Das perfekte Trailevent

Ich weiß nicht ob es das perfekte Trailevent gibt, aber es gibt definitiv immer und überall Verbesserungsbedarf.

Vorweg:
Ich habe bisher nur an einer Handvoll Events teilgenommen, keineswegs bei den großen und weltbekannten Rennen.
Dennoch behaupte ich, dass ich aufgrund dieser wenigen Erfahrungswerte und aufgrund der Tatsache das man viel im Internet nachlesen und mittlerweile auch live mitverfolgen kann, durchaus in der Lage bin, mir ein Bild der momentanen Situation zu machen um mir eine Meinung zu bilden.
Sicherlich trägt meine zweite Teilnahme am Squamish 50 ein wenig zu diesem Meinungsbild bei, denn wenn man mal eine völlig andere „Trailrunning-Event-Welt“ kennengelernt hat, dann sieht man, was möglich ist und wie man gewissen Dinge handhaben kann.

Was mir überhaupt nicht gefällt…

…eigentlich schon tierisch auf den S*** geht, sind Formulierungen wie:
„Der höchste Marathon Europas“
„Der härteste Halbmarathon der Welt“
„Bei uns seht ihr die meisten 3000er“
„Hier lauft ihr über die meisten Gipfel“
„Der steilste Anstieg des Universums“
„Unser 6-Stunden-Lauf dauert 7-Stunden“

Man hat das Gefühl, dass jedes Event einen neuen Superlativ kreiert. Dabei spielen Streckenführung und Erlebnis oft keine Rolle, sondern vordergründiges Ziel ist der neue Superlativ, nach dem Motto: Wir könnten hier diesen Trail nehmen aber dann würden wir nicht die Marathondistanz schaffen, also nehmen wir lieber die langweilige Variante.
Auch eine immer größere Rollen scheinen die Punkte für den UTMB zu spielen. Lieber packt man noch einen langweiligen Loop drauf und sichert sich so einen Punkt mehr, als dass man am „Höhepunkt“ der Strecke aufhört.

Umweltschutz

Es scheinen immer mehr Veranstalter auf Trinkbecher an den Verpflegungsstationen zu verzichten. Stattdessen wird die Pflichtausrüstung erweitert und entweder hat man einen Faltbecher im Starterpaket oder man kauft sich noch einen, um an den Verpflegungsstellen etwas zum Trinken zu bekommen.
Die Begründung für diese Vorgehensweise ist der Umweltschutz.
Verständlich?
Eigentlich schon…oder nicht?!
Wenn man hier so auf die Umwelt achtet, warum werden dann bei der Pastaparty tausende Plastikteller und Plastikbesteck ausgegeben?
Wenn man schon auf die Umwelt achtet, dann richtig!
Vielleicht will man sich aber einfach nur das Geld für die Becher sparen und lässt sich stattdessen Werbegeschenke sponsern oder lässt die Läufer eigene mitbringen.

Was ich nicht brauche

Ich laufe gerne mit Musik…eigentlich fast ausschließlich. Sie lässt mich vergessen, abschalten, sie motiviert und treibt mich in gewissen Situationen an.
Was ich aber nicht brauche ist diese ewig gleiche Rockmusik am Start.
Erzählt lustige Geschichten, gebt uns letzte Informationen zur Strecke, motiviert uns, aber bitte lasst doch AC/DC und Co. einfach zu Hause. Mittlerweile scheint das schon fast der Standard bei jedem Rennen zu sein.

Ich höre auch nicht gerne dem Bürgermeister, dem Landrat oder dem Tourismuschef beim Briefing, bei der Siegerehrung oder am Start zu. Ich denke jedem ist klar, dass ohne deren Genehmigung nichts laufen würde, aber ich finde wir sollten sie auch nicht zu hoch loben, denn die Kaufkraft die wir in die Orte bringen, die entschädigt für sämtlichen Unterschriften und Genehmigungsverfahren. Hinzu kommt das Plus an Popularität, denn eine Region zehrt ja auch weit vor und nach dem Event von Läufern die zum Training und/oder Urlaub kommen.
Das die Damen und Herren froh sind dass wir da sind, das ist wohl selbstverständlich.; das müssen sie mir nicht in langen und breiten Reden noch einmal erzählen.
Viel lieber würde ich etwas mehr von bekannten Teilnehmern hören. Holt doch mal die Jungs und Mädels auf die Bühne oder ans Mikro und lasst sie etwas erzählen. Leute mit denen sich die Teilnehmer identifizieren, zu denen sie aufschauen, denen sie nacheifern.

