Transvulcania 2015

Wie die Pinguine sitzen und stehen wir dicht beieinander an der Wand des Leuchtturms von Fuencaliente. Es ist 3:45 Uhr und ein heftiger Wind bläst uns ins Gesicht. Ein Blick nach oben und man erkennt im Schein des Leuchtturms, dass dieser warme Wind viel Sand verweht; wie ein kleiner Sandsturm.
Transvulcania 2015 und wir sind schon zwei Stunden vor dem Start mittendrin.
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Ob es Sinn macht so früh mit unzähligen Bussen die Läufer zum Start zu transportieren sei mal dahingestellt, aber bei knapp 2000 Startern ist es schwer alle auf einmal an den Start zu bringen.
So sitzen wir hier am Leuchtturm, halbwegs windgeschützt, und jeder macht sich so seine Gedanken und man versucht sich gegenseitig abzulenken.

Am Tag zuvor hatte ich meine Zielzeit noch einmal etwas korrigiert. Anstatt der „12 muss stehen“ bin ich auf eine Zeit von 11:50 Stunden runter gegangen.
Mal schauen ob der Plan aufgeht.
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Wenn es nach dem Sprecher im Startbereich gehen würde, dann müssten wir schon ab 04:30 Uhr anfangen uns in der Startaufstellung einzufinden, aber dort unten gibt es keinen Windschutz und so warten wir bis 5:15 Uhr und machen uns dann auf den Weg nach unten ans Meer an den Start.
Vor der Chipkontrolle stockt es noch einmal und dann sind wir mittendrin im Gewühl und werden Teil dieser ganzen Szenerie.
Jetzt kommen wir hier nicht mehr raus. Wir reihen uns im Mittelfeld ein und starren gebannt auf die Felswand, auf die ein Beamer den Countdown projiziert. Noch immer sind es 20 Minuten, aber die Aufregung steigt und mit ihr der Puls.
Mit jeder Minute die es dem Start näher geht steigt das Gänsehautfeeling. Die Stimmung und die Atmosphäre hier sind der Wahnsinn.
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Dann geht das Licht aus, aus den Boxen erklingt AC/DC, 2000 Läufer zählen die letzten 10 Sekunden nach unten und machen sich im Schein ihrer Stirnlampen auf den Weg.

Transvulcania 2015 – Jetzt geht’s los

Mit einem ungeheuren Tempo sieht man die Elite-Läufer vorne weg Rennen, während der Rest des Feldes sich langsam in Bewegung setzt.
Was uns nun die kommenden Stunden erwarten wird, drückt dieses T-Shirt, das wir heute in Santa Cruz entdeckt haben, treffend aus.
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Der Transvulcania startet mit einem Anstieg von insgesamt knapp 2000 Höhenmetern auf 17 Kilometer. Das ist nicht sonderlich steil, aber der Vulkansand macht die Sache alles andere als einfach. Nach einer kurzen Runde um den Leuchtturm kanalisiert sich das Feld auf einen kleinen, schmalen Trail der den ersten Vulkan nach oben führt. Man kann hier überholen, muss dafür allerdings den Weg verlassen und im tieferen Sand an den Leuten vorbei laufen. Das kostet Kraft und ist nicht unbedingt die beste Variante. Hinzu kommt die Gefahr zu stürzen und das ist auf dem Vulkangestein keine angenehme Sache.
So wird der erste Teil des Anstiegs für mich ein kleines Intervall-Training. An vermeintlich passenden Stellen weiche ich nach links oder rechts aus, überhole ein paar Leute und schere wieder vor ihnen ein. Ein System, mit dem ich ganz gut zurecht komme und es schaffe, mich im Feld weiter nach vorne zu arbeiten.
Meter für Meter geht es in dem Vulkansand nach oben und die Ausblicke auf das Läuferfeld sind schon gigantisch.
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Nach den ersten 600 Höhenmetern verlässt man den Vulkan und kommt an die Ortsgrenze von Los Canarios.
Ein Stunde bin ich bisher unterwegs, es ist 7:00 Uhr morgens und es ist der absolute Wahnsinn was hier los ist.
Ich habe die Stimmung mal versucht in einem kleinen Video festzuhalten (Ich bitte die Kameraführung zu entschuldigen).

Leider habe ich es wenige Minuten danach, an der ersten Verpflegungsstation im Ort, verpasst noch einmal zu filmen. Die Stimmung dort glich einem Volksfest und es waren unzählige Menschen auf der Straße. Wie in einem Tunnel lief an man an ihnen vorbei zur Verpflegungsstelle…hier zelebriert einfach jeder dieses Event…Wahnsinn!

