Pflichtausrüstung: Ja, nein, vielleicht?

Wieder mal eine interessante Diskussion die Denis angestoßen hat. Es geht um das Thema Pflichtausrüstung bei Trailrennen. Das greife ich natürlich gerne auf.

Was ist Pflichtausrüstung

Pflichtausrüstung wird von den Veranstaltern diverser Trailrennen vorgeschrieben. Es handelt sich hierbei um gewisse Gegenstände die von den Teilnehmern mitgeführt werden müssen. Das reicht von einfachen Dingen wie einer Stirnlampe, geht über die Vorgabe der Menge an Flüssigkeit die man mitführen muss und kann, wie zum Beispiel beim UTMB, so spezifisch werden, dass das Gewicht von warmer Unterwäsche vorgegeben wird.
Mit der Pflichtausrüstung versucht man die Läufer auf alle möglichen Wetterkapriolen am Berg optimal vorzubereiten.
Genauso gibt es aber auch Trailrennen wo Veranstalter keine Ausrüstung vorschreiben.

Und wie geht es weiter

Gemäß den jeweiligen Bestimmungen wird die Pflichtausrüstung vor dem Start kontrolliert und teilweise auch an Kontrollstellen auf der Strecke.
Da man bei einem Rennen mit 600 Teilnehmern nie die komplette Ausrüstung aller Läufer kontrollieren kann, beschränkt man sich meist auf Stichproben.
Schaut man sich jetzt allerdings die Rucksäcke von manchen Leuten im Startbereich an, dann fragt man sich nicht selten, wie die das ganze Zeug in dieses kleine Teil bekommen haben. Es kommt dann schnell der Verdacht auf, dass man hier einfach gewisse Dinge zu Hause gelassen hat, in der Hoffnung nicht kontrolliert zu werden.
Das kann gut gehen, kann aber auch zur Disqualifikation führen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang das Bild von Anna Frost von den 4 Trails 2011. Zur Pflichtausrüstung gehörten damals noch keine 1,5 Liter Flüssigkeit, aber durchaus schon eine Jacke, Mütze, Handschuhe, Rettungsdecke, Erste-Hilfe-Set und (glaube ich) eine lange Hose bzw. Beinlinge. Auf den ersten Blick kann ich mir nicht vorstellen wie das alles in den kleinen Gürtel reingepasst hat.
Warum hat hier der Veranstalter nicht eingegriffen? Das muss doch auffallen?
Gleiche Regeln für Alle oder sind manche gleicher als die anderen?

Aber Pflichtausrüstung ist doch super

So richtig aktuell wurde das Thema in Deutschland erst durch den Zugspitzlauf 2008, bei dem zwei Läufer starben. Unter anderem machte man damals den Veranstalter verantwortlich, der zum einen die Streckenführung hätte ändern müssen und die Ausrüstung der Läufer auf ihren Schutz gegen die Witterungsbedingungen hin hätte kontrollieren müssen.
In diesem Zusammenhang taucht das Thema „Pflichtausrüstung“ immer wieder auf.
Betrachtet man die Thematik aus diesem einen Blickwinkel macht eine Pflichtausrüstung natürlich Sinn, denn so hätte in diesem Fall eventuell Einiges verhindert werden können.
Dennoch frage ich mich, wie man bei Temperaturen von 14 Grad und Regen, morgens um 09:00 Uhr auf einer Höhe von knapp 1000m, in leichter Sommerkleidung auf einen Berg laufen kann, der nochmal knapp 2000m höher liegt und das bei seit Tagen vorhergesagten Schneefällen. Selbst wenn der Wetterbericht keinen Schnee vorhergesagt hätte, dann kann man nicht davon ausgehen, dass bei diesen Verhältnissen im Tal, auf dem Gipfel der Zugspitze die Sonne scheint und leicht bekleidete Mädchen in Bikinis Cocktails servieren um die 30 Grad im Schatten erträglicher zu machen.

Also brauchen wir unbedingt Pflichtausrüstung?

Ich sage eindeutig…NEIN!

Wir brauchen keine Pflichtausrüstung. Was wir brauchen sind Läuferinnen und Läufer die etwas mehr Eigenverantwortung zeigen.

