Trailrun über den Staufen

Die Trails und Steige der heutigen Tour kenne ich alle schon. Manche bin ich schon unzählige Male gelaufen, andere wiederum erst ein einziges Mal.
Alle an einem Stück…noch nie…und so geht es heute auf eines der letzten Abenteuer das direkt an meiner Haustür startet…die Staufenüberquerung von Piding nach Inzell.
Massiv ragt der Staufen über Bad Reichenhall, während man von Inzell aus „nur“ den Gamsknogel sieht, hat man von Bad Reichenhall einen Blick auf den markanten Hochstaufen und den höchsten Punkt dieser Gebirgskette, den Zwiesel. Von der Autobahn aus ist er schon von weitem zu erkennen und auch von den vielen umliegenden Gipfeln springt er immer wieder ins Auge.
Um kurz vor sieben startet die Tour und es geht zunächst entlang der Saalach, Richtung Staufenbrücke. Vier, flache Kilometer die mich gemütlich auf Touren bringen, bevor in der Nähe des Campingplatzes, dass eigentliche Abenteuer beginnt.
Der Trail beginnt direkt am Straßenrand und führt mich in den Wald…ein geniales Gefühl wenn man weiß, dass es jetzt so richtig los geht und man die nächsten Stunden keinen Zentimeter Asphalt unter den Füßen spüren wird und sich auf und ab über die Gipfel und Grate schraubt.
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Das erste Ziel ist der Fuderheuberg, der Serpentinenberg. Dank des Zauberlehrlings weiß ich jetzt auch wie viele Serpentinen es bis zum Gipfel sind…nämlich genau 117! Die ziehen sich mal unspektakulär durch den Wald, mal rasant an der Kante mit luftigen Ausblicken, nach oben.
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Es ist einfach immer wieder genial, wenn man hier nach oben läuft. Unten donnern die Autos über die Bundesstraße und man selbst schraubt sich auf absolut genialen Trails nach oben. Zwei Welten, so nah und doch so verschieden.
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Am Fuderheuberg angekommen, gibt es erst einmal eine kurze Pause mit genug Zeit die Aussicht zu genießen.
Das grüne, sonnendurchflutete Bad Reichenhall im Tal und die noch schneebedeckten Gipfel der Berchtesgadener Alpen im Hintergrund. Hagengebirge, Hochkönig, Watzmann…da liegt noch einiges von diesem weißen Zeug, aber die gute Prognose für die kommenden Tage, wird sicherlich dafür sorgen, dass es auch weiter oben etwas grüner und schneefrei wird.
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Es folgt ein etwas flacheres Teilstück, das mich hinüber führt zu den Steinernen Jägern. Dort beginnt der Anstieg auf den Hochstaufen, der sicherlich mit das steilste und technisch auch etwas anspruchsvollere Stück der Tour darstellt.
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Hier leiden im Sommer viele Bergsteiger, die entweder das Gelände unterschätzen und/oder zu wenig zu Trinken dabei haben. Die Sonne knallt hier unaufhörlich in die Wand und sorgt schon in den frühen Morgenstunden für hohe Temperaturen. Wer das nicht weiß oder unterschätzt, hat garantiert nichts zu lachen. All jene, die die Situation richtig einschätzen erleben einen sehr tollen Aufstieg auf den Hochstaufen, der aber an schönen Wochenendetagen sehr stark frequentiert ist…so wie fast alle Wege auf den Gipfel.
Ich treffe heute nur sehr wenige Wanderer, was wieder einmal zeigt, dass sich früh aufstehen auszahlt.
Das Reichenhaller Haus lasse ich erst einmal links liegen und steuere direkt den Gipfel an.
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Grandioses Wetter, wie es besser fast nicht sein könnte. Warum kann es nicht jeden Tag so sein?
Nach den obligatorischen Gipfelfotos und einem kurzen Getränkestopp am Reichenhaller Haus, geht es weiter zum nächsten Gipfel; dem Mittelstaufen.
Weniger bekannt und frequentiert als die großen Nachbarn Zwiesel und Hochstaufen, aber trotzdem ein lohnenswertes Ziel.
Auf dem Weg zum Mittelstaufen gibt es den ersten erwähnenswerten, kurzen Downhill, bevor es die letzten Meter an einer steilen Felskante auf den Gipfel geht.
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In kurzer Blick hinüber zu Zennokopf und Zwiesel und dann geht es auch schon weiter; nämlich genau dorthin.
Es geht nun über den Verbindungsgrat zwischen Mittelstaufen und Zwiesel. Ein schmaler Grat, ohne viele Stellen mit extremer Absturzgefahr, aber mit einigen kurzen Kletterstellen. Dieser Verbindungssteig ist nicht so bekannt wie all die anderen Wege hier am Berg und deshalb auch kaum frequentiert. Natürlich treffe ich auch heute hier keine Menschenseele. Wenn die alle wüssten, welche tollen Perspektiven und Aussichten ihnen entgehen.
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Die Thermik scheint heute optimal zu sein, denn es tummeln sich einige Paraglider in der Luft.
