3400 Höhenmeter – Hochstaufen Triple Action

Ja, es war etwas ruhig hier die letzten Wochen. Ruhig im Sinne von relativ wenig spektakulären Trailruns in den heimischen Bergen.
Mal stand die Laufpause im Vordergrund, dann waren es die entspannten, aber nicht weniger spektakulären Wanderungen, dann kamen wieder etwas flachere Läufe auf den Haustürtrails und jetzt erleben wir gerade einen goldenen Herbst wie er im Buche steht. Die Tage werden kürzer aber nicht langweiliger und die Temperaturen sind noch spätsommerlich warm.
Da wird es Zeit dem Hochstaufen mal wieder einen Besuch abzustatten…aber keinen gewöhnlichen.

Sonnenaufgang am Hochstaufen

Ich war noch nie zum Sonnenaufgang auf dem Hochstaufen. Keine Ahnung warum, aber irgendwie hat es bisher nicht geklappt.
Die Pläne das mal unter der Woche, vor der Arbeit, anzugehen musste ich auch verwerfen, da es dann ziemlich knapp wird und ich möchte nicht unbedingt ungeduscht im Büro auftauchen.
Der heutige Tag bietet sich mit seiner traumhaften Herbstwetter-Prognose förmlich für solch ein Abenteuer an und so starte ich um 5:45 Uhr an der Haustür und mach mich auf zum Gipfel.
Am Parkplatz an der Padinger Alm stehen nur zwei Autos. Das wird sich im Laufe des Tages sicher ändern, aber jetzt habe ich wohl erst mal meine Ruhe am Berg. An der großen Lichtung oberhalb des Parkplatzes, dort wo sich der Weg gabelt, nach links über die Bartlmahd und nach rechts zu den Steinernen Jägern führt, deponiere ich hinter einem Baum ein paar Getränke und Wasser. Das Reichenhaller Haus hat offiziell schon geschlossen und so kann ich hier unten wieder alles auffüllen.
Es geht nach links, im Schatten der Stirnlampe, hinauf zur Bartlmahd. Optimales Terrain für einen Aufstieg mit Stirnlampe.
Irgendwann verlässt man den dichten Wald und ein erster Blick auf die Dämmerung wird frei.
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Es ist schon ein ziemlich cooles Gefühl und je höher man kommt, desto mehr färbt sich der Himmel. Es ist wie ein kleiner Wettlauf mit der Sonne. Wer schafft es zuerst?
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Das schimmernde rot wird immer kräftiger und der Himmel beginnt zu brennen.
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Auf dem Grat angekommen wird dann auch ein erster Blick in die andere Richtung frei. Hinunter nach Anger und weit hinein ins Chiemgau. Während Bad Reichenhall vom Nebel verschont geblieben ist, liegt hier ein lückenhafter Nebelteppich über dem ganzen Land.
So etwas habe ich noch nie gesehen und dementsprechend ist der Anblick in diesem Moment für mich…gigantisch! Umwerfend!
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Am liebsten würde ich hier bleiben und Stunden lang nach unten schauen, aber die Sonne steigt weiter und ich wollte ja unbedingt vor ihr oben sein.
Dann habe ich es geschafft; der Gipfel des Hochstaufen. Ich ganz allein! Keine Menschenseele weit und breit! Und auch noch keine Sonne. Die schafft es lediglich den Himmel schon leicht lila zu färben.
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Die Berge fangen leicht an zu glühen und ich weiß nicht wo ich zuerst hinschauen soll.
Hinüber ins Salzburger Land?
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Oder doch auf die Berge?
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Und dann ist sie da? In voller Pracht lugt sie hinter den entfernten Bergen in Österreich hervor. Der Wind frischt auf und alles wird in ein gigantisches rot getaucht.
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Die Berge brennen!
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Pyramidenförmige Schatten erstrecken sich Kilometerweit ins Chiemgau!
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Ich will hier nicht mehr weg…nie mehr!
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Die Kirche in Anger schaut aus dem Nebel, während der Rest des Dorfes noch darunter liegt.
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So schön es auch ist, es wird merklich kälter und so mache ich mich wieder auf den Weg nach unten.
Die Sonne steigt langsam immer höher und wärmt von Minute zu Minute mehr und ich stürze mich in den Downhill die Bartlmahd hinunter.
Am Basecamp angekommen gönne ich mir eine leckere Limonade, fülle mein Wasser auf und mache mich auf den Weg, zurück zum Gipfel, dieses Mal über die Steinernen Jäger.