In der Freizeit kommt jeder ohne Pflichtausrüstung aus. Da packt jeder das ein, was er für richtig hält. Da kennt sich jeder aus und weiß was er braucht. Friert man schnell, dann packt man eine zusätzliche Bekleidungsschicht ein. Leute die viel Trinken, nehmen eben etwas mehr Wasser mit.
Wenn es dann auf einmal an ein Rennen geht, weiß mit einem Schlag niemand mehr was er mitnehmen muss. Da will dann niemand mehr die Verantwortung übernehmen.
Es ist in diesen Fällen dann wohl einfacher in die Voll-Kasko-Denkweise zu verfallen, getreu dem Motto: Sollen sich doch andere darüber Gedanken machen, dann bin ich aus der Verantwortung.
Das Ergebnis ist dann die Pflichtausrüstung die mitgeführt werden muss, deren Vollständigkeit aber nie zu 100% kontrolliert werden kann.
Da stellt sich natürlich auch die Frage, wofür man einen Haftungsausschluss unterschreibt, der den Veranstalter „freispricht“, im gleichen Atemzug aber doch wieder Dinge vorgeschrieben bekommt.
Warum nimmt man nicht einen extra Passus auf, nach dem Motto, wir sind alle über 18 und wissen was wir machen (oder sollten es zumindest wissen) und uns ist bewusst, dass wir die vollen Konsequenzen für unser Handeln tragen werden.

Ich habe doch aber keine Ahnung

Was ist, wenn aber einfach die Erfahrung fehlt? Wenn man nicht weiß, was man eventuell gebrauchen kann, wie kalt es wird, etc.?
Für solche Fälle kann der Veranstalter jedem eine Liste an die Hand geben, mit empfohlener Ausrüstung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). So hat man zumindest schon mal einen Richtungsschuss und kann seine Entscheidung eventuell leichter treffen.
Grundsätzlich sollte man aber mal ganz einfach in sich gehen und sich selbst fragen, ob es sinnvoll ist, an einem Lauf teilzunehmen, bei dem man nicht weiß, was auf einen zukommt. Das finde ich persönlich schon sehr fragwürdig. Nach dem Motto: Ich war noch nie in den Bergen und laufe morgen den UTMB.
Nicht das das nicht geht, aber es ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Man sollte auch bei diesem Sport Erfahrung sammeln und sich nach und nach steigern. Als Kletteranfänger gehe ich ja auch nicht an die Drei Zinnen für meine ersten Gehversuche, sondern fange im Normalfall im Klettergarten oder der Kletterhalle an, steigere mich dann über einfache alpine Touren, bis dann irgendwann ein Klassiker in Angriff genommen wird.
So muss es auch beim Trailrunning sein.
Ich habe das Gefühl, dass Pflichtausrüstung bei manchen Leuten suggeriert: „Wenn ich das dabei habe und laufen kann, dann wird das schon was mit dem ersten Ultra im alpinen Bereich.“ Da wären wir wieder beim Voll-Kasko-Denken.
Es muss einfach mehr auf Eigenverantwortung gesetzt werden, das gehört gerade in unserem Sport dazu.
Kilian hat es vor Kurzem auf den Punkt gebracht:

Runners need to think and that is a good thing. We all need to think what to carry and what to do.

Alles hat man nie dabei

Egal was die Veranstalter vorschreiben, man wird nie für alles gewappnet sein können.
Ich kann in Kanada von Bären angefallen werden, habe aber kein Bären-Abwehr-Spray dabei.
Die Sohle meiner Schuhe können sich lösen und dass man ohne Schuhe aufgeschmissen ist, das durfte in diesem Jahr ein Bergsteiger am Mont Blanc feststellen. Trotzdem ist mir kein Veranstalter bekannt, der Schuhkleber als Pflichtausrüstung vorschreibt.

Aber es macht doch Sinn wenn jeder Sanitätsmaterial dabei hat, oder?