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Von unten betrachtet wirkt der Grat immer recht kurz, aber wenn man dann mal hier oben ist und sieht, dass es hier immer mal wieder kurz bergauf und dann wieder bergab geht, merkt man schnell, dass es durchaus etwas länger dauern kann.
Gerade der letzte Aufschwung zum Zennokopf hat es ein sich und zeigt mir mal kurz die Grenzen auf.
Vom Zennokopf zum Zwiesel ist es anschließend nur noch ein Katzensprung und ich stehe auf dem höchsten Gipfel des Staufens.
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Eine geniale Aussicht, die bis weit Richtung Zugspitze, Großglockner und Co. reicht.
Der höchste Punkt ist erreicht, 1782m, jetzt geht es nur noch bergab, mit ein paar kurzen Gegenanstiegen.
Der nächste Grat wartet, der Grat der mich zum letzten Gipfel der Tour führt.
Vom Zwiesel geht es nun weiter auf den Gamsknogel.
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Ein kurzer Grat, der sich sehr gut laufen lässt und mit moderaten Gegenanstiegen auf mich wartet. Auch hier ist unter der Woche, trotz des schönen Wetters wenig los…gut so.
Am Gamsknogel angekommen dann die Gewissheit: Dort unten liegt Inzell, das Ziel meiner Tour. Ab jetzt geht es nur noch bergab…1000 Höhenmeter.
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In der Ferne schimmert der Chiemsee und ich stürze mich nach unten. Geniale Trails sind das hier…einfach nur geniale Trails. Heute morgen die Serpentinen im Wald, die technischen Abschnitte am Hochstaufen und dem Grat, Schottertrails auf dem Weg zum Mittelstaufen und jetzt dieser Bilderbuchtrail hinunter zur Kohleralm.
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Jetzt ein Spezi an der Alm oder eine Johannisbeerschorle…aber die Hütte ist noch zu. Was bleibt ist der Wassertrog davor, der auch eine sehr willkommene Erfrischung bietet, bevor es nun durch den Wald hinunter nach Einsiedl geht.
Aus Wurzeltrails werden breite Schotterwege und am Ende Forststraßen. Der Run neigt sich dem Ende und auch die Trails gehen langsam aus.
Da ist Einsiedl, da ist Inzell…der Wald spuckt mich auf eine Almwiese…Zivilisation…Staufenüberquerung beendet! Genial!
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So, jetzt bin ich hier und mein Haus ist auf der anderen Seite des Berges, genau wie mein Auto. Ein Fahrrad habe ich (noch) nicht, somit muss ich auch nicht suchen, ob ich irgendwo eines versteckt habe und nach Hause fahren kann.
Was nun?
Natürlich habe ich mir so meine Gedanken gemacht, wie ich nach Hause komme, aber eigentlich war das immer nebensächlich, da es mir an erster Stelle um die Überquerung ging. Der Rest ergibt sich schon irgendwie.
Ich kann jetzt umdrehen, wieder zur Kohleralm laufen und dann über die Zwieselalm und den Mulisteig nach Hause. Jetzt noch mal knapp 1000 Höhenmeter nach oben, auf genau der gleichen Strecke die ich vor nicht einmal 5 Minuten gelaufen bin? Umgedreht gerne, erst hoch dann runter, aber so…Nein! Nicht hier und nicht heute.
Ich könnte entlang der Bundesstraße über Inzell, Weißbach und den Thumsee nach Hause laufen, was aber sicherlich einige Kilometer Asphalt beinhalten würde. Oder ich nehme den Bus.
OK, hier fährt in 100 Jahren sicherlich kein Bus ab, wenn dann in Inzell. Also geht es erst mal auf in die Ortsmitte. Über kleine Forstwege und Wiesen immer Richtung Zivilisation. Nach drei Kilometern checke ich den Busfahrplan. OK, es fährt ein Bus, nicht nach Nirgendwo, sondern nach Hause…aber erst in einer knappen Stunde. Da ich auf Warten keine Lust habe, beschließe ich dem Bus voraus zu laufen und zwar so lange, bis ich nicht mehr auf ihn warten muss. Trailrunning gepaart mit einer Runde Bushaltestellen-Hopping.
So geht es also auf Trails, Waldwegen, Radwegen und manchmal auch am Straßenrand immer entlang der Busroute. Von Haltestelle zu Haltestelle. Immer die Uhr im Blick und den Fahrplan vor Augen.
Über unendliche lange Leitern hinunter nach Weißbach,
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dort zur rettenden Tankstelle mit lecker Mezzo-Mix und dann den letzten Kilometer hinauf zum Mauthäusl.
Geschafft, da ist die Bushaltestelle und ich habe die Wartezeit auf knapp 10 Minuten verkürzen können und mir dabei auch noch ein bisschen die Gegend angeschaut und die Füße vertreten.
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Genau 30 Kilometer (ich bin an der Bushaltestelle noch eine kleine Runde gelaufen) und über 2000 Höhenmeter liegen hinter mir. Eine absolut geniale Runde. Sogar dem etwas faden, asphaltreichen Schlussstück kann man noch etwas Positives abgewinnen, wenn man sich mit dem Bus ein kleines Wettrennen liefert und wagemutig am Straßenrand zur nächsten Bushaltestelle nach oben rennt.

