Rückblick, Ausblick, Danke

Draußen ist es kalt, der Glühwein schmeckt, die Menschen kommen zur Ruhe (sofern sie schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt haben) und im Fernseher laufen die Jahresrückblicke rauf und runter. Thomas Gottschalk moderierte zum letzten Mal „Wetten, dass..?“ und einen Nachfolger gibt es immer noch nicht. Keine Angst, ich brauche keinen Nachfolger, denn ich werde hier auch nächstes Jahr noch schreiben.
Jahresrückblick klingt eigentlich gar nicht so schlecht und auch ich möchte die Zeit nutzen und das Jahr aus meiner Sicht kurz Revue passieren lassen.

Auch wenn der Winter sicherlich nicht der beste war, so konnte ich meine zweite Saison auf Ski doch relativ gut nutzen und habe die wenigen Touren und Ausflüge auf die Piste ohne Verletzungen überstanden. Mal schauen was dieser Winter bringt: Im Moment lässt er sich noch etwas Zeit; aber es wird.

Für 2011 hatte ich mir auch wieder ein Projekt vorgenommen. 2010 war es das „Projekt Königssee“ und mit „Projekt 2890“ standen für 2011 vier Klettersteige in 24 Stunden auf dem Programm.
Gleich im Januar hatte ich die Möglichkeit mit Karl „Charly“ Gabl ein interessantes Interview zu führen, bevor mich nur wenige Wochen später endgültig der Trailrunning-Virus packte.
Wie ich genau aufs Trailrunning gestoßen bin weiß ich nicht mehr, aber spätestens nach meinem ersten Trailrunners-Runday war klar: Das ist eine absolut geniale Sache die ich öfter machen muss.

Es folgten meine ersten eigenen Trailruns und im April ging es dann auch mal wieder an den Klettersteig. Am Grünstein eröffnete ich meine Klettersteigsaison, aber schon kurze Zeit später zog es mich wieder auf die Trails, die mich vorwiegend auf die etwas unbekannteren Gipfel führten. Mit Beginn des Sommerfahrplans auf dem Königssee ging es dann auch gleich mit dem Boot bis nach Salet und von dort hinauf zur Wasseralm.

Beim Trailrunning geht es mir nie um die Zeit, sondern primär um die Eindrücke und natürlich die Möglichkeit, in einem „kurzen“ Zeitraum sehr viel zu entdecken und mitzunehmen. Zwar lässt sich der Blick auf die Uhr nie Unterdrücken und im Unterbewusstsein rechnet man auch immer die Zeiten zusammen, aber am Ende ist es letztlich doch egal wie lange man unterwegs war. Die Zeiten die man hier unter manchen Berichten findet, dienen mir lediglich als Anhalt bei der Planung für spätere Touren.
Außer am Zwiesel: Da hatte ich mir mal eine Zeit gesetzt die ich gerne laufen wollte und nachdem ich dieses Ziel Anfang Mai erreicht hatte, konnte ich dieses Kapitel auch abschließen.
Irgendwie brauchte ich neben der „Betätigung am Berg“, dem Schreiben der Tourenberichte, der Interviews und den ganzen anderen Sachen, noch eine weitere Betätigung. Durch eine Kooperation mit via-ferrata.de kamen schließlich die Ausrüstungstests hinzu. Eine tolle Beschäftigung die sich natürlich optimal mit meinen anderen Aktivitäten verbinden lässt.

Im Juni ging es dann mal wieder an den Fels. Holger und mich lockte die neue Variante am Grünstein-Klettersteig und ein Kletterfelsen am Zellersee.

Eine interessante Abwechslung, aber es dauerte nicht lange und die Kletterschuhe wurden wieder gegen die Trailrunning-Schuhe eingetauscht.
Das Trailrunning auch außerhalb der Berge möglich ist, das zeigte sich bei einem Lauf durch die Lüneburger-Heide. Das ich mich so kurz vor meinem Geburtstag noch einmal so verausgabe hätte ich nicht gedacht, aber dafür wurde ich ja einen Tag später auch belohnt.

Neben dem Trailrunning kann ich mich aber auch noch in „normaler“ Geschwindigkeit am Berg bewegen. Auch die Wander- und Bergtouren lasse ich bei all dem „Gerenne“ nicht aus den Augen. So ging es Ende Juni zunächst durchs Landtal auf die Gotzenalm und zwei Wochen später auf die Schönfeldspitze und das Große Teufelshorn.


Trotz der tollen Erlebnisse und genialen Hüttenaufenthalte, bei dem so manches Weißbier vernichtet wurde, standen die Trailruns im Vordergrund.
Wie gesagt, ist mir die Zeit bei meinen Trailruns egal und ich habe auch absolut kein Interesse an irgendwelchen Wettkämpfen und Läufen teilzunehmen, aber eine kleine Herausforderung wollte ich dann doch mal austesten. Bei „Mensch gegen Maschine“ habe ich mich mit der Jennerbahn im Downhill, von der Bergstation bis zur Mittelstation, gemessen. Ein interessantes Rennen und da ich Downhills absolut liebe, genau das Richtige für mich.

Mit etwas schweren Beinen nach dem Downhill ging es wenige Tage später nach Bologna zu Kurt Diemberger. Der Erstbesteiger von zwei 8000ern gab mir die Möglichkeit ihn zu interviewen…eine sehr interessante Sache und sehr inspirierend für meine Touren.

Auf dem Rückweg bietet sich ein Stopp in den Dolomiten an und so nahm ich die Umrundung der Drei Zinnen natürlich noch mit.