Das macht durchaus Sinn, aber die Frage ist, was bringt es mir, wenn ich einen Verletzten mit meinem Verband und Pflastern versorge und wenig später selbst stürze, ein Läufer vorbei kommt, der aber nichts dabei hat. Dann ist mir auch nicht geholfen.
Das soll jetzt nicht den Eindruck erwecken, ich wäre so egoistische jemanden „verbluten“ zu lassen, aber ich bin sicher auch kein Sanitäter, der für andere Leute das Verbandzeug mit rumschleppt.
Hier finde ich den Ansatz, den der ein oder andere vielleicht noch aus seiner Zeit bei der Bundeswehr kennt, sehr hilfreich. Wenn jemand verletzt ist und ich komme ihm zur Hilfe, dann nehme ich ganz einfach sein Verbandzeug um ihn zu versorgen, so dass mir später auch geholfen werden kann, wenn ich irgendwo liege.
Wie gesagt, es gibt sicher Situationen da nutzt man alles was irgendwie genutzt werden kann um einen Verletzten zu versorgen, aber prinzipiell sollte auch hier die Eigenverantwortung groß geschrieben werden.
Wer sich das Knie aufschlägt und kein Pflaster dabei hat, der muss damit leben, dass nicht jeder sofort angerannt kommt und sein Verbandzeug herschenkt.
Wie gesagt, ich bin niemand der nicht stehen bleibt wenn es jemandem augenscheinlich nicht gut, ich frage immer ob ich irgendwie helfen kann und war damals in Squamish auch froh, als mir jemand aufgeholfen hat, als ich krampfend auf dem Trail lag; aber ich bin auch nicht der barmherzige Samariter, der sein ganzes Erste-Hilfe-Set aufbraucht um bei jemandem eine Schürfwunde am Knie zu versorgen, nur weil der Gestürzte nicht selbst etwas dabei hat.

Und jetzt?

Gute Frage! Letztendlich liegt die Entscheidung beim Veranstalter und die Teilnehmer haben sich an die Vorgaben zu halten!
Das werde ich natürlich auch weiterhin tun, wobei ich gerne mal sehen würde was passiert, wenn man für den Zugspitz Ultratrail im nächsten Jahr keine Pflichtausrüstung vorgibt, sondern die Leute einfach mal machen lässt.
Natürlich gäbe es eine Liste mit empfohlener Ausrüstung und der Veranstalter hält im Vorfeld auch alle Teilnehmer bezüglich des zu erwartenden Wetters auf dem Laufenden, aber was letztendlich mitgenommen wird, entscheidet jeder selbst.

Ich bin gegen die Pflichtausrüstung denn jeder sollte selbst entscheiden was er wohin mitnimmt.
Wir sind alle alt genug!

Pflichtausrüstung

39 Gedanken zu „Pflichtausrüstung: Ja, nein, vielleicht?“

  1. Nunja, kurz und knapp: wer sich bei einer Veranstaltung anmeldet MUSS sich den Regeln stellen. Warum das Eine oder Andere gefordert wird ist eigentlich scheißegal.
    Wer das für doof hält, niemand zwingt dazu!
    Und leider sind eben nicht alle alt genug.
    Grüße Robert

    1. Das gebe ich dir Recht Robert.
      Ich packe natürlich auch immer alles ein, aber bei einigen Sachen frage ich mich dann doch…warum?
      Ein mitzuführender „Faltbecher“ würde mich nie von der Teilnahme abhalten, aber es dann schon schwer verständlich, warum man diesen Becher mitnehmen muss, wenn man auch noch drei Flaschen dabei hat.
      Aber am Ende steht eben immer der Läufer oder die Läuferin die nicht „alt“ genug sind.

      Viele Grüße

      Steve

      1. Das Thema kam übrigens auch beim Tromsø SkyRace von Kilian und Emelie auf. Da war ja nur „Wind-Jacket“ als Pflicht ausgeschrieben. Kilian appelierte auch an die Vernunpft und das Wissen der Teilnehmer was mitzuführen wäre. Bei diesem Rennen dort war aber auch klar das eh nur Leute kommen die sich das alles bewusst sind.
        Habe das Thema in meinen Bericht einfliessen lassen da ich selbst nur im „Kilian-Style“ unterwegs war. Auch mal eine Erfahrung.
        http://trailstripsrelax.de/tromso-skyrace-2014/

        Grüße Robert

  2. Trailrunning zieht immer mehr Läufer an, die schlichtwegs keine Erfahrung im Umgang mit Witterungseinflüssen in den Bergen aufweisen. Die sich noch nie mit einem Wetterumschwung innert weniger Minuten auseinander setzen mussten. Vermutlich nicht mal wussten, dass dies in den Bergen „normal“ ist!!!
    Daher gibt es für mich, als erfahrenen Berggänger und Trailrunner, nur eins: Pflichtausrüstung ein absolutes Muss für alle!!!

