Trailrun über die Schönfeldspitze

Irgendwann kam mir mal die Idee, an einem Tag von St. Bartholomä auf die Schönfeldspitze und wieder zurück zu laufen. Solche Ideen speichere ich dann immer im Handy und wenn das Wetter passt, dann schaue ich, ob ich Zeit und Lust habe, eine Tour dieser Liste in Angriff zu nehmen.
Gestern passte das Wetter…also ging es auf die Schönfeldspitze.
Der Knackpunkt bei diesem Vorhaben ist der Bootsverkehr auf dem Königssee. Zwar könnte man auch ohne Boot die Tour gehen, zum Beispiel über den Trischübel oder den Rinnkendlsteig, aber mit Boot wird die Sache etwas interessanter, denn das erste Boot legt erst gegen 08:30 Uhr in St. Bartholomä an und ab da hat man 10 Stunden, bis um 18:30 Uhr das letzte Boot wieder nach vorne fährt. Das macht die ganze Sache nicht unmöglich, verleiht ihr aber einen gewissen Reiz.

Die erste Etappe führt mich von St. Bartholomä zum Kärlingerhaus.
Das Wetter ist perfekt. Nicht zu warm, nicht zu kalt und so finde ich, nach dem ersten flachen Stück und nachdem sich die Beine etwas gelockert haben, einen guten Rhythmus, der mich kontinuierlich nach oben bringt. Das ist das Schöne an diesem ersten Teil der Strecke. Die Steigung ist, gerade im Bereich der Saugasse, so konstant, dass es sich herrlich laufen lässt. Die ersten Wanderer kommen mir entgegen und fragen sich sicherlich, was jemand so früh, in dieser Geschwindigkeit schon da oben möchte…wenn die wüssten.
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Nach 1:35 Stunden erreiche ich das Kärlingerhaus, gönne mir eine kurze Erfrischung und mache mich gleich wieder auf dem Weg zum nächsten Etappenziel; dem Riemannhaus.
Der doch relativ flotte Aufstieg macht sich nun bemerkbar und ich nehme etwas Tempo raus und fange an, die Steigungen zu gehen. Macht bei den teilweise doch sehr technischen Stücken mit vielen karstigen Felsen auch durchaus Sinn.
Nach der ersten größeren Steigung stehe ich dann mitten im Steinernen Meer und habe zum ersten Mal einen freien Blick auf die Schönfeldspitze.
Bei der Anfahrt heute Morgen habe ich sie schon gesehen und auch während der Bootsfahrt. Da war sie immer so weit weg und jetzt wirkt sie schon so nah und doch sind es noch mehr als 600 Höhenmeter.
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Der Weg führt mich weiter mitten durch das Steinerne Meer, vorbei am Salzburger Kreuz, immer Richtung Riemannhaus. Es geht mal auf, denn wieder ein paar Meter bergab. Teilweise gibt es noch vereinzelte Schneefelder hier oben, die aber keine Probleme bereiten.
Hat man einmal den ersten Anstieg überwunden, geht es eigentlich ziemlich gemächlich dahin; man lässt sich quasi im Meer treiben.
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Auch am Riemannhaus gönne ich mir eine kurze Erfrischung und mache mich danach wieder auf den Weg.
Jetzt beginnt der finale Anstieg auf die Schönfeldspitze. Drei Stunden bin ich nun schon unterwegs, vom Gefühl her, eine gute Zeit.
Nun kommen etwas größere Schneefelder, in die aber gute Tritte eingearbeitet sind und es kommen die Kletterstellen. Alle im ersten, vielleicht einige im untersten zweiten Grad, aber trotzdem mit Vorsicht zu genießen, denn ausrutschen oder abrutschen sollte man hier nicht. Laufen geht hier keineswegs mehr, was mir aber sehr gelegen kommt.
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Ich komme gut voran, schraube mich Meter für Meter nach oben. Die Orientierung fällt, trotz der Schneefelder und dank der ausreichenden Markierungen, sehr leicht.
Heute stemmt sich die Schönfeldspitze gegen das Wetter. Während auf der einen Seite die Wolken und der Nebel hängen, strahlt auf der anderen Seite der blaue Himmel.
