Skitour auf die Hochalm

Meine heutige Skitour führt mich auf die Hochalm, in der Ramsau, zwischen Stanglahnerkopf und Schärtenspitze. Der Lawinenlagebericht ist von gestern auf heute, von 3 auf 2 gefallen, und liest man den kompletten Bericht (was man immer machen sollte), dann scheint einer tollen Skitour auf die Hochalm nichts im Wege zu stehen.
Bei leichtem Schneefall geht es vom Parkplatz an der Pfeiffenmacherbrücke in der Ramsau, hinauf Richtung Eckaualm. Dieser erste Teil der Tour verläuft auf der Forststraße, die jetzt im Winter zur Rodelbahn präpariert wurde. Vom Parkplatz bis zur Eckaualm verläuft diese Strecke zwar relativ unspektakulär, ist aber ziemlich breit und hat eine gute Schneeauflage. Nur ganz wenige Steine liegen im unteren Bereich auf dem Weg.
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Die Tour auf die Hochalm ist deshalb so beliebt, weil sie oberhalb der Baumgrenze fantastische Pulverhänge bietet. Dort ist es sehr oft windstill, da das Gelände von den Bergen umrahmt, sehr windgeschützt liegt und da sind natürlich beste Schneeverhältnisse fast schon vorprogrammiert.
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An der Eckaualm endet die Rodelstrecke und von nun an geht es durch den Wald weiter nach oben. Man steigt entlang des Sommerweges weiter auf; mit ein paar Varianten links und rechts durch den Wald.
Der Weg ist sehr schmal und ich frage mich jetzt schon, wie ich hier später runterkommen soll. Nicht schön gemütlich nach links und rechts ausfahren, denn dort stehen Bäume oder es geht nach unten…das wird definitiv eine interessante Sache, aber jetzt geht es erst mal nach oben. Immer eins nach dem anderen!
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So ganz weiß ich nicht, ob ich noch in der klassischen Aufstiegsspur bin oder ob ich gerade eine Abfahrtsspur nach oben steige. Spitzkehre um Spitzkehre bahne ich mir meinen Weg nach oben und ich habe das Gefühl, dass ich für diese Performance nicht immer die besten Haltungsnoten bekomme.
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Im Bereich der Mitterkaser-Diensthütte komme ich wieder in flaches und freies Gelände und steige prompt in eine Sackgasse. OK, hier geht es also nicht mehr weiter; im Sommer schon, aber im Winter nicht. Also Kommando zurück und nach einer anderen Aufstiegsspur suchen und siehe da, da ist sie ja auch schon. Ein kurzer Blick in die Karte hätte mir das erspart, denn hier sieht man deutlich, dass es nun unterhalb der steil abfallenden Wand des Stanglahnerkopfes weiter nach oben geht.
Jetzt lichten sich die Bäume, die Spur zum aufsteigen wird deutlich breiter, aber dafür auch steiler; wesentlich steiler. Jetzt stelle ich mir nicht mehr die Frage wie ich hier später runter komme, sondern wie ich da jetzt rauf komme.
Spitzkehren…klar, aber irgendwie finde ich keine optimale Aufstiegsroute und vergeude viel Kraft und Zeit mit unnötigen Spitzkehren und Skigewurschtel.
Kennt ihr die Situation, wenn man aufsteigt, an den Rand kommt, und dann feststellt, dass man völlig verkehrt steht und nun eigentlich eine 180 Grad Drehung machen müsste? Mit einem Ski geht das, aber der zweite will dann nicht mehr nachkommen. Hilft nix…raus aus dem Ski, umsetzten, anschnallen und weiter geht’s. Hat ja zum Glück niemand gesehen. Jetzt packe ich auch mal die Harscheisen aus. Zwar ist es nicht vereist, aber ich rutsche trotzdem immer ein Stück ab und vielleicht bringen die Teile ja ein kleines bisschen mehr Grip für den Aufstieg.
Geschafft! Das steile Stück ist überwunden…man bin ich ein Tier!
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Schade dass hier oben die Wolken und der Nebel drinhängen, denn die Aussicht auf die schneebedeckten und mit Spuren durchzogenen Hänge, umrahmt von Berggipfeln, ist sicher absolut gigantisch. So bleiben nur ein paar Bäume und ein kleiner Ausschnitt der umliegenden Skihänge.
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Kurz nach einer kleinen Teepause werde ich von einem Tourengeher überholt, der auch als Ziel die Hochalm hat. Er ist wesentlich flotter unterwegs als ich und hat sicherlich auch nicht so viel Kraft im Aufstieg gelassen. Gut schaut’s aus. Ein kurzer Smalltalk mit dem ersten Lebewesen das ich seit dem Start gesehen habe und dann ist er auch schon weiter.
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Ich steige weiter auf und als ich mich wenig später wieder umdrehe, kommt ein weiterer Tourengeher von unten. Der ist noch flotter, hat einen Rennanzug an und nicht wirklich viel Ausrüstung dabei. Ich erkennen die grüne Hose und die rote Salomonjacke. Philipp „Zauberlehrling“ Reiter ist auch auf dem Weg zur Hochalm. Ein kurzes Sevus, wie geht’s, vielleicht sieht man sich später noch mal…und weg war er. Eine knappe Stunde ist er unterwegs…ich knapp 2 1/2 Stunden.
Wahnsinn…der Typ!
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Es geht weiter und nach kurzer Zeit treffe ich wieder auf den ersten Tourengeher. Er steht am Rand und macht sich zur Abfahrt bereit. Bis zum eigentlich Zielpunkt der Tour (um die 2000m) wären es noch schätzungsweise 150 Höhenmeter, aber er meint, dass die Sicht immer schlechter wird und da macht das Abfahren dann keinen Spaß mehr.
Recht hat er und da ich die Strecke nicht kenne, keine Lust habe mich auf der Abfahrt irgendwo zu verhauen, beschließe ich auch hier die Tour zu beenden. Die Sicht ist wirklich sehr bescheiden. Irgendwie habe ich das die ganze Zeit nicht sonderlich beachtet.
Jetzt gibt’s aber erst mal eine Brotzeit,
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bevor ich die Felle im Rucksack verstaue und mich nun an die Abfahrt mache.
Da kommt gerade Philipp wieder von oben angefahren. Als er mir von der sehr schlechten Sicht weiter oben erzählt wird mir klar, dass ich nichts verkehrt mache, wenn ich jetzt hier abfahre. Im Prinzip war ich ja fast oben und da die Hochalm keinen Gipfel hat, sondern wirklich nur aus diesen Almhängen besteht, war ich praktisch da und komme sicherlich bei besserem Wetter wieder.
Jetzt geht es runter und es reißt sogar noch ein bisschen auf.
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Tiefer Pulverschnee, an manchen Stellen noch unverspurt…herrlich. Meine Haltungsnoten in der Abfahrt sind nicht die besten, aber ich schaffe es durch den Pulver ziemlich gut nach unten, bis zu meinem geliebten Steilstück. Hier kann man am Anfang noch schön ausfahren, was die Sache wesentlich einfacher gestaltet als angenommen. Weiter unten wird dann alles etwas schmaler und jetzt beginnt das Kantenrutschen und das langsame, behutsame Vor- und Zurückfahren. Sieht bestimmt sehr lustig aus, aber so komme ich wenigsten halbwegs unfallfrei nach unten.
Zack, da ist auch schon die Mitterkaser-Diensthütte. Ging ja doch besser als gedacht, aber jetzt kommt der schmale Sommerweg.
Jetzt beginnt das eigentliche Abenteuer. Es geht vor, zurück, links raus, Sturz, rechts raus, Sturz, runter, Sturz, auf der Kante rutschen…
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…am Ende komme ich mit vier/fünf Stürzen heil und unversehrt an der Eckaualm an und ab hier ist es nur noch die relativ flache, gut fahrbare Rodelstrecke bis zum Parkplatz.
Kurz nach der Eckaualm kommt mir Philipp wieder entgegen. Nein, er hat nichts vergessen, er geht die Tour nur ein zweites Mal…klar!
Dieses Mal ergattere ich schnell ein Foto von vorne und zack, weg ist er.
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Eine geniale Tour, mit herrlichen Pulverhängen und einer anspruchsvollen Abfahrt durch den Wald. Beim nächsten Mal klappt die Abfahrt sicher besser und dann werde ich auch beim Aufstieg noch besser auf die richtige Spurwahl achten. Ich komme wieder, aber dann bei besserem Wetter, denn die Aussicht möchte ich mir nicht entgehen lassen.
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6 Gedanken zu „Skitour auf die Hochalm“

    1. Servus Jens,

      im Sommer ist es schon ein komisches Gefühl überholt zu werden, sofern ich nicht auf einem Event bin, aber im Winter ist das nichts ungewöhnliches. Dafür fehlen mir einfach Technik und Material um schnell unterwegs zu sein. Macht aber nichts, ich lerne ja noch. Ist quasi wie der Schritt vom Wandern, über Speedhiking hin zum Trailrunning. Ich befinde mich im Skitourengehen irgendwo im oberen Bereichs des Wanderns.
      Der Spitzname Zauberlehrling kommt vom Gripmaster, aber die genaue Bedeutung kenne ich nicht. Ich tippe aber mal, es hat bestimmt irgendetwas mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit uns seinen Wahnsinns Leistungen zu tun. 😉
      Der Riegel ist ein absolut geniales Stück von Clif Bar. Habe ich auf der ISPO kennengelernt. Die kommen jetzt nach und nach (wieder?) in den deutschen Handel.

  1. Wie ich lese, kannst du damit leben, IM WINTER überholt zu werden, stelle ich mir auch doppelt und dreifach so anstrengend vor – tolle Tour – aber auch nicht ungefährlich, wenn man keine Wege sehen kann. Hast du die Möglichkeit, mit deiner Uhr nach Hause bzw. an den Ausgangspunkt zurückgeführt zu werden ? Die habe ich, aber noch nie gebraucht, hier im Flachland, weit ab von den Bergen werde ich es wohl nie gebrauchen müssen !!

    1. Klar dann ich damit leben…es kommt ja schließlich auf das Erlebnis an und heute gab es einiges zu erleben. 😉
      Die Wegfindung bei der Abfahrt ist weniger das Problem, denn da kann man sich immer an irgendeiner Spur orientieren, so lange es nicht zuzieht und man im totalen Whiteout steht. Dann würde aber auch ein GPS nichts mehr bringen, da man nur noch weiß sieht.
      Heute war bergauf das Problem, da ich die Spur nicht kannte und so sicher des öfteren die falsche Variante gewählt habe.
      Eine GPS-Uhr habe ich nicht, nur eine Uhr mit Höhenmesser. Das reicht im Normalfall auch aus, wobei die Gimmicks wie Track-Aufzeichnung, Auswertung, etc. schon ganz toll wären.

  2. Hi Steve,

    das mit dem Überholen ist so eine Sache – aber „im Alter“ kommt man damit klar !

    Die Tour hört sich interessant an – werde diese mal mit meinem „Ruckxbob“ ausprobieren –
    die Abfahrt wird sicher eine „Gaudi“.

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