Erste Königssee-Umrundung 2014

Als Hendrik (trailblog.de) vor ein paar Wochen meinte, er sei demnächst in der Gegend und würde gerne eine Runde laufen, da fiel mir nach etwas überlegen sofort die Königssee-Umrundung ein. Diese Tour muss der Typ einfach sehen dachte ich mir und zack war das Ding in trockenen Tüchern.
Der Schnee vom letzten Wochenende hätte uns durchaus einen Strich durch die Rechnung machen können und auch der Wetterbericht sah für heute anfangs nicht ganz so rosig aus, aber als heute Morgen die Sonne schien und man kaum eine Wolke am Himmel sah, da wusste ich, dass es awesome werden könnte!

Königssee-Umrundung

Als wir uns am halb neun am Parkplatz am Königssee auf den Weg machen, haben wir zur Sicherheit Schneeketten für die Schuhe dabei, denn wir wissen nicht, wieviel Schnee, in welchem Zustand, auf 1900m auf uns warten wird. Die Temperaturen hier unten waren auf jeden Fall schon angenehm genug für kurze Hose und T-Shirt.
So schrauben wir uns auch relativ flott auf der Forststraße nach oben, vorbei an der Königsbachalm und stehen nach einer knappen Stunde an der Priesbergalm.
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Hier gibt es dann auch das erste richtige Panorama, bevor es auf den genialen Trails, die genau hinter der Hütte beginnen, weiter geht.
Wir verlassen die Forststraße und betreten die Trails, DIE TRAILS!
Es geht hinauf in den Stiergraben. Der Wald wird noch einmal dichter, bevor er sich Meter um Meter lichtet und wir langsam die Baumgrenze erreichen.

Durch den Schnee nach oben

Das was es von nun an an Bäumen weniger wird, das wird es an Schnee mehr. Hier im Stiergraben liegt oft noch im Juni Schnee; jetzt haben wir Ende Mai, vor kurzem hat es nochmal heftig geschneit, da ist es klar, dass hier noch was liegt…auch wenn ich mit weniger gerechnet hätte!
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Teilweise sinken wir bis zur Hüfte ein oder rutschen den Schritt den wir gerade gemacht haben wieder zurück. Das kostet Kraft und Nerven, ist aber ziemlich genial, wenn man bedenkt, dass wir hier oben in kurzen Hosen durch den Schnee laufen.
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Wir lassen den Seeleinsee links liegen und steigen auf zum Hochgschirr, dem höchsten Punkt der Tour.
Ich lasse Hendrik auf den letzten Metern den Vortritt..
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…das Panorama gehört ihm!
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Gigantisch! Awesome! Abgefahren!
Hier stehen wir, mitten im Schnee, mitten in der Natur, weit und breit keine Menschenseele. Im Schnee erkennt man nur die Spuren der Gämsen. Spuren von Schuhen, Skiern oder Schneeschuhen sucht man vergebens.
Was für ein geiles Gefühl!

Jetzt kommt der Downhill, der schönste im Berchtesgadener Land, über 1300 Höhenmeter nach unten an den Obersee.
Der Schnee ist relativ aufgeweicht, so dass man die Schneeketten nicht unbedingt braucht. Dafür sinken wir immer bis zur Mitte des Schienbeins ein und die kalten Eiskristalle schneiden in die Haut. Ist nicht gerade ein sehr angenehmes Gefühl, aber wenn man sich umschaut und genießt, ist das alles halb so wild.
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Es geht durch das Landtal, vorbei an der verfallenen Landtalalm. Der Schnee wird weniger, die Bäume werden mehr. Die Bergblumen blühen, die Vögel zwitschern, Gämsen tauchen auf den umliegenden Bergen und Hängen auf und wir sind mittendrin. Keine Menschenseele…nur wir zwei.
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Auf dem Landtalstieg hinunter zum Obersee wird es stellenweise ziemlich tricky. Die Winterschäden sind enorm und teilweise ist der Weg noch verschüttet. Das Tauwasser sorgt an manchen Stellen für kleine Sturzbäche auf dem Weg. Hier dauert es definitiv noch ein bisschen, bis die Wege wieder hergerichtet sind.

