Carl-von-Stahl-Haus

-17 Grad zeigt das Thermometer an, als ich um 8:15 Uhr, auf dem Parkplatz am Königssee, aus dem Auto steige. Meine Finger sind jetzt schon kalt, denn man sollte nicht ohne Handschuhe Eis kratzen und auch nicht bei solchen Temperaturen ohne Handschuhe Auto fahren.

Bei diesen eisigen Temperaturen ist das richtige Bekleidungskonzept der Schlüssel zu einer gelungen Tour. Nichts ist schlimmer als während der Tour zu frieren; wenn die Gedanken ab der ersten Minute in der warmen Hütte sind. Zwar sind meine Finger am Anfang noch kalt, aber dank zwei Paar Handschuhen und genug Bewegung in den Armen kommen sie langsam auf Betriebstemperatur. Der Rest ist auch gut eingepackt. Statt einer langen Unterhose habe ich meine dicke Laufhose unter die Skitourenhose gezogen und unter der Hardshell kommt eine dünne Primaloft-Schicht und darunter ein warmes Fleece-Shirt; Mütze auf dem Kopf, Buff um den Hals…auf geht’s Richtung Stahlhaus.
Hinter der Talstation der Jennerbahn steige ich zunächst ein paar Meter auf der Piste auf, bevor, gut erkennbar, der Aufstieg für die Tourengeher nach rechts in den Wald abzweigt.

Gut geschützt gegen den Wind führt die Spur anfangs durch den Wald, bevor sie im weiteren Verlauf auf den Hochbahnweg trifft.

Auf dem bekannten Sommer-Wanderweg geht es nun weiter, oberhalb der Rabenwand, vorbei an einem kleinen Aussichtspunkt, Richtung Königsbachalm.

Zwar ist es weitgehend windstill, aber kalt ist es trotzdem. Am Körper spüre ich die Kälte nicht, da ich mittlerweile schon ins Schwitzen komme – lieber schwitzen als frieren – aber im Gesicht merke ich deutlich, dass es heute etwas kälter ist als sonst. Über meinen Augenlidern hat sich eine dünne Eisschicht gebildet, die beim Schließen der Augen immer wieder reißt. Meine Mütze wärmt zwar den Kopf, aber durch den Schweiß und die Feuchtigkeit ist sie mittlerweile an einigen Stellen an der Stirn fest gefroren.
Winter…wir wollten ihn…hier ist er.

An der Königsbachalm angekommen biege ich zunächst Richtung Gotzenalm ab. Mal schauen, ob es vielleicht eine Aufstiegsspur gibt, aber am Wasserpalfen, oberhalb der Königsbachalm, gibt es nur Abfahrtsspuren. Die Gotzenalm wäre sicherlich auch ein schönes Ziel, aber ohne Spur muss ich da heute nicht hin, zumal ich nicht einmal weiß, ob man überhaupt von dieser Seite aus zur Gotzenalm aufsteigt.

So geht es nach ein paar Fotos wieder hinunter zur Königsbachalm und weiter Richtung Stahlhaus.
Vorbei an der Bärenwand, hinüber zur Königsbergalm und weiter zum Schneibsteinhaus.

Unterhalb des Schneibsteinhauses wird es dann noch einmal extrem kalt. Der Wind pfeift hier sehr heftig und es gibt keinen Schutz durch Bäume oder Felsen. Über das Torrener Joch kommt er gepfiffen und nimmt keine Rücksicht auf mich. Nicht mal die zwei Paar Handschuhe halten ihm Stand und auch im Gesicht wird es langsam unangenehm. Gerade hier, wo doch der Blick auf den Watzmann so schön ist. Ich hole die Kamera aus der Jackentasche, nehme sie aus der Kameratasche heraus und nehme die Kameratasche kurz in den Mund, da ich ja nur ein Bild machen möchte und danach die Kamera wieder wegpacke.
Metall, Kälte und Lippe passt nicht zusammen und im Nu klebt die Kameratasche an meinem Mund. Zum Glück merke ich es schnell genug, bevor sie richtig festfriert. Das Bild habe ich natürlich auch noch gemacht.

Die letzten Meter zum Stahlhaus und dann heißt es erst einmal aufwärmen, Kaffee trinken, Klamotten wechseln und aufwärmen. Meine Finger freuen sich über die warme Kaffeetasse und langsam tauen sie wieder auf.
Nach einer ausgiebigen Pause geht es weiter. Kurze Querung hinüber zur Skipiste, Felle von den Skiern abziehen und schon beginnt die Abfahrt. Meine Skibrille ist leider vereist und ich bekomme nur ein kleines Guckloch frei, also fahre ich ohne. Ist zwar kein besonders angenehmes Gefühl, aber machbar.
Im Dezember 2010 war ich zum letzten Mal hier auf der Piste unterwegs. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich damals noch einige Probleme hatte…heute läuft alles wunderbar. Zwar Gewinne ich sicherlich keine Preis für die Haltung und die Technik, aber es klappt schon um ein Vielfaches besser als damals.

Die Piste ist in einem sehr guten Zustand und aufgrund des kalten Wetters haben sich sicherlich einige Skifahrer heute für ein Alternativprogramm entschieden, denn es ist erstaunlich wenig los.
So endet meine Skitour, mit einer Pistenabfahrt, am Parkplatz Königssee. Eiskalt war es, aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Wenn man einige Dinge bei diesem Wetter beachtet und sich richtig anzieht, dann sind Temperaturen von -17 Grad keine Ausrede zu Hause zu bleiben.

7 Gedanken zu „Carl-von-Stahl-Haus“

  1. Wunderschöne Tour am Königssee, man spürt quasi die Kälte und kann den Schnee riechen. Toll ! Machst du die Touren alleine ?

    Im Schatten können diese Temperaturen ganz schön giftig sein, aber wenn man gut angezogen ist ! Wie gut, dass es Möglichkeiten gibt, sich zwischendurch aufzuwärmen und auch umzuziehen, denn wenn es bergauf geht, fließt ordentlich der Schweiß, wie ich aus meinen Ausflügen in den Bergen selbst am eigenen Körper erfahren durfte – allerdings in wärmeren Zeiten !

    Danke für die schönen Impressionen aus der Bergwelt !

    1. Danke dir.
      Bei dieser Tour war ich allein unterwegs. Hängt immer davon ab, ob sich jemand findet der mitgeht. Im Sommer bin ich wesentlich öfter alleine unterwegs.
      Das Stahlhaus war der optimale Ort zum Aufwärmen; wäre sonst bei der Abfahrt ziemlich kalt geworden und ein Hüttenbesuch im Winter hat einfach etwas ganz Besonderes.

    1. Motivation brauchts bei mir auch schon ein Bisschen mehr, aber wenn man dann mal draußen ist, gewöhnt man sich schnell dran.
      Ich hoffe, dass diesen Winter mal wieder der Königssee zufriert, dass ich nach der Umrundung auch die „Überschreitung“ abhaken kann.

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