Gotzenalm

„Bei gutem Wetter kanns jeder“, das weiß ich ja mittlerweile schon länger und nun wird es mal wieder Zeit, dass auch andere diesen Satz kennen lernen.
Jörg und Joachim sind über das Wochenende zu Besuch und schon im Vorfeld habe ich ihnen gesagt: „Packt Regenklamotten ein! Wir gehen bei jedem Wetter.“
Die Regenjacke brauchen sie auch bei unserer Tour auf die Gotzenalm, denn das Wetter wird sicherlich nicht das Beste werden.

Wir starten bei leichtem, aber kontinuierlichem Regen am Parkplatz am Königssee und machen uns über den Hochbahnweg hinauf zur Königsbachalm. Nicht nur wir, sondern auch die Teilnehmer des „2. Berchtesgadener-Land Wander Festival“, haben heute nicht gerade das beste Wetter erwischt. Die Temperaturen sind angenehm, aber der Regen müsste nicht unbedingt sein und auch die Wolken könnten sich so langsam mal verziehen und den Blick auf die Berge freigeben.
Mir persönlich ist das fast Wurscht, denn ich weiß ja wie es hier aussieht und finde den Nebel und die Wolken sehr interessant und mystisch, aber für alle anderen ist das Wetter natürlich nicht ganz so toll.

Während die Wander-Festival-Teilnehmer an der Königsbachalm direkt zur Gotzenalm aufsteigen, wählen wir den Weiterweg über die Priesbergalm und da der Regen mittlerweile aufgehört hat, geht es im Anschluss nicht über den Mittleren Hirschenlauf, sondern weiter oben über das Hochgschirr zur Gotzenalm.
Wie gesagt, der Nebel hat etwas Mystisches und verleiht dem Priesberger Moos eine ganz besondere Stimmung.

Während im Bereich der Königsbachalm noch ziemlich viel Trubel herrschte, ist hier alles gespenstisch ruhig. Hinter der Priesbergalm beginnt mein Lieblingsabschnitt der Tour und auch wenn ich hier sonst immer über den Trail fliege, hat er auch bei etwas langsamerem Tempo seinen Reiz.

Durch den nebligen Stiergraben geht es im Anschluss hinauf zum Seeleinsee.
Die Stimmung und die Atmosphäre haben etwas vom „Herr der Ringe“. Frodo und Sam machen sich mit Gollum auf den Weg zum Schicksalsberg.
Joachim, der Ringträger (schließlich ist er verheiratet), ist mit seinem treuen Gefährten Jörg (er trägt die komplette Brotzeit in seinem Rucksack) auf dem langen und beschwerlichem Weg zum Hochgschirr im Berchtesgadener Land. Begleitet werden sie von Steve, der sich hier sehr gut auskennt und schon einmal am Hochgschirr war. Ihm scheint die Wanderung nichts ausmachen und er treibt seine Begleiter immer wieder an. Am Hochgschirr sind sie am Ziel ihrer Reise, denn dann geht es nur noch bergab.

Oberhalb des Seeleinsees biegen wir aber nicht sofort nach rechts zum Hochgschirr ab, denn jetzt ist erst einmal Zeit für eine Brotzeit. Um es etwas gemütlicher zu haben, halten wir uns links und steigen durch Latschenfelder nach oben zur Bergwachthütte.
Ein kleiner Abstecher, aber dafür gibt es dort oben eine Sitzgelegenheit und zudem bietet die Hütte auch etwas Schutz vor dem teils sehr kühlen Wind.

Nach einer ausgiebigen Brotzeit mit frischem Brot, Käse, hausgemachter Wurst und natürlich mit Enzian (Joachim: „Das schmeckt wie frisch umgezackerter Acker“) geht es weiter.
Auch wenn ich normalerweise mehr der PowerBar-Brotzeit-Typ bin, war es sehr lecker…da könnte man sich fast daran gewöhnen.

Vorbei am Seeleinsee und hinauf zum Hochgschirr…dem Schicksalsberg.