Wie wäre es mal mit kürzeren Strecken

Vielleicht ist es die Angst, mit Strecken zwischen 30 und 70 Kilometern nicht so viele Läufer aus der ganzen Welt zu locken, aber genau das ist es, was im Moment fehlt.
Es fehlen die Events die diese Strecken abdecken. Kürzere Rennen, die man gerne mal so mitnimmt, vielleicht irgendwo vor der Haustür ohne lange Anreise. Nicht immer in den Alpen, auf Trails oberhalb der Baumgrenze, in vergletscherten Regionen, mit 10000 Höhenmetern Auf- und Abstieg.
Ich dachte immer Trailrunning geht überall!
Zeigt es uns!

Denkt an die Zielbereiche

Ich finde es teilweise echt schade, wie lieblos manche Zielbereiche gestaltet sind und wie wenig Aufmerksamkeit den Finishern zu teil wird.
Je schöner und ansprechender ein Ziel gestaltet ist, desto mehr Läufer halten sich dort auf und desto schöner wird der Zieleinlauf für alle. Natürlich stehen nachts um 02:00 Uhr keine Menschenmassen mehr dort und empfangen jeden mit einer Laola-Welle, aber wenn man nach 200 Kilometern als erstes durchs Ziel kommt und sich zwischen Baucontainern wiederfindet, dann wird das in keiner Weise auch nur im Ansatz der Leistung gerecht.
Diese Typinnen und Typen haben auf der Strecke alles gegeben, die haben sich ihre Seele aus dem Leib gekämpft, sie machen dieses Event überhaupt erst möglich!
Sorgt dafür, dass es auch im Ziel ein unvergessenes Event bleibt…und zwar im positiven Sinne!

Dann lass es doch einfach du Typ!

Jetzt kann man natürlich sagen, „Reg dich nicht so auf!“ oder, „Wenn es dir nicht passt, dann lauf halt alleine auf deinen Trails. Es zwingt dich ja niemand mitzumachen.“
Das stimmt natürlich, aber im Großen und Ganzen find ich solche Events ja klasse. Mir macht es Spaß durch neue Landschaften zu laufen, alte und neue Bekannte zu treffen und mit ihnen dieses Erlebnis zu teilen.
Allerdings stimmt mich diese Entwicklung schon nachdenklich und vielleicht bringt es ja was, wenn man seine Gedanken hier einfach mal offen kundtut!
Es würde mich freuen, wenn sich die Veranstalter und Organisatoren etwas mehr in die „Familie“ der Teilnehmer integrieren würden.

Trailevent

49 Gedanken zu „Das perfekte Trailevent“

  1. Tja, Steve,
    das hört sich ja ein wenig gefrustet an. Naja, vielleicht ist das Wort gefrustet ja übertrieben, besser wohl, Du sagst uns Deine Meinung.
    Größer, schneller, weiter – Wahnsinn, Unsinn?
    Kann man machen, muss man aber nicht!
    Muss jeder selbst wissen. Klein aber fein hat sicherlich aus seinen Reiz.
    Gruß aus Westfalen, Bernd

    1. Hallo Bernd,

      ja, gefrustet würde ich nicht sagen…nennen wir es auf den Putz hauen…oder auf den Trail!
      Was ich vermisse ist ein bisschen die Leidenschaft der Veranstalter. Es kommt mir vor, als wären sie zu distanziert von der „Thematik“.
      Das hat man bei den „kleinen“ Läufen irgendwie nicht!