Zweite Runde – Steinerne Jäger

Ja, ich will ein zweites Mal auf den Gipfel und dass die Sache nicht langweilig wird, wähle ich jetzt den Aufstieg über die Steinernen Jäger. Am Hochstaufen ist Abwechslung garantiert.
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Im Gegensatz zur Bartlmahd ist dieser Anstieg nicht so gut laufbar, aber nach den ersten 1200 Höhenmeter in den Beinen, will ich es sowieso gemütlich angehen.
Mit einem Schlag ist alles anders. So total verschieden im Vergleich zum vorherigen Aufstieg. Bunte Farben, sämtliche Rottöne dominieren den Wald und sobald die ersten Blicke auf die Berge frei werden scheint alles blau/grün zu sein.
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Jetzt wird es merklich steiler und die Oberschenkel melden sich schon zu Wort. Dafür wird es aber auch wesentlich bergiger und technischer. Das Gelände wird rauer.
Der Nebel hat sich zum Großteil verzogen und jetzt wissen auch alle dort unten, dass das heute ein bombastisches Wetter wird.
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Kein roter Himmel, dafür strahlend blau mit einzelnen Wolkenfetzen. Einfach herrlich so ein Tag am Hochstaufen.
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Hier sind jetzt schon einige Leute mehr unterwegs, aber immer noch nicht so viele wie sich im Moment sicher über die Bartlmahd ihren Weg nach oben bahnen. Auch aus diesem Grund war die Routenwahl (erst links, dann rechts), wohl sicher nicht verkehrt.
Am Gipfel ist jetzt schon deutlich mehr los, was aber das Panorama hier oben keineswegs trübt.
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Dieses Mal fällt die Pause etwas kürzer aus, denn Fotos bei diesem Wetter und Licht habe ich schon genug, wobei heute die Fernsicht wieder bombastisch ist. Vergletscherte Gipfel in Österreich, Großglockner, Großvenediger, die Bayerische Voralpenkette und sogar der Bayerische Wald ist deutlich zu erkennen.

Der Downhill verläuft wieder über die Bartlmahd. Mittlerweile ist der Trail gut abgetrocknet und so kann man an einigen Stellen etwas mehr Gas geben als heute Morgen beim ersten Downhill.

Wieder am Basecamp angekommen das gleiche Prozedere. Limonade, Wasser auffüllen und weiter zum nächsten Gipfelanstieg…einen Aufstiegsweg haben wir ja noch auf der Südseite.

Finale am Goldtropfsteig

Den steilsten Anstieg habe ich mir für den Schluss aufgehoben, aber dafür ist hier so gut wie nichts los. Zahlen muss man diesen Luxus mit den steilsten Anstiegen die der Hochstaufen zu bieten hat und mit ein wenig technischer Kletterei im untern Schwierigkeitsgrad.
Zugegeben, die Motivation ist nicht mehr so hoch wie heute morgen um 06:00 Uhr und auch die Beine sind nicht mehr ganz so locker, aber ich will nochmal hoch. Wenn es schon drei geniale Anstiege auf dieser Seite gibt, dann kann ich ja nicht nur zwei hintereinander machen…dann muss schon der Hattrick her, sonst ist das Projekt nicht abgeschlossen.
Steil, steiler, Goldtropfsteig!
Mit jedem Schritt zieht es mir den Saft aus den Beinen. Anfangs läuft es noch ganz gut, aber dann kommt der Mann mit dem Hammer und die Höhenmeter auf der Uhr scheinen still zu stehen.
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Die Aussicht ist immer noch gigantisch und das treibt mich auch irgendwie immer weiter nach oben. Hinzu kommt, dass man hier sowieso nicht wirklich gut nach unten laufen kann, weshalb eigentlich nur der Weiterweg nach oben bleibt.
Vier kürzere Pausen gönne ich mir bevor mich der Goldtropsteig auf den Wanderweg hinüber zum Reichenhaller Haus spuckt und ich die letzten Meter in Angriff nehme.
Der letzte Schub, letzte Kräfte mobilisieren und dann ist es geschafft! Was für eine verrückte Aktion.
Den ein oder anderen hier oben habe ich heute schon mal gesehen und so wie ich teilweise angeschaut werde scheint man mich auch wieder zu erkennen…oder hält man mich für einen Geist? Wer weiß!
Auf jeden Fall ist hier jetzt die Hölle los.
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Ich gönne mir trotzdem eine kurze Pause bevor es in den finalen Downhill geht. Noch einmal nach unten schauen, inne halten, genießen und dann geht es weiter.
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Ganz so rund läuft es nicht mehr, die Beine sind müde, aber das Ziel ruft und so wird es doch noch ganz lustig auf den Weg nach unten. Die Musik trägt mich nach unten und die letzten Stunden fliegen noch einmal durch meinen Kopf.
Am Basecamp angekommen packe ich meine Tasche in den Rucksack und dann geht es die letzten Kilometer, vorbei an der Padinger Alm, hinunter nach Bad Reichenhall, nach Hause.
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Ein absolut gelungener Tag und irgendwie auch eine ziemlich lustige Aktion. Man könnte es auch verrückt nennen. Es wurde nie langweilig und ich bin überrascht, dass es doch so gut ging.
Wieder ein Projekt am Hochstaufen abgehakt!
Mal schauen was mir als nächstes einfällt.

