Ultra Trail Schwarzach 2014

Bei gutem Wetter kanns jeder

Was für ein Traumwetter die letzten Wochen, einfach zu genial für diese Jahreszeit; und dann: Sonntag, 05:30 Uhr, der Regen weckt mich. Passend zum Ultra Trail Schwarzach kommt das schlechte Wetter.
Bis ins österreichische Schwarzach im Pongau sind es ein paar Kilometer und so hoffe ich, dass dort das Wetter besser ist. Der Wetterbericht sagt aktuell für Bad Reichenhall keinen Regen, also suche ich erst einmal so lange, bis ich einen finde der aktuell „totales Sauwetter“ voraussagt um dann zu sehen, was er ab 08:00 Uhr für Schwarzach sagt.
Gesagt, getan, gefunden, Ergebnis: 08:00 Uhr bewölkt aber trocken…sagt er!
Auf der Fahrt ins wilde Österreich, Aquaplaning auf der Autobahn, Platzregen, von Wetterbesserung ist nichts zu erkennen.
Gegen 07:30 Uhr ist es in Schwarzach zumindest trocken, wenn auch die dicken schwarzen Wolken nicht gerade vertrauenserweckend ausschauen.
Startnummern empfangen, die WUSA’s und Rupi treffen und dann umziehen.
Die Mehrheit setzt auf Windbreaker oder lange Shirts, nur wenige der 50 Teilnehmer ziehen Regenjacken an. Der Regen wird kommen, so schaut es zumindest aus und da man früher oder später sowieso nass wird, ob nun von innen oder außen, entscheide ich mich auch für den Windbreaker und für die kurzen Hosen.
Das Briefing vor dem Start ist familiär. Die Teilnehmer werden namentlich aufgerufen und wenn jemand fehlt, dann weiß der Sprecher auch meist warum: Familienfeier, krank, etc…hier kennt man sich!
Danach noch ein bisschen in der Gaststube aufwärmen, so wir um Punkt 08:30 Uhr zum Start vor dem Abtsdorfer Wirtshaus sind.

Start zum Ultra Trail Schwarzach 2014

Hier stehen wirklich nur Raketen. WU, der hier aus der Ecke kommt, kennt einige von ihnen. Ironmänner, Double-Ironmänner, Triple-Ironmänner, Europameister…das wird schnell heute. Die Strecke ist schnell, das Profil ist schnell und die Typinnen und Typen sind es auch.
Zack los geht’s, relativ locker, aber ein Blick auf die Uhr verrät einen Schnitt um die 5 Minuten pro Kilometer.
Langsamer Steve, langsamer!
WU wollte schneller laufen als am Wörthersee, also unter 7:30 Minuten pro Kilometer und das macht er im Moment auch deutlich, denn er läuft weit vor mir. Ob er das durchhält?
Die ersten Kilometer verlaufen relativ flach, mit zwei kurzen Anstiegen und ich kann auf WU aufschließen. Von nun an laufen wir zusammen, mal in einer dreier, dann in einer vierer Gruppe.
Auch er ist viel schneller unterwegs als geplant, aber er lässt es einfach mal laufen. Schauen wir mal, was am Ende dabei rauskommt!
Nach knapp einer Stunde passieren wir den Start-/Zielbereich am Wirtshaus. 12 Kilometer liegen hinter uns, die kleine Runde ist quasi geschafft, jetzt geht es auf die große Runde, auf weitere 34 Kilometer.

Wir behalten die Geschwindigkeit bei, motiviert durch das Laufen im Team und unterstützt durch den schnellen Untergrund. Trails sind leider Mangelware, Asphalt und Forststraße bestimmen den Untergrund und das sorgt natürlich für entsprechenden Speed.
Nach zwei Stunden liegen bereits 21,6 Kilometer hinter uns und 483 Höhenmeter im Aufstieg, stehen 346 Höhenmeter Abstieg entgegen. Die Pace liegt im Schnitt immer noch bei 5:33 Minuten.
Nach zwei Stunden Dauerregen (hatte ich erwähnt, dass es zum Start angefangen hat zu regnen) bin ich nass bis auf die Knochen. Meine Jacke ist mit meiner Haut verschmolzen und klebt bombenfest an mir. Dank des hohen Tempos sind die Beine nicht kalt, aber sie haben sich auch schon mal besser angefühlt.
Auf der Bundesstraße geht es steil nach unten in die Ortschaft Lend, von wo aus es dann zum höchsten Punkt der Runde geht, der natürlich über den längsten und steilsten Anstieg erreich wird. Nach 25 Kilometer gehe ich zum ersten Mal, was aber bei dieser Steigung immer noch schneller ist als laufen. So langsam verfluche ich den Untergrund und vermisse die Trails. Lieber langsamer auf Trails laufen, als schnell auf Asphalt!
Oben angekommen nimmt WU gleich wieder Fahrt auf und zieht mich mit. Kurz bergab und dann flach dahin. Die Pace pendelt sich wieder um 5:00 Minuten ein; was ist hier bloß los?
Ein längeres Gefälle sorgt nicht gerade dafür, dass wir langsamer werden.
An einer Verpflegungsstation genieße ich dann das Essen und die Pause, gönne mir eine Pinkelpause und lasse WU davon ziehen. Er ist heute einfach brutal schnell, dass halte ich nicht durch.
Ich lasse es etwas langsamer angehen, auch wenn mir das Laufen jetzt merklich schwerer fällt.
Sandra und Sabrina haben uns schon die ganze Zeit immer wieder angefeuert und fotografiert. Am Anfang war der Motivationskuss an der Strecke eine willkommene Abwechslung und Ansporn zugleich, jetzt könnte ich ja auch einfach ins Auto steigen und mit fahren.
Immer diese Gedanken!
Aber ich lasse es beim Knutschen und denke mir einfach: Lieber weiter laufen und noch ein paar Küsse einsammeln, als im Auto sitzen und keine mehr zu bekommen.
Vor dem letzten Anstieg ein letzter Kuss von Sandra, bevor sie mit Sabrina ins Ziel fährt, wo WU am Ende acht Minuten vor mir ankommen wird.

Die letzten sechs Kilometer

Der letzte Anstieg wird nochmal trailig und das motiviert. Oben angekommen meint ein Bauer nur: „Die letzten 15 Meter, dann hast du es geschafft. Dann kommt noch ein kleiner Anstieg zur Kapelle und dann geht es nur noch bergab!“
Nur noch bergab? So so!
Es stimmte alles was er gesagt hat. 15 Meter bergauf, dann durch die Ortschaft, an der Kapelle vorbei und dann nur noch bergab.
Allerdings über fünf Kilometer!
Unten erkenne ich schon das Ziel, höhere den Sprecher die ankommenden Läufer ankündigen und ich habe noch fünf Kilometer vor mir.
Fünf Kilometer können verdammt lang sein…verdammt lang. Gerade dann, wenn man noch einmal eine riesige Schleife laufen darf.
Auch wenn ich auf diesem Bild lustig und locker aussehe…innerlich habe ich gekocht!
Ultra Trail Schwarzach 40
Wie gerne wäre ich einfach rechts über die Wiesen nach unten gerannt in dieses verschissene Ziel! Argh!
Aber hier ist ja so schön, es hat aufgehört zu regnen, die Berge kommen zum Vorschein, da läuft man doch gerne noch eine kleine Schleife um diese wunderschöne Ortschaft.
Man sind diese letzten Kilometer lang. Verdammt lang und dann, endlich, das Ziel!
Scheiße war das schnell, scheiße war das hart (das Rennen und der Untergrund)!
Medaille, Shirt, Kuss!
Gefolgt von Mc Double, Mc Flurry und der Badewanne!

Am Ende zeigt die Uhr 4 Stunden und 32 Minuten, was eine Pace von 5:57 Minuten macht! Krass! Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit!

Fazit

Sehr schnelles Rennen, das aber meiner Meinung nach den Namen „Trail“ zu Unrecht trägt. Der Anteil an Trails lag bei maximal 10%. Der Rest verlief auf Asphalt und Forststraßen. Trotzdem war das Rennen perfekt organisiert, von der Ausschreibung, über die Markierung und die Verpflegung (genial, riesige Auswahl) bis hin zum Zielbereich.
Man darf gespannt sein, wie sich das Event 2015 entwickelt, wenn es unter anderem eine knapp 100 Kilometer-Strecke (drei Punkte für den UTMB) gibt.

Danke an Christian (WU) für den Tipp, fürs mitlaufen und mitziehen und Hut ab vor deiner Zeit. Die Insel kann kommen…lass es krachen Junge!
Danke an Sabrina für den Support und dafür, dass du meine bessere Hälfte mitgenommen hast. Dir auch viel Spaß und viel Erfolg auf der Insel!
Danke Schatzi fürs mitkommen, die Motivationsküsse und die häusliche Pflege!

Hier geht’s zum Move!

Ultra Trail Schwarzach

13 Gedanken zu „Ultra Trail Schwarzach 2014“

  1. Dieser Post hat eine neue, wichtige Erkenntnis gebracht: Steve hat eine bessere Hälfte 🙂 Zweite Erkenntnis: Er kann schnell und Asphalt, auch wenn es nicht sein Metier ist.

    Glückwunsch zu dem angesichts der Höhenmeter Irrsinnstempo!

    Was macht der Fuß?

    LG Volker

    1. Haha, du bist genial Volker! Danke dir!

      Dem Fuß geht es den Umständen entsprechend. Er ist nicht ganz beschwerdefrei, hat aber in der Vergangenheit nach 10 Kilometern schon mehr weh getan wie nach diesen 46. Ich bin guter Dinge, mit entsprechender Gymnastik und Schonung, wieder alles in den Griff zu bekommen.
      Jetzt geht’s erst mal für ein paar Mal aufs Rad und die Laufschuhe kommen nur zu Testberichten zum Vorschein.

      Viele Grüße

      Steve

  2. Servus Steve,

    verfolge deinen Blog ja schon länger aber schreiben trau ich mich nie 😉
    Gratulation zu deiner Leistung!
    Hast Du deinen MP3-Player bei so einem Rennen eigentlich in ner simplen Plastiktüte oder gibts da etwas, das Du empfehlen kannst?
    Grüße aus Freilassing

    1. Super, danke dir!
      Den MP3-Player (iPod Shuffle) packe ich entweder in die Jackentasche oder klippse ihn an den Hosenbund.
      Regen und Schweiß haben ihm bisher nicht geschadet.
      Funktioniert noch wunderbar.

      Viele Grüße aus Bad Reichenhall

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