Trail, Typ, Thumsee

Bei dieser Wetterprognose war klar, dass ich nicht unbedingt hoch hinaus muss. Das ist eigentlich genau das richtige Wetter um mal wieder den Trails am Thumsee einen Besuch abzustatten und zu schauen, was es Neues gibt. Mit etwas Nebel, Regen und dunklen Wolken lässt sich bestimmt ein bisschen die Stimmung auf den Trails einfangen.
So war der Plan, aber es sollte alles ganz anders kommen!

Gestartet wird ohne richtigen Plan; die Strecke entsteht im Kopf.
Also geht es vom Parkplatz am Seerosenteich erst mal Richtung Antoniberg und vor der Schießbahn rechts runter, über die Straße und wieder rauf auf den Trail.
Vorbei am Killertrail geht es direkt Richtung Yakuza-Trail. Der steile Anstieg macht die Regenklamotten eigentlich überflüssig, denn jetzt wird es von innen ordentlich nass.

In der oberen Hälfte traue ich meinen Augen nicht. Unter einem kleinen Felsvorsprung, über den das Regenwasser nach unten läuft treffe ich auf einen verlassenen Einsiedler der sich hier oben zurückgezogen hat.
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Ich bin überrascht hier jemanden zu treffen, denn eigentlich bietet der Yakuza-Trail keinen Platz zum überleben. Hier kann man nur laufen und Laktat in die Oberschenkel pumpen; aber leben, das hielt ich hier bisher für unmöglich.
Doch dieser Typ, der sich selbst Gripmaster nennt, scheint hier oben zu leben. Weit weg von sozialen Netzwerken und der digitalen Welt…und es gefällt ihm.
Er zeigt mir seine kleine Behausung und bietet sich anschließend an, mir sein Revier zu zeigen.
Da sage ich natürlich nicht nein. Zwar kenne ich mich hier sehr gut aus, aber zu zweit entdeckt man dann doch mal immer wieder etwas neues oder nimmt einen anderen Anstieg oder alternativen Abstieg.
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So toben wir uns also auf den Trails über und um den Thumsee aus und der Typ erzählt mir von einer Welt ohne soziale Netzwerke. Er schwärmt von einer Zeit, als man sich noch per Telefon (mit Wählscheibe) verabredet hat und dann zur abgesprochenen Zeit am vereinbarten Ort war.
Keine kurzfristigen Absagen, keine Verspätungen, denn mann wusste ja, dass an der anderen Stelle jemand wartet und den konnte man nicht einfach mal so anrufen, denn er war ja nicht zu Hause.
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Er erzählt mir von ursprünglichen Trailrennen mit Karten, ohne GPS, ohne Handy, ohne vorgeschriebene Pflichtausrüstung, wo aber trotzdem jeder einen vollen Rucksack dabei hatte.
Er sinniert über die Vergangenheit und blickt in die Zukunft.
Um uns wabern die Wolken, reißen auf und schließen die Lücken wieder.
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So kurz wie die Wolkenfenster sich darstellen, so kurz ist auch unsere Zeit die wir haben. So begrenzt ist Zeit im Allgemeinen.

Wer hätte gedacht, dass der Thumsee solch ein „philosophischer“ Ort sein kann.

Wir laufen auf ursprünglichen Trails, die schon lange vor der digitalen Welt hier durch den Wald führten.
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Ja, dieser Einsiedler ist schon ein lustiger und sehr interessanter Typ und noch dazu, scheint er von diesem Trailrunning eine Menge Ahnung zu haben.
Eine sehr kurzweilige Runde, die den Blick auf die Dinge des Alltags durchaus beeinflussen kann.

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Hier geht es zum Move mit dem Typ, auf den Trails am Thumsee.

P.S.: An alle da draußen. Dem Gripmaster geht es gut!

10 Gedanken zu „Trail, Typ, Thumsee“

  1. Solche Begegnungen sind bestimmt sehr abwechslungs- und lehrreich, allerdings zweifle ich ein wenig daran, dass dieser Mensch dort wohnt, trägt er eine moderne Uhr, zeitgemäße Kleidung vom Feinsten. Sein Revier sicherlich, aber abends ist er bestimmt wieder zu Hause bei Mama – oder ❓

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