      Grüße nach Westfalen…also in den Ruhrpott 😉

      hihi

      Steve

    1. Hmm…! 😉
      Wie gesagt, so ganz drauf verzichten möchte ich auf Events auch nicht. Dafür macht es einfach zu viel Spaß; nur bleibt der Spaß manchmal leider zu Teilen auf der Strecke

  2. Tja, du sprichst mir ein wenig aus der Seele. Mich nerven manche Dinge zwar nicht so sehr, wie es offensichtlich bei dir der Fall zu sein scheint.
    Aus den oben genannten Gründen hab ich mich aber entschlossen, selbst einen (Einladungs-) Lauf zu veranstalten, nach dem Motto „wie hätte ich es gerne.
    „Leider“ hat das Ganze bereits am vergangenen Wochenende stattgefunden und ich kann dich für dieses Jahr nicht mehr einladen, im nächsten Jahr an Pfingsten bist du aber herzlich willkommen, wenn du magst. Schau mal auf meine Seite unter „Neander-Rallye“ 😉 bzw. http://www.neander-rallye.de
    Herzliche Grüße Tom

    1. Danke dir Tom!
      Ich habe dein Projekt verfolgt und denke das genau solche Events Potential haben.
      Ich drücke dir für 2015 die Daumen…mal schauen ob sich zeitlich bei mir ausgeht.

      Viele Grüße

      Steve

    1. Ich weiß, dass hier der Veranstalter genau auf die „familiäre“ Ausrichtung aus ist. Ein Event, bei dem die Läufer mit Sicherheit auf ihren Genuss kommen.

  3. das Thema bewegt mich auch immer wieder, und ich mir mittlerweile sehr schwer tue wo ich Starten will, weil diese Groß Events wo man umsorgt wird als wäre man im Kindergarten oder Vollbescheuert, und dann noch Zeitlimits das man das auch in aller Seelen Ruhe durchwandern könnte. Oder wie ich im Netz immer wieder lese „ich war dabei“ und Punkt, Hauptsache dabei! Ich bin mittlerweile froh das ich bei so manch Event nicht dabei bin, obwohl die Grundidee von der Streckenführung recht nett ist, aber die Aufmachung wieder alles kaputt macht.
    Ich sage immer lass da einen von der Deutschen Wandervereinigung dabei sein der kommt mindestens im Mittelfeld an! und der Veranstalter wirbt dann mit Fotos als würden wir die Teufelsmegaspitze hochfliegen, und dann sieht die Realität anderes aus, sitzende „trailrunner“ die Kaffeekränzchen abhalten.
    Kurze Distanzen locken die einheimischen Sprinter an die alles in Grund und Boden Laufen.
    Ich bin für 40-90km Distanzen die größten teil auf Selbstversorger Prinzip verlaufen sollte. Und mit einem Zeitlimit das es der größte Teil ins Ziel schaffen kann aber doch ein gewisses Tempo verlangt wird. Was die Teilnehmer Zahl natürlich nach unten Schrauben würde, aber so könnte es auch Familiärer werden, was es bei 500 Teilnehmern nicht ist!
    Trailrun ist für mich Respekt vor der Natur, Gefühl, Selbstständigkeit, Herausforderung!

    1. Danke für deinen Beitrag Sepp!
      Das mit der Geschwindigkeit sehe ich nicht mal ganz so eng. Sicher ist es stellenweise „nur“ eine „Wanderung“ aber irgendwie fängt jeder mal irgendwo an. Ob man jetzt für 100 Kilometer 12, 16 oder 26 Stunden braucht…alles ist schon eine ziemlich geniale Leistung.
      Dennoch gebe ich dir Recht, dass Bilder und Berichte dann oftmals die Realität „verzerren“ und ein anderes Bild der Veranstaltung malen.

  4. sehr guter beitrag…finde klasse wie du in deinen formulierungen den nagel auf den kopf triffst…meine zustimmung hast du in jedem fall…sehr gut…danke

  5. Tja, Steve…ich brauch es nicht und deshalb halt ich mich raus, allerdings kann ich das von Dir Geschriebene gut nachvollziehen. Bleib Dir selber treu, dann bleibst Du auf dem richtigen Weg 🙂

    Salut
    Christian

  6. Steve du triffst den Nagel auf den Kopf.

    Es gibt Rennen wo jeder hin möchte/muß und fort hat man genau das was du aufzählst. Selbst der Zieleinlauf ist völlig umspektakulär. Nach umhängen der Medaille wars das schon.

