Konyagi

Zur besseren Akklimatisierung bestiegen wir im Vorfeld der Kilimanjaro-Tour den Mount Meru. Als wir am 06.02.2009 auf dem Gipfel dieses wunderbaren Berges standen, war die Freude bei allen Beteiligten natürlich sehr groß. Die komplette Gruppe hat den langen Aufstieg bis zum 4562m hohen Gipfel geschafft. Unser Nachtlager bezogen wir auf der Miriakamba Hut, die uns auch schon beim Aufstieg als erstes Lager am Berg diente.
Wie es sich für einen gelungen Tag gehört gab es natürlich ein deftiges Abendessen. Wir feierten unseren Erfolg nicht nur mit einem guten Essen, sondern auch mit dem einheimischen Schnaps; Konyagi.
Nach und nach gingen die einzelnen Gruppenmitglieder ins Bett, bis nur noch Michael, Hans (Name geändert) und ich übrig blieben.
Nachdem der Konyagi zur neige ging, schwenkten wir auf Michaels einheimischen Obstler aus der Freiburger Gegend um. Dieses „einheimische“ Getränk lockte einige unserer Träger in den großen Aufenthaltsraum. So wie wir von Konyagi begeistert waren, so begeistert waren unsere Träger vom deutschen Obstler. Als auch der Obstler leer war, besorgten die Träger die letzten Reste Konyagi, die sich in der praktischen Plastik-Tüte viel schneller trinken lassen als aus der Flasche; die Tüte kann man schließlich nicht wegstellen wenn man nicht mehr will, sondern muss sie leer trinken.
So ging die Zeit ins Land und irgendwann wurden die Augen schwer und wir machten uns auf den Weg ins Bett. Dazu mussten wir aus dem großen Saal ein paar Meter über den Platz laufen, bis wir in das Gebäude mit unseren Zimmern kamen. Der Kontakt mit der frischen Luft sorgte dafür, dass man auf einmal merkt, wie viel man wirklich getrunken hat. Michael ging auf sein Zimmer und ich ging mit Hans auf unser Zimmer, wo Theo schon ruhig schlief.
Etwas unbeholfen bestieg Hans das obere Etagenbett und deckte sich zu. Auf einmal schreckte er auf und begann sich zu übergeben. So ganz hatte er den Konyagi wohl nicht vertragen (später stellte sich heraus, dass er normalerweise nie Alkohol trinkt). Ich holte Tücher und etwas Wasser um zumindest den groben Dreck aufzuwischen.
Dann ging alles ganz schnell: Hans wollte sich kurz aufstützen, griff ins Leere und fiel aus dem oberen Etagenbett nach unten. Zu allem Übel schlug er mit dem Kopf auf der Kante des zweiten Etagenbetts auf.
Da lag er nun auf den Boden, blutete aus der Nase und aus einer Platzwunde über dem Auge.
Ich schnappte mir Hans und brachte ihn nach draußen zu den Waschbecken wo ich anfing ihn sauber zumachen. Er stand unter einem leichten Schock und verstand nicht wirklich was um ihn herum passierte. Die Nase blutete unaufhörlich und ich wies ihn an die Nase mit seinen Fingern zuzudrücken. Da ich ihn irgendwie sauber machen musste und die Papiertücher ausgegangen waren musste ich mir anderweitig helfen. Nachdem sich Hans die Unterwäsche ausgezogen hatte spülte ich ihn mit kaltem Wasser ab (warmes Wasser gab es leider nicht). Er beklagte sich lautstark über das kalte Wasser, aber das war mir ziemlich egal.
Da wir nicht gerade leise waren und Hans sich immer noch beklagte, dass das Wasser zu kalt ist, kamen bald die ersten Träger zu uns an die Waschbecken. Sie hatten natürlich keine Ahnung was passiert war. Sie sahen lediglich einen nackten Mann, der aus der Nase blutet und eine Platzwunde am Auge hat, der wiederum von einem anderen Mann mit Wasser abgespritzt wird. Wie sich später herausstellte rannten sie zu unserem Ranger und weckten ihn, weil sie dachten, Hans stirbt – Ganz so schlimm war es zum Glück dann aber doch nicht.
Mit Hilfe der Träger gelang es mir Hans abzuspülen und ihn anschließend wieder ins Bett zu bringen. Diesmal dachte ich etwas weiter und legte ihn ins untere, freie Bett.

Am nächsten Morgen wusste Hans von nichts mehr. Seine ersten Worte als er aufwachte waren: „Huch, ich bin ja nackt“. Beim Frühstück klärte ich ihn dann über die Geschehnisse der Nacht auf. Ein Notfallmediziner der zum Glück mit uns unterwegs war, kümmerte sich um die weitere Versorgung von Hans und checkte ihn durch.
Da Hans immer noch etwas angeschlagen war, wurde er anschließend mit dem Jeep nach unten gefahren, wo er auf uns wartete.
Wie es das Schicksal wollte, traf er am Fuße des Berges eine holländische Ärztin aus Tansania, die sich gerade auf den Weg Richtung Mount Meru machte. Sie hatte eine kleine Notfall-OP-Ausrüstung dabei und nähte die Wunde über dem Auge.
Die anschließende Untersuchung im Krankenhaus brachte Sicherheit, dass nichts weiter Schlimmes passiert war.
Eine Woche später stand Hans, der von den Trägern nur noch „Mr. Konyagi“ genannte wurde, mit uns auf dem Gipfel des Kilimanjaro.

7 Gedanken zu „Konyagi“

  1. fand durch zufall diesen artikel.
    der Konyagi ist ein schöner stoff. das kind arbeitete ein jahr in Matema und brachte mir zwei dieser Pülleken mit.
    Prost und gruss aus dem hundeverschissenen Bundeshauptdorf

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