Etwas Abwechslung vom Trailrunning (ich hätte sie eigentlich nicht nötig gehabt) bot der Kombikurs Fels und Eis des DAV. 11 Tage Klettern und Gletschertouren in den Lechtaler- und Ötztaler Alpen. Jetzt habe ich mein „Bergsportspektrum“ wieder etwas erweitert.
Nach dem Kurs ging es aber auch gleich wieder, wie sollte es auch anders sein, zum Trailrunning. Der Trailrun over „The Seven Summmits of Saalbach Hinterglemm“ war wohl so etwas wie der Startschuss für die etwas längeren Läufe die im Anschluss folgten.
Wieder einmal wurde deutlich, dass die Erlebnisse bei schlechtem Wetter wesentlich intensiver sein können, als bei gutem Wetter. Alles um einen herum scheint sich auf den Moment und das Jetzt zu reduzieren. Keine große Fernsicht in die weite Bergwelt, sondern nur ein paar Meter Trail.
Einen ersten Versuch der Watzmannüberschreitung musste ich leider am Hocheck, aufgrund des Schnees abbrechen.

Eine weitere Herausforderung fand ich schon zwei Tage später bei meiner Königssee-Umrundung. Eine Mischung aus Trailrun und Speedhike.

Die Reiter Alm stand im Fokus meiner folgenden Trailruns, ein Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen den ich bis dahin sehr stiefmütterlich behandelt hatte.

Im September glückte dann auch die Watzmann-Überschreitung, gefolgt von weiteren Trailerlebnissen im Watzmann- und Hochkaltergebiet, sowie im Lattengebirge.

Ein weiteres Highlight dieses Jahr war sicherlich der Vortrag von Gerlinde Kaltenbrunner und ihrem Mann Ralf Dujmovits. Ein fantastisches Bergsteigerpaar mit einer absolut sympatischen Ausstrahlung und der richtigen Einstellung zum Bergsport.
Anfang Oktober bot das Wetter dann alles was geht. Ich erlebte sommerliche Verhältnisse im Steinernen Meer und stand eine Woche später auf dem Schneibstein hüfthoch im Schnee.
Doch das Wetter schlug noch einmal ordentlich um und ermöglichte in den folgenden Wochen grandiose Touren die um diese Zeit nur sehr selten möglich sind; zumindest in dieser Form (ohne Ski und in kurzen Klamotten).
Wer Watzmann sagt muss auch Kleiner Watzmann sagen…

…und wer den Königssee umrundet, kann auch den Watzmann umrunden.
Der Schnee meldete sich kurzzeitig zurück, entschied sich aber dann doch für eine erneute Pause und so herrschten im November immer noch grandiose Verhältnisse. Das Projekt 2890 hatte ich mittlerweile schon verschoben. Zu groß war die Begeisterung fürs Trailrunning und dadurch rückte das Klettersteig-Gehen etwas in den Hintergrund.
Mit der Umrundung des Hundstods und dem Trailrun auf der Kleinen Reibn kamen zwei weitere grandiose, lange, Trailruns dazu. Danach ging es natürlich weiter, allerdings nicht mehr auf solch langen Distanzen. Ein paar Wunschziele hatte ich noch vor Augen und irgendwie werden es auch nicht weniger.

“The simpler you make things, the richer the experience becomes.“ Steve House lebt diese Einstellung und gab mir und den Besuchern des „18. Berfilmfestival Salzburg“ einen Einblick in sein Leben und lies uns an seiner Leidenschaft teilhaben.

In der letzten Online-Ausgabe des Trail Magazins (ab Februar bekommt man die Print-Version im Abo) gelingt mir dann auch noch der Durchbruch als „Fotomodel“ 🙂

Wie geht es nun 2012 weiter? Gute Frage! Ich habe (bis jetzt) keine „größeren“ Touren geplant, aber ein paar „kleinere“ Sachen schweben mir jetzt schon durch den Kopf. Ich werde das Projekt 2890 wieder ins Auge fassen und sicherlich auf vielen Trails unterwegs sein. Es gibt ein paar Personen mit denen ich gerne ein Interview führen möchte und den ein oder anderen Ausrüstungsgegenstand werde ich auf meinen Touren sicherlich auch wieder testen können.
Es gibt also viel zu entdecken und zu erleben. Wie immer werde ich nichts erzwingen und schauen, dass das Erlebnis im Vordergrund steht.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch bei einigen Personen bedanken (ich hoffe ich vergesse niemanden).
Bei Basti und Tobi für die Unterstützung bei der Einrichtung des Blogs auf der neuen Domain und dafür, dass er meine banalen Fragen immer beantwortet habt.
Bei meinem Bruder für die grafische Gestaltung des Banners und die ganzen „Designer-Ratschläge“.
Bei Julia für die Ausrichtung der Rundays und bei allen Teilnehmern für die tollen Stunden auf den Trails.
Beim Gripmaster und Allgaeuer für die vielen Inspirationen.
Bei meinen Tourenpartnern: Holger, Kai, Tim, Torsten, Stefan, Martin und den Teilnehmern des DAV-Kurses.
Bei Denis für das genialste, trailigste und gripste Magazin der Welt.
Bei Ralf für die sehr gute Kooperation.
Bei allen Teilnehmern des GORE-TEX Blogger Summits 2011 für die vielen Gespräche und den anhaltenden Kontakt…
…und natürlich bei allen Lesern meines Blogs. Vielen Dank für die vielen Kommentare, Gespräche und Freundschaften die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Danke, ihr seid super.

Steve

5 Gedanken zu „Rückblick, Ausblick, Danke“

  1. Ich glaube ich habe eher Dir für die Gastfreundlichkeit und die Tour zu danken (und für den Spekulatius Aufstrich 😉 )
    Komm gut nach Biebesheim, damit wir am 25.12. durchstarten können.
    Gruß Tim

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