    Ich mag eher die kleinen Rennen, die auch nicht unbedingt in den Alpen stattfinden. Günstig sind die und meistens ist das mit viel Herzblut der Veranstalter verbunden. Da macht Trailrunning mehr Spaß.

    Ich persönlich finde ja den ZUT völlig gehyped, die Strecke ist nicht mal richtig schön. Wäre da nicht das absolut geile Panorama und die Landschaft, wäre ich dort wohl nie gestartet. Das schönste ist dort halt das man viele Freunde trifft aber die nächsten Jahre lauf ich aber lieber andere Trails 🙂

    1. Danke dir Markus!
      Ja, es hat alles seine Vor- und Nachteile.
      Das perfekte Event gibt es sicher nicht, aber es gibt im Moment sicher auch nicht „Das Event“ für das man alles stehen und liegen lassen würde.

  7. Du hast leider mehr recht als mir lieb ist!
    Gerade das immer mehr muss doch nicht sein! Lieber würde ich z.B.mal einige organisierte Kilometer durch den Nordschwarzwald laufen als zum x. Mal an der Zugspitze. Und wenn es „nur“ 25 Kilometer sind: na und? Trailrunning ist für jeden da!

  8. Ich würde mich auch über mehr Auswahl bei kurzen stecken freuen. Bisher bin ich ja nur einmal bei der Zugspitz Challenge gestartet. Der Halbmarathon war dort allerdings sehr empfehlenswert. Abwechslungsreich, schöne Trails, tolle Aussicht. Für meinen Geschmack war nur eine Verpflegungsstation zu wenig.

  9. Leider passiert häufig genau das was Dein Titel aussagt:
    Anstatt einen Lauf zu organisieren und sich um die Bedürfnisse der Läufer zu kümmern wird ein EVENT draus gemacht, die Läufer werden zu Statisten in einer Kommerzveranstaltung degradiert. Aber manchem gefällt dies, bezahlt trotz horrender Startgebühren noch für eine Übernachtung in der Turnhalle oder löhnt fleißig für ein mittelmäßiges Foto im Zieleinlauf.
    Wem es nicht gefällt und sich das bieten lässt – selber schuld. Einige wenige Läufe zeigen, dass es auch anders geht!

    1. Ohja, das kommt noch hinzu.

      Von eurer Veranstaltung habe ich bisher auch nur Gutes gehört. Vielleicht sollte ich mal die 100k in die engere Auswahl nehmen.
      Vielleicht könnt ihr ja mal eine kürzere Strecke mit anbieten. Potential hat das Chiemgau allemal.

  10. Jup, mehr Rennen bis 70km, mehr „normale“ Läufe, die nicht verzweifelt versuchen DAS Event schlechthin zu werden sondern einfach nur schöne Strecken in schöner Umgebung mit tollen Menschen anbieten, und – vor allem das – neue Musik. Weg von „Das war doch vor 5 Jahren cool“ und hin zu „Wir müssen nicht ums Verrecken eine Hymne haben“.
    Keine Pappbecher mehr unterwegs finde ich gut, obwohl ich erstaunt war wie unsagbar sauber das beim Karwendelmarsch blieb. Ich finde: Je mehr „Profis“ desto mehr „Pseudo“.

  11. Das Umsichschmeißen mit Superlativen ist ja leider zur Unsitte in allen Lebensbereichen geworden.

    Ein Beispiel: Oldenburg hat den größten Binnenhafen Niedersachsens. Wenn Du den siehst schmeißt Du Dich vor Lachen in die Ecke.

    Kürzere Events ohne den Hype der Starevents würde ich mir auch wünschen. So könnte ich mich vielleicht auch mal auf die Trails in den Bergen wagen.

    Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach die 51 km Strecke der Harzquerung.

