Aktive Regeneration nach dem Squamish 50

Nach dem krassen Squamish 50 gestern, steht heute eigentlich nichts Wildes auf dem Programm…zumindest war das der Plan.

Zuerst werden einmal sämtliche Speicher des Körpers wieder aufgeladen. Nachdem die Nacht doch etwas unruhig war (schließlich läuft man die 80 Kilometer noch einmal nach), klafft am Morgen dann ein riesiges Loch im Bauch…und mit riesig meine ich auch riesig…also richtig riesig.
Da hilft nur ein Mountain-Man-Breakfast bei Big D’s
mountain-man
Auf dem Bild erkennt man leider nicht alles, deshalb hier kurz die Erläuterung was zu einem Mountain-Man-Breakfast gehört: Zwei Pancakes (mit Ahornsirup und Butter), zwei große Scheiben Toast (mit Marmelade und Erdnussbutter), drei Eier, zwei Scheiben Schinken, zwei Scheiben Speck, zwei kleine Bratwürste, Kartoffelscheiben, Tomate, Erdbeere und Honigmelone.

Nach solch einem Essen legt man sich eigentlich für den Rest des Tages auf die Couch. Wir wollen aber noch ein bisschen was vom Rennen mitnehmen, noch ein bisschen diese geniale Atmosphäre aufsaugen und so haben wir uns im Vorfeld als freiwillige Helfer für den Zielbereich gemeldet, denn heute findet das 50k und 23k Rennen statt.
So trotten wir also gemütlich zum Zielbereich, melden uns dort und bekommen mitgeteilt, dass für den Zielbereich genügend Helfer vor Ort sind. Im Moment mangelt es allerdings an Course Marshalls, also an den Streckenposten die aufpassen, dass die Läufer den richtigen Weg nehmen und in Notfällen zur Verfügung stehen.
OK, dann stehen wir eben nicht am Grill oder schneiden Obst, sondern sitzen irgendwo auf den letzten Metern vor dem Ziel an der Straße, regeln den Verkehr und feuern die Läufer an.

Haha…denkste!

Mit großen Augen schaut uns Sarah, die Chef-Organisatorin der freiwilligen Helfer an und fragt uns, ob wir den Course Marshal am Mountain of Phlegm übernehmen können.
Das ist der letzte Berg vor dem Ziel…die letzte Bastion der Verdammnis bevor man mit dem finalen Downhill erlöst wird…die letzte Quälerei vor der Entspannung…und das Teil ist 200m hoch.
Sie weiß natürlich, dass wir beide gestern die 50 Meilen gelaufen sind, aber sie würde es sehr lieb finden wenn wir den Job übernehmen. Wir sehen ja fit und strong aus und we can do it!
Überredet!
Mit Funkgerät bewaffnet machen wir uns vom Parkplatz am Fuße des Berges hinauf zu unserem Posten.
In Gedanken sitzen wir unten im Zielbereich, grillen und schneiden Obst, aber in Wirklichkeit quälen wir uns gerade diesen versch*** Berg nach oben.
Zu allem Übel gibt es dort oben kein Markierungsschild, dass unseren Posten markiert. Kurz angefunkt: Wir müssen wohl noch etwas auf der anderen Seite absteigen, bis zu einer Abzweigung und dort die Leute dann in die richtige Richtung lotsen.
So steigen wir also auf der anderen Seite wieder ab, die ersten Läufer kommen uns schon entgegen, und machen uns auf die Suche nach dem besagten Schild bzw. dieser ominösen Kreuzung. Nach knapp 15 Minuten funken wir nochmal runter, geben unsere Postion durch und erfahren, dass wir irgendwie zu weit sind. Also wieder zurück Richtung Gipfel und aufs Neue nach dieser Abzweigung Ausschau halten. Zwar kommen wir an einigen vorbei, halten aufgrund der sehr guten Markierungen aber keine für so kompliziert, dass man sich hier verlaufen könnte.
Kurz unterhalb des Gipfels kommt uns ein Zuschauer entgegen, der eigentlich nur oben am Gipfel die Leute anfeuert und sagt, dass schon zwei Läufer eine extra Runde gedreht haben, weil sie die Schilder nicht richtig beachtet haben.
Stimmt…hier ist wohl die Stelle. Zugegeben, sehr gut ausgeschildert, aber im Rausch der Trails kann man hier auch mal einfach geradeaus laufen anstatt nach rechts abzubiegen. Passiert das im Aufstieg, dann lässt man den Gipfel aus, passiert das im Abstieg, dann läuft man die Runde zweimal.
Also postieren wir uns hier, einer oben, einer unten und harren der Dinge die da kommen.
Und die Dinge kommen! In Form von Läuferinnen und Läufern, aber auch in Form von Stechmücken.
Keine 10, keine 20, keine 50…es sind 1000de die über uns herfallen. Zum Glück haben wir unsere Regenjacken dabei, dann verschonen sie zumindest die Arme, aber die Beine, der Kopf und das Gesicht sehen nach 10 Minuten aus wie ein Streuselkuchen. Man hält sich die Viecher nur vom Leib indem man in Bewegung bleibt. Eigentlich ganz einfach, aber nach einem 80 Kilometerlauf würde man sich eigentlich lieber setzen, das geht aber nicht…Teufelskreis!
Ach wie schön wäre es jetzt wohl am Grill oder beim Schneiden von Obst?
Also bleiben wir in Bewegung, laufen auf und ab, treten auf der Stelle und feuern die Läufer an.
Tobi klatscht sie die letzten 50 Höhenmeter nach oben und ich schicke sie wenig später auf die letzten vier Kilometer hinunter ins Ziel.
Das ganze machen wir sieben Stunden, bis der letzte Läufer vorbei ist (der obwohl er nach Zielschluss ankommen wird, trotzdem von Gary persönlich empfangen wird).
Dann machen wir uns wieder an den Abstieg. In Gedanken sitzen wir immer noch am Tisch, grillen und schneiden Obst!

