Raidlight TEAM R-LIGHT 001

Der französische Hersteller Raidlight hat dieses Jahr seinen ersten Trailrunning-Schuh auf den Markt gebracht, den TEAM R-LIGHT 001.
Zwei Schlagwörter charakterisieren diesen Schuh: Haltbar und erweiterbar.
13 Jahre Erfahrung im Trailrunning und über 200 Kundenvorschläge haben den TEAM R-LIGHT 001 mit dem Custom Shoe System zu dem gemacht, was er ist: Ein Schuh, den man über Jahre laufen kann.

Was macht diesen Schuh nun so besonders haltbar und wie kann man einen Schuh erweitern?
Kommen wir zunächst zur Basis des Schuhs. Der Oberstoff ist sehr robust und wesentlich dichter verarbeitet als zum Beispiel Mesh. Hinzu kommen Stützzonen und diverse Applikationen, die den Schuh vor äußeren Einflüssen schützen sollen. Der Geröllschutzrand und der Bereich der Ferse sind weit nach oben gezogen.

Die Schnürung des Schuhs arbeitet mit einem Druckverteiler, somit soll unangenehmer Druck auf den Spann vermieden werden. Die Schnürsenkel verschwinden nach dem Schnüren in der Tasche an der Lasche.
Die Sohle hat ein Profil von 6mm und die 12mm Fersensprengung ergeben sich aus 19mm Fersenhöhe und 7mm Fußballenhöhe. Die Sohle ist zudem sehr breit und die Gummimischung macht einen langlebigen Eindruck.

Die zwei großen, blauen Bereiche der Sohle sind die sogenannten Grip-Pads. Die blauen Pads sind standardmäßig verbaut und bieten durch ihre weiche Gummimischung guten Grip auf jedem Untergrund. Alternativ gibt es auch noch das Winter Grip-Pad, mit Fiberglas und speziellen Inserts, die den Grip auf Eis verbessern sollen.
Diese Grip-Pads kann man bei Raidlight nachbestellen und jederzeit auswechseln. Entweder macht man das selbst (die Pads kommen im Set mit dem nötigen Werkzeug, Kleber, etc.), lässt es einen Schuhmacher erledigen oder schickt die Schuhe direkt zu Raidlight. Somit lassen sich die Bereiche der Sohle, die sich relativ schnell abnutzen, Vorfuß und Ferse, bei starkem Verschleiß erneuern.
Neben Teile der Sohle, lässt sich auch die Dämpfung des Schuhs wechseln. Das so genannte Abschock Pad gibt es in drei verschiedenen Ausführungen.

Das Standard Pad, welches mit jedem Schuh geliefert wird, ist die Medium Variante. Des Weiteren gibt es noch Light und Absorb++. Somit hat man die Möglichkeit die Dämpfung individuell anzupassen, je nach Lauf und Terrain und man kann die Pads einfach wechseln, wenn sie verschlissen sind.
Der Raidlight TEAM R-LIGHT 001 bietet neben diesen Möglichkeiten die Haltbarkeit zu verlängern, auch noch diverse Möglichkeiten den Schuh individuell zu erweitern und anzupassen.
Die Innensohle gibt es in drei Ausführungen, die man bei der Bestellung individuell auswählen kann. Pronator, Supinator und Neutral 3D. Somit hat man die Möglichkeit den Fuß zusätzlich zu stützen. Die Sohlen ersetzen aber keineswegs die von einem Orthopäden angepassten Sohlen, sondern dienen lediglich als Stütze und somit als Alternative zur „Standardsohle“.

Erwähnen sollte man unbedingt, dass die Namen der 80 Personen, die zum Schuhentwicklungsprojekt beigetragen haben, auf die Einlegesohlen aufgedruckt wurden. Der Schuh entstand nämlich nicht nur in den Firmenräumen, sondern wurde auch aufgrund von Vorschlägen aus der Community entwickelt, die in einem virtuellen Workshop viele Konzepte erarbeitet haben.

Als optionales Zubehör kann man für den Schuh Gamaschen kaufen. Hier hat man den deutlichen Vorteil, dass diese an fünf im Schuh eingearbeiteten Ösen (vorne, zwei links und zwei rechts) optimal befestigt werden können. Somit ist ein Verrutschen unmöglich und man ist stets optimal geschützt.
Auch bei den Gamaschen hat man wieder die Wahl: Schutz (zusätzlicher Schutz vor Geröll), Wasserfest und Wüste (leicht, speziell für Wüstenläufe).

Durch die Ösen wird zudem gewährleistet, dass keine Teile der Gamaschen Bodenkontakt haben, was somit die Haltbarkeit enorm erhöht.
Für die Wüsten- und Pulverschneeläufer gibt es eine spezielle Auftriebplatte, die an der Außensohle angebracht wird und durch die größere Kontaktfläche auf dem Boden, den Widerstand vergrößert und somit ein tiefes Einsinken verhindern soll.
Spezielle Aussparungen in der Sohle bieten optimalen Halt für die Yaktrax (Schneeketten für die Schuhe) und verhindern ein Verrutschen.