Ich liege fast punktgenau im Zeitplan und mache mich gleich weiter Richtung Los Deseadas.
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Jetzt gibt es ein bisschen weniger Vulkansand aber leichter wird es auch nicht.
Die Stirnlampe ist im Rucksack verschwunden, denn die Sonne bahnt sich langsam ihren Weg nach oben. Durch die aufgehende Sonne sieht man wie viel Staub in der Luft liegt und immer wenn ich auf einen Läufer auflaufe schlucke ich ein paar Staubkörner mehr. Aber die Sonne und das sich anbahnende Panorama lassen das alles schnell vergessen.
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Ich hätte nicht gedacht, dass der Aufstieg so viel Zeit in Anspruch nehmen wird, aber jetzt werde ich eines Besseren belehrt. Obwohl die 2000 Höhenmeter auf 17 Kilometer relativ „flach“ klingen und die Strecke auch keine wirklichen technischen Schwierigkeiten aufweist, zieht es sich gewaltig, nicht zuletzt aufgrund des Vulkansandes, der das Vorwärtskommen enorm erschwert.

An der zweiten Verpflegungsstelle angekommen geht auch wieder alles relativ flott.
Wasser auffüllen, eine Kleinigkeit essen und dann geht es auch schon weiter.
Kurz nach Verlassen der Station werde ich „gekrared“.
Rob Krar läuft an mir vorbei. Er ist an zweiter Position beim Media-Marathon. Die Läufer bewältigen auf einer Strecke von 24 Kilometern rund 2200 Höhenmeter. Sie sind eine Stunde nach uns am Leuchtturm gestartet und laufen bis zur dritten Verpflegungsstelle El Pilar.
Rob wird später das Rennen als Zweiter finishen, mit einer Pace von 6:04 Minuten pro Kilometer. Wahnsinnig schnell, denn es geht zwar 2200 Höhenmeter nach oben, aber nur knapp 500 nach unten. Man kann also keinen langsamen Uphill mit einem schnellen Downhill ausgleichen.
Rob fliegt also an mir vorbei und steuert schnurstracks auf den nächsten Anstieg zu, den er in einem schnellen Schritt nach oben geht. Das macht diese Legende irgendwie etwas menschlich.

Begleitet von einem Militärhubschrauber gehe ich den nächsten Anstieg an. Zwar nicht so schnell wie Rob, aber mindestens genauso dynamisch…zumindest gefühlt.
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Der Hubschrauber scheint wohl die Strecke zu überwachen und hat an diesem Renntag zum Glück nur einen Rettungseinsatz. Wenn man überlegt das es bei diesem Lauf 283 DNF’s gab, ist das eine gute Bilanz.
Hinzu kommen 119 Herausnahmen aus dem Rennen aufgrund von überschrittenen Cut-Off-Zeiten.

Nach diesem kurzen Anstieg beginnt der erste nennenswerte Downhill des Tages hinunter zum Refugio de El Pilar, wo sich nicht nur die dritte Verpflegungsstation befindet, sondern auch das Ziel des Media-Marathons und der Start des Marathons. Bis ich diesen nächsten Hotspot erreiche liegen aber erst einmal 600 Höhenmeter im Downhill vor mir.
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Dieser lässt sich sogar noch relativ fluffig laufen und endlich zeigt der Vulkansand auch mal seine Vorteile, wenn man ausblendet, dass man gefühlt nach jedem zweiten Schritt die Schuhe ausleeren könnte.

In El Pilar angekommen erwartet mich ein Volksfest. Hier geht die Party ab und ich bin mitten drin. Der Wald bebt und die Stimmung kocht…gigantisch. Eine perfekte Örtlichkeit für eine Kombination aus Ziel-Start-Verpflegungsstation.
Ich liege knapp 10 Minuten über meinem Zeitplan, fülle kurz mein Wasser auf und mache mich danach auf die nächste Etappe.