Im Ziel schaut uns Sarah ganz mitleidig an als wir ihr von den Killer-Attacken der Canadian-Flies-of-Death erzählen.
Mit einem leckeren Cheesburger macht sie das aber wieder halbwegs gut.
Wir erfahren außerdem, dass wir nur dort hoch geschickt wurden, weil unsere Namen mit Textmarker auf der Liste hervorgehoben waren. Das war Gary und der meinte wohl nur zu ihr: Diese Typen sind krass drauf, die kennen die Strecke, die kennen die Gegend, die sind fit, die kannst du auch als Course Marshall einteilen!
Danke Gary!

Alles in Allem war es aber doch eine ziemlich geniale Erfahrung. Die Leute freuen sich, sobald sie ein Klatschen hören und sind froh, wenn sie jemand mit ein paar motivierenden Sprüchen auf die Reise schickt.
Nebenbei bekommt man über das Funkgerät mit welch ein logistischer Aufwand und welch unheimliche Koordination hinter solch einem Rennen stecken. Wahnsinn, wie man da den Überblick behalten kann. Das geht nur mit einem eingespielten und erfahrenen Team.
Von daher war der Course Marshall Job doch nicht so schlecht…und im Ziel hätten wir sicher auch kein cooles Funkgerät gehabt! 😉

squamish-50-volunteer

12 Gedanken zu „Aktive Regeneration nach dem Squamish 50“

  1. Ähhhh. Hmmm, Hüstel, also ich muß für so ein Frühstück nicht extra vorher 80 km gelaufen sein 😉

    Tja, mit so zwei crazy Germans kann man so eine Aktion schon mal machen. Da bekommt Ihr doch die Teilnahme im nächsten Jahr geschenkt 😎

    LG Volker

  2. Angriff der Killerfliegen! Auch das noch. Aber solche Geschichten machen das Abenteuer Kanada perfekt. Vielen Dank fürs Teilen! Dir weiterhin gute Erholung. Ich bin gespannt, was jetzt noch kommt. Müsst Ihr vielleicht noch den Müll von der Strecke sammeln? 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

  3. Genau das ist es
    Jeder Läufer freut sich über einen freundlichen Betreuer
    ein Lächeln
    ein paar nette Worte
    ganz besonders
    wenn man schon ziemlich kaputt ist
    gut gemacht
    trotz der Strapazen vom Vortrag
    ich hätte es genauso getan
    ein Geben und ein Nehmen
    sag‘ ich doch !

  4. *Reusper* Auch (Wortspiel) von hier aus *Hüstel* die besten Wünsche und Gratulation *Ächem* zum überstandenem Lauf
    *Mjah*!
    Und vielen Dank für Deine Karte aus Oldenburg- wie ihr jungen Leute das auch immer macht …!
    Querverweis für Dennis J.: Nicht vergessen: Stichwort „Altengrabow“

    1. Haha…sehr gerne! Danke dir Tom!
      Die jungen Leute wieder…Wahnsinn!
      Aber du hast ja jetzt einen iPod. Warte mal ab, den Rest kriegen wir auch noch hin.

      Sollten wir uns nicht mehr lesen, viel Erfolg beim Grazi Man am Samstag

  5. Steve,
    die Killerfliegenaktion war das Aufnahmeritual für die Supporter von Squamish. Frag Gary doch noch einmal.das hat er sich sicherlich extra für Euch zwei ausgedacht. 😉
    Ich höre es wieder heraus, ein grandioses Erlebnis.
    Viele Grüße, Bernd

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