Hier geht es zum Hochstaufen-Hattrick-Move!

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35 Gedanken zu „3400 Höhenmeter – Hochstaufen Triple Action“

  1. Boahhhhhhhhhhhhhhh…mir fehlen die Superlative, nein ich kann nichts schreiben 😉

    Das ist wirklich der Wahnsinn, v.a. die erste Tour muss wirklich ein Naturschauspiel erster Güte gewesen sein. Mann, Mann…erhol Dich gut oder sollte ich besser sagen: machs nochmal Steve 🙂

    Salut
    Christian

    1. Danke dir Christian!
      Ja, die Bilder am Morgen haben mich auch total geflashed! Ich brauch mehr davon…aber morgen wird es etwas gemütlicher! 😉

      Viele Grüße aus den Bergen

      Steve

  2. Ein bisserl durchgeknallt bist Du schon, gelle? :mrgreen:

    Aber Deine überbordende Begeisterung kann ich nach meinem kürzlichen Abstecher in die Berge noch viel besser verstehen.

    Das Bild mit dem Gipfelschatten über der Landschaft ist der Hammer!

    LG Volker

    1. Aber nur ein bisschen! 😉
      Ja, die Berge lassen einen nicht mehr los! Du wirst sicher nicht das letzte Mal hier unten in der Ecke gewesen sein. 😉

      Viele Grüße in den Norden

      Steve

  3. Schon wieder so etwas Beklopptes. Da kann ich ja nur den Kopf schütteln, aber das hast Du ja schon mitbekommen. 😉 Wenn ich das mal am Ölberg mache, dann ist das nicht geklaut. Ich mag es nur sagen, Steve.
    Kratz mir den Kopf und bin froh heute gerade mal eine knappe Stunde laufend unterwegs gewesen zu sein. _Mir_ reicht das für heute, aber was soll ich sagen. Du hast ja Deinen eigenen Kopf. Und das ist auch gut so. Is schon ne coole Sache.
    Schüttle Kopf immer noch… 🙂
    Viele Grüße aus dem Norden!
    Bernd

    1. Ja, das Kopfschütteln ereilte mich irgendwann während dem zweiten Aufstieg. 😉
      Zieh es durch am Ölberg…du wirst sehen; es macht Spaß!

      Viele Grüße aus dem Süden

      Steve

  4. Genial
    schön
    traumhaft
    zauberhaft
    ans Herz gehend
    mir geht es wie Christian
    suche nach Superlativen
    und noch viel mehr dein Ausflug – toll – der einzige schwarze Fleck die vielen Menschen dort oben, schnell wieder weg. 😎

  5. Hi Steve!
    Da warst du gestern aber sehr fleißig! Und schnell!
    Danke fürs Teilhaben lassen an den schönen Bildern. Ich muss auch schläunigs wieder mal auf den Staufen, aber nächste Woche ist ja vermutlich erstmal vorbei mit dem guten Bergwetter…
    Ich nehme an den direkten Aufstieg zum Gipfel kennst du, oder? Die kurze Kletterstelle 50 Meter oder so neben dem Ausstieg aus dem Goldtropfsteig direket zum Gipfel!?