Kurz nach Verlassen der Station, es geht auf einer etwas breiteren Forststraße mit moderater Steigung, etwas flotter voran, macht sich ein leichtes Krummeln im Bauch bemerkbar, dass sich langsam zu einem heftigen Brodeln entwickelt.
Schnell wird klar, da muss was raus und zwar nicht oben, sondern unten.
Jetzt gibt es hier leider nicht die klassischen Hecken oder Büsche hinter denen man sich mal verstecken kann, denn die Gegend bietet nur sehr wenige geeignete Plätze. So dauert es etwas bis ich einen kleinen Wanderweg nach rechts nehme und dort nach ein paar Metern in den Wald abbiege und mir ein halbwegs geschütztes Plätzchen suche.
Ich erspare euch die Details. Nur soviel: Es verlief alles nach Plan und nach rekordverdächtigen 3:30 Minuten war ich wieder auf der Strecke.
Es geht moderat weiter zur nächsten Verpflegungsstation die ich nach 31 Kilometern erreiche, obwohl sie eigentlich erst bei 32,4 Kilometern kommen sollte. Einen Kilometer zu früh, aber das Schild bis zur nächsten Verpflegungsstation zeigt 12,4 Kilometer an. Jetzt ist natürlich die Frage, ob die 12,4 richtig sind oder ob es 13,8 Kilometer sind. Wenn man bedenkt, dass der nun folgende Abschnitt zum Pico de La Cruz mit 1200 Höhenmeter Aufstieg und 370 Höhenmeter Abstieg alles andere als einfach wird, sind 1,4 Kilometer mehr oder weniger schon essentiell.
Wie dem auch sei, ich fülle meine Getränke auf und mache mich nun auf den langen Weg zum Pico de La Cruz.

Das ist Transvulcania

Bergauf ist genau mein Ding und direkt nach der Station geht es damit los. Mit den Stöcken schiebe ich mich Meter für Meter nach oben und überhole schon nach kurzer Zeit die ersten Marathon-Läufer. Nach und nach kommen auch die ersten Ultramarathonis dazu…es läuft gut.
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Die Uhr piepst bei jedem Kilometer und immer dann trinke ich einen Schluck. Die Sonne brennt mittlerweile erbärmlich vom Himmel und Schatten ist hier oben auch oft Mangelware.
An einer kleinen Berghütte wird Wasser ausgeschenkt. Keine offizielle Station, aber ich nutze trotzdem die Gelegenheit 500ml aufzufüllen. Zuerst hadere ich mit mir, denn es dauert ein bisschen da hier viel los ist und nur drei Leute Wasser ausschenken, aber es kann sicher nicht schaden genug Wasser dabei zu haben.
Es folgt ein schöner Downhill und dann geht es auch schon wieder an den nächsten Anstieg.
Ich überhole Läufer die alles andere als gut aussehen oder am Wegrand sitzen und sich eine Pause gönnen. Auf meine Nachfragen erhalte ich immer nur die Antwort das alles in Ordnung sei, aber so ganz stimmt das sicher nicht immer.
Die Uhr piept Kilometer für Kilometer und langsam müsste man schon die Verpflegungsstelle sehen, aber hinter jedem Gipfel auf dem ich sie vermute, hinter jeder Kurve nach der ich mir sie ersehen, geht es weiter und ich erkenne in der Ferne die Läufer auf den Trails, sehe aber keine Verpflegungsstation.
In einem kurzen Waldstück gibt es eine innoffizielle Station an der Apfelstücke verteilt werden. Hier gab es im letzten Jahr wohl auch Getränke, allerdings nicht in diesem Jahr. Das wurde zwar im Vorfeld angekündigt, aber es rechneten doch viele Läufer mit einer Möglichkeit das Wasser aufzufüllen und so wird im Nachhinein die Zahl der DNF’s auf diesem Abschnitt wohl am höchsten sein.
Ich hätte mir hier auch etwas Wasser gewünscht, denn so langsam wird es eng und ich ersehne mir endlich diesen verdammten Pico de La Cruz herbei, aber er kommt und kommt nicht.
Die Kraft schwindet und ich merke langsam wie sich die fehlende Flüssigkeit auf die Leistung auswirkt.
Die kurzen Downhills laufen nicht mehr so flüssig und auch bergauf wird es langsam zäh.
Dann endlich kommt die Verpflegungsstation, dieser verf*** Pico de La Cruz und ich kann wieder Flüssigkeit auftanken.
Drei Stunden habe ich für die letzten 15,4 Kilometer benötigt; mit 2:25 Stunden hatte ich gerechnet.
Die Hitze hat mit voller Wucht zugeschlagen und spätestens jetzt weiß jeder, was diesen Lauf über den Vulkan so hart macht. Hier bekommt man sehr gut vor Augen geführt, dass die bloße Angaben von Kilometern und Höhenmetern überhaupt nichts aussagen, denn die Hitze brät hier oben jeden nieder.

