Staufen-Umrundung

Ich habe ja schon ein paar coole Runden hier in der Gegend gedreht:
Um den Königssee (klassisch / kurz / lang / länger), um den Hundstod, um den Watzmann und die Große Reibn um alle drei.
Den Staufen haben ich noch nicht umrundet, dabei bietet er sich ja, direkt vor meiner Haustür liegend, förmlich dafür an.
…Also ab geht’s!…

Wenn der Winter schon keinen Schnee zum Skifahren bietet, dann wenigstens mildes Klima, schneefreie Trails und Wege und somit die Möglichkeit, schon früh im Jahr ein paar lange Läufe zu machen.
Mit der richtigen Ausrüstung macht das auch gleich doppelt soviel Spaß, wobei bei der Ausrüstung habe ich heute am falschen Ende gespart, denn die Mütze, die ist zu Hause geblieben.
So kalt ist es auch nicht, als ich mich gegen 17:00 Uhr auf meine Runde mache. Handschuhe ja, aber Mütze wird man nicht brauchen. Es regnet nicht und etwas Luft um den Kopf kann sicher nicht schaden.
Durch die Nonner Au, vorbei am Campingplatz Staufenbrücke geht es auf einem schmalen Trail durch den Wald, hinauf zum Schloss Staufeneck und dann auf der Forststraße weiter zur Steiner Alm, unterhalb der Nordabstürze des Hochstaufen.
Wie es der Zufall will, fängt es schon auf der Höhe von Piding an leicht zu schneien, zu Beginn noch eine Mischung aus Schnee und Regen.
Ab der Steiner Alm wird es dann merklich kühler. Klar, hier scheint den ganzen Tag keine Sonne und ich nähere mich auch langsam dem Frillensee, der nicht umsonst der kälteste See Deutschlands ist, was er jeden Winter wieder beweist, indem er erst in der Mitte zufriert und sich das Eis danach langsam zum Ufer vorarbeitet.
Ab der Steiner Alm befinde ich mich auf unbekannten Wegen. So richtig habe ich auch keine Ahnung wo ich genau hin muss. Ich habe die Karte vor Augen und hoffe einfach nur, dass dort wo ich entlang laufen möchte auch Wege sind, die mich dorthin bringen wo ich hin will. Vom Prinzip her müsste es passen und notfalls kann man ja immer noch umdrehen und wieder nach Hause laufen.
Aber der Plan geht auf und ich komme am Frillensee an, zumindest schaut es so aus wie ein See; mehr kann ich in der Dunkelheit nicht erkennen.
Es ist schon etwas spooky, wenn man so ganz alleine durch den Wald läuft und man ziemlich genau weiß, dass bei diesem Wetter, um diese Uhrzeit, in dieser Gegend, sicher niemand unterwegs ist…und wenn, dann führt er sicher nichts Gutes im Schilde.

Vom Frillensee geht es weiter nach Adlgaß. Das liegt grob irgendwo bei Inzell und da auf dem einen Schild auch schon Inzell stand, werde ich da sicher irgendwie hinkommen.
Mittlerweile schneit es schon stärker und es wird etwas unangenehm: Nicht viel, aber es war schon mal gemütlicher heute.
Es geht durch den Wald, vorbei an Holzfäller-Bagger-Maschinen die den Weg versperren, bis ich auf eine Straße komme.
Hmm…hier wollte ich eigentlich nicht raus kommen, sondern eigentlich in dieser einen Ortschaft bei Inzell…hmm…dann mal weiter auf der Straße in die gefühlte, richtige Richtung.
Ein Weg zweigt nach links ab und siehe da…Einsiedl…da will ich hin: Perfekt!
In Einsiedl angekommen kenne ich mich wieder aus, denn hier war ich bei meiner Staufen-Überquerung im letzten Sommer.
Jetzt geht es eigentlich durch irgendwelche Ortschaften, direkt in das Ortszentrum von Inzell.
Ich habe aber einen anderen Plan und hoffe das er aufgeht.
Ich folge den Markierungsstäben der Langlaufloipe, laufe über Wiesen und Felder und folge einem Forstweg in den Wald.
Links in der Dunkelheit liegen die Ausläufer von Zwiesel und Gamsknogel, rechts liegt Inzell und ich bin genau in der Mitte (hoffe ich zumindest). Das bedeutet, dass ich irgendwo dazwischen auf die Bundesstraße treffe wenn alles funktioniert und siehe da; das Gasthaus Zwing ist irgendwann ausgeschildert und irgendwo unterhalb des Falkensteins biege ich nach links Richtung Weißbach ab.
Jetzt bin ich wieder auf bekannten Wegen, allerdings machen sich die Kilometer der vergangenen Stunden langsam bemerkbar.
In Weißbach geht es dann zunächst entlang der Bundesstraße durch die Ortschaft. Insgeheim hoffe ich darauf, dass ein Auto anhält und mich aus Mitleid mitnimmt, denn der Schnee ist mittlerweile in Regen übergegangen und so langsam werden meine Knochen nass. Jetzt eine Mütze…hach wäre das was Feines! Aber das gute, wasserdichte Teil liegt ja zu Hause rum!
Ein kurzer Blick auf den Busfahrplan…letzte Abfahrt 17:10 Uhr…dann wohl doch laufen!
Es geht entlang der Bundesstraße, dann mal kurze Stücke auf der Bundesstraße (dank Lupine kein Problem), bis es irgendwann nach links auf den Salinenweg nach Bad Reichenhall geht. So langsam zermürbt mich der gerade Hatscher auf dem Asphalt gehörig und die nun folgende Steigung gibt mir den Rest. Zum Thumsee wird es eine Mischung aus Laufen und Gehen, bevor ich das Stück um den See komplett gehe. Im Sommer ist das hier voll das lässige Plätzchen, aber jetzt will ich einfach nur nach Hause. Ich könnte jemanden anrufen, der mich abholt, aber so kurz vorm Ziel wäre es auch doof. Irgendwas um die fünf Kilometer noch bis nach Hause, das sollte zu schaffen sein.
Vorbei am Thumsee, links hinauf Richtung Burgruine Karlstein, hinunter nach Karlstein und dann den letzten Kilometer bis nach Hause.
Schuhe aus, Klamotten aus und ab in die Wanne.
Selten habe ich mich so auf ein heißes Bad gefreut wie heute…einfach genial!

