Karwendel-Berglauf 2014

Dank der Einladung von Dynafit komme ich also zu meinem ersten Berglauf: Dem Karwendel-Berglauf 2014.
Es gibt „einfachere“ Bergläufe, aber wenn schon, denn schon!
Es gibt auch besseres Laufwetter, aber bei Temperaturen über 30 Grad wird die Sache doch noch viel interessanter, gerade dann, wenn der Startschuss erst um 14:00 Uhr fällt.
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Gestartet wird im Dorfzentrum von Mittenwald und dann geht es über 11 Kilometer, 1460 Höhenmeter nach oben, auf die Nördliche Linderspitze. In der 13. Auflage ist die Strecke also nochmal ein Stück länger geworden als sonst. Für die Insider: Es geht nach dem Tunnel nicht links, sondern rechts raus und dann hoch zum Gipfel. Sonst war das Ziel immer in den linken Ausläufern auf einem kleinen Plateau.
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Das Problem das ich bei so späten Starts habe ist das Essen. Ich brauche irgendetwas nach dem Frühstück, sonst habe ich Hunger, kann mir aber auch nicht den Bauch voll schlagen, sonst kann ich nicht laufen. So schaut die Zusammenstellung ziemlich abenteuerlich aus.
Zum Frühstück Müsli, auf der Fahrt einen Mc Croissant, in Mittenwald angekommen eine Banane und später dann zwei Laugenstangen, zwei Kugeln Eis, eine Leberkas-Semmel und zum Abschluss noch einen Apfel. So kann sich der Körper nehmen was er braucht: Salzig, süß, herzhaft oder vitaminreich.
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Die Temperaturen sind schon ziemlich krass und je näher der Start rückt, desto wärmer wird es. Als es dann so langsam an die Startaufstellung geht, finde ich mich auf einmal ganz vorne im Starterfeld. Ich saß die ganze Zeit vor dem Startbogen im Schatten, bin jetzt aufgestanden, ein paar Meter gelaufen und stehe in der dritten Reihe. Würden die Jungs ganz vorne einen Furz lassen, ich würde ihn nicht nur riechen sondern auch ganz genau hören.
Sofort wird mir klar, dass ich in dieser Position alles andere als langsam starte, aber ich habe auch keine Lust mich durch das Feld jetzt nach hinten zu kämpfen. Also bleibe ich einfach mal stehen und lasse mich überraschen.
Es kommt wie es kommen muss!
Der Startschuss fällt und ich laufe in einer Pace zwischen 3:55 und 4:15 los und spurte mit dem Feld aus der Stadt. Am ersten steilen Anstieg, es geht über eine gefühlt senkrechte Teerstraße nach oben, holt mich die Realität ein und wirft den Bremsschirm. Ich werde langsamer und nach den ersten zwei Kilometern und knapp 150 Höhenmetern schalte ich ein paar Gänge zurück und fange an zu gehen. So war das eigentlich nicht geplant, aber jetzt habe ich eben postwendend die Quittung für diesen Sprint am Anfang bekommen. Ist doch klar das diese Berglaufgazellen ein schnelles Tempo vorlegen, noch dazu wenn ein paar Kenianer im Feld sind, aber ich wollte es ja nicht glauben.
Prompt werde ich von hinten überholt, überhole aber auch immer wieder Leute vor mir, die wahrscheinlich genau den gleichen Fehler gemacht haben.
Die Forststraße auf der wir uns mittlerweile befinden wird immer mal wieder etwas flacher, bevor sie sich wieder steil aufstellt. Immer wieder kann ich so ein paar kurze Passagen laufen, bevor ich ins schnelle Gehen wechsle. So geht es hin und her und ich überhole ein paar Leute, die mich wenig später wieder überholen…ein lustiges Spiel.
Es sind auffällig viele Läufer mit Vereins-Shirts unterwegs. Laufvereine, Leichtathletik-Vereine, Skiclubs; hier ist wirklich alles vertreten und das macht es deutlich, dass es durchaus ambitioniert zu Gange geht.
Wir lassen die Forststraße hinter uns und biegen auf einen schattigen Wanderweg ein, der uns in vielen Serpentinen weiter nach oben führt. Endlich wird es etwas kühler. Ich tippe es kühlt von 32 auf 29 Grad ab…juhu!
Ein Blick auf die Uhr, gefühlt habe ich schon 800 Höhenmeter hinter mir, verrät mir, dass die ersten 400 Höhenmeter hinter mir liegen…bleiben ja nur noch 1000.
Dieses Stück liegt mir allerdings wesentlich besser. Zwar laufe ich nicht mehr, kann aber bergauf auf dem schmalen Trail schnell einen optimalen Schritt finden und mache gleich zu Beginn einige Plätze gut. Leider kann man nicht an vielen Stellen überholen, was dazu führt, dass ich gefühlt schneller könnte, nur leider geht es nicht. Überholen kostet Kraft, denn man muss an den entscheidenden Stellen für kurze Zeit das Tempo anziehen und unter Umständen auf den losen Untergrund am Rand wechseln. Da kostet jedes Manöver Kraft. Also versuche ich eine gesunde Mischung aus „Erholung“ und kurzen Überholmanövern zu finden, was auch recht gut klappt.