    1. Hallo Thomas,

      danke für deinen Kommentar.
      Da gebe ich dir natürlich Recht. Hier fände ich aber die „empfohlene“ Ausrüstung besser; aber am Ende hast du Recht: Wenn es empfohlen ist, dann packt es keiner ein.
      Alles nicht so einfach.

      Viele Grüße

      Steve

  3. Wie heißt der Spruch bei einigen amerikanischen Trailläufen so schön, den die Teilnehmer vor dem Start aufsagen dürfen: „If I get lost, hurt or die it’s my damn own fault!“
    So ähnlich sehe ich das auch. Wenn es drauf ankommt, sprich man hockt irgendwo beim aufziehenden Gewitter auf ’nem Berg, dann kann auch der Veranstalter nix machen. Da muss man vorher mit rechnen und sich selbst so gut es eben geht drauf einstellen. Das setzt natürlich Erfahrung vorraus. Und wie es so schön bei uns im Rheinland heißt: jeder Jeck is anders! So wunder ich mich bei vielen veröffentlichten Packlisten (egal ob im Laufsport oder bei Trekkingtouren) über wasserdichte Handschuhe. Sowas hab ich noch NIE vermisst, scheint aber für viele das absolute must-have zu sein. Vielleicht bin ich auch einfach nur anders durchblutet…
    Das lässt sich natürlich auf alle möglichen Ausrüstungsteile oder Verpflegungsartikel beziehen. Lange Unterhose? Trag ich selbst auf Wintertouren nur im absoluten Ausnahmefall! Etc. pp.

    Ich fände es sinnvoller, wenn Veranstalter eine Art Empfehlung statt einer Pflichtausrüstung bereitstellen würden. Verstöße würden nicht gleich zur Diqualifikation führen, der Veranstalter könnte dies aber mit ’ner Art Haftungsausschuß verbinden. Wenn dann aber doch mal was passieren sollte ist vermutlich das Geschrei nach strengeren Regeln wieder groß. Wenn auch nicht unbedingt von den Läufern aber mit Sicherheit von den Medien.

    Was das Bild von Emma Frost und ihre Pflichtausrüstung angeht….
    Da sehe ich ehrlich gesagt kein Problem. Wenn ich meine Sachen mal vergleiche:
    Patagonia Houdini Jacket und Patagonia Houdini Pants passen problemlos in die kleinen Stretchtaschen meiner Laufshorts. Meine Liner Handschuhe von Haglöfs nehmen weniger Platz weg wie ein Päckchen Taschentücher. Ne Rettungsdecke ist jetzt auch nicht so groß.
    Und was als 1.Hilfe Päckchen durchgeht ist eh ’ne Sache für sich. Bei mir ist das ein kleines Victorinox Classic, etwas Ductape, 2-3 Pflaster und evtl. noch ’ne Mullbinde. Nimmt zusammen gerade mal halb so viel Platz ein wie ein Energieriegel.
    Die Sachen könnte ich alle auch bequem in ein Buff einrollen (was dann als Mütze genutzt würde) und diese Wurst würde mit zwei Gummis oder Klettbändern hinten an den Gürtel geschnallt.

    1. Danke für die Ausführung Basti!
      Die UL-Spezialisten lachen da sicher drüber, denn die packen die Ausrüstung in die Brusttasche der Windjacke. 😉

      Wasserdichte Handschuhe finde ich ziemlich cool, da meine Hände schnell zu Eiszapfen werden.
      Mit der langen Unterhose gebe ich dir aber Recht. Hatte ich bisher auch nur beim Skifahren an und da war es wirklich s**-kalt! 😉

      Viele Grüße

      Steve

  4. Pflichtausrüstung macht durchaus Sinn – gerade Zugspitzlauf hat gezeigt wie „unbedarft“ beinah leichtsinnig ausgerüstet viele Läufer auf den Berg rennen, und damit meine ich nicht die Greenhörner, die sowas zum erstenmal machen . Erschreckend war in dem Fall das auch erfahrene ortsansässige Athleten ein ziemlich schlechtes Beispiel abgegeben haben. Leidtragende sind die Ausrichter, die die Verantwortung zunächst übernehmen müssen bis Verfahren durchfochten sind und ganz besonders Rettungskräfte, die bei Ihren Einsätzen oft genug selber ans Limit kommen. Kenne genug Sportler die das bei Ihrem Handeln noch nicht mal im Ansatz in Betracht gezogen haben. Als Sportler und Ausrichter von Laufveranstaltungen bin ich dann doch immer wieder überrascht wie sportlicher Ergeiz das Hirn schrumpfen läßt.

