Was gesagt werden muss

Ich habe lange überlegt, ob ich meine Zeit dafür aufwende einen Artikel zu schreiben, habe die Idee wieder verworfen und jetzt, aus aktuellem Anlass, wieder aufgegriffen.

Was uns Trailrunner auszeichnet, zumindest sind das meine Eindrücke und Erfahrungen, ist die Gelassenheit, die besondere Einstellung zu unserem Sport, das totale Genießen der Erlebnisse und natürlich auch eine gewisse Portion Verrücktheit (bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger).

Auf ServusTV lief am vergangen Freitag eine Dokumentation über Markus Kröll. Markus hat sich einen Traum erfüllt und ist den Berliner Höhenweg in unter 24 Stunden gelaufen. Wir sprechen hier von einer Distanz von 95,4 Kilometern und 6.660m Auf- und Abstieg. In der Dokumentation war von insgesamt 13.320 Höhenmetern die Rede; dies beinhaltet aber die Auf- und Abstiege zusammenaddiert.
Sofort nach Ende der Dokumentation kamen, auf den verschiedensten Kanälen, die ersten Kommentare zu dieser Aktion. Neben Lob und Respekt vor dieser Leistung, kam auch der Einwand, dass es noch schneller und extremer geht.
Ganz außer Frage, es gibt Läufer die diese Strecke sicherlich in einer schnelleren Zeit als Markus bewältigen und dabei völlig autark unterwegs sind und es gibt Läufe, die von den Teilnehmern einiges mehr abverlangen, aber darum ging es in diesem Film nicht.
Mit 14/15 Jahren hat sich Markus zum ersten Mal über dieses Projekt Gedanken gemacht und nun ist es ihm gelungen, sich seinen Traum zu erfüllen. Sein Traum war es, die Strecke an einem Stück zu schaffen; nicht Mehr und nicht Weniger. Es stand keine bestimmte Zeit im Vordergrund, wobei die 24-Stunden-Marke sicherlich einen gewissen Anreiz darstellte, aber auch bei einer Zeit über 24 Stunden wäre Markus glücklich gewesen und hätte sich seinen Traum erfüllt.
Für jemanden der vom reinen Berglauf kommt (das sind die Typen die einfach nur so schnell wie möglich, möglichst viele Höhenmeter nach oben bis zum Gipfel rennen), ist solch ein Ultra-Trail natürlich eine enorme Herausforderung. Das ist ungefähr so, wie wenn Sebastian Vettel bei der Rallye Dakar mitfährt: Er fährt zwar auch „nur“ ein Auto, aber die Umstände sind völlig verschieden.
Dieser Umstand rückt die Leistung von Markus nochmals in ein total anderes Licht, unterstreicht diese und hinzukommen, neben der extremen Dauer, die äußeren Gegebenheiten wie der Start und das Finish in der Dunkelheit, was man bei einem Berglauf im Normalfall auch nie hat.

Aber zurück zum Thema:
Was mich stört sind dieser Neid und Missgunst, den manche Leute an den Tag legen und sofort damit um die Ecke kamen, dass sie es mindestens genauso schnell laufen könnten oder dass sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der viel schneller ist.

Gönnt den anderen doch einfach ihren Erfolg. Sie haben sich ein Ziel gesetzt und haben es erreicht und haben jetzt ein Erlebnis, an das sie sich ewig erinnern werden, so wie ihr vielleicht auch schon einmal, als ihr an einem Trail-Event teilgenommen habt und total geflash wart. Kam da der Erste vorbei und hat euch irgendeine Story an die Backe genagelt, dass er viel schneller und besser war?

Leute, wir sind Trailrunner, wir sind die verrückten Typen (und natürlich auch Typinnen) die durch die Berge und über Trails rennen und nach jeder Runde, egal wie groß oder klein, wie hoch oder tief, total geflasht und begeistert nach Hause kommen. Wir machen dass, weil es Spaß macht, weil es etwas Besonderes ist und wir erzählen es unseren Freunden und Bekannten, weil wir sie daran teilhaben lassen wollen.

Man kann sich über die „Vermarktung“ des Films streiten, aber im Endeffekt ist es doch eine tolle Werbung für unseren Sport und wenn nur einer der vielen Wanderer da draußen jetzt etwas besser versteht warum wir „durch die Berge rennen ohne dabei die Gegend zu genießen“, dann war es ein Erfolg.

In diesem Sinne

Raus mit euch, lauft eure Runde, plant neue Projekte, lebt euren Traum

keep on trailrunning

29 Gedanken zu „Was gesagt werden muss“

  1. Gut, dass du das mal gesagt bzw. geschrieben hast! Ich stimme dir voll und ganz zu. Leider gibt es immer Neider. Die haben aber wohl die Story hinter der Dokumentation nicht verstanden. Aber wie heißt es so schön:

    Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.

