Untersberg-Überschreitung von der Haustür weg

So langsam nähