Karwendel-Berglauf 2016

Für heute steht der Karwendel-Berglauf auf dem Programm. Nach 2014 meine zweite Teilnahme bei diesem Klassiker, von Mittelwand, durch das Dammkar bis hinauf zur Karwendelbahn-Bergstation.
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Eigentlich wäre das Ziel noch knapp 120 Höhenmeter weiter oben, auf der nördlichen Linderspitze, aber der Wintereinbruch der letzten Tage würde diesen finalen Aufstieg zu gefährlich machen und zudem würde man total nassgeschwitzt, bei Temperaturen um 5 Grad erst noch absteigen müssen um zur wärmenden Bergstation zu kommen. Somit ist die Entscheidung den Lauf zu verkürzen sicher die richtige, zumal es jetzt nicht sonderlich viel kürzer ist.
Begrüßt wird auch die Entscheidung, dass Rennen nicht um 11:00 Uhr sondern um 11:40 Uhr zu starten, um so den vielen Teilnehmern, die im Verkehrschaos zwischen München und Mittenwald stecken, die Chance zu geben, noch rechtzeitig am Start anzukommen.
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Meine Taktik ist heute sicher nicht die von 2014, sondern eher die vom Lavaredo Ultra Trail. Hinten anstellen, langsam Tempo anziehen und kontinuierlich nach oben schrauben. Garantiert werde ich mir nicht wie beim Karwendel-Berglauf vor zwei Jahren schon auf den ersten zwei Kilometern die Lichter ausschießen; dafür bleibt später noch genug Zeit.

Dann fällt der Startschuss und es geht los. Flott durch Mittenwald, über die Talstation der Karwendelbahn, rauf auf die steile Forststraße.
Aus meinem Laufen wird ein schnelles Gehen und in den flacheren Passagen gehe ich immer wieder in den Laufschritt über. Eine Taktik, die ganz gut funktioniert und bis zum Bankerl komme ich gut voran.
Ab dem Bankerl beginnt dann der eigentliche Trail und der Karwendel-Berglauf wird auch was für Trailrunner. Genau mein Ding, auch wenn es jetzt immer Kraft kostet jemanden zu überholen, da der Weg sehr schmal ist und man immer nur mit einem schnellen Sprint an den Vorläufern vorbei kommt. Zum Glück bieten sich immer wieder Gelegenheiten, so dass ich auch hier gut voran komme und mich nicht von dem etwas langsameren Tempo anstecken lasse.
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Auflaufen, abwarten, überholen, auflaufen, abwarten, überholen. So zieht sich das bis zur Dammkarhütte durch, immer mit dem Schnaufen der Verfolger im Nacken. Dieses Berglaufen ist eben doch total anders als Trailrunning.