    Viele Deiner Beobachtungen decken sich mit den allgemeinen Laufevents und ich kann Dir da nur zustimmen. Ein guter Beitrag

    LG Volker

  12. In vielen Bereichen möchte ich dir zustimmen.
    Ein Beispiel: Beim ZUT wurde eine zusätzliche Strecke oder besser formuliert ein neuer Startort eingepflegt. Somit musste die Supertrailstrecke verkürzt werden… ist logisch! Somit rutsche die erste Verpflegung für die Läufer auf km 15 und über 1000 hm. Trotz Hinweis auf diese Situation spielt das Wohl der Läufer keine Rolle. Du hast einiges bereits angesprochen.
    Ich habe selbst gerade eine Trailveranstaltung auf den Weg gebracht. Es ist nicht immer ganz so einfach, die Strecken zu laufen, die man gerne laufen würde. Die Naturschutzgesetze lassen dies nicht zu, selbst wenn man ausgeschriebene Wanderwege nutzen will.
    Gerade Richtung Naturschutz möchte ich einen Gedankenanstoß geben. Mich ärgert als Läufer auf den Trails immer, dass z. B. die Geltütchen überall rumliegen. Ich selbst nehm die IMMER mit zur Verpflegungsstation und entsorge sie dort. Wir alle können dafür was tun!
    Becher… mhh ein besonders Thema. Kämpfe mit mir, ob wir im nächsten ebenfalls auf diese verzichten. Der Preis spielt dabei absolut keine Rolle. Vielmehr die Tatsache, dass viele die Becher weit nach der Verpflegungssstation einfach im Wald wegwerfen. Die Auflagen für die Sauberkeit nach so einem Event sind enorm… erachte ich aber auch für richtig.
    Ich möchte klarstellen, dass die meisten Trailer Naturliebhaber sind und sich auch vorbildlich verhalten. Es macht Freude, viele gleichgesinnte auf den Veranstaltungen zu treffen.
    Viel Erfolg und genussreiche Trails… 🙂

    1. Danke für deinen Kommentar Thomas!
      Das mit dem „Dreck“ auf der Strecke ist in der Tat eine Sache die man mal „gescheit“ angehen müsste. Bisher wird das eher sehr herzlos gemacht bzw. hat man keine große Möglichkeiten das Verbot auch richtig flächendeckend zu kontrollieren.

  13. Ein Nachtrag noch.
    Ich bin meinen ersten (und bislang einzigen) Ultra in Rengsdorf beim Westerwaldlauf gelaufen. Und da habe ich 10 Euro bezahlt. ZEHN!

    Wenn ich dann lese, dass irgendwelche Lauforganisatoren 70, 100, 150 Euro von mir wollen … da sage ich mir „weißte was, lauf doch einfach mit zwei Kumpels und alles ist gut“.
    Als Highlight sind solche Veranstaltungen sicherlich auch mal klasse, aber im Prinzip darf es doch nicht darum gehen irgendwo „dabei“ zu sein und sich dieses Gefühl mit teurem Geld zu erkaufen.

    Ich bin da ja immer irgendwie „anti-kommerziell“. 🙂

    Ich habe seit Längerem fix im Kopf, dass mein erster 100er ein privat organisierter Lauf über einen Wanderweg bei mir um die Ecke sein wird. Auf jeden Fall die kostengünstigere Alternative .. und für MICH auch irgendwie „cooler“. 🙂

    1. Das hinter dem Startgeld schon eine gewisse Leistung steht ist klar. Teilweise haben die Geschenke schon einen beträchtlichen Wert.
      Wenn man aber bei der gleichen Veranstaltung auf einmal einen höheren Preis zahlt, obwohl sich die Teilnehmerzahl erhöht hat und im gleichen Atemzug auch das Starterpaket wesentlich dürftiger ausfällt, dann fehlt mir da auch das Verständnis.
      Ich kann mir da nicht immer vorstellen, dass die Genehmigungsverfahren oder andere administrative Dinge so viel teuerer geworden sind.

      1. Startgeld und Leistung .. alles gut. Nur denke ich, dass man doch nicht viel mehr braucht, als Verpflegung. Wenn ich ein Shirt will, dann kann ich es mir auch danach kaufen.