    Gruß Andi

    1. Danke Andi!

      Den direkten Aufstieg suche ich schon länger. Bin mal irgendwo hoch, musste dann aber wieder abklettern weil es doch der falsch war.
      Bin da für Infos und Bilder sehr dankbar. Ist ja quasi das finale Stück des Steigs und gehört irgendwie dazu. Macht die Sache noch direkter! 😉

      Viele Grüße

      Steve

      1. Ich hab den beim ersten mal Suchen auch nicht gefunden. Ist wie gesagt etwa 50 Meter oder so nach dem Ausstieg vom Goldtropfsteig.
        Dort gibt es ein paar Meter in Richtung Felsen eine Eisenstange oder ein Rohr im Boden. Man geht zwichen den Felsen in eine Art Schlund hinein, an dessen Ende sich oben ein Klemmblock befindet. Hier muss man links vor dem Klemmblock hochkletter und dann über den Klemmblock steigen. Dann geht rechts vom Klemmblock immer den Steigspuren nach bis auf den Gipfel.
        Man kann das ganze auch andersrum machen und direkt unter Gipfelkreuz nach unten in die Latschen absteigen.
        Die Schwierigkeit würde ich etwa mit 2+/3- bewerten. Aber nicht ausgesetzt. Außer der Klemmblock ist etwas luftig zu übersteigen, aber dafür hier nicht mehr zu klettern.
        Ist ein schöner wenn auch sehr kurzer finaler Aufstieg!
        Muss mal schaun ob ich Fotos finde vom Zustieg.
        Andi

          1. Ja, können wir natürlich auch mal gemeinsam machen! Wenn ich mir die Webcam vom Predigtstuhl so anschaue, siehts in nächster Zeit wohl etwas schlecht aus 🙂
            Aber ich denke ein paar schöne Tage werden schon noch kommen. Letztes Jahr waren Anfang November auch noch ganz gut Bedingungen am Staufen…
            … und sonst halt im nächsten Jahr!

          2. Momentan schauts schlecht aus, aber ich hoffe auf noch ein paar wärmere Tage im November.

            Wenn nicht…dann nächstes Jahr. 😉

    1. Danke dir Maikel!
      24 Stunden wäre schon krass. Da braucht man ein richtiges Konzept was Verpflegung und Getränke angeht und läuft den Berg durchaus 7-9 Mal hoch. Das sind dann bis zu 10000 Höhenmeter. Das wird hart und sicher auch irgendwann total zermürbend.

      Mal schauen was mir noch so einfällt. 😉

      Viele Grüße

  6. Hi Steve, hattest Du auch wieder die 1 Stunde im Blickfeld? Oder ging es Dir nur um den Triple?
    Ich selber konnte mich noch nie motivieren, an einem Tag 2x auf den gleichen Berg zu steigen. Auch nicht auf verschiedenen Routen. Gratuliere zu Deiner Leistung. lg Robert

    1. Servus Robert!
      Nein, die Stunde war dieses Mal nicht im Fokus. Bin von etwas weiter oben gestartet (nicht direkt am Parkplatz) und spätestens nach den ersten Fotostopps wäre es sowieso nichts geworden.
      Jetzt ist der Schnee da und mal schauen, ob sich nochmal ein Versuch ausgeht.

      Danke dir

      Viele Grüße

      Steve

  7. Hi Steve, eine super Aktion auf »unserem Staufen« : Das ist sicher der Berg, auf dem ich in meinem Leben am häufigsten war – das erst Mal mit etwa 12 Jahren! Bei jeder Tages- und jeder Jahreszeit bin ich da »herumgekrochen« – und seit ich mit Brigitte zusammen bin, machen wir das natürlich immer zusammen. Der direkte Aufstieg zum Gipfel ist wirklich eine nette Kraxelei – man muss nur aufpassen, dass man nicht in die Scherben der »abgestürzten« Bierflaschen tritt oder – schlimmer noch – greift. Würden wir auch gerne mit Dir machen – aber jetzt müssen wir erst einmal warten, wie’s mit dem Schnee weiter geht.
    Das einzige Problem am Staufen sind tatsächlich die Massen, deswegen gehen wir ihn auch am liebsten antizyklisch an. Leider gibt’s die Zeiten, wo man wirklich niemanden trifft, fast nicht mehr. Früher war ich im Winter meist alleine dort unterwegs, heute ist fast immer eine Spur getreten.
    Übrigens: Deine Bilder sind – wie immer – klasse!
    Liebe Grüße aus der Nachbarschaft … 🙂

    1. Hallo ihr zwei!
      Danke für euren Kommentar. Mal schauen ob es dieses Jahr noch was wir mit einem letzten schneefreien Besuch auf dem Gipfel. Momentan schaut es eher mal nicht so aus, aber der Hochstaufen ist ja auch im Winter immer mal eine Reise wert. 😉

      Viele Grüße

      Steve

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