Als wir aus dem Wald kommen wird auch schon das erste Mal die Dammkarhütte sichtbar, die noch so unendlich weit über uns liegt. Erschwerend kommt hinzu, dass nun der berüchtigte Teil des Laufs beginnt; zumindest ein erster Vorgeschmack auf die Geröll-Party!
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An der Dammkarhütte angekommen mache ich schnell ein paar Fotos, als mich eine Läuferin nach etwas zu trinken fragt. Ich habe sie erst nicht richtig verstanden und als ich nachfrage verstehe ich dann was sie mag, nicht zuletzt weil sie auf meine Flasche zeigt. Ich brauche einen kurzen Moment um die Frage zu verarbeiten, bin gerade dabei die Flasche aus der Hand zu fummeln, da läuft sie weiter.
Komische Sache. Dann soll sie nicht fragen wenn sie keine Zeit hat. Und überhaupt: Wer ohne Rucksack oder Trinkflasche bei diesen Temperaturen an diesem Lauf teilnimmt, der sollte sich mal fragen, ob das denn so richtig ist, oder ob man die 200g hätte investieren können.
Was sollst, sie läuft auf jeden Fall weiter, scheint also auch ohne zu gehen…verrückte Sache!
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Jetzt kommt das berühmt, berüchtigte Dammkar. Diese Schutthalde auf der man keinen festen Halt findet und man zwangsläufig immer wieder ein Stück nach unten rutscht. Die Ideallinie ist vorgegeben und wer überholen möchte, der muss die Linie verlassen und ins losere Geröll abbiegen. Ein Tanz mit dem Teufel auf diesem menschenverachtenden Stück bei höllischen Temperaturen.
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Ein kurzer Stopp an der Getränkestation und dann geht es weiter. Der Blick nach oben verrät wo es hingeht und in Gedanken male ich mir aus was da auf mich zukommt.
Es wird eine ziemlich zähe Angelegenheit, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Am Ende des Gerölls wartet einen kurze Passage mit Holzplanken, quasi um Fahrt aufzunehmen, bevor es in den Tunnel geht.
Auf den Tunnel bin ich vorbereitet, ich weiß dass da einer kommt, aber ich habe nicht damit gerechnet das er so lang ist und das man darin ohne Probleme Pizza und Tiefkühlkost lagern kann. Von gefühlten 30 Grad Außentemperatur geht es innerhalb weniger Sekunden runter auf gefühlte 3 Grad. Ich kann meinen Atem sehen, so kalt ist es hier im inneren des Berges und irgendwann sehe ich dann auch das berühmte Licht am Ende des Tunnels und weiß, dass es sicher gleich vorbei ist…
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…und zack…wieder schnellt die Temperatur nach oben, aber es scheint kühler geworden zu sein. Ich tippe auf 26 Grad! Da hat wohl jemand die Tür vom Gefrierfach offen gelassen.
Der Tunnel spuckt mich an der Bergstation wieder aus und getragen vom Jubel der Zuschauer geht es auf das letzte stück, hinauf zum Gipfel der Nördlichen Linderspitze. Ich sehe das Ziel, aber es scheint noch so unendlich weit weg. 130 Höhenmeter sind es noch, eigentlich ein Klacks gegen das was hinter mir liegt, aber die Luft ist schon ziemlich raus. Ganz so dynamisch schaut es sicher nicht mehr aus, aber Hauptsache es geht noch aufwärts.
Da ist das Ziel, der Punkt an dem es nicht mehr weiter nach oben geht!
Zack da bin ich!
Fix und alle nach 1:46,54, aber die Aussicht entlohnt für jeden einzelnen Meter!
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Ich war noch nie im Karwendel unterwegs. Der Aufstieg durch das Dammkar war landschaftlich nicht unbedingt ein Höhepunkt, aber die Aussicht hier oben die flashed schon ziemlich!
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Nach einer gemütlichen Pause mache ich mich auf den Weg zur Bergstation, trockene Klamotten anziehen, essen, trinken, neue und alte Bekannte treffen und auf die Siegerehrung warten.
Nach der Siegerehrung geht es mit der Bahn nach unten. Leider haben ziemlich viele Leute die gleiche Idee und so darf ich eine Stunde auf die Talfahrt warten. Das ist eben der Nachteil an diesen Events. Hätte ich einen besseren Rucksack dabei und nicht den einfachen Klamottenbeutel und wäre ich ein bisschen früher los, dann hätte ich gemütlich nach unten laufen können.
Vielleicht beim nächsten Mal!
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Diese Bergläufe sind schon verdammt schnell und eigentlich mag ich es eher etwas gemütlicher und länger. Ich werde jetzt sicher nicht von Berglauf zu Berglauf fahren, aber der ein oder andere im Jahr ist sicherlich drin und 2015 findet ja auch wieder der Karwendel-Berglauf statt…schaun mer mal!