        Bin da irgendwie puristisch angehaucht. 🙂

      2. Kurzer Hinweis dazu…
        zur medizinischen Versorgung bzw. die Erstversorgung bei Verunfallten lag das erste Angebot für unseren Trail bei mehr als 5000 Euro! Diese Kosten müssen erst wieder „reingeholt“ und auf die geplanten Teilnehmer umgelegt werden.
        Wenn ein kleiner Veranstalter keine Sponsoren hat ist eine Startgebühr von 10 oder 20 Euro schlichtweg unmöglich. Und hat es nichts damit zu tun, dass der Veranstalter unverschämt ist.
        Unberücksichtigt der vielen Stunden der ehrenamtlichen Organisation und Abwicklung, die diese Menschen auch über Jahre dafür aufwenden, dass man dort hingehen darf, und über ein paar Stunden einen Trail genießen kann. Denkt mal drüber nach….

        1. Danke für den Hinweis Thomas

          Sicherlich ist es für kleine Veranstalter /immer schwer Fuß zu fassen, aber man eben auch oft das Gefühl, dass die großen Veranstalter den Hals nicht voll genug bekommen.

          Man wird es nie jedem Recht machen können und sicher gibt es auch immer wieder Leute die an irgendetwas Kritik üben können/müssen, aber es geht dann eben auch oft zu Last der unbeteiligten Kleinen…leider!

  14. Hallo,

    zuallererst kann ich dir nur beipflichten, muss aber auch sagen, dass es diese tollen Events gibt! Und die dürftest du auch kennen, da sich in der Community solche Gemeinschaftsläufe, Wettkämpfe für Freunde oder wie auch immer sie heißen doch recht gut rumsprechen…. und seien wir ehrlich, wie viele neue Gesichter entdeckst du bei Läufen? Hey, wir kennen uns und sind sehr gut vernetzt. Ich liebe die Mischung aus Einfallslos und Hochprofessionell ala Plan B oder die kleinen Privat-Veranstaltungen… Wenig Müll, meist nicht so extrem, familiär und vor allem das suppergeile Zusammensein im Anschluß. Aber pssst, sonst wird es auf den kleinen Veranstaltungen zu voll 😉

    jan

    1. Servus Jan,
      danke für deinen Kommentar.
      Ja, in der Community steckt viel Potential und ich denke, dass sich hier noch einiges tun wird.
      Ich bin gespannt was da noch alles für coole Läufe entstehen.

      Viele Grüße

      Steve

  15. Hi Steve, ich kann mich noch zurückerinnern an die Zeit, wo unser Hausrennen ( der Traunseemarathon im Salzkammergut) etwas besonderes war. Das zu dieser Zeit wohl schwerste und fordernste Berglaufevent mit 72km und ca. 4500hm. Schon dabei zu sein, war ein geiles Gefühl. Es ging gar nicht so sehr um die Zeit als um das Durchkommen. In der heutigen Zeit wird man von den Begriffen Ultra- Mega-Giga etc. nur so erdrückt. Gibt es wo eine Veranstaltung mit 100km und 5000hm will es ein anderer noch toppen mit 120km und 5200hm. Und so weiter und so fort. Ich denke mir auch, dass diese Entwicklung nicht das Ziel sein sollte. Und mir kann keiner einreden, dass solche Läufe noch als gesund zu bezeichnen sind. Die Läufer sind motiviert und wollen alles geben und gehen dabei über Grenzen, die der Körper eigentlich eingebaut hätte. Nur um sagen zu können. Yeahh. Ich war dabei und hatte diese tolle Zeit. Natürlich steht es jedem frei mitzumachen oder nicht. Aber es wird einem auch tagtäglich dieses Gefühl vermittelt, wenn Du da nicht dabei bist bist kein richtiger Trailrunner. Und man fühlt sich irgendwie out. Also beißen viele in den sauren Apfel und laufen mit, obwohl Sie sicherlich auch mit weniger Kilometern und Höhenmetern zufrieden wären. Zum Thema Umwelt noch ein kleiner Gedanke. Wenn ich mir die Entwicklung ansehe, Läufe zu veranstalten wo man sich seinen Weg im Gelände oft selber suchen muß aus Mangel an Wegen, dann kann ich mich nur noch wundern. Wenn hunderte Läufer irgendwo wild im Gelände rumtrampeln ohne Rücksicht auf Flora oder Fauna dann ist bei mir Schluß mit lustig. Bei solchen Läufen würde ich aus Prinzip nicht mehr mitmachen. lg Robert

    1. Danke dir Robert.
      Da gebe ich dir Recht und von den „querfeldein“ Läufen halte ich auch nichts. Sicherlich muss man auch hier differenzieren, den querfeldein ist nicht immer gleich querfeldein, aber bedenklich ist das teilweise auch.

