Hattrick am Isidor-Klettersteig

Die heutige Tour hat ein bisschen was von Hans Kammerlander. Ich gehe zwar nicht alle vier Grate des Matterhorns in 24 Stunden, aber dafür alle drei Varianten des Isidor-Klettersteigs am Grünstein. OK, nicht ganz so spektakulär, aber so wie Hans damals am Matterhorn, so hatte auch ich heute einige Begegnungen.
Wenn schon die Bayern das Triple nicht holen, dann wenigstens ich. Zum dritten Mal geht es in diesem Jahr an den Grünstein und auf dem Programm steht die Begehung aller drei Varianten des Klettersteigs, hintereinander.
Zuerst die Räuberleiter, danach die schwere Variante und zum Abschluss der Aufstieg über die, für Anfänger geeignete, Normalroute.

Der Parkplatz am Königssee ist um kurz nach acht noch relativ leer. Die Souvenirläden sind noch geschlossen und so begegne ich zunächst keiner Menschenseele. Betrachtet man aber das Wetter, die Vorhersage und die Tatsache, dass ein langes Wochenende vor der Tür steht, so ist davon auszugehen, dass sich das heute sicher noch ändern wird.

Am Einstieg zum Klettersteig angekommen, lege ich mein Gurtzeug an und begebe mich auf die erste Runde. Gleich zu Beginn gibt es die erste Begegnung. „Zack“ haue ich mir mein linkes Knie an den Fels und „Paudaz“ folgt wenig später das rechte. Ein Zeichen, dass ich mir ruhig Zeit lassen kann, nicht so hektisch, sondern schön gemütlich und gleichmäßig lautet die Devise. Der raue Kontakt mit dem Fels zeigt Wirkung und ich finde ein angenehmes Tempo.

Kurz nachdem die schwere Variante und die Räuberleiter zusammenlaufen, werde ich auf einem Felsband von einem schnelleren Klettersteiggeher überholt; die erste Begegnung im Steig.
Wenig später treffe ich unterhalb des Überhangs, kurz vor der Hängebrücke, die nächsten Leute, die sich nach diesem schweren Teilstück etwas ausruhen.

Es geht über die Hängebrücke, mit der Gewissheit, dass die schwierigen Stellen fürs Erste hinter mir liegen.
Oberhalb des alten Platzes für das Steigbuch gönne ich mir eine Pause und genieße die Ruhe. Es gibt Rosinen, ein sehr guter Tipp von Margitta; das gibt Power für den Tag.
Ich nutze die Pause auch, um mein Gurt und das Klettersteigset im Rucksack zu verstauen. Ab hier kann man auch gut ohne Sicherung bis zum Gipfel gehen.
Ein kurzer Stopp am Steigbuch uns siehe da, wer hat sich vor mir eingetragen? Bernhard Kühnhauser; dann war er wohl der, der mich unterhalb des Überhangs, auf dem Felsband überholt hat.

Oben am Gipfel treffe ich dann auch noch Michaela, die sich nach einigen tollen Skitouren, heute mal die Beine am Grünstein vertritt. Sie erklärt mir, wie ich über einen etwas unbekannteren Weg vom Gipfel, Richtung Parkplatz Hammerstiel absteigen kann. Das muss ich mir demnächst mal etwas genauer anschauen.
Kurze Pause an der Grünsteinhütte und danach geht es im lockeren Downhill-Tempo wieder nach unten.
Auf dem Weg zum Einstieg treffe ich auf eine kleine Gruppe, dem Dialekt nach aus Ostdeutschland, die über den Wanderweg auf den Grünstein geht. Wohl eher scherzhaft fragen sie mich, ob ich jetzt nochmal rauf gehe und als ich ihnen erkläre, dass ich sogar noch zweimal rauf will, schauen sie etwas verdutzt.
Gegen 10:45 Uhr steige ich in die schwere Variante ein.

Die Sonne brennt nun schon ganz schön und mittlerweile sind auch schon einige Leute mehr unterwegs. Ich gönne mir während des Aufstiegs immer wieder kurze Pause, denn die vorherige Runde macht sich durchaus bemerkbar. Trinken, trinken, trinken, denn bei dieser Hitze braucht der Körper viel Flüssigkeit.
Als ich wieder an der Hängebrücke angekommen bin und hinüber laufe, wird mir klar, dass ich die schwierigsten Stellen für heute hinter mir habe. Der Rest wird „gemütlich“ und sollte mir keine großen Probleme bereiten.
Auf der Bank gönne ich mir wieder eine Pause, die letzte Portion Rosinen, ziehe mein Klettersteigset aus und mache mich auf den Weg zum Gipfel. Der Aufstieg über den grasigen Rücken macht sich in den Beinen jetzt etwas deutlicher bemerkbar als zuvor.

Wieder eine kurze Pause auf der Grünsteinhütte. Die Bedienung schaut mich schon etwas komisch an, nach dem Motto: „Warst du nicht vorhin schon einmal da?“ Die Gruppe aus Ostdeutschland hat sich in der Zwischenzeit auch auf der Hütte eingefunden und stillt Durst und Hunger.
Wieder ein lockerer Downhill nach unten, der aber nie langweilig wird.
Am Einstieg angekommen stehe ich nun mitten in der Rush Hour. Es ist 12:45 Uhr und ein ganzes Heer an Menschen bahnt sich seinen Weg nach oben.