Bis zum höchsten Punkt, dem Roque de Los Muchachos sind es nun nur noch „wenige“ Kilometer und ein „paar“ Höhenmeter. Man kann den Gipfel schon sehen, aber der Trali zieht sich erbarmungslos in der prallen Sonne nach oben. Das kostet Kraft, bei jedem Schritt, egal ob auf oder ab. Trotz der Wasserzufuhr läuft die Maschine nicht mehr richtig rund und ich will eigentlich nur noch auf den Downhill nach Tazacorte, aber erst mal muss man dafür auf den Roque.
Ich habe die letzten Meter zum Gipfel mal auf Video festgehalten.
So sieht man, dass man bei so einem Lauf nicht komplett durchläuft und man durchaus die in oder andere Qual leidet, denn wir bewegen uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so elfengleich nach oben.

Das Zelt gleicht einem kleinen Lazarett, denn es werden gleich mehrere Läufer behandelt. Infusionen, Blasen, Schürfwunden, hier ist alles dabei. Ich gönne mir eine kleine Verpflegungspause und suche mir vor dem Zelt einen Platz um die Socken zu wechseln.
Für den Downhill will ich saubere Socken, ohne Sand und Steine in den Schuhen, denn die 2400 Höhenmeter werden auch so schon hart genug.
Schuhe ausziehen klappt super, Socken wechseln ebenso. Rechter Schuh sitzt, zuschnüren, passt.
Linker Schuh sitz, zusch***, argh, Krampf!
Kurz Strecken und ein neuer Versuch. Zusch***, argh, Krampf!

Im vierten Anlauf schaffe ich es den Schuh zu binden und mache mich dann auf den Weg nach unten.

Jetzt sind die Krämpfe da. Was sich oben schon angekündigt hat, wird jetzt zur Gewissheit. Erst in den Waden, dann in den Oberschenkeln. Danach nur in den Oberschenkeln, dann wieder nur in den Waden. Bei kurzen Anstiegen meist ohne Probleme, aber im Downhill macht dann wieder alles zu.
Schon nach den ersten Metern ahne ich, dass dies nun ein absoluter Höllenritt wird.
Magnesium und Salztabletten bringen nichts, wenn man nicht genug trinkt und ich habe das Gefühl, dass ich dieses Defizit an Flüssigkeit auch während des Laufs nicht mehr ausgleichen kann.
Nach 8:38 Stunden war ich oben am Roque, nur 18 Minuten nach Plan, aber jetzt macht sich langsam der Gedanke breit, dass dieser Plan Geschichte wird.
Zur nächsten Verpflegungsstation sind es 10 Kilometer und 1200 Höhenmeter. 1:40 Stunden benötige ich für die Strecke in einer Mischung aus Wandern, krampfhaften Abstützen auf den Stöcken, springen und Laufen.
Die nächsten 1200 Höhenmeter verteilen sich auf nur 7,5 Kilometer, aber das macht die Sache nicht besser.
Nie habe ich mir einen Aufstieg sehnlicher gewünscht als jetzt, aber es geht nunmal nur noch bergab.
Am Kiosk in El Time wartet Sandra auf mich mit einer Cola.
Hier entsteht auch dieses Bild. Danke Schatzi! 😉
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Leider ist das keine Bewegungsunschärfe, denn gefühlt habe ich da gestanden.
Krampfhaft bahne ich mir den Weg Meter für Meter nach unten.
Die Strecke die am Donnerstag beim Vertical K überwunden wurde, laufen wir jetzt nach unten.
Ich laufe nicht, ich schwebe, denn man Körper ist nur noch eine leere Hülle dominiert von Krämpfen.
Wie gerne würde ich es hier laufen lassen, aber es geht nicht. Auch die wunderbare Aussicht auf Tazacorte ändert daran nichts.
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Dort unten ist die letzte Verpflegungsstation vor dem Ziel. Die Musik dröhnt nach oben und mit jedem Meter wird sie lauter.
Auch hier herrscht wieder Ausnahmezustand, denn hier finishen die Marathonis ihren Lauf. Dementsprechend gut gefüllt ist der Platz, aber leider schaffen es auch die motivierenden „Venga! Venga!“ Rufe der Zuschauer nicht, mich zum laufen zu bewegen.
1:27 Stunden habe ich für diese Etappe gebraucht und jetzt ist das Ziel schon fast zum greifen nahe. Noch einmal auffüllen was geht und dann geht es durch einen Duschtunnel auf die letzten 5 Kilometer nach Los Llanos.