      Viele Grüße

      Steve

    2. Ist korrekt Robert. Kürzlich noch mit einem Laufkumpanen drüber gesprochen, dass es auch Grenzen beim Laufen geben sollte. Anders ausgedrückt: man sollte sich diese Grenzen selbst stecken und nur als Highlight mal darüber hinaus gehen.

      Ich laufe so viele 12-25km-Läufe hier bei uns über den Rheinsteig/Rheinburgenweg. Danach bin ich immer glücklich das geschafft zu haben, viel entdeckt zu haben. Ich bin dann einfach gut gelaunt.

      Ich fühle mich dann nicht als Außenseiter, weil ich kein Ultralangstreckler bin (bin zwar einmal 50km gelaufen und will auch mal die 100km knacken, aber egal), sondern ich weiß einfach, dass ich gerade einen guten Lauf hatte. Mehr ist mir eigentlich egal. 🙂

      ABER .. jeder hat sich schon dabei ertappt den DUV-Kalender zu studieren, was es denn so für geile Rennen gibt. Das ist ja mal klar. hehe 🙂

  16. Nur Du kannst aus einem Lauf, dein Event machen.

    Es gibt viel Laufveranstaltungen im In- und Ausland mit unterschiedlichen Streckenlängen, Höhenmetern und Schwierigkeitsgraden. Mit und ohne Qualifikationspunkte für UTMB, dazu kommen noch etliche Einladungsläufe und private Laufgruppen. Es gibt immer genug an Verpflegung, sei es auf der Strecke oder im Zielbereich. Wer da nichts für sich findet macht etwas falsch.

    Zitat: Es würde mich freuen, wenn sich die Veranstalter und Organisatoren etwas mehr in die “Familie” der Teilnehmer integrieren würden.

    Könntest Du da mal ein konkretes Beispiel / Vorstellung geben?

    1. „Nur Du kannst aus einem Lauf, dein Event machen.“…guter Ansatz! 😉

      Ich habe bei manchen Läufen das Gefühl, dass die Veranstalter sich nicht so wirklich mit den Läufern identifizieren. Klar Steckt hinter PLAN B eine große Firma und man kann nicht wirklich eine „Beziehung“ aufbauen, wie wenn man nur einen Ansprechpartner/Organisator hat, aber etwas mehr „Herzlichkeit“ im Zielbereich wäre hier schon mal ein Ansatz.
      Die Bilder beim Irontrail haben mich schon etwas erschreckt. Das war kein Zielbereich, das war eine Baustelle.
      Das hat mir in Squamish so gut gefallen. Da wartet der Race Director auf jeden Einzelnen im Ziel. Auch Kilian und Emelie haben bei ihrem Race vor Kurzem jeden Teilnehmer im Ziel in Empfang genommen bzw. sind ihnen entgegen gelaufen.

      Das ist eben der Nachteil einer großen Firma gegenüber einzelner Personen die einen Lauf organisieren.

      Viele Grüße

      Steve

  17. Sehr gute Abhandlung zum Thema.
    Das leben für eine Sache macht es aus. Auch beim Trailrunning
    Leider lockt das Geld auch hier viele „Experten“.
    Aus meiner Sicht hat der Wert einer Veranstaltung nichts mit seiner Größe zu tun. Auch große können gut. Und auch kleine können sehr schlecht.
    Meine Teilnahme am CCC im Rahmen des UTMB hat mal wieder gezeigt … es sind die Menschen in der Region, die den Erfolg ausmachen. Nicht (nur) die Veranstalter.
    Zum Glück gibt es viele ehrliche Informationen im Netz, die uns die Entscheidung zur Teilnahme oder nicht erleichtert.
    Und die Heimatrails mit Freuden bleiben immer noch die geilsten. Auch ohne Medaille und Urkunde!!!
    Man trailt sich …

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