Viele Details, viele Möglichkeiten, aber wie läuft sich der Schuh.
Gelaufen bin ich die „normale“ Version, mit den blauen Grip-Pads, der Medium-Dämpfung, der neutralen Innensohle (bzw. mit individueller orthopädischen Sohle) und ohne „Anbauteile“ (Gamasche, Auftriebplatte).
Die Schuhe wirken verdammt groß und dennoch fallen sie relativ klein aus, weshalb man sie durchaus eine halbe bis ganze Nummer größer bestellen sollte.
Beim Einschlüpfen in den Schuh fällt auf, dass er oben eng geschnitten ist, sobald man aber drin ist, bietet der Schuh erstaunlich viel Platz. Die Schnürung, mit dem Druckverteilersystem, ist gewöhnungsbedürftig. Der Druck verteilt sich wirklich sehr gut, aber irgendwie hat man das Gefühl, der Schuh sitzt nicht fest am Fuß. Man kann die Schnürung aber ohne Probleme seinen Bedürfnissen anpassen und sie „normal“ einfädeln. Die „normale“ Schnürung gefällt mir wesentlich besser, da ich den Schuh etwas fester an den Fuß bekomme, wobei aber die Stabilität beim Laufen die gleiche ist.

Das hohe Gewicht des TEAM R-LIGHT 001 fällt gleich beim ersten Lauf auf. Es ist der schwerste Schuh den ich bisher gelaufen bin, aber auch der Schuh mit der meisten Protektion. Man könnte ihn durchaus mit einem Panzer vergleichen: Schwer, Wahnsinns Schutz, etwas schwerfällig am Anfang, aber wenn er mal Fahrt aufgenommen hat, dann geht’s los.
Das Gewicht dämpft die Lauffreude und die Dynamik, aber es nicht so, dass man mit diesem Schuh überhaupt nicht laufen kann. Auch das Vorfußlaufen in schnellen Downhillpassagen ist möglich, wobei man aber den Schuh nicht unbedingt auf den schnellen und kurzen Trails anzieht.
Aufgrund seiner Dämpfung und der Protektion ist er eindeutig ein Kandidat für die langen Ultras, gerade für Anfänger, und dank der individuellen Erweiterbarkeit wird man ihn sicherlich auch bei dem einen oder anderen Wüstenrennen sehen.

Der Oberstoff ist wie erwähnt sehr robust und dicht verwebt, was natürlich die Haltbarkeit erhöht, aber auch zu einem höheren Gewicht beiträgt. Durch diesen dichteren Oberstoff leidet die Atmungsaktivität ein wenig. Der Schuh ist nicht wasserdicht, was aber durch die optionale Gamasche geändert werden kann.
Der Grip der Sohle ist gut, allerdings hätte ich mir hier noch ein klein wenig mehr erwartet, da der Schuh einen so rauen Eindruck macht und sich aufgrund seiner enormen Protektion auch mal auf hochalpine Trails verirrt.

Ein interessanter Schuh und ein tolles Debüt für Raidlight. Der TEAM R-LIGHT 001 ist vielfältig einsetzbar und dank der austauschbaren Teile sehr lange haltbar. Ein Schuh, der am Ende seiner Laufzeit, sicherlich viel erzählen kann.
Mir persönlich ist er einen Tick zu schwer und da ich Abwechslung liebe und gerne auch mal andere Schuhe laufe, würde ich ihn nicht voll ausreizen können.
Während der TEAM R-LIGHT 001 für die langen Distanzen gedacht ist und das Gewicht nun mal aus der enormen Haltbarkeit und Protektion resultiert, wird es im nächsten Jahr noch eine Alternative von Raidlight geben: Einen leichteren Schuh (um die 320g).
Man darf gespannt sein.

Gewicht: 908g (Paar / Größe 46 2/3)

Mehr Informationen gibt es unter: http://de.raidlight.com/-Raidlight-Deutschland-.html

2 Gedanken zu „Raidlight TEAM R-LIGHT 001“

  1. Auf eine leichtere Variante währ ich auch mal gespannt. Schön wäre es natürlich noch, wenn die Sprengung nicht ganz so enorm ausfällt und der Schuh nicht ganz so hoch aufgebaut währe. Ist bei diesem Modell vermutlich dem Schockpad zu verdanken, was ja auch irgendwo Platz braucht.

    Schön finde ich auf jedenfall die Gamaschenlösung. Hab mir erst auf Korsika zwei mal hintereinander die Bänder unter den Schuhen durchgewetzt…

    Wirklich innovativ ist aber auf jeden Fall die Wiederbesohlung! Ich finde es besonders bei Schuhen mit weichen Sohlen/ hohem Gripp immer schade, wenn die schon nach kurzer Zeit so verschlissen ist, dass der Schuh eigentlich in die Tonne kann, obwohl der Rest noch ok ist. Besonders ärgert mich das bei meinen Patagonia Forerunnern, deren Sohle echt schon nach wenigen Einsätzen runter ist, obwohl der Schuh quasi neu ist. Da kann sich sogar Patagonia bei Raidlight noch mal ein Scheibchen abschneiden, was Nachhaltigkeit betrifft!

    Vielen Dank für das Review!

    1. Danke dir Basti.

      Ich bin auch mal gespannt was die leichtere Variante alles kann.
      Der Schuh ist hoch, aber dank der breiten Sohle, bietet er noch genügend Stabilität.

      Die Lösung mit der Gamasche finde ich auch super. Es sind sogar fünf Ösen; hatte anfänglich zwei unterschlagen.

      Die Sache mit der Wiederbesohlung ist schon ziemlich cool, aber ich liebe wie gesagt die Abwechslung und würde dann wohl eher auf einen anderen Schuh umsteigen. Das mit der schnellen Abnutzung bei Patagonia klingt aber nicht so berauschend.
      Die Sohle des Raidlight macht aber einen guten Eindruck, so dass es sicherlich etwas dauert bis man die runtergelaufen hat.

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