Regenschlacht im Pongau

Heute bin ich mal zu Gast bei den WUSAs im schönen Pongau. Umrahmt von Tennengebirge und Hochkönig hat man hier eigentlich ein gigantisches Panorama, wenn da nicht diese Wolken und das nasse Zeug, das aus den Wolken kommt, wären.
Aber das war uns schon klar als wir uns für diese Tour verabredet hatten. Dem Panorama wegen sind wir heute nicht unterwegs. Es geht vielmehr ums Erkunden, denn auf diesen Trails zwischen Bischofshofen und St. Johann waren selbst die WUSAs bisher noch nicht unterwegs gewesen. So richtig weiß also niemand was uns heute erwartet; auch nicht unser treuer Begleiter Luke, der am Ende sicher wieder einige Kilometer mehr in den Pfoten haben wird. Wir rechnen mit 20 Kilometer und etwas um die 1000 Höhenmeter.
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Wir starten an Auto 1 und Ziel ist Auto 2, welches wir vorher abgestellt haben. Natürlich geht es nicht flach an der Salzach entlang, sondern über den Bergrücken auf der rechten Seite.
Relativ unspektakulär geht es auf einer nicht enden wollenden Straße in vielen Serpentinen nach oben. Die Ortschaft wird kleiner, aber irgendwie tauchen hier oben immer wieder neue Häuser auf. Sozialer Wohnungsbau 2.0. Ein Traumhaus neben dem anderen, mit einer gigantischen Sicht ins Tal…hier lässt es sich aushalten.
Irgendwann zweigt nach links der Trail ab, der uns erlaubt die Serpentinen zu verkürzen und endlich auf einem schöneren Weg zu laufen.
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So muss das sein. Da macht einem der Regen gleich viel weniger aus. Wir durchbrechen die 1000m-Marke und langsam frischt der Wind auf.
Jetzt kleben die nassen Klamotten auf der Haut und der Wind sorgt dazu für die nötige Frische. Nicht toll, aber die Trails entschädigen für die Schlechtwetter-Qualen.
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Nach dem Asphalt-Geballer zu Beginn gibt es jetzt immer mal wieder ein bisschen Forststraßen-Massaker zur Abwechslung, bevor wir wieder auf einen schmalen Trail abbiegen.
Es ist ein wilder Ritt durch die Welt der verschiedenen Laufuntergründe.
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Die Stimmung hier im Wald ist aber schon eine besondere und wenn man es nicht genau wüsste, dann könnten wir auch irgendwo in Kanada sein.
Im Prinzip warten wir nur darauf, bis sich irgendwo ein Bär durch das Unterholz schlägt und uns anfällt.
Zum Glück kenne ich mich aus und weiß aus Squamish, dass man bei Braunbären auf Bäume klettern muss und bei Grizzlys soll man sich tot stellen…oder war es umgekehrt? Und was ist mit den Schwarzbären? OK, hoffen wir einfach dass es die Bären noch nicht bis Österreich geschafft haben.

Nach einem wilden Ritt durch das Unterholz erreichen wir auch den ersten Gipfel, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe.
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Die Aussicht ist gigantisch und das Gipfelkreuz sehr imposant.

In Revenant-Manier schlagen wir uns weiter durch den Wald um irgendwann wieder auf einen laufbaren Weg zu treffen. Leonardo DiCaprio ist uns bisher noch nicht begegnet, aber wundern würde es uns nicht.

Unser nächstes Ziel ist der zweite Gipfel, dessen Namen ich ebenfalls vergessen habe und den wir auch nur erreichen, weil wir uns wie alte Barkley-Marathon-Veteranen quer durch die Prärie schlagen.
Die Aussicht ist dieses Mal etwas besser, allerdings hat man dieses Mal gänzlich am Gipfelkreuz gespart.
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Wie gesagt, die WUSAs kennen sich hier oben auch nicht aus, laufen die Trails heute zum ersten Mal und so ist das Handy unser wertvollstes Utensil.
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Auch wenn das GPS nicht ganz so akkurat ist und das Kartenmaterial auch schon bessere Zeiten gesehen hat, treffen wir irgendwann wieder auf ausgeschilderte Wanderwege.
Von der Rettenebenalm (ja, ich kann mir doch was merken) geht es dann nach einem letzten Anstieg auf einem ziemlich genialen Downhill, vorbei an einem Kloster, wieder hinunter ins Tal.
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Die Trails hier oben sind wirklich echte Sahnestück und machen richtig viel Spaß. Da werden auch die eiskalten Hände irgendwann wieder warm und das Gefühl kommt zurück.
Im letzten Abschnitt lockern dann sogar die Wolken etwas auf und der Regen legt eine Pause ein.
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Als dann am Ende der Tour auch noch die Sonne durch die ersten Wolkenlücken hindurch scheint, haben wir wettertechnisch auch alles mitgenommen was ging.

Bis auf ein paar Leute in den Ortschaften zu Beginn und zum Ende, haben wir während der gesamten Tour keine Menschenseele getroffen. Kein Wanderer, kein Läufer, kein Jäger, kein DiCaprio.

Eine sehr abwechslungsreiche Runde, die durch das Wetter und die Forststraßen-Abschnitte in der Mitte, auch einiges an mentaler Stärke fordert.
Genau das richtige um neben dem Bewegungsapparat auch das Hirn ein bisschen zu trainieren.

Danke liebe WUSAs fürs mitnehmen. Coole Trails habt ihr dort oben.

Hier geht es zum Revenant-Move!

P.S.: Mittlerweile hat mir strava verraten wie die Berge hießen: Kohlmaißhöhe und Palfnerkogel.

6 Gedanken zu „Regenschlacht im Pongau“

  1. Noch ein wenig weiter oben im Dientner Gebiet, direkt am Fuße des Hochkönigs hätte ich mich ausgekannt, aber ihr scheint ja auch mit Smartphone euren Weg gefunden zu haben. Gibt anscheinend ein paar nette Ecken dort, obwohl ich die Verachtung gegenüber Forststrassen deutlich herauslesen kann 😉 Und das scheint nicht am Wetter gelegen zu haben…

    Salut

    1. Ja, gibt es gigantische Ecken hier und der Hochkönig steht für dieses Jahr auch noch auf dem Programm.
      Forststraßen sind in der Tat nicht so mein Ding. Wenn dann noch bescheidenes Wetter dazu kommt, dann kannst du es ganz vergessen. 😉

      Viele Grüße

      Steve

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