Hier geht es zum hottest Move ever!

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14 Gedanken zu „Karwendel-Berglauf 2014“

  1. Hehe Steve, das hört sich nach jeder Menge Spass an 😉
    Gefallen würde mir so ein Event bestimmt auch, aber so viele Menschen, keine Zeit sich die Umgebung richtig anschauen und dann der Zeitdruck 😀
    Ich gratuliere Dir zu dieser respektablen Leistung, hast Du gut gemacht!

    Salut
    Christian

    1. Danke dir Christian.
      Bestimmt wäre das was für dich. So viele Teilnehmer sind es auch nicht. Da gibt es Bergläufe die um ein vielfaches stärker frequentiert sind. Zeit für die Landschaft hat man auch und das landschaftliche Highlight hat man sowieso erst im Ziel.
      Also…nix wie hin! 😉

      Viele Grüße

      Steve

  2. Das sind ja schon ein paar Höhenmeter auf so einer kurzen Strecke. Dazu die Wärme. Da hast Du mal wieder ein harte Nuss geknackt.

    Das Verhalten der Läuferin hingegen war ja mehr als merkwürdig. Vielleicht war das schon einer beginnenden Dehydrierung geschuldet…

    LG Volker

  3. Glückwunsch! Bei den Temperaturen heftig – klasse gerockt!
    Die reinen Bergläufer sind immer recht minimalistisch unterwegs, kein Grämmchen zu viel am Körper.
    Ich kenne den Aufstieg, war meine zweite Bergtour *allein unterwegs*. Dort habe ich meine Liebe zu den Bergen wieder in mir gefunden! Die Aussicht ist wahrlich ein Highlight….. auch der Blick ins Karwendel rein, dort, wo es in den Tunnel geht 🙂
    Wie winzig der Hohe Kranzberg von dort oben wirkt, wie ein sanftes Hügelchen 😀

  4. Die Landschaft würde mich ja schon reizen!
    Nur bergauf wäre dagegen nichts für mich. Schon gar nicht bei deinem Tempo. 😉
    Und an deiner Ernährung solltest Du definitiv arbeiten! 😉

    1. Ja, wirklich eine gigantische Landschaft.
      Das mit der Ernährung ist doch super…total abwechslungsreich! 😉
      In Leberkas-Semmeln sind ja auch Vitamine…man muss nur ein paar mehr essen. 😉

    1. Danke dir Margitta.
      Habe eine Dame mit dem Shirt am Samstag gesehen. Kannte den Lauf bis dato nicht, klingt aber interessant. Für dieses Jahr wird es nichts, aber vielleicht nächste…wer weiß!
      Können ja zusammen mitlaufen! 😉

      Viele Grüße aus den Bergen

      Steve

    1. Ja, allein stelle ich mir die Strecke auch ziemlich genial vor. Am besten früh morgens starten und dann im Abstieg noch ein bisschen kombinieren.
      Garantiert abgefahren!

  5. Pingback: On Cloudracer

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