Hintersee bei Ramsau.
Mit 2153m ist die Schärtenspitze fast 500m niedriger als der große Nachbar, aber dafür ist hier auch wesentlich weniger los, obwohl sich eine Tour auf den Gipfel allemal lohnt. Neben dem Normalweg den ich für heute ins Auge gefasst habe, gibt es auch noch diverse Kletterrouten die auf die Schärtenspitze und die anderen Gipfel in der Umgebung der Blaueishütte führen.
Der Weg führt mich zunächst auf der Forststraße, dann auf einem schmalen Weg, der nach wenigen Minuten wieder auf die Forststraße führt, Richtung Schärtenalm und Blaueishütte. Durch die Bauarbeiten die hier zurzeit in vollem Gange sind, werde ich nach einiger Zeit auf einen schmalen ausgetreten Pfad aufmerksam, der nach rechts in den Wald abzweigt. Über diesen Weg werden die Wanderer und Bergsteiger umgeleitet, sofern die Forststraße wegen der Bauarbeiten gesperrt werden muss. Dieser Weg kommt wie gerufen und bietet etwas Abwechslung zum Aufstieg über die Forststraße.

Zwar ist er stellenweise etwas rutschig und wesentlich steiler als der Normalweg, aber macht dafür auch mehr Spaß. Oberhalb der Schärtenalm treffe ich wieder auf die Forststraße, die mich die letzten Meter bis zum Materiallift der Blaueishütte führt.

Der nördlichste Alpengletscher ist schon in Sicht und es wieder einmal erschreckend wie er Jahr für Jahr kleiner wird.
An der Seilbahn zweigt der Weg nach links ab und führt auf einem schmalen, steinigen Pfad die letzten Höhenmeter bis zur Blaueishütte, die ich nach insgesamt 1 Stunde und 10 Minuten erreiche.
Obwohl ich immer wieder Pausen eingelegt habe, denn heute filme ich meinen Trailrun und versuche ein Video daraus zu basteln, bin ich sehr flott unterwegs gewesen und gönne mir jetzt erst einmal eine Pause, mit Kaffee und Apfelschorle.
Danach geht es weiter Richtung Schärtenspitze. Zunächst folge ich dem Aufstiegsweg zum Hochkalter Richtung Blaueisgletscher, bis sich unterhalb des Gletschers der Weg teilt. Nach rechts geht es weiter zum Hochkalter und nach links zweigt der Weg zu meinem heutigen Gipfelziel ab.

Jetzt wird es etwas anspruchsvoller und ich nehme etwas Tempo heraus. Der Normalweg vom Wandsockel auf den Gipfel ist an den schwierigen Stellen mit Stahlseilen versichert. Trittsicher und schwindelfrei sollte man trotzdem sein, denn das Gelände fällt stellenweise steil Richtung Blaueis ab.

Unterhalb des Gipfels erreiche ich den Grat und erste Blicke auf die andere Seite, hinüber zum Hohen Göll und nach Österreich, werden frei.

Nach wenigen Metern erreiche ich schließlich über eine letzte versicherte Kletterstelle den ausgesetzten Gipfel der Schärtenspitze. 55 Minuten dauerte der Aufstieg von der Blaueishütte. Ein absolut lohnendes Ziel wenn man mal auf der Hütte ist. Nicht so anstrengend und schwierig wie der Hochkalter und die Aussicht kann sich auch sehen lassen.
Watzmann, Schönfeldspitze und Großer Hundstod reihen sich aneinander.

Ich erinnere mich zurück an diese Touren, die alle noch nicht lange hinter mir liegen. Genial.

Genug geträumt, jetzt geht es an den Abstieg/Downhill.
Vom Gipfel geht es nun wieder ein paar Meter auf dem Aufstiegsweg zurück, bevor der Weg über den Grat hinüber zur Eisbodenscharte abzweigt. Der Gratverlauf ist gut zu erkennen und an einigen markanten Stellen mit Stahlseilen versichert. Stellenweise gibt es auch immer wieder flache, einfache Passagen die sich sehr gut laufen lassen. Downhill am Grat; mal etwas anderes.

An der Eisbodenscharte angekommen geht es über den versicherten Steig durch eine brüchige Felsrinne nach unten.

Erinnert ein bisschen an den Abstieg von der Watzmann-Südspitze, nur bei weitem nicht so lang und anstrengend. Nach ein paar kurzen Kletterstellen wird das Gelände wieder flacher und der Weg führt, stellenweise mit kurzen Geröllfeldabfahrten, hinunter zur Hochalm.

An der Hochalm vorbei geht es in flotter Downhill-Manier weiter zur verfallenen Mitterkaser. Hier zweigt ein schmaler, nicht allzu oft begangener Pfad nach links ab und führt größtenteils flach, mit kurzen moderaten Steigungen und Gefällen, hinüber zur Schärtenalm.

Das sind Trails wie ich sie liebe. Zwar könnte er noch etwas steiler sein um den Downhill noch etwas auskosten zu können, aber dafür ist er sehr schmal, fällt nach rechts teilweise steil ab, bietet weichen Untergrund und sieht einfach nur urtümlich aus. Genial.
Doch auch dieser Trail ist irgendwann zu Ende und so spuckt er mich kurz unterhalb der Schärtenalm wieder auf die Forststraße. Von hier geht es nun die letzten 500 Höhenmeter hinunter zum Parkplatz.
Mit 1 Stunde und 40 Minuten war der Downhill, trotz der versicherten Stellen am Anfang und der teilweise ausgesetzten Stellen am Grat, ziemlich flott. Wenn man einmal seinen Rhythmus gefunden hat, dann merkt man nicht, wie schnell man teilweise unterwegs ist.
Eine sehr gelungene Tour. Auch wenn sich nicht alle Passagen laufen lassen, so überwiegen doch die tollen Trailrun-Erlebnisse auf einsamen Trails und über unbekannte Pfade. Die Schärtenspitze ist auf jeden Fall einen Besuch wert, nicht zuletzt, da sie von der Blaueishütte in relativ kurzer Zeit erreichbar ist.

7 Gedanken zu „Trailrun auf die Schärtenspitze“

  1. Hi Steve

    Bin über Sebastian und Ralf hier auf deiner Seite gelandet. Auch mal interessant die Bergwelt aus deiner Sicht zu erleben :-). Aber wenn ich deine Zeiten sehe, da denke ich immer man bekommt nen Herzkasper bei der Geschwindigkeit und dem steilen Gelände. Bin auch oft im BgL, aber weitaus ruhiger.
    Ich war letztes Jahr im November auch mal oben an der Blauseishütte im Schnee. Habe da hin und zurück über nen halben Tag dran rum gemacht. Und wenn man dann deine Laufzeiten sieht, (knapp über ne Std.) da kann man nur sagen Respekt. Der Forstweg zieht sich dermaßen und soooo steil.Wäre mir zu Krass in so nem Tempo ;-).Video hier von fand ich aber auch ganz ok. Weiter so…

    1. Servus und willkommen,

      danke für deinen Kommentar. Der Trailrunning-Virus packt nicht jeden, aber wenn er dich hat, dann lässt er dich nicht mehr los.
      Die Hauptsache ist aber, und da ist egal ob Trailrunner oder Wanderer, dass man Spaß an der Sache hat! 😉
      Der Rest ist Wurscht und ergibt sich von ganz alleine!

      Viele Grüße

      Steve

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