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Im letzten Abschnitt treffe ich auf Sibylle und ihren Freund, die ich von Julias Rundays kenne. Sie befinden sich gerade im Abstieg vom Gipfel und Sibylle ist genauso überrascht wie ich…einfach genial wenn man sich total unverhofft irgendwo am Berg trifft.
Nach einem kurzen Plausch geht es auch schon weiter, auf die letzten Meter Richtung Gipfel. Noch ein paar versicherte Stellen mit etwas Luft unter dem Hintern und dann über das vergraste Band nach oben, zum schönsten Gipfelkreuz das ich kenne.
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Die Sicht ist heute nicht die beste, aber das Wetter trotzdem perfekt.
Dort unten liegt der Königssee, der Ort, an dem vor vier Stunden meine Tour begonnen hat…gigantisch!
Ich liege also absolut im Soll, und sofern im Abstieg alles glatt verläuft, schaffe ich auch das letzte Boot um 18:30 Uhr ohne Probleme.
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Bergab geht es nun auf der anderen Seite über die Buchhauer Scharte und dann war eigentlich der Abstieg durch die Schönfeldgrube geplant.
Wie das nun mal so ist, wenn man hier noch nicht so oft unterwegs war und lieber nach dem Bauchgefühl als nach der Karte läuft, klappt der Plan nicht so ganz. Zwar finde ich den Abzweig an der Buchauer Scharte, halte mich aber zu weit rechts und komme auf einen anderen Weg. Der führt nicht durch die Schönfeldgrube, sondern über das Tote Weib. Kein Problem, so komme ich auch wieder zum Kärlingerhaus, aber eben auf eine anderen Weg. Der ursprünglich geplante Weg wäre vielleicht etwas schneller gewesen, aber dafür habe ich hier eine rasante, viel zu kurze Abfahrt auf einem Schneefeld (89 Höhenmeter pro Minute)und ich treffe auf ein sehr aufdringliches Bergschaaf.
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Den Weg über das Tote Weib kenne ich noch von meinem Große Reibn Trailrun und bin deshalb trotz des technisch anspruchsvollen Geländes ziemlich flott unterwegs.
Der letzte Abschnitt und dann taucht auch schon wieder das Kärlingerhaus vor mir auf.
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Jetzt kann eigentlich nichts mehr passieren und aus diesem Grund gönne ich mir auch ein Stück Kuchen; die Zeit habe ich.
Etwas mehr als 6 Stunden bin ich unterwegs; bleiben also noch vier für den Abstieg, die ich aber sicher nicht benötigen werde.
Mit dem guten Zeitpolster im Rücken lasse ich es nun auf der letzten Etappe ganz gemütlich angehen; mal abgesehen davon, dass ich nicht mehr in Highspeed-Verfassung bin.
Dennoch lasse ich es die Saugasse nach unten, mit über 40 Höhenmetern pro Minute, noch mal etwas mehr krachen; sehr zur Verwunderung der aufsteigenden Wanderer.
Am Ende der Saugasse wieder etwas ausgehen und dann wieder laufen. So wechselt es noch ab und an, bis ich nach 7 Stunden und 37 Minuten wieder in St. Bartholomä ankomme…über zwei Stunden bevor das letzte Boot ablegt.

Eine ziemlich geniale Action war das heute. Die Oberschenkel brennen, die Waden krampfen…aber das dürfen sie auch.
Mal schauen, was mir in Zukunft noch für Ideen in den Kopf kommen.

Hier geht’s zum Move!

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6 Gedanken zu „Trailrun über die Schönfeldspitze“

  1. Das klingt nach einer sehr coolen Aktion und nachdem die Bilder schon so schön sind, war es sicher eine fantastische Landschaft, durch die du da gelaufen bist. Toll! Macht wieder richtig Lust, selber das Steinerne Meer zu erkunden – das steht auf meiner Liste ;-).

    1. Ja, war ein lustiger Zeitgenosse dieses Schaf.
      Ist mir mit seinem Kleinen bestimmt 500 Meter hinterher gelaufen und war dabei nicht wesentlich langsamer. Hätte ich einen Gang zurück geschaltet, dann wäre es sicher mit nach Hause gefahren. 😉

      Viele Grüße

      Steve

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