Interview mit Steve House

You can find an English version below the German

Jeder war schon einmal im Kino. Sicherlich war auch schon einmal jeder in einer ausverkauften Vorstellung.
Wenn sich der amerikanische Extrembergsteiger Steve House zu einem Vortrag ankündigt, dann kann es auch mal vorkommen, dass die Sitzplätze in einem Kinosaal nicht ausreichen. Aber es gibt ja noch Stehplätze; auch im Kino.


So war es auch am Freitagabend (25.11.2011) während dem 18. Berfilmfestival Salzburg im „Das Kino“.
Steve House, der bekannt ist für seinen leichten, sauberen und schnellen Stil, und der für die Besteigung des Nanga Parbat durch die Rupalwand im Alpinstil mit seinem Kletterpartner Vince Anderson, 2005 den Piolet d’Or, den „Oscar des Bergsteigens“ erhalten hat, füllte den Saal und begeisterte die Zuhörer.
Steve House ist anders. Sein Stil am Berg ist anders und auch seine Art Vorträge zu halten ist anders.
Es gibt keine hochauflösenden Fotos mit dramatischer musikalischer Untermalung oder rasanten Videosequenzen. “Je einfacher du die Dinge gestaltest, umso intensiver wird das Erlebnis.” Diese Einstellung überträgt Steve auch auf seine Vorträge. Er zeigt Bilder aus seiner frühen Jugend, von seinen ersten Touren mit den slowenischen Alpinisten und von den Touren mit seinen Freunden. Die Fotos verdeutlichen seine Ausführungen und man wird auf eine Reise mitgenommen. Eine Reise durch die Zeit, nach Nordamerika, Kanada, in die Rocky Mountains, zum Denali, nach Europa, in den Himalaya und den Karakorum.
Sein Stil ist sein Markenzeichen. Am K7 gelingt ihm eine Erstbegehung auf einer neuen Route durch die Südwestwand – solo. Ein Jahr später durchsteigt er mit Vince Anderson die Rupalwand am Nanga Parbat im Alpinstil. Keine Träger, keine Hochlager, extrem leichtes Gepäck.
Von dieser Tour gibt es ein beeindruckendes Foto; Steves Lieblingsfoto: Steve hat es mit der Kamera von Vince fotografiert, mit einem infrarot schwarz/weiß Film, und es zeigt Vince auf dem Gipfel in einer Pose die Bände spricht. Dieses Foto spiegelt die gesamte Tour wieder, mit allen Höhen und Tiefen und es stecken unendlich viele Emotionen darin.

Nach dem Nanga Parbat folgten weitere Erstbesteigungen und Neuerschließungen von Routen. Für 2010 war eine Rückkehr zum K2 geplant. Bei einer Tour am Mount Temple in Alaska, am 25. März 2010, stürzte Steve im Vorstieg und zog sich lebensbedrohliche Verletzungen zu. An 20 Stellen waren seine Rippen gebrochen, seine rechte Lunge kollabierte, er brach sich das Becken an zwei Stellen und brach sich mehrere Wirbel der Wirbelsäule. Zwei Wochen lag er im Krankenhaus und mehrere Monate dauerten die Rhea Maßnahmen. Mit kontinuierlichem Training baute er nach und nach seine Form wieder auf. Wann und ob er wieder an den K2 zurückkehrt weiß er noch nicht. Zurzeit schreibt er an seinem zweiten Buch, arbeitet an vielen Projekten und genießt die Zeit mit seiner Frau Eva. Standesgemäß machte er ihr auf dem Gipfel des Mera Peak einen Heiratsantrag und dieses Jahr gaben sie sich das Jawort.
Eva ist Kärntnerin und dolmetschte während dem Vortrag von Steve. Sie übersetzte den gesamten Vortrag und die Fragen des Publikums die im Anschluss gestellt wurden und von Steve ausführlich beantwortet wurden.

Zeitlich ließ sich leider kein persönliches Interview mit Steve realisieren. Wir hatten allerdings im Vorfeld Kontakt per Email und während seinem Vortrag kurz Zeit für einen Smalltalk. Steve bot mir an, dass ich ihm meine Fragen per Email zusenden könne und er sie mir beantwortet.
Gesagt getan, hier sind sie:


Reinhold Messner bezeichnet dich als den derzeit besten Höhenbergsteiger der Welt. Was denkst du über diese Aussage des größten Bergsteigers aller Zeiten?
Es ist natürlich eine große Ehre von Reinhold Messner, einem meiner Kletter-Idole, dafür ausgewählt zu werden, aber es vermittelt eine Nachricht, die nicht in Einklang mit einer Einstellung zum Klettern zu bringen ist. Ich halte die Aussage, der „beste“ Kletterer zu sein eher für subjektiv. Ich betrachte mich nicht als „Höhenbergsteiger“, ich halte mich einfach für einen Alpinisten. Ich bin genauso an schwierigen Routen an 4000ern interessiert, wie ich an schwierigen Routen an 8000ern interessiert bin. In der Tat bin ich in gewisser Weise besonders auf meinen Kletterrekord in den Kanadischen Rocky Mountains stolz, von denen keiner die 4000m erreicht. Mein Klettern in Alaska ist einzigartig, als Teil einer kleinen Gruppe, die die Idee, lange technische Routen im single-push-Stil ohne Biwakausrüstung, fördert. Schwere, große Routen in kurzer Zeit.


“Je einfacher du die Dinge gestaltest, umso intensiver wird das Erlebnis.” Kannst du uns eine kurze Beschreibung, deiner Art zu Klettern, geben?
Ich denke, das ist eine Charakteristik meiner Art zu klettern. Ich, wie viele andere, klettere nicht um eine Liste zu vervollständigen oder eine spezielle Route „abzuhaken“. Für mich ist das Klettern eine Erfahrung. Klettern hilft mir mich kennen zu lernen, meine Partner, meine Welt. Klettern verändert dich, verwandelt dich, in jeder Hinsicht. Der beste Weg die Wahrheit über sich selbst und sein eigenes Ich zu finden, aus meiner eigenen Erfahrung, ist es, so viele Dinge wie möglich zu vereinfachen.


In deinem Buch „Jenseits des Berges“ beschreibst du, dass du Nichts gefühlt hast, als du nach deiner Solobegehung der Südwestwand des K7 den Gipfel erreicht hast. War es aufgrund der großen Anstrengung oder bist du in ein schwarzes Loch gefallen, weil du wusstest, dass du in diesem Moment alles erreicht hast, was du erreichen wolltest?
Ja, genau Dies, und weil ich erschöpft war; sowohl emotional als auch körperlich. Diese Tour hat sehr viel von mir abverlangt.


Gab es Momente in denen du dich gefragt hast, warum du das alles machst? Momente in denen du mit dem Bergsteigen aufhören wolltest.
Ich habe nie daran gedacht mit dem Klettern aufzuhören. Ich bin ein Kletterer und ich denke, ich werde immer klettern. Wenn ich einen schlechten Tag habe, hilft mir das Klettern mich besser zu fühlen. Warum sollte ich jemals damit aufhören so etwas zu tun? Die Frage warum oder woher meine Motivation dazu kommt, kann man glaube ich nicht beantworten. Wenn du denkst du weißt es, liegst du wahrscheinlich ohnehin falsch. Ich achte auf meine Motivations-höhe- und –tiefpunkte und denke, dass sie sehr eng mit meinen physischen und psychischen Kapazitäten, zu diesem Zeitpunk, übereinstimmen. Die Touren die wir machen, sollten von anderen als Ausprägungsform unserer selbst gesehen werden. Ich war der Mann, der die Rupalwand klettern kann, bevor ich sie tatsächlich geklettert bin. Die Tour war die Erkenntnis. Eine wichtige Erkenntnis, aber der physische Akt folgt nur, wenn sich die Person bereits selbst darauf vorbereitet hat. Das ist eine Wahrheit die sich über das Klettern hinaus erstreckt.


Ist der 25. März 2010 dein zweiter Geburtstag?
Nein, es war ein Tag an dem ich fast gestorben wäre.


Wie sehr wurdest du von deinem Vater und den Bergsteigern in Slowenien geprägt?
Meine alpinistischen Ideale kommen direkt von den slowenischen Alpinisten, welche auf einer Liste erstaunlicher Erfolge basieren, vor allem in den Bereichen des „reinen Alpinstils“. Nimmt man zum Beispiel den wenig bekannten Besteigungsversuch der Dhaulagiri Südwand 1981 von Stane Belak-Srauf und drei weiteren Bergsteigern. Sie kletterten durch die Wand bis auf 7950m, ertrugen vier offene Biwaks (ohne Zelt) und sind auf der anderen Seite des Berges abgestiegen. Das war nur drei Jahre nachdem Reinhold Messner und Peter Habeler zum ersten Mal einen niedrigeren 8000er im Alpinstil über eine relativ einfache Route bestiegen haben. Das sind die slowenischen „Lagerfeuergeschichten“. Sie waren so „unweltlich“, so „Super-Man“ und in Fällen wie dem Dhaulagiri-Versuch 1981, wirklich visionär, dass dies die Geschichten waren, die meine Vorstellungskraft mehr als alles andere verändert haben. Slowenisches Klettern ist seit jeher zu einem wichtigen Prüfstein, einem bedeutenden Bezugsrahmen für mich geworden. Seit meiner Zeit dort, von 1988-1989, folge ich dem Tun der slowenischen Kletterer. Ich habe auch ihre Geschichte gelernt. Dies gab mir Vorbilder und Helden außerhalb des amerikanischen Kletterns welches scharf trennt, zwischen Kletterern und 8000er-Sammlern, mit ganz wenig Raum für den klassischen Alpinismus.


Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Wie ich in Salzburg erwähnt habe, habe ich eine Reihe von Zielen. Natürlich werde ich weiter klettern, aber im Laufe der Zeit merke ich, dass ich gut klettere und dazu eine gesunde Beziehung mit meiner Familie in Einklang bringen kann und noch Zeit habe für andere Sachen.
Zurzeit bin ich an drei Projekten, die alle darauf ausgerichtet sind der Kletter-Gemeinschaft etwas zurückzugeben.
Das Erste ist die „Baltistan Education Foundation“ welche ich mit mehreren Freunden gegründet habe. Die „Baltistan Education Foundation“ bietet ambitionierten und talentierten Studenten aus Baltistan (Region im Karakorum/Pakistan) finanzielle Unterstützung. Zurzeit tragen unsere Bemühungen zur Hilfe vieler Stundenten bei. Mehr Informationen findet man unter: http://www.stevehouse.net/Site/Baltistan_Education_Foundation.html
Ich starte auch „Alpine Mentors“, was den jungen Alpinisten-Teams in Deutschland, Frankreich, Spanien und anderen Ländern ähnelt. Mein Programm wird unabhängig sein, offen für alle Nationalitäten und es legt den Schwerpunkt darauf, starken, jungen Kletterern zu helfen, sich zu den besten Alpinisten zu entwickeln die sie werden können. Mehr Informationen findet man hier: http://www.stevehouse.net/Site/Alpine_Mentors.html
Ab 2012 wird es eine eigene Webseite dafür geben.
Schließlich arbeite ich zurzeit an einem Buch mit, mit dem Titel „Training for Alpine Climbing“, welches in den USA voraussichtlich im Frühjahr 2013 erscheint und für die zukünftigen Kletterer hoffentlich eine großartige Quelle wird.

http://www.stevehouse.net




Everyone was once in a cinema. Surely even once everyone was in a sold-out show. When the American climber Steve House announces a talk, then it can also happen that the seats are not enough in a cinema. But there are still standing; even in the cinema.
So it was on Friday evening (2011/11/25) during the “18. Berfilmfestival Salzburg“ in “Das Kino“.
Steve House, who is known for his light, clean and fast style, and who won the Piolet d’Or for the ascent of Nanga Parbat through the Rupal Face in alpine style with his climbing partner Vince Anderson, filled the hall and delighted the audience.
Steve House is different. His climbing style is different and also his way to hold talks is different.
There are no high-resolution photos with dramatic background music, or rapid video sequences. “The simpler you make things, the richer the experience becomes.“ This attitude carries Steve over to his talks. He shows pictures from his early youth, from his first tours with the Slovenian alpinists and from tours with his friends. The photos illustrate his remarks and one is taken on a journey. A journey through time, to North America, Canada, in the Rocky Mountains, the Denali, to Europe, the Himalayas and the Karakorum.

His style is his trademark. He manages a first ascent of route on K7 through Southwest Face – solo. A year later, he rises through the Rupal face on Nanga Parbat with Vince Anderson in alpine style. No support, no high camps, lightweight luggage.
From this tour, there is an impressive photo; Steve’s favorite photo. Steve has photographed it with the camera by Vince, with an infrared black/white film, and it shows Vince on the top in a pose that speaks volumes. This photo reflects the entire tour again, with all its ups and downs and it put an infinite number of emotions in it.
After Nanga Parbat was followed by other first ascents and new routes. A return to K2 was scheduled for 2010. During a tour on Mount Temple in Alaska on March 25, 2010, Steve fell while lead climbing and drew life-threatening injuries. On 20 places his ribs were broken, his right lung collapsed, he fractured his pelvis in two places, and broke several vertebrae of the spine. He had to stay in hospital for two weeks, and the the Rhea measures lasted several months. With continuous training, he gradually built up his form again. He does not know yet when and if he returns to the K2. He is currently writing his second book, working on many projects, and enjoys the time with his wife Eva. Befitting he asked her on the summit of Mera Peak whether she wants to marry him and this year they gave themselves their wedding vow.
Eva is from Carinthia. She translated the entire talk and also the questions from the audience which were asked at the end and were answered by Steve in detail.