    1. Hallo Gabi,

      danke für deinen Kommentar.
      Diesen Einwand habe ich jetzt auch schon des Öfteren gehört. Leute, von denen man erwarten könnte/müsste, dass sie wissen was sie tun, verlieren am Tag des Laufs ihr Hirn auf dem Weg zum Start und stehen quasi „nackt“ da, obwohl es -20 Grad hat.
      Da könnte man sicher eine umfassende psychologische Studie drüber betreiben. Wäre mal interessant zu wissen, wie es soweit kommt.

      Viele Grüße

      Steve

  5. Ich sage doch wenn jeder mitmachen darf der gerade ein Fuß vor den andern Setzten kann, wo der Veranstalter selber Schuld ist aber der will Teilnehmergebühren einkassieren und nicht Glück auf dieser Welt verbreiten, kleine Veranstalter wollen schon die Leute Glücklich machen und da ist man meistens für alles selber Verantwortlich.
    Haftungsausschluss unterschreiben und fertig du bist selber für dein Leben Verantwortlich!
    Aber bei 500 Startern und mehr und jede Fitnessklasse steht am Start, da wird es dann schon schwierig.
    Und ich sage ja, bei diesen Zielzeiten lockst du die ganze Welt an, und da kommt er nicht mehr drumherum um eine Gepäckkontrolle, aber ein selbst gemachtes Problem.
    Diese Masse an Startern bringt halt ein Rattenschwanz von Problemen und Diskussionen mit sich.
    Oder man muss sich für ein Alpinen 100km Lauf Grundsätzlich Qualifizieren.
    Ich bin für ein ganz klar Definierten Haftungsausschluss, der ist dann halt zehn Seiten lang, dafür ist alles geregelt und der Veranstalter ist auf der sicheren Seite.
    Und ich muss nicht von einem Teenie Girl mein Gepäck kontrollieren lassen, wo ich mir schon dachte in welchen Film bin ich den jetzt geraten 🙂

    1. Danke Sepp!
      Mich würde mal interessieren, was rein rechtlich, gegen diesen 10-seitigen Haftungsausschluss spricht.
      Ob es schlicht und ergreifend einfach nicht möglich ist und der Veranstalter immer irgendwo haftbar gemacht werden kann oder ob man dadurch nicht die Teilnehmer verscheuchen möchte und ihnen lieber etwas Mehr an Sicherheit suggeriert wenn der Haftungsausschluss nur ein paar pauschale Sätze sind.
      Hier bräuchten wir mal einen Rechtsexperten.

      Viele Grüße

      Steve

      1. Als Personaler solltest Du erahnen wie komplex die Rechtslage, rund um die Pflichten eines Arbeitgebers, ist. Tausche Arbeitgeber mit Veranstalter und Du dürftest parallelen sehen. Das Thema Fahrlässigkeit dürfte ein Staatsanwalt im Unglücksfall überprüfen.
        Davor schützt sich der Veranstalter eben nicht mit einer Empfehlung, die keiner ließt, sondern mit harten Regeln Stichproben und dem Risiko der Disqualifikation. Da geht es dann nicht darum, dass Läufer gleicher sind als andere weil der Sponsor des Team in der Veranstaltung verankert ist, sondern reiner Selbstschutz des Veranstalters.

        1. Ganz klar Niklas, aber es ist eben die Frage, ob man als Veranstalter diese Pflicht und die damit verbundene Verantwortung nicht einfach auf die Teilnehmer übertragen kann.

          1. Bei der kleinen Schürfwunde, dem verstauchten Knöchel oder einem Beinbruch geht das bestimmt. Wenn es aber nachhaltiger wird, so dürfte bei einem tödlichen Unfall, Querschnittslähmung o.ä. ermittelt werden, ob der Ausrichter nachlässig die Gesundheit der Teilnehmer gefährdet hat oder ob der Unfall durch die Organisatoren verhindert hätte werden können. Da sticht das Gesetz eben einfach den Vertrag zur Teilnahme.
            Vielleicht noch ein Gedanke: Am Ende geht es aber gar nicht um die eigene Risikoabwendung der Austichter, sondern um deren ehrliche Besorgnis um das Wohl der Teilnehmer.