Eine ziemlich coole Runde. Sicher nichts für den Sommer, da die „Highlights“ fehlen, aber für die momentane Wetterlage optimal, auch wenn die Hatscher auf Asphalt viele Nerven kosten.

Die Mischung aus Dunkelheit, Kälte, Schnee, Regen und Erschöpfung haben die Runde heute zu einer kleinen Bewährungsprobe werden lassen.
Ganz so fit bin ich noch nicht, aber es ist ja auch noch früh im Jahr. Wenn das Wetter weiter so bleibt (was ich hoffe), dann stellt sich die Lauf-Verfassung von ganz alleine ein.

Hier geht’s zum Move!

Staufen-Umrundung

21 Gedanken zu „Staufen-Umrundung“

  1. Erster Gedanke: 36 km. Zweiter Gedanke: Auf unbekannten Pfaden. Dritter Gedanke: Im Dunkeln.

    DER TYP!

    Aber solche unverhofften Bewährungsproben sind doch letztendlich das, was das Sportlerleben ausmacht. Nicht die „Chickenline“ wählen und sich abholen lassen, sondern durchhalten und beißen. Gefällt mir!

  2. Schöne Idee! Das schwebt uns auch schon eine Zeit lang vor. Danke, dass Du’s jetzt für uns gemacht hast 😉
    Aber im Ernst: Wir „Alten“ werden das schon auch unter unsere Füße nehmen – jetzt erst recht! Sind zur Zeit zwar nicht unfit, aber lange Läufe waren schon länger nicht mehr, immer nur die gleichen 10 – 15 km. Dafür mehr am Berg unterwegs …
    Grüße aus dem Nonner Unterland von Michael und Brigitte

  3. „Hatscher“ mußte ich erstmal googeln, der Begriff war mir gänzlich unbekannt.

    Mach Dir keine Gedanken um welche, die nichts Gutes im Schilde führen, die werden sich wohl kaum die Mühe machen sich kilometerweit abseits der Zivilisation zu begeben, um sich einen einsamen Läufer zu greifen 😉

    LG Volker

  4. Du bist noch nicht ganz fit… Soso, ich glaube eher, Du bist ja nicht ganz dicht! 😉
    Da brauch eich noch 10 Jahre, um so fit zu werden, wie Du jetzt bist.
    Ach, egal, Hauptsache ne Runde drehen. Muss ja nicht gleich >35 km sein.
    Wilde Sache, Steve! Und Respekt natürlich auch.
    Viele Grüße aus dem Norden, Bernd

    1. Das mit dem „dicht“ würde ich auch unterschreiben, aber so richtig fit bin ich auch noch nicht. Dachte eigentlich ich laufe das Ding durch, aber da war der Asphalt dann doch zu zermürbend…aber das Jahr hat ja erst angefangen!
      Aber du hast Recht: Hauptsache ne Runde drehen..egal wie lang…Hauptsache Spaß dabei!

      Viele Grüße in den Norden

      Steve

  5. Danke für deine Antwort.
    Ich arbeite an mir, immer auf meine innerliche Stimme zu hören,
    denn sie will nur, dass es einem gut geht.
    Mit deiner Antwort, warst du für mich mein Lehrer.
    Danke

    Herzliche Grüsse

    Papa

  6. Hi Steve,

    das war wirklich ein richtiger „Hatscher“ –
    wobei dieses Wort für einen „zuagroastn“ schon super ist !!

    Wenn dann noch „Kniaschnackler“ dazu kommt und du von
    Benno Hubensteiner die Bayerische Geschichte gelesen hast
    dann bist du ein echter Bayer !!!

    See you on the Trails

    Alpines Steinschaf
    von Grip STRATOS genannt

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