Der lange Weg ins Ziel

Zunächst geht es durch ein ausgetrocknetes Flussbett, dass sich aufgrund der Temperaturen den Tag über auf gefühlte 1000 Grad aufgeheizt hat. Eigentlich ist es hier relativ flach, aber laufen kann ich nicht mehr. Liegt es an der Hitze, an dem was hinter mir liegt, an den Krämpfen oder an der Tatsache, dass dieses Flussbett nur aus Vulkansand besteht…ich weiß es nicht! Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem.
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Während ich mich noch frage, welches menschenverachtende A***loch sich dieses Stück ausgesucht hat ist es auch schon vorbei und es beginnt ein 300 Meter Anstieg, auf Asphalt, durch die Bananenplantagen.
Man hört im Vorfeld viel von diesem letzten Stück, nimmt die Erzählungen aber nicht wirklich ernst. Man muss es wohl erst erlebt haben um es zu verstehen und zu glauben.
Mit einem Schlag vergesse ich das Flussbett, denn jetzt habe ich ein neues Feindbild. Es geht also noch menschenverachtender. Die Hölle auf Erden hat einen Namen. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich bin kurz vorm Durchdrehen.
Dann endlich, der blaue Radweg. Die lange Gerade ins Zentrum.
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Irgendwo dort hinten ist das Ziel. Eigentlich nur noch flach, ein flotter 2-Kilometer-Lauf auf der Straße, maximal 7 Minuten…aber nicht heute. Das werden die längsten zwei Kilometer meines Lebens aber es werden auch die zwei Kilometer, auf denen ich am meisten gefeiert werde.
Überall in den Kneipen und Bars am Straßenrand sitzen die Leute und jubeln den Läufern zu. Egal wie schnell oder langsam man ist, jeder wird hier gefeiert und klatscht mit den Zuschauern ab.
Es ist einfach unglaublich wie sich die Leute mit einem freuen, was sie teilweise für ein Strahlen im Gesicht haben…gigantisch. Hier lebt man echt dieses Event und spätestens jetzt weiß man, dass die Qualen der letzten Stunden nicht umsonst waren.

So endet also mein Transvulcania 2015 mit einem, von den Zuschauern motivierten, Zielsprint gefolgt von ziemlich ekelhaften Krämpfen, hervorgerufen durch meine raketenmäßige Beschleunigung auf den letzten Metern.

Mit 12:54 Stunden steht zwar die 12, aber mein Ziel 11:50 Stunden habe ich leider verfehlt. Dafür habe ich den Lauf einfach zu sehr unterschätzt und wurde in der sengenden Hitze eines Besseren belehrt.
Für die letzte Etappe habe ich 1:09 Stunden benötigt. So können sich 5 Kilometer zu einer Ewigkeit ziehen.
Beim nächsten Mal weiß ich worauf ich zu achten habe und dann ist sicher noch etwas mehr drin.
Tobi und Rupi sind auch gut angekommen; nur knapp hinter mir. Dafür sehen sie um einiges besser aus.
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Zufrieden bin ich trotzdem und missen möchte ich keine einzelne Sekunde des Laufs.
Man muss den Transvulcania einfach mal gelaufen sein um zu verstehen, was hier abgeht. Man kann viel lesen und sich viel erzählen lassen, aber richtig versteht man es erst, wenn man dabei war.

Für die WUSA’s (äußerst lesenswerter Bericht!) lief es leider nicht nach Plan. Klar ist die Enttäuschung in diesem Moment groß, gerade dann, wenn man im Vorfeld alles richtig gemacht hat und am entscheidenden Tag etwas nicht passt. Aber aus einem DNF kann man nur lernen und ich bin mir sicher, dass ihr wieder kommt und dann das Ding rockt.
Auf diesem Weg möchte ich euch auch noch ganz herzlich danken, denn ohne euch wäre ich nicht hierher gefahren. Ihr seid Schuld! Nur aufgrund eurer Erzählungen aus dem letzten Jahr bin ich hierher geflogen und ich habe es keine Minute bereut…danke euch!
Die Insel hat uns sicher nicht das letzte Mal gesehen, denn eine Rechnung haben wir jetzt alle noch offen.

Nächstes Jahr will dieser coole bärtige Typ auch den Ultramarathon laufen.
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Mal schauen, ob Rob nächstes Jahr so große Waden hat wie ich, oder ich einen so langen Bart wie er.

Hier geht es zu meinem Transvulcania-Move a.k.a. Ride this fucking volcano

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