Das ist nur ein kleiner Abschnitt des Steigs, weiter oben wird es sicherlich nicht anders aussehen.
Gemütlich ziehe ich meine Ausrüstung an und warte so lange, bis die nächsten einsteigen wollen. So habe ich etwas Abstand zu den Vorausgehenden und muss nicht immer warten.
Als ich die ersten Höhenmeter hinter mir habe, stürzt gegenüber in der schweren Variante eine Klettersteiggeherin. Der Steig ist an dieser Stelle zum Glück nicht allzu Steil und dank der Platten rutscht sie etwa zwei Meter zurück zur letzten Verankerung. Das hätte unter Umständen auch anders ausgehen können. Verletzt ist sie nicht, aber sichtlich erschöpft. Hinter ihr befinden sich zwei weitere Personen die nun warten bis ihr Freund etwas zu ihr abgestiegen ist. Zuerst dachte ich, eine der wartenden Personen hat es sich gemütlich gemacht, wie sich aber herausstellt, ist auch sie total erschöpft und benötigt erst einmal eine Pause und etwas zu trinken. Die Sonne brennt weiter vom Himmel und an dieser Stelle, relativ am Anfang, sind die schwierigsten Passagen noch lange nicht überwunden. Hilfe brauchen sie keine, wollen nur eine Pause machen, und so steige ich weiter. Außer einem Anruf bei der Bergwacht, hätte ich sowieso nichts ausrichten können.

Ab der Hängebrücke nimmt das Verkehrsaufkommen deutlich zu. Wahnsinn was hier heute los ist. An manchen Stellen kann ich überholen, aber es geht eben wesentlich langsamer voran; was natürlich auch seine Vorteile hat. Man kann sich ausruhen, fotografieren und begegnet vielen Menschen.

Zum Beispiel einer Anfängerin die mit Turnschuhen und einer Umhängetasche unterwegs ist (natürlich auch mit Klettersteigset und Gurt) oder weiteren Personen, denen die Hitze und die Anstrengung ganz schön zu schaffen machen.
Der enorme Temperaturanstieg der letzten Tage, verbunden mit der Anstrengung, ist sicherlich bei einigen Leuten nicht gerade kreislauffördernd.
Im oberen Teil melden sich meine Hände zu Wort. Zupacken, Hand auf und da, der kleine Finger mag nicht mehr aufgehen. Er verkrampft und bleibt geschlossen. Ich ändere die Belastung und greife etwas anders zu und komme ohne größere Schwierigkeiten weiter voran. Ab und an verkrampft er noch etwas, aber nach dieser Tour nehme ich ihm das nicht weiter übel.

Nach der obligatorischen Pause geht es die letzten Meter zum Gipfel.
Unterhalb des Ausstiegs treffe ich dann noch auf eine erschöpfte Frau, die sich über etwas Wasser sehr freut. Ihren Rucksack hat sie schon an ihren Freund weitergegeben, aber es ist ja nicht mehr weit und die Aussicht loht sich allemal und entschädigt für die Strapazen.

Auf dem Gipfel sorge ich zunächst für etwas Verwunderung, denn der ein oder andere hat mich heute schon einmal gesehen, bevor es zum finalen Downhill geht. Es lässt sich überraschend locker laufen.
Eine Gruppe Inder bahnt sich ihren Weg nach oben. Tauschen möchte ich mit ihnen nicht. Lange Kleidung ist das Letzte, was ich jetzt anziehen würde.
Kurz nach dem Einstieg, den ich dieses Mal links liegen lasse, treffe ich zum dritten Mal auf die ostdeutsche Gruppe, die mich jetzt, wo sie mich nach unten laufen sehen, sicherlich für vollkommen verrückt halten.
Um kurz vor vier komme ich wieder am Parkplatz an. Jetzt ist schon deutlich mehr los und ich habe meine letzte Begegnung für diese Tour.

Zum ersten Mal sehe ich einen Kontrolleur, der die Parkscheine hier am Königssee kontrolliert. Bislang dachte ich immer, die gibt es hier gar nicht, aber anscheinend doch und wenig zu tun hat er nicht, denn viele Autofahrer wollten sich wohl den Parkschein sparen.
Nein, ich nicht, denn ich habe einen Jahresparkschein…der lohnt sich immer!

Eine tolle, anstrengende Tour, bei herrlichem Wetter. Sicherlich ein cooles, kleines Projekt, dass ich aber auch nicht unbedingt ein weiteres Mal machen muss. Irgendwann stellt sich dann doch die „Monotonie“ ein und etwas Abwechselung wäre schön. Auch die Uhrzeit für den letzten Einstieg, war sicher nicht optimal. Um diese Zeit, in der prallen Sonne, würde ich normalersweise nicht mehr einsteigen. So entgeht man der Hitze und den vielen anderen Klettersteiggehern.

Auch wenn sich der Isidor-Klettersteig, mit seiner einfachen Variante, auch für Anfänger eignet, so sollte man doch schon auf eine gewisse Anstrengung vorbereitet sein und gerade bei diesen Temperaturen, immer ausreichend Getränke dabei haben.
Wenn man die „einfache“ Variante geschafft hat, heißt es nicht zwangsläufig, dass man auch eine der schweren Varianten schafft. Hier gibt es doch noch einen großen Unterschied, wie auch heute wieder einige Leute feststellen mussten.

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