07.08.08 – 6. Tag

Unterjoch – Füssen

Die alte Dame in der Pension schaute mich mit ungläubigen Blicken an, als ich ihr erzählte wie weit ich heute laufen würde. Ob ich denn wüsste wie weit das ist. Als ich ihr erzählte, dass ich auf meinem Weg auch noch zur Burgruine Falkenstein aufsteigen würde brachte sie mir noch zwei Scheiben Brot und ein Brötchen. Erst wollte ich es nicht mitnehmen, das Frühstück war groß genug, aber ich glaube ohne diese extra Portion hätte ich die Pension nicht verlassen dürfen. Bestens gerüstet machte ich mich auf den Weg. 26 Kilometer waren es bis Füssen und somit stand die längste Etappe des Weges an. Bei knapp 30 Grad, kein Vergnügen. Kurz vor Pfronten legte ich eine kurze Pause ein und aß meine zwei Scheiben Brot und das Brötchen und dankte innerlich der alten Dame aus der Pension. Nach knapp zweistündigem Aufstieg zur Burgruine Falkenstein und rüber zum Zwölferkopf kam nun der Abstieg nach Füssen. Ich beneidete die Badegäste am Weißensee, Alatsee und Obersee, aber ich musste weiter, auch wenn eine Abkühlung bei diesem Wetter genau das Richtige gewesen wäre. Mittlerweile war ich kurz vor Füssen, hatte knapp 6 Liter Flüssigkeit getrunken und war kein einziges Mal auf Toilette. Mein Körper brauchte wohl die Flüssigkeit.

In Füssen angekommen ging ich dann auf die Suche nach einer Unterkunft. Wenn man bedenkt, dass Füssen eine Touristenstadt ist wie sie im Buche steht, so gibt es hier aber nicht an jeder Ecke eine Pension oder ein Hotel. Wenn man Mal ein Hotel findet, dann schrecken meistens die vier Sterne an der Eingangstür ab. Meine Suche trieb mich auch durch die Innenstadt und die Fußgängerzone. Als ich an einem Café vorbei kam, hörte ich wie ein kleines Mädchen zu seiner Mutter sagte: „Mama kuck mal, wie doll der Mann da schwitzt“. Ich wollte ja erst stehen bleiben und ihr sagen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit jeder so aussieht, der seit knapp 8 Stunden mit einem 17 Kilo schweren Rucksack, 26 Kilometer in der Weltgeschichte rumläuft. Ich entschied mich aber weiter zu gehen.

Als ich am Tourismusbüro vorbei kam dachte ich mir, dass man mir dort bestimmt einen Tipp geben könnte, wo ich denn eine gute und günstige Übernachtungsmöglichkeit bekomme. Nachdem die unzähligen Japaner vor mir abgefertigt waren war ich an der Reihe. Empfehlungen konnte man mir aus Neutralitätsgründen keine geben. Ich bekam lediglich einen Ausdruck von Hotels mit freien Zimmern, die meinen Ansprüchen entsprechend vom Computer ausgespuckt werden. Dazu gab es noch einen kleinen absolut unbrauchbaren Stadtplan und die besten Wünsche der Angestellten. Nachdem die zwei Häuser, die laut Beschreibung ganz gut wirken, von außen einen absolut bescheidenen Eindruck machten fragte ich mich weiter durch. Die anderen ausgewiesenen Pensionen lagen wohl alle etwas außerhalb und ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr weiter zu laufen. Auf meinem planlosen Weg durch Füssen kam ich dann irgendwann an einem Hotel vorbei das mit einem Zimmerpreis von 50 Euro auf meiner Liste ausgewiesen war. Da ich absolut keine Lust mehr hatte (zudem musste ich jetzt auch mal aufs Klo) ging ich an die Rezeption und buchte ein Zimmer. Für 50 Euro gab es leider kein Zimmer mehr, also musste das für 38 herhalten. Auch noch ein stattlicher Preis (verglichen mit den Pensionen der letzten Tage), aber so dolle war es nicht. Egal, Hauptsache ein Dach über dem Kopf; dachte ich mir, als die ersten Blitze vom Himmel zuckten und ein Gewitter mit heftigem Regen hereinbrach.

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