            …und macht eine Pflichausrüstung das Event nicht auch gleich viel attraktiver, weil gefährlicher? „An der Zugspitze sind Läufer gestorben, die müssen jetzt eine Pflichtausrüstung mitnehmen – Das ist bestimmt die ultimativ schwere Veranstaltung! Da muss ich hin!“

  6. Es ist vielleicht nicht die norm, aber ich zB komme wenn ich in bewegung bleibe mit kleidung aus, wo der normale wanderer ( und einige befreundete bergläufer ) probleme bekommen würde. Auch bei dem schicksalshaften Rennnen an der zugspitze wär ich in kurzer hose und tshirt gelaufen, und das wär für mich ok gewesen.
    Problematisch wärs natürlch wenn ich mal stürzen würde und mich verletzten würde, deshalb hab ich idr immer zB jacke mit dabei.
    Bei nem starterfeld wie zB bei der UTMB muss man das dann auch statistisch sehen denke ich. Irgentwer wird garantiert sich verletzen, unterkühlen, dehydrieren usw.
    Für die masse unangenehm zusätzlich zeug zu schleppen, den einzelnen ersparts wahrscheinlich ne unangenehme situation.

    1. Servus Ben,

      das ist natürlich auch wieder so eine Sache.
      Man sieht schon an den Kommentaren das es verdammt schwierig ist, alles irgendwie abzudecken und es jedem Recht zu machen.
      Bei dir geht es auch luftiger…ich würde erfrieren.

  7. Hi Steve, ich wäre für Ausrüstungsempfehlungen und nicht für Pflichtausrüstung. Es sollte jeder wissen was er macht und welche „Gefahren“ auf einen warten „können“ in den Bergen! Und die Ausrüstung sollte jeder nach eigener Leistung, Erfahrung und persönliche Bedürfnisse anpassen können bzw dürfen.
    Lg
    Wu

  8. Für mich muss es Pflichtausrüstung geben – aber bitte nicht übertreiben. Also nur Trinken ( mindestens 1,5 Liter), Verbandskasten, Handy und eine ( wasserdichte) Jacke. Und vielleicht noch ne Trillerpfeife. Mehr braucht man erstmal nicht.
    Ob jetzt jemand noch eine Wärmedecke, Armlinge, Beinlinge, Mütze, Handschuhe, Stöcke oder sonst was dabei hat muss jedem selbst überlassen sein. Man kann ja Dinge auch empfehlen!

    Im großen und ganzen sollten wir alle vernünftig, selbstständig, erwachsen und verantwortungsbewusst genug sein um all dies am besten einschätzen zu können. Wobei ich bei meinem ersten richtigen Trail dieses Jahr (4 Trails) durchaus froh gewesen bin durch die umfangreiche Liste gut vorbereitet gewesen zu sein. Jetzt habe ich immerhin alles und kann und werde es auch hier daheim bei Gelegenheit mitnehmen.

    Grüße Markus

    1. Servus Markus,

      wie gesagt, empfohlene Ausrüstung für „Einsteiger“ und der Rest schaut was er mitnimmt; oder eine Mischung aus Pflichtausrüstung und empfohlener Ausrüstung…wäre vielleicht auch ein Ansatz.

      Viele Grüße

      Steve

    2. Pflichtsausrüstung muß nicht heißen das man unnütz viel mitschleppen muß, ein paar grundlegende Dinge wie von Markus beschrieben reichen oft schon. Eine Empfehlungsliste zusätzlich – dann kann jeder selbst entscheiden – die Listen sind so und so nicht schlecht und bewahren einem auch mal vor der eigenen Vergeßlichkeit. Ein Ausrichter kennt die Strecken und kann noch individuell den einen oder anderen Tip geben. Ab einem bestimmten Schwierigkeitsgrad sind Quali´s nicht verkehrt. Und seien wir doch ehrlich , auch als alter Hase, sollte man sich nicht überschätzen.

  9. Bin für Pflichtausrüstung + Empfehlung , dem Lauf entsprechend angepasst .

    Wir schreiben immer, das wir alle vernünftig sind und verantwortungsbewusst uns an die Regeln des Veranstalters halten. Aber seien wir doch mal ehrlich, sollte wirklich einem etwas passieren, mit schweren Verletzungen oder sogar mit bleibenden Schäden wird jeder versuchen den schwarzen Peter dem Veranstalter zu zuschieben.