Unfortunately I could not realize in time a personal interview with Steve. However, we had prior contact by email and during his talk short time for small talk. Steve offered me that I could send him my questions via email and he answered them.
No sooner said than done, here they are:


Reinhold Messner called you “the best high-altitude climber in the world today”. What do you think about this statement of “the greatest climber in history”?
It is of course a great honor to be singled out by Reinhold Messner who is one of my climbing idols, but it implies a message that is not consistent with my attitude towards any kind of climbing. I find the idea of the ‚best‘ in climbing to be very subjective. I don’t consider myself as a „high-altitude climber“, I consider myself simply an alpinist. I am as interested in difficult routes on 4,000 meter peaks as I am on 8,000ers. In fact, in some ways I am most proud of my climbing record in the Canadian Rockies, none of which even reach 4,000 meters. My climbing in Alaska is unique as was part of a small group who really pushed the idea of climbing long technical routes in a single-push with no bivouac equipment. Hard, big routes in fast times.


“The simpler you make things, the richer the experience becomes.“ Could you give us a short description of your way to climb?
I think that is a description of my way of climbing. I, as many others, do not climb to complete a list or „do“ a route. I engage climbing for an experience. Climbing helps me know myself, my partners, my world. Climbing changes you, transforms you, in every way. The best way to come closer to the truth of yourself, in my own experience, is to simplify as much as possible.


In your book “Beyond the Mountain“ you describe how you felt, reaching the peak of K7 after your solo ascent through the southwest face. You felt nothing. Was it due to the large effort or have you fallen into a black hole because you knew that you’ve accomplished everything you want to accomplish at this moment.
Yes, that, and because I was exhausted emotionally as well as physically. That climb asked a lot of me.


Were there moments where you wondered why you do these things? Moments where you wanted to quit climbing.
I never thought about quitting climbing. I am a climber, and I believe I’ll always climb. If I’m having a bad day, climbing makes me feel better. Why would I ever stop doing something like that? As for wondering why, or where my motivation comes from, I don’t think we can know that. Or if you think you know that, you’re probably wrong anyways. I do pay attention to the ebb and flow of my motivations, and find that they are very closely tied to my physical and mental capacities at the time. The climbs we do should be seen by others as manifestations of who we already are. I was the man who could climb the Rupal Face before I actually climbed it. The climb was a realization. An important one, for certain, but the physical act follows only if the person has already done the work of preparing themselves. This is a truth that extends beyond climbing.


Is March 25, 2010, your second birthday?
No, it was a day I nearly died.


How much were you influenced by your father and the Slovenian climbers?
My ideals of alpinism come directly from Slovenian Alpinism, which is host to an astounding list of achievements, especially in the realm of pure alpine style. Take the little known near-ascent of Dhulaghiri’s south face in 1981 by Stane Belak-Srauf and three others. They climbed that wall to 7,950 meters, endured 4 open bivouacs (no tents) and descended the other side of the mountain. This was only 3 years after Messner and Habler first climbed (a lower) 8,000er in alpine style by a relatively easy route. These were the stories told around the proverbial campfire in Slovenia. They were so other-worldly, so super-man, and in cases such as the 1981 Dhulaghiri attempt, truly visionary, that these were the stories that captured my imagination more than any others. Slovenian climbing has always been a major touchstone, an important frame of reference for me. Since my time there in 1988-89 I always follow what they are doing. I also learned their history. This gave me role models and heroes outside of American climbing which is sharply divided between rock climbers and collectors of 8,000ers with little room for classical alpinism.


What are your goals for the future?
As I described in Salzburg, I have a number of goals. Of course I will keep climbing, but I find that as I mature I can still climb well and balance a healthy relationship with my family and do other things. I am currently developing three different projects, all designed to give back something to the climbing community. The first is the Baltistan Education Foundation which I founded with several friends. The Baltistan Education Foundation provides financial support to ambitious and talented students originating in Baltistan, the region of Pakistan where the Karakoram mountains lie. Currently our efforts help to support many students; more information can be found here: http://www.stevehouse.net/Site/Baltistan_Education_Foundation.html
I am also starting Alpine Mentors, which is similar to the young-alpinists teams that exist in Germany, France, Spain and other countries. My program will be independent, open to all nationalities, and is focused on helping strong young climbers develop to be the best alpinists they can become. More information on that page is currently here: http://www.stevehouse.net/Site/Alpine_Mentors.html
But it will have it’s own website on 1/1/12.
Lastly, I am currently co-authoring a book titled Training for Alpine Climbing that is scheduled to be published in the USA in Spring ’13 that I hope will become a great resource to the climbers of the future

http://www.stevehouse.net

5 Gedanken zu „Interview mit Steve House“

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