Nach dem obligatorischen Foto am höchsten Punkt der Tour geht es nun bergab Richtung Landtal; im erneut aufziehenden Nebel nur nicht die Abzweigung zur Gotzenalm verpassen.

Auf dem letzten Stück vor der Gotzenalm haben wir dann eine Begegnung der besonderen Art.
Es gibt ihn also wirklich.
Reinhold Messner hatte Recht.
Es gibt ihn und man kann ihn sogar in Gefangenschaft halten und beobachten.
Der Yeti!

Zugegeben…ich habe mir ihn etwas anders vorgestellt, aber es scheint sich um ein sehr zahmes und genügsames Wesen zu handeln.
Wir wollen dieses wunderbare Geschöpf nicht weiter stören und gehen weiter zur nahe gelegenen Gotzenalm; unserem Nachtlager.
Der Gastraum ist noch nicht so sehr gefüllt, aber das wird sich im Laufe des Abends ändern.
Trotz des relativ schlechten Wetters haben viele an ihrer Planung festgehalten und am Abend ist die Hütte fast komplett belegt.
Aufgrund der guten Lage, der leichten und kurzen Zustiege und der eher „moderaten“ Touren am Folgetag (die meisten Leute werden einfach wieder absteigen) genehmigt sich der ein oder andere ein Bier mehr.
Die Stimmung steigt im kleinen Gastraum und am ersten Tisch wird schon kräftig gesungen. Nach einiger Zeit steigt der zweite Tisch mit ein und der dritte lässt auch nicht lange auf sich warten. Der halbe Gastraum singt und im Raum nebenan wird teilweise mitgeschunkelt.
So etwas habe ich auf einer Hütte noch nicht erlebt und es scheint auch nicht jeder begeistert zu sein.
Es geht von der Biene Maja über den Westerwald bis hin zu Viva Colonia. Stimmung wie im Bierzelt und das Bier und der Schnaps scheinen auch zu schmecken.
Was gehört neben dieser ausgelassenen Stimmung auch noch zum Bierzelt…kleiner Tipp, das Essen ist es nicht, denn das hatten wir schon…Richtig, die Bierzeltschlägerei!
OK, es gab zum Glück keine Schlägerei, aber zum Ende hin gerieten dann zwei Interessengruppen aneinander. Wieso, weshalb, warum, das haben weder sie, noch wir Außenstehenden begriffen. Die Sache wurde dann etwas verwirrend und nicht immer zielführend ausdiskutiert, aber am Ende hatten sich alles wieder lieb und konnten beruhigt ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen hat manch einer noch Probleme in die Gänge zu kommen, aber wir machen uns nach einem leckeren Frühstück als auf den Weg. Zunächst zum Aussichtspunkt Feuerpalfen, mit herrlichem Blick auf St. Bartholomä,

über die steile und nicht gerade attraktive Forststraße zur Gotzentalalm und zu guter Letzt durch den Wald hinunter zur Bootsanlegestelle Kessel am Königssee.

Das Wetter wird merklich besser und am Parkplatz angekommen, scheint sogar wieder die Sonne.
Eine tolle Tour mit ein paar sehr außergewöhnlichen Erlebnissen.
Jungs, fürs nächste Mal wisst ihr Bescheid!

2 Gedanken zu „Gotzenalm“

  1. ich muss sagen das ich ein fan dieses wetters bin. ich habe inzwischen viel in den bergen erlebt und am eindrücklichsten waren immer die schlechtwettertouren. nebel und wolkenfetzen verleihen den bergen eine gewisse mystik. außerdem sind kaum wanderer unterwegs und man kann in all der ruh die bergwelt viel besser spüren.

    lg
    daniel

    1. Jupp, ich hatte schon tolle Erlebnisse bei diesem Wetter, aber das „schöne“ Wetter hat natürlich auch seine Vorzüge.
      „Das Beste daraus machen“ lautet die Devise und das gelingt uns ja eigentlich immer recht gut. 😉

      Viele Grüße

      Steve

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