An der Dammkarhütte vorbei beginnt nun die eigentliche Hölle des Karwendel-Berglaufs…das Dammkar. Die Geröllhalde des Todes und für mich wird es Zeit, mein Race-Uphill-Face aufzusetzen.
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Ab jetzt wird das überholen noch schwieriger, da das Geröll unendlich viel Kraft aus den Beinen zieht. Aber eben genau dieser Abschnitt macht den Karwendel-Berglauf so berüchtigt.
T-Shirt, Windjacke und 3/4-Hose waren heute die richtige Wahl, denn langsam wird es etwas frischer und vereinzelte Schneeflecken zieren schon den Weg.
Auch wenn es demotivierend ist, wenn man sieht wie langsam sich diese Schlange an Läufern durch das Dammkar nach oben zieht und wenn man von unten schon erkennt wo die Reise hingeht, so ist doch irgendwo beruhigend, wenn man weiß, dass relativ schnell alles wieder vorbei ist.
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Weiter oben wird der Schnee dann dichter und bedeckt den gesamten Aufstiegsweg. Jetzt zahlen sich die profilierten Schuhe aus und die Jungs und Mädels mit Straßenschuhen haben zu kämpfen. Überholen würde zu viel Kraft kosten und so beschließe ich, erst mal hinten dran zu bleiben und den richtigen Moment abzuwarten.
Der kommt zum Glück in Form einer etwas längeren Geraden und ich kann halbwegs dynamisch vorbei ziehen.
Im letzten Abschnitt bietet sich dann wieder das gleich Bild. Schneebedeckter Aufstieg und Straßenschuhe. Dieses Mal warte ich wieder und hege den Plan, im Tunnel, kurz vor dem Ziel noch einmal einen Angriff zu starten. Also jetzt halbwegs kräfteschonend aufsteigen und dann attackieren.
Dann haben wir es geschafft und vor uns zeigt sich der Tunneleingang. Wir biegen ein und jeder beginnt zu laufen. Es ist verdammt kalt hier drin. Links liegen Gummimatten, rechts läuft man auf feuchten Holzplanken. Ich entscheide mich für die Holzplanken, in der Hoffnung das die Schuhe schon grippen und das der harte Untergrund mehr Vortrieb gibt.
Tempo anziehen und dabei versuchen, die sich anbahnenden Krämpfe zu ignorieren. Die minimale Steigung fühlt sich an wie eine Wand. Mein Kopf sagt „gehen“, aber die Beine sagen „laufen“. Klar laufe ich, denn das Schnaufen meiner Verfolger hängt mir immer noch im Nacken…die kriegen mich.
Tempo verschärfen, Blinker rechts und ab geht’s…und in der Tat werde ich im Tunnel nicht mehr überholt, mache noch ein paar Plätze gut bevor mich der Tunnel auf die letzten 10 Meter zum Ziel ausspuckt.
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Geschafft! Was für ein Rennen. Mit der Zeit bin ich absolut zufrieden. Umgerechnet knapp 10 Minuten schneller als vor zwei Jahren an dieser Stelle. So muss das sein.
Marius wartet schon im Ziel und Tobi kommt kurz nach mir an.
Danach heißt es umziehen und dann erst mal aufwärmen mit Nudeln und alkoholfreiem Weißbier.

Auf die Gondel haben wir keine Lust und so beschließen wird wieder runter zu laufen. Absolut berglauf-untypisch. Trailrunner eben!
Wir drehen noch eine kurze Runde auf dem Rundweg, bei der ich mir beinahe den Hinter abfriere.
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Dieses Spektakel wurde natürlich live mit der Welt geteilt.

Danach geht es auf der Aufstiegs-Strecke wieder runter und mit jedem Meter wird es wärmer.
Schneemann
Kurze Geröllabfahrten im Dammkar und ab der Dammkarhütte wird der Downhill dann richtig spaßig.
Auf dem Weg nach unten treffen wir dann noch einen lustigen Typen, der auch mitgelaufen ist und sich gegen die Gondel entschieden hat.
Sein Outfit ist legendär. Hier der Beweis!

Wieder mal ein tolles Rennen, mit Laktat in den Beinen und Blutgeschmack im Mund. Ein-/Zweimal im Jahr brauche ich das.
Aber jetzt wird es dann wieder länger!

Karwendel-Berglauf…nächstes Jahr wieder…dann bitte mit etwas mehr Sonne.

Hier geht es zum Uphill-Karwendel-Berglauf-Move!
Und hier zum Downhill-Jeans-Tüten-Move!

8 Gedanken zu „Karwendel-Berglauf 2016“

    1. Das räumen die im Winter immer alles auf und im Sommer ist die ganze Arbeit dann wieder für den A*** gewesen. 😉

      Danke dir Volker

      Viele Grüße

      Steve

  1. Wo es hoch geht geht es auch wieder runter. Also nur konsequent auch wieder runter zu laufen auch wenn ich glaube du hast dich dann berg hoch nicht wirklich verausgabt 😉

    1. Hihi…rückblickend betrachtet könntest du Recht haben. Vielleicht wäre noch ein Ticken mehr gegangen, aber als jemand, der eigentlich die längeren Distanzen gewöhnt ist, fällt es mir immer schwer, auf der „Kurzstrecke“ Gas zu geben. Da muss ich noch an mir arbeiten.

      Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    1. Doch, das habe ich doch gesagt…das nächste Mal gebe ich nochmal extra Bescheid 😉

      Ja, die Motivation ist wieder da…alles super!

      Danke dir…LG

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