    Ich bin immer froh, wenn alle Teilnehmer gesund ins Ziel kommen.

    Vielleicht sollte man generell über Qualifizierungsmaßnahmen für Alpine Trails nachdenken.

    1. Wenn ich mir auf nem Trail das Bein breche, dann ist das doch meine Schuld. Ich wüsste jetzt nicht warum ich da etwas dem Veranstalter zuschieben sollte.
      So sehe ich das zumindest aus meiner momentanen Perspektive am Schreibtisch…wer weiß wie es wäre wenn es wirklich so ist…aber wie gesagt: Wenn ich irgendwo doof umknicke, dann ist das meine Schuld.

      Qualifizierungsmaßnahmen halte ich für den falschen Ansatz. Da hast du dann wieder das Problem der Nachweisführung. Dann sind wir bei dem Problem wie beim UTMB, das alle nach den Punkten jagen und Rennen bei denen man keine Punkte sammeln kann, geraten unter Umständen ins Hintertreffen.

  10. Wenn man keine „Zugangsbeschränkungen“ (zB bestimmte absolvierte Läufe als Voraussetzung) einführt, kann man leider nicht pauschal auf jegliche Pflichtausrüstung in den Reglements verzichten. So wünschenswert Eigenverantwortung & persönliche Vorbereitung auf die (Wetter-)Bedingungen bei (alpinen) Läufen wären, so sehr spricht die Realität und die Klientel, die teils auftaucht, dagegen.
    Eine übertrieben lange Liste muss es zwar nicht sein, ein Grundstock (Handy, Jacke, 1. Hilfe) + optionale Zusatzausrüstung (mit Erläuterungen und Bezug zur zu erwartenden Wettersituation) wäre sicher sinnvoll.
    Aber wenn nach wie vor viele solche Läufe als Etwas sehen, dass man „mal gemacht haben muss“, und auch die großzügigen CutOffs selbst die „Wanderer“ sich noch ins Ziel schleppen lassen, dann geht’s derzeit glaube ich nicht ohne. Das muss man nicht mögen, aber dann muss sich bei den Veranstaltungen und Veranstaltern erst grundlegend etwas ändern… Ich für meinen Teil käme wohl auch mit deutlich weniger Zeug ohne Probleme durch – nur darf man eben nicht die eigene Erfahrung oder das eigene Wissen über die Berge als Maßstab ansetzen.

    1. Servus Basti,

      wie weiter oben geschrieben, wäre eine Mischung aus empfohlener und Pflichtausrüstung sicher ein guter Ansatz. So ist gewährleistet, dass jeder ein Handy und Co. dabei hat und der Rest ist dann die eigenen Entscheidung.
      Das Anpassen der Cut-Offs wäre sicher eine weitere Maßnahme, aber da ist dann die Frage, wo fängt man an, wo hört man auf. Das ist eine ganz schwierige Geschichte…ich glaube da mache ich mich mal an eine Auswertung, was passieren würde wenn…
      Danke für den Hinweis! 😉

      Viele Grüße

      Steve

  11. Tja, Steve, ich verstehe die Diskussion nicht, allerdings nehme ich an solchen Bewerben ja auch nicht teil. Allerdings bin ich ja auch sehr oft auf mich allein gestellt in den Mittelgebirgen unterwegs und empfinde es als selbstverständlich, mich um meine Sicherheit und körperliche Unversehrtheit zu kümmern, was ja auch das Mitführen von entsprechender Ausrüstung beinhaltet. Deshalb, mein Unverständnis bzgl. dieser Diskussion.

    Salut
    C.

    1. Danke Christian, du sprichst es an.
      Wenn man alleine ist, da ist die Sicherheit selbstverständlich.
      Warum muss man das bei einem Event immer „abdrücken“?

      Viele Grüße

      Steve

  12. Unsere Gesellschaft neigt leider zum Vollkasko-Denken. Steht heute irgendwo eine Gehwegplatte einen Zentimeter über und es fällt jemand, verklagt er die Kommune statt vor seine Füße zu gucken.

    Es gibt heute nichts, wo nicht schon der Richter im Hintergrund steht.

    Das läßt sich leider eins zu eins auch auf jede Art von Sportveranstaltungen übertragen. Das das Auswüchse annimmt, die sogar das Gewicht der Unterwäsche vorschreibt, sorgt sicher für Kopfschütteln. Sorglosigkeit der Läufer auf der einen Seite und Überreaktionen der Veranstalter auf der anderen Seite, es fehlt, wie so oft im Leben, das gesunde Mittelmaß bzw. der gesunde Menschenverstand.

    Ich persönlich würde eine Kombination aus Pflichtausrüstung und Empfehlungen für sinnvoll halten. Aber ich habe ja auch keine Ahnung, ich renne ja nur durchs Flachland…

    LG Volker

  13. Tja, ein leidiges Thema.
    Wenn ich mir überlege was alles als Pflichtausrüstung auf den Listen steht (zb. ZUT, TAR…) und wie dann teilweise kontrolliert wird, dann macht sich der Veranstalter schon etwas lächerlich.
    Ich persönlich bin gegen Pflichtausrüstung denn wie Du sagst: jeder muss das selbst wissen. Die Berge resp. Natur ist für alle frei zugänglich, da sollte es dann aber auch keine Restriktionen a la UTMB geben. Eine vernüftige Haftungserklärung und jeder kann für sich elbst entscheiden wieviel er mitnimmt. Der gesunde Menschenverstand sollte einem schon sagen das man bei Regen und 4 Grad im Tal, Schnee oben zu erwarten hat.
    Wenn aber Pflichtausrüstung dann auch vernünftige Kontrollen. Sonst ärgert man sich über die verschluderte Zeit am Abend vorher

    1. Danke für deinen Kommentar Carsten.

      Auch wenn die Kontrolle der Pflichtausrüstung einiges an Zeit in Anspruch nimmt, wäre es eigentlich nur sinnvoll, wenn die Veranstalter diese Ausrüstung auch entsprechend kontrollieren.
      Mit vereinzelten kleinen Stichproben ist niemandem geholfen.

  14. Hallo Hallo :). Ich bins mal wieder. Ich werde am Swissalpine K30 mitmachen. Mein erster Berglauf. Eigentlich bräuchte man ja für diese Distanz ja keinen Rucksack. Aber ich wollte mir sowieso mal einen anschaffen. Ich habe an den S-LAB ADV SKIN3 12SET gedacht wobei mir von einem Läufer der kleinere mit 5 Litern empfohlen wurde, da er auch diesen benutzt und zudem noch keinen gesehen hat, der bei Ultras den grossen benutzt? Wie siehst du das mit der Grösse/Gewicht/Platz? Vom Gewicht her macht der 12 Liter zum 5 Liter „nur“ 30 Gramm aus und wäre noch für mich vielseitiger einsetzbar (zum Biken).

    Danke für deine Meinung 🙂

    1. Servus Marcel,

      also ich laufe immer mit dem Großen; wobei der kleine manchmal auch reichen würde, aber den habe ich nicht.
      Prinzipiell nimmt man in großen Rucksäcken immer mehr mit als man braucht; kleine „erziehen“ zum sparen. Es gibt aber auch Rennen, da bekommt man alle nur in den Großen.
      Für den Anfang reicht dir sicher der Kleine, aber den Großen wirst du auch irgendwann gebrauchen können.
      Der Trend geht zum Zweitrucksack! 😉

      Viele Grüße

      Steve

  15. Danke für deine Antwort. Naja dann werde ich wohl dem Trend in umgekehrter Reihenfolge folgen und mir zuerst den grossen holen ;). Ich mache am 25 Juli an meinem ersten Berlauf beim SwissAlpine den K30 mit. Eigentlich bräuchte man ja keinen Rucksack da es alle 5-6 Km Verpflegung gibt. Da ich mir aber sowieso einen zulegen wollte damit ich ein wenig das Gespür dafür bekomme habe ich auch unterschiedliches zu den Flaskgrössen gehört. Für die 5-6 Km würden sicher 2 x 250 ml reichen oder doch besser 2 x 500 ml? Die Frage ist dann halt wieder ob man für die 2 x 250 ml einen Rucksack braucht oder man mit den Salomon-Handschuh-Dingern nicht besser aufgehoben ist? Was ist deine Erfahrung damit? Fragen über Fragen 🙂

    1. Das kann man so pauschal nicht sagen. Hängt vom eigenen Befinden, Wetter und Verpflegung auf der Strecke ab.
      Ich laufe, wenn, dann mit einem Handschuh und der 500ml Flask. Damit überstehe ich auch 80km, wenn die Verpflegung auf der Strecke passt und es nicht sengend heiß ist.

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