Staufenüberquerung! Genial!

Hier geht es zum Move!

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7 Gedanken zu „Trailrun über den Staufen“

  1. Servus!
    Witzig deinen Eintrag von deiner Staufentour jetzt zu lesen – bin nämlich die selbe Route zwei Tage später (am Sonntag) „gegangen“ – mit meinem Schäferhund (zwischen Mittelstaufen und Zenno mit einem Latschennordsteilhangumweg – jeder Hund hat ein No-Go) – wunderschöne Route – stressfrei in unter 6 h – zwei Dinge habe ich anders gemacht: Fanta in der Kohleralm und dann (meiner Meinung nach der logischere Weg als hinunter nach Inzell) über das wunderschöne Gruberhorn den Rücken entlang und steil hintener nach Weißbach. Gebe dir aber völlig recht: „Wunderschöne Laufung“

    1. Die Variante über das Gruberhörndl ist natürlich noch mehr Überquerung!
      Muss ich mir fürs nächste Mal vornehmen. Habe dann in Inzell auch gemerkt, dass ich wahrscheinlich ab der Kohleralm noch hätte weiter laufen können, um weiter vorne runter zu kommen.

      Wie geht man denn am besten ab der Kohleralm um möglichst weit vorne runter zu kommen?

  2. Servus!
    Westlich der Kohleralm findest du leicht den alten Weg zum Gruberhorn, von dort weiter – mit alter, aber durchgehender Markierung – den ganzen Rücken entlang. Tipp: die AV-Karte zeigt alles und lässt keinen Zweifel offen. lGrüße b

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