Die Sache mit dem Pacer

Nachdem der Zugspitz Ultratrail und der Stubai Ultratrail die letzten Wochen erfolgreich über die Bühne gegangen sind, ich mir einige Berichte durchgelesen, Bilder angeschaut und Moves analysiert habe, stelle ich mir die Frage, ob jeder der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Punkt 17 des Reglements von Plan B kennt und weiß, was ein Pacer ist.

In Amerika weit verbreitet, bei uns nur auf den klassischen Distanzen bekannt

Bei den Leichtathletik-Wettbewerben sieht man Pacer/Tempomacher/Hasen bei vielen großen Rennen. Sie dienen dazu das Tempo anzugeben, das Feld zu leiten und schlussendlich eine gewisse Zielzeit anzustreben.
Beim klassischen Stadtmarathon sind es die „Ballonträger“ die dem Läuferfeld deutlich zu erkennen geben, in welchem Geschwindigkeitsspektrum man sich gerade befindet.
Für die Eliteläufer bieten die Pacer zudem auch noch einen angenehmen Windschatten, der nicht selten, ein paar entscheidenden Sekunden bringen kann.
Im Bereich der Ultratrails kennt man Pacer überwiegend aus der amerikanischen Szenen. Bei vielen großen Rennen ist der Einsatz von Pacern ein essentieller Bestandteil. So zum Beispiel beim Western States 100, wo viele Läufer, egal ob Elite oder nicht, zwischen den Verpflegungsstationen auf die Hilfe ihrer Pacer zurückgreifen.
Brandaktuell hatte Kilian auch während des Hardrock 100 Unterstützung von Pacern, die ihn auf Teilen der Strecke begleitet haben.
In der europäischen Szene sind Pacer selten vertreten, nicht zuletzt, da sie bei den meisten Läufen überhaupt nicht zugelassen sind.

Was bringt mir ein Pacer

Für die Profis in der Leichtathletik sind Pacer wie bereits erwähnt, wichtige Windschattenspender und klassische Tempomacher. Sie sorgen für die entscheidenen Sekunden und tragen nicht selten auch bei Weltrekorden einen erheblichen Anteil bei.

Im Trailrunning sind es nicht die entscheidenen Sekunden die man einem Pacer verdankt. Auch das klassische Tempomachen ist hier nicht der Hauptjob des Pacers. Bei 100 Kilometern oder gar 100 Meilen sind es viel mehr motivierende Faktoren die hier eine Rolle spielen. Es ist der Freund, der einem über einen Tiefpunkt hinweg hilft, aufbauende Worte liefert und einen antreibt. Zwischen einem DNF und einem Finish liegt hier nicht selten der Einsatz eines Pacers. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch bei Kilians unglaublicher Hardrock 100 Performance die Pacer ihren Teil dazu beigetragen haben, dass dieser Typ 86 der 100 Meilen mit ausgekugelter Schulter läuft und am Ende gewinnt.

Und was hat das alles mit Plan B zu tun?

Im Reglement von Plan B wird unter Punkt 17 die „Hilfe von außen“ untersagt:

Kein Teilnehmer darf Hilfe von Dritten (Zuschauer, Betreuer, andere Teilnehmer) – mit Ausnahme bei Stürzen, Verletzungen und anderen Notsituationen – während des Rennens in Anspruch nehmen. Ausgenommen hiervon sind nur das Reichen von Verpflegung, Getränken, Kleidungsstücken oder Ersatzmaterialien durch am Wegesrand stehende Begleiter sowie die medizinische Hilfe durch die MEDICAL CREW. Nimmt ein Teilnehmer Dienste Dritter, insbesondere Bergungs- und Rettungsdienste, in Anspruch, hat er die Veranstalter von dadurch entstehenden Kosten freizuhalten. Er ermächtigt den Veranstalter, eventuelle Kosten einzuziehen.

Somit ist der Einsatz von Pacern regelwidrig und könnte folglich sogar zur Disqualifikation führen.
Ich denke, dass sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber nicht im Klaren sind, denn wie ich eingangs erwähnt habe, wurden an der Zugspitze und im Stubaital Pacer eingesetzt, wissentlich oder unwissentlich, dass es sich hierbei um ein regelwidriges Hilfsmittel handelt.

Ich habe bei Plan B nachgefragt und wollte wissen, wie sie zu dieser Thematik stehen.
Plan B hat Punkt 17 des Reglement nie wirklich mit „Pacern“ in Verbindung gebracht und es als „Problem“ erkannt. Man möchte dies aber mit anderen Veranstaltern und den Teilnehmern angehen, wenngleich der Aufwand, ein Pacer-Verbot auf 100 Kilometern zu kontrollieren, wahrscheinlich nicht zu stemmen ist.
Zum diesjährigen Zugspitz Ultratrail und Stubai Ultratrail gab es keine Anfragen von Pacern, die Läuferinnen und Läufer auf der Strecke begleiten wollten. Es gab lediglich zum ZUT vereinzelte Anfragen, ob man auf den letzten Kilometern ins Ziel begleitet werden darf. Diese Anfragen wurden von Plan B, mit Verweis auf Punkt 17 des Reglements, zurückgewiesen.

Fazit

Der Einsatz von Pacern kann entscheidende Vorteile bringen.
Solange es nicht erlaubt ist, sollte man aber davon absehen, denn im Zweifelsfall droht einem die Disqualifikation.
Auch wenn man das Angebot eines guten Freundes, ein paar Kilometer mitzulaufen, nur sehr schwer ausschlagen kann, ein Blick in das Regelwerk sollte man auf jeden Fall vorher werfen, denn am Ende ist man einer Disqualifikation vielleicht näher als einem lieb ist.

Moralisch gibt es durchaus auch ein paar Punkte die gegen einen Pacer sprechen. Karl Meltzer hat das in einem Podcast (ab Minute 44) mal gut ausgeführt. Im Prinzip geht es darum, etwas selbst, ganz ohne Hilfe zu erreichen. Er spricht dabei auch gerade die Läufe in Europa an, wo es keine Pacer gibt.
Wenn Pacer, dann sollten sie meiner Meinung nach auch nur zum klassischen pacen und nicht zum Tragen von Ausrüstung genutzt werden, wie es wohl bei manchen Rennen durchaus erlaubt ist bzw. manche Pacer in Amerika eingesetzt werden.

Gerade auf den technischen Trails in Europa halte ich den Einsatz von Pacern auch für eher schwierig, da auf den schmalen Trails oftmals nicht genügend Platz ist und Pacer gerade in Engstellen, für zusätzlichen Verkehr sorgen könnten.
Auf den klassischen Strecken in Amerika, gerade auf den „flachen“ 100 Meilern, finde ich den Einsatz von Pacern weitaus verträglicher, zumal das Starterfeld oft wesentlich limitierter ist als bei den großen europäischen Ultras.

Der Western States 100 ist ja auch eines meiner großen Ziele und ich würde, sofern sich jemand findet, dort einen Pacer einsetzen.
Wenn es erlaubt wäre, dann würde ich Pacer auch partiell auf Abschnitten bei unseren Läufen einsetzen. Man denke einfach mal an die Strecke beim ZUT zwischen Leutasch und Mittenwald. Eine elendige Passage, wo die Motivation eines Vertrauten sicher viel ausmachen kann.

Aber, bisher ist es bei uns eben fast ausschließlich verboten und von daher sollte vieles in Zukunft überdacht werden, denn ich glaube nicht, dass sich in naher Zukunft etwas a, Reglement ändern wird.

So und jetzt seid ihr dran! 😉

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