    Ansonsten geht der Trend im Outdoor-Bereich, leider immer noch in die Richtung: Höher, Schneller, Weiter, Gefährlicher. Das Erlebnis rückt leider immer mehr in den Hintergrund und das finde ich sehr Schade.

  2. Lieber Steve, das ist nicht nur bei den Trailrunnern so, Neid gibt es immer und überall, das habe ich in meinem Läufer- und privatem Leben schon genügend erfahren müssen – und lebe mittlerweile ungeniert damit, das beste, was man machen kann.

    Solange du anders als andere bist, wirst du immer Neider haben, weniger, wenn du mit dem Strom mit schwimmst, und das wollen wir beide ganz bestimmt nicht.

  3. Servas Steve!

    Schön dass du das niedergeschrieben hast, ich hab mich über diese Neid und Missgunst Kommentare auch total geärgert. Aber ich weiß auch dass diese Leute den Sinn hinter solchen Projekten nicht verstehen und diese Leute, offensichtlich ohne Träume und Ziele können einem nur leid tun.

    Danke, für die schönen Worde.
    servas und bis hoffentlich bald

    Rupi

    1. Servus Rupi,

      persönliche Projekte sind immer etwas ganz Besonderes. Es steckt viel Arbeit und Herzblut darin und Außenstehende können sich das meist alles überhaupt nicht vorstellen.

      Wir sehen uns ganz bestimmt in zwei Wochen beim nächsten Runday…das wird legendär.

      Steve

  4. He Steve,
    Du schreibst hier über etwas, was meines Erachtens selbstverständlich ist. Es ist doch egal, wie schnell oder langsam jemand eine solche Leistung vollbringt, Markus war der Erste, der es durchgezogen hat und sich damit einen Traum erfüllt hat und nur das zählt. Was ist schon Geschwindigkeit im Vergleich zu dem Erlebnis da draussen 😉

    Salut und schreib nur mehr solche Beiträge

    Christian

    1. Genau so sieht es aus Christian.
      Was zählt ist das Erlebnis und das kann dir am Ende niemand auf der Welt nehmen, egal wie schnell oder langsam du warst.

      Mehr solche Beiträge?…schaun mer mal 😉

      Steve

  5. Gut nachgedacht Steve!

    Mich nerven jeden Montagmorgen die Fragen der Kollegen nach Reiz und Sinn des Ganzen!
    Fuck them all …. Sollen mitkommen!

  6. Schön geschrieben.
    und ich sollte besser zuhören, das mit den 13.300hm insgesamt is mir durchgegangen und jetzt erwische ich mich dabei wie ich zu mir sage „hey, das hast du doch auch schon mal geschafft und das in..und ohne soviel….“ Dafür Ohrfeige ich mich jetzt mal selber.

    Auf der einen Seite finde ich solche Berichte gut, da man sonst außenstehenden keinen Einblick geben kann, in das was extrem Ultratrail-Läufer so machen,
    auf der anderen Seite puscht das Läufer an etwas zu tun, für das sie noch nicht „reif“ sind und das sind das die Patienten von morgen und wir müssen uns dann anhören wie schädlich doch dieser extrem Sport ist. Aber wie heißt es „jeder hat das Recht auf frei Selbstzerstörung“ 😉

    Fand die Filmaufnahmen super schön und jetzt…

    Trailrunning Rocks

    1. Servus Holger,

      ich denke mal, jeder sollte/muss selbst wissen, was er sich zumuten kann, aber ich verstehe was du meinst. Als TAR-Teilnehmer hast du sicherlich schon einige Leute gesehen, die das Event auf die leichte Schulter genommen haben oder völlig falsch an die Sache heran gegangen sind.

      Solche Filme haben immer irgendwo Vor- und Nachteile, aber in diesem Fall überwiegen die Vorteile eindeutig.

      Viele Grüße vom Trail auf den Trail

      Steve

  7. Salve!

    Danke für Dein treffendes Votum Steve! Und für Deine Berichte, die mich schon oft inspiriert haben!

    Ähnliches habe ich schon vor 25 Jahren mit dem Triathlon erlebt. Jeder, der die damals neue Sportart ausprobierte, war per se ein Spinner. Viele suchten jedoch gerade dieses Image und spielten sich als Supermen auf! Sub 9h-Ironman mit 10 Stunden Training in der Woche… Jeder musste schon damals für sich entscheiden, woraus er seine Motivation bezog: aus der erzielten (Rekord)Zeit oder aus dem Mitmachen und das Beste aus dem Tag zu machen. Wir wissen, welchen Weg der Triathlon (& Duathlon) gegangen ist… Vielleicht bringt die Zukunft wieder Rennen à la Norseman (www.nxtri.com).