Zurück unter Menschen

Am Ende des Steigs angekommen werden wir aus dem Wald ausgespuckt und landen direkt am Auslauf des Röthbachfalls.
Jetzt hat uns die Zivilisation wieder und die ersten Touristen kommen uns entgegen. Schnell runter zum Obersee und nichts wie weiter nach Salet.
Wenn man die letzten Stunden keinen Kontakt mit anderen Menschen hatte, dann wirkt das hier schon etwas befremdlich.
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Nach dem obligatorischen Foto geht es auch gleich weiter, denn schließlich haben wir erst die Hälfte hinter uns…und wir müssen wieder auf einsame Pfade.
Entlang des Sees geht es auf den alten Viehtriebsteig am Neiger.
Ein vergessener Pfad, extrem steil und verwachsen, kaum zu finden, total einsam.
Wir schrauben uns rasant nach oben und sind bald schon wieder 100 Meter über dem See. Dieser Anstieg ist hart, ist aber eigentlich erst ein Vorgeschmack auf das, was noch auf uns wartet.
Wir kämpfen uns durch den Wald, durchs Unterholz, befreien uns von Zecken und stoßen dann irgendwann wieder auf den Normalweg, der uns hinunter nach St. Bartholomä führt; rein in die nächste Hochburg der Touristen.
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Die Gegensätze könnten krasser nicht sein. Die letzte Stunde haben wir wieder niemanden gesehen und jetzt sind wir mittendrin statt nur dabei.
Wir gönnen uns die obligatorische Spezi und eine große Brezn beim Fischer vom Königssee, bevor der finale Anstieg der Königssee-Umrundung auf uns wartet.

Der Scharfrichter

In den letzten Stunden sind immer mehr Wolken aufgezogen. Die Watzmann-Ostwand hängt im oberen Teil schon drinnen und auch am Jenner sieht es düster aus. Der Blick Richtung Archenkanzel schaut aber noch gut aus und so geht es weiter. Getreu dem Motto: Geschwindigkeit ist Sicherheit!
Der Scharfrichter wartet auf uns und der Zucker der Spezi ist auf dem ersten flachen Stück entlang des Ufers auch schon komplett verbrannt und so wie immer, renne ich gegen eine Wand, als der erste Anstieg im Wald auf uns wartet.
Wenigstens ist es hier windstill, denn vorne in St. Bartholomä wehte schon eine kräftige Briese, die aber wenigstens die Wolken wegbläst.
Jetzt geht es nach oben. Erbärmlich! Menschenverachtend! Ohne Erholung! Einfach nur steil!
Ich freue mich eigentlich nie auf dieses Stück, renne aber immer voller Elan los um dann nach wenigen Höhenmetern festzustellen, dass es einfach nur tierische anstrengend ist, wenn man schon über 25 Kilometer in den Beinen hat. Aber es hilft ja nix und wir müssen nunmal da hoch. Die Alternative, mit dem Boot zurück, kommt nicht in Frage.
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Wie durch einen Zufall treffen wir Steffi und Markus aus München, die gerade im Abstieg sind. Vor knapp einem Jahr habe ich die beiden rein zufällig am Grünstein getroffen und heute hier…so klein ist die Welt…genial!
Nach einem kurzen Plausch müssen wir weiter, denn das Wetter wird sicher nicht besser werden.
Erbarmungslos schraubt sich der Steig in der Wand nach oben und bringt uns an die Grenzen. Schon krass wie steil das hier ist.
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Langsam sind wir nicht unterwegs, das steht fest. Aber schneller geht es für mich nicht. Ich bin an diesem Punkt angekommen, wo ich innerlich fluche und mir einen Hubschrauber wünsche.
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Dann der kurze Abstieg und wir sind in der letzten Rinne vor der Archenkanzel. Noch ein Stück Wald, über die Forststraße, rauf auf den Trail und zack!
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Alles richtig gemacht würde ich sagen!

Der finale Abschnitt führt uns zunächst flach hinüber zur Kühroint-Alm und dann über die steile Forststraße nach unten an den Königssee. Die Variante über den Grünstein lassen wir aus, da die Wolken nicht so ausschauen als würden sie noch lange mit dem Regen auf sich warten lassen.
Also lassen wir nochmal die Oberschenkel brennen und stürzen uns nach unten, über die Königsseer Ache und dann vor zum Bootsanleger.

Ende! Krass! Genial! Awesome!

