Das perfekte Trailevent

Ich weiß nicht ob es das perfekte Trailevent gibt, aber es gibt definitiv immer und überall Verbesserungsbedarf.

Vorweg:
Ich habe bisher nur an einer Handvoll Events teilgenommen, keineswegs bei den großen und weltbekannten Rennen.
Dennoch behaupte ich, dass ich aufgrund dieser wenigen Erfahrungswerte und aufgrund der Tatsache das man viel im Internet nachlesen und mittlerweile auch live mitverfolgen kann, durchaus in der Lage bin, mir ein Bild der momentanen Situation zu machen um mir eine Meinung zu bilden.
Sicherlich trägt meine zweite Teilnahme am Squamish 50 ein wenig zu diesem Meinungsbild bei, denn wenn man mal eine völlig andere „Trailrunning-Event-Welt“ kennengelernt hat, dann sieht man, was möglich ist und wie man gewissen Dinge handhaben kann.

Was mir überhaupt nicht gefällt…

…eigentlich schon tierisch auf den S*** geht, sind Formulierungen wie:
„Der höchste Marathon Europas“
„Der härteste Halbmarathon der Welt“
„Bei uns seht ihr die meisten 3000er“
„Hier lauft ihr über die meisten Gipfel“
„Der steilste Anstieg des Universums“
„Unser 6-Stunden-Lauf dauert 7-Stunden“

Man hat das Gefühl, dass jedes Event einen neuen Superlativ kreiert. Dabei spielen Streckenführung und Erlebnis oft keine Rolle, sondern vordergründiges Ziel ist der neue Superlativ, nach dem Motto: Wir könnten hier diesen Trail nehmen aber dann würden wir nicht die Marathondistanz schaffen, also nehmen wir lieber die langweilige Variante.
Auch eine immer größere Rollen scheinen die Punkte für den UTMB zu spielen. Lieber packt man noch einen langweiligen Loop drauf und sichert sich so einen Punkt mehr, als dass man am „Höhepunkt“ der Strecke aufhört.

Umweltschutz

Es scheinen immer mehr Veranstalter auf Trinkbecher an den Verpflegungsstationen zu verzichten. Stattdessen wird die Pflichtausrüstung erweitert und entweder hat man einen Faltbecher im Starterpaket oder man kauft sich noch einen, um an den Verpflegungsstellen etwas zum Trinken zu bekommen.
Die Begründung für diese Vorgehensweise ist der Umweltschutz.
Verständlich?
Eigentlich schon…oder nicht?!
Wenn man hier so auf die Umwelt achtet, warum werden dann bei der Pastaparty tausende Plastikteller und Plastikbesteck ausgegeben?
Wenn man schon auf die Umwelt achtet, dann richtig!
Vielleicht will man sich aber einfach nur das Geld für die Becher sparen und lässt sich stattdessen Werbegeschenke sponsern oder lässt die Läufer eigene mitbringen.

Was ich nicht brauche

Ich laufe gerne mit Musik…eigentlich fast ausschließlich. Sie lässt mich vergessen, abschalten, sie motiviert und treibt mich in gewissen Situationen an.
Was ich aber nicht brauche ist diese ewig gleiche Rockmusik am Start.
Erzählt lustige Geschichten, gebt uns letzte Informationen zur Strecke, motiviert uns, aber bitte lasst doch AC/DC und Co. einfach zu Hause. Mittlerweile scheint das schon fast der Standard bei jedem Rennen zu sein.

Ich höre auch nicht gerne dem Bürgermeister, dem Landrat oder dem Tourismuschef beim Briefing, bei der Siegerehrung oder am Start zu. Ich denke jedem ist klar, dass ohne deren Genehmigung nichts laufen würde, aber ich finde wir sollten sie auch nicht zu hoch loben, denn die Kaufkraft die wir in die Orte bringen, die entschädigt für sämtlichen Unterschriften und Genehmigungsverfahren. Hinzu kommt das Plus an Popularität, denn eine Region zehrt ja auch weit vor und nach dem Event von Läufern die zum Training und/oder Urlaub kommen.
Das die Damen und Herren froh sind dass wir da sind, das ist wohl selbstverständlich.; das müssen sie mir nicht in langen und breiten Reden noch einmal erzählen.
Viel lieber würde ich etwas mehr von bekannten Teilnehmern hören. Holt doch mal die Jungs und Mädels auf die Bühne oder ans Mikro und lasst sie etwas erzählen. Leute mit denen sich die Teilnehmer identifizieren, zu denen sie aufschauen, denen sie nacheifern.

Wie wäre es mal mit kürzeren Strecken

Vielleicht ist es die Angst, mit Strecken zwischen 30 und 70 Kilometern nicht so viele Läufer aus der ganzen Welt zu locken, aber genau das ist es, was im Moment fehlt.
Es fehlen die Events die diese Strecken abdecken. Kürzere Rennen, die man gerne mal so mitnimmt, vielleicht irgendwo vor der Haustür ohne lange Anreise. Nicht immer in den Alpen, auf Trails oberhalb der Baumgrenze, in vergletscherten Regionen, mit 10000 Höhenmetern Auf- und Abstieg.
Ich dachte immer Trailrunning geht überall!
Zeigt es uns!

Denkt an die Zielbereiche

Ich finde es teilweise echt schade, wie lieblos manche Zielbereiche gestaltet sind und wie wenig Aufmerksamkeit den Finishern zu teil wird.
Je schöner und ansprechender ein Ziel gestaltet ist, desto mehr Läufer halten sich dort auf und desto schöner wird der Zieleinlauf für alle. Natürlich stehen nachts um 02:00 Uhr keine Menschenmassen mehr dort und empfangen jeden mit einer Laola-Welle, aber wenn man nach 200 Kilometern als erstes durchs Ziel kommt und sich zwischen Baucontainern wiederfindet, dann wird das in keiner Weise auch nur im Ansatz der Leistung gerecht.
Diese Typinnen und Typen haben auf der Strecke alles gegeben, die haben sich ihre Seele aus dem Leib gekämpft, sie machen dieses Event überhaupt erst möglich!
Sorgt dafür, dass es auch im Ziel ein unvergessenes Event bleibt…und zwar im positiven Sinne!

Dann lass es doch einfach du Typ!

Jetzt kann man natürlich sagen, „Reg dich nicht so auf!“ oder, „Wenn es dir nicht passt, dann lauf halt alleine auf deinen Trails. Es zwingt dich ja niemand mitzumachen.“
Das stimmt natürlich, aber im Großen und Ganzen find ich solche Events ja klasse. Mir macht es Spaß durch neue Landschaften zu laufen, alte und neue Bekannte zu treffen und mit ihnen dieses Erlebnis zu teilen.
Allerdings stimmt mich diese Entwicklung schon nachdenklich und vielleicht bringt es ja was, wenn man seine Gedanken hier einfach mal offen kundtut!
Es würde mich freuen, wenn sich die Veranstalter und Organisatoren etwas mehr in die „Familie“ der Teilnehmer integrieren würden.

Trailevent

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