    Ich bin mir sicher, dass einige Mitleser einen Teil dieser geschilderten Entwicklung selber erlebt haben und gerade deshalb zum Trailrunning gefunden haben. Das sind wohl diejenigen, die sich wie Kröll ein „Projekt“ suchen und sich nicht in einer Resulatliste finden wollen. Andere wiederum brauchen die Sicherheit einer Organisation und das Drumherum, um sich für einen Lauf durch die Berge motivieren zu können. Gut, gibt es im Gegensatz zum Triathlon beim Trailrunning diese Vielfalt!

    Grüsse aus dem Süden

    Marc

    1. Servus Marc,

      danke dir für deinen ausführlichen Kommentar.
      Trailrunning ist schon ein besonderer Sport mit unzähligen Möglichkeiten. Ich bin gespannt wie sich das alles die nächsten Jahre entwickelt.
      Wird sicherlich noch sehr interessant.

      Viele Grüße

      Steve

  8. schön das du das so locker siehst. menschen sind oft ungerecht udn im internet wird es häufig noch ungerechter. ich habe die deutsche gesellschaft schon in vielen bereichen als besserwisser und besserkönner kennengelernt.

    wenn man den gespächen auf einfachen voralpengipfeln lauscht, so scheinen dort auch immer die meisten everestbezwinger versammelt zu haben.

    man kann das sponsoring zwar auch gerne mal nicht so toll finden, aber red bull passt schon ganz gut.

  9. Bei Dir muss man ja länger über Kommentare scrollen, als über Deinen Text! Glückwunsch dafür, nur mal ganz still am Rande 😉

    Aber zum Artikel: Ich freue mich immer wieder, wenn was Neues von Dir erscheint, weil Du so oft spannende Denkanstöße gibst und kontroverse Themen aus Deiner Sicht beleuchtest. Ich habe weder den Film gesehen, noch war ich je schnell unterwegs, aber wenn Du so weiter machst, hast du mich auch bald so weit. Das schafft so leicht eigentlich keiner… Weiter so!

    LG,
    Erika

    1. Danke dir Erika, da werde ich ja ganz rot. 😉
      Sag Bescheid, wenn es soweit ist und du dir die Trailrunning-Schuhe anziehst, dann laufen wir mal zusammen irgendwo ganz gemütlich eine Runde.

      LG

      Steve

  10. Hallo Steve, ich bin zwar spät dran mit meinem Kommentar. Dennoch muss ich hier los werden, dass Du den Nagel auf den Kopf getroffen hast. Ich laufe nicht in Deiner Kategorie, gelte für viele aber auch schon als irgendwie verrückt, angesichts meiner fast missionarischen Lobeshymnen auf das Laufen.
    Missgunst und Neid musste ich zum Glück noch nicht erfahren. Wie überflüssig ist so etwas doch!
    Lasst uns die Freude am eigenen Tun erhalten. Für jeden von uns hat der Gipfel eine andere Höhe. Das gibt aber niemandem das Recht, auf andere von oben herabzuschauen!

    Viele Grüße
    Rainer

    1. Danke dir Rainer.
      Für einen Kommentar ist es nie zu spät und außerdem laufen wir in der gleichen Kategorie, nämlich in der Kategorie derer, die gerne laufen und ihre Freude daran mit anderen teilen…und darauf kommt es an. 😉

      In diesem Sinne

      keep on (trail)running

      Steve

  11. Hallo,

    ich werde mir den Film gleich ansehen, aber zu den Kommentaren (nicht hier sondern denen der Neider) ist anzumerken: es ist vollkommen Wurscht ob ein anderer das schneller, besser, schöner oder rückwärts könnte, entscheidend ist doch einfach und schlicht nur: er hat es gemacht, er ist losgelaufen und hat das Ding „nach Hause“ gefahren, entschuldigung, gelaufen.

    Das ist alles was zählt…

    Viele Grüße
    Markus

  12. Alles gesagt. Diese Diskussion gibt es ja derzeit leider öfter.
    Und by the way. Wenn jemand die Möglichkeit dazu hat, sich seine Träume durch Sponsoren zu unterstützen, finde ich das vollkommen legitim!

  13. Lasst den Leuten doch ihre Träume…

    Ich verstehe diese Neidereien nicht, wirklich nicht, mir ist das wirklich fremd.
    Man wird ja nicht dank Sponsoren fitter oder schneller. Man bekommt vielleicht eine bessere medial Plattform – die hat derjenige dann meist aber auch verdient – bis man mal soweit ist, überhaupt von Firmen unterstützt zu werden, stecken die Athleten nämlich massiv Herzblut & Zeit in ihre Sportart.

    Und an die Neider da draußen: Wieso haben die solche Aktionen denn nicht als erste gemacht, wenn sie’s doch besser könnten, schneller und generell eh toller? Im Nachhinein die Klappe aufreißen ist immer das einfachste. Vor allem und leider im Netz.

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