Eine Königssee-Umrundung ganz nach meinem Geschmack. Der Schnee war etwas doof und der Abstieg über den Landtalsteig hätte besser sein können, aber sonst war das ein absolut gelungener Einstieg in die Saison der langen Touren. Noch ein paar warme Tage und der Schnee ist endgültig Geschichte. Gut so, denn es warten noch ein paar geniale Runden und abgefahrene Moves auf mich!
Danke Hendrik fürs Mitkommen…ich hoffe es hat sich gelohnt. Gerne wieder, dann vielleicht sogar irgendwo bei dir in den hessischen Mittelgebirgen.

Koenigssee-Umrundung

Hier geht’s zum Königssee-Umrundungs-Move!
Hier gibt es Hendriks Bericht der Tour!

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33 Gedanken zu „Erste Königssee-Umrundung 2014“

  1. Abgefahren wie immer, wenn Du unterwegs bist, egal ob alleine oder in Begleitung.

    Wenn ich daran denke, dass ich dort auch mal nur als braver Touri war … 😉

    Allerdings habe ich eher selten von soviel Anstrengung bei Dir gelesen, was ist los? Wirst doch nicht alt? :mrgreen:

    Leider konnte ich bei predigtstuhl extended Deine Ton-Dokumente nicht abspielen, weiß nicht warum das nicht klappt 🙁

    LG Volker

    1. Hihi…danke Volker!
      Alt werde ich nicht; ist nur eine etwas andere Art von den Touren zu berichten. Dazu kommt, dass es die ersten längeren Touren in diesem Jahr sind, da muss sich der Körper erst dran gewöhnen.
      Das mit den Sound-Dateien ist komisch; bei Margitta funktionierte es auch nicht. Eventuell hat euer Browser Probleme mit dem mpeg4-Audio Format.

      Viele Grüße aus den sonnigen Bergen

      Steve

  2. Wow – die Fotos sind ja unglaublich! Du läufst an Orten, welche ich höchstens für eine gemütliche Wanderung in Betracht ziehen würde 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

  3. Danke Steve für den Bericht.
    Das bringt mir die aktuelle Schneelage doch etwas näher.
    Auf dem Bild der Funtensee Webcam kommt es schon nicht mehr als so viel rüber.

    Ich hoffe doch, es schneit jetzt nicht noch mal, denn verregnet ist es ja aktuell im BGL, was man so mitbekommt.

    Ich bin ab 8.6. da … und da MUSS was gehen … 😉

  4. Hallo Steve,
    zuerst meine Hochachtung zu Eurer Top-Zeit. Trotz der widrigen Bedingungen.
    Ich hätte eine Frage an Dich. Bin gerade dabei mir einen Laufrucksack zu kaufen, wo ich auch vorne Flaschen reingeben kann. Hendrik schwärmt vom Ultimate Direction SJ Ultra Vest. Den würde es auch in der Adventure Ausführung mit 12 Litern geben. Ich hätte auch den S-Lab Advanced Skin Hydro 12 im Visier. Welchen verwendest Du denn und hast Erfahrungen mit den beiden genannten oder kennst sogar einen, der noch besser geeignet wäre? Danke für Deinen Tip. lg Robert

    1. Danke dir Robert!

      Ich laufe den 2012er Advenced Skin SLAB 12. Habe die Trinkblase mittlerweile rausgemacht und packe vorne nur noch eine 500er Soft Flask rein und eine auf Reserve hinten in die obere Tasche. So hat man mehr Platz im Rucksack und auch einen besseren Überblick über den Füllstand. Zudem kann man die Flaschen einfacher nachfüllen und trinkt auch mehr; würde ich sagen.
      Der Skin Hydro 12 müsste im Prinzip der Rucksack sein den ich habe, nur mit einer durchgehenden Hüfttasche und dem Flaschenprinzip (ohne Blase). Ist glaube ich auch ein bisschen im Design überarbeitet worden.
      Die Produkte von UD keine ich leider nicht, bzw. habe ich mit denen keine Erfahrung.

      Wenn du noch irgendwo günstig einen 2012er bekommst, dann würde ich den nehmen und einfach mit Flaschen bestücken. Wenn nicht, dann bist du mit dem Hydro sicher sehr gut aufgestellt.

      Wenn du noch Fragen hast, einfach melden.

      Viele Grüße

      Steve

      1. Danke für die Info. Werde mir dann wahrscheinlich den Hydro besorgen. Der 2012 ist ja nicht mehr im Programm. Aber vielleicht läuft mir noch einer über den Weg.
        lg Robert

          1. Eine Frage noch zu der Königsseerunde. Die Angaben schwanken ja meist zwischen 32- 38 km und 2500- 2900hm. Hendrik schrieb jetzt z.b. 38km und 2700hm. Ist diese Angabe so richtig? Es sind ja doch ziemlich große Unterschiede die für ein und die selbe Runde da im Netz so angegeben werden.
            lg Robert

          2. Hihi, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, je nachdem wie das GPS aufgezeichnet hat. Hauptsache die Trails sind awesome, und das sind sie, egal wie lange du unterwegs bist. 😉

  5. Hi Steve, am 29.08.14 war es soweit. Ich wollte endlich auch mal diese Runde laufen. Mal sehen was mein Körper noch so aushält. Bis zur Priesbergalm kannte ich den Weg ja schon. Dann weiter über den Stiergraben rauf zum Hochgschirr. Da war die Welt noch in Ordnung. Wetter auch noch super. Der Downhill zum Obersee landschaftlich wirklich beeinruckend. Ich kannte diese Perspektive überhaupt noch nicht. Von der Fischunklalm bis Salet eine Horde von Menschen. Da kommt man sich schon etwas befremdlich vor. Stellenweise konnte ich beim schmalen Steg am Obersee gar nicht überholen. Beide Fahrspuren waren total belegt. Hihi. Beim Gasthaus bei der Bootsanlegestelle eine kurze Pause und ein besorgter Blick rüber zu der Wand wo irgendwo der Viehtriebsteig hinaufführen soll. Hoffentlich finde ich den gleich. Weiter gings und zu meiner Überraschung war dieser Weg eigentlich leicht zu finden. Er ist auch schon gut ausgetreten. Nächste Pause dann in St. Bartolomä. Hier war die Welt auch noch in Ordnung und der Zeitplan stimmte noch. Nach einer kurzen Pause ging es wieder weiter und es wartete der letzte Aufstieg. Ich kannte diesen Weg nur von einmal runterlaufen und das war auch schon wieder einige Jährchen her. Voll motiviert ging es bergauf und ca. bei der Hälfte fing es an zu zwicken in den Oberschenkeln. Das was ich befürchtet habe ist leider eingetreten. Und zu allem Überfluß fing es auch plötzlich stark zu regnen an. Das war erst gegen Abend gemeldet und nicht schon Mitte Nachmittag. Ich überlegte hin und her und ging noch ein Stück weiter. Aber irgendwann siegte die Vernunft und schweren Herzens ging es retour Richtung Königssee und zurück mit dem Boot. Das Wetter wurde immer schlechter und ich wusste das diese Entscheidung die Richtige war. Bergab hatte ich dann glücklicherweise keine großen Probleme mehr mit den Krämpfen. Heuer möchte ich noch einmal mit dem Boot nach Salet und von dort die Runde fertiglaufen. Ist zwar nicht das Gleiche wie in einem Durchgang, aber wenn es muskulär nicht mehr so leicht geht, dann muß man halt Kompromisse eingehen. lg Robert

    1. Servus Robert,

      schade das es nicht geklappt hat, aber bei dem Wetter war es sicher die richtige Entscheidung.
      Bei Nässe macht der Rinnkendlsteig überhaupt keinen Spaß und je nachdem wie sich das Wetter dann verändert, kann es auch gefährlich werden.
      Das Gute ist, er läuft ja nicht weg und so ergibt sich sicher wieder ein Versuch.
      Bei schönem Wetter lohnt sich die „Quälerei“ absolut. 😉
      Ich empfehle dann übrigens den Abstieg über den Grünstein. Ist von Kühroint ein kleiner Schlenker, aber den Ausblick auf den Talkessel muss man einfach mitnehmen und der Trailanteil ist wesentlich höher, als wenn man direkt von Küroint über den Klingerweg absteigt.

      Viele Grüße

      Steve

  6. Hallo Steve! Danke für Deinen Tip. Nur ob ich den befolge steht in den Sternen. Wahrscheinlich bin ich froh, das ich überhaupt zum See komme. Hihi. Und den Grünstein kenne ich von den Klettersteigunternehmungen eh ganz gut. Auch den Verbindungsweg zur Kührointalm. Hast Du heuer auch noch mal vor, den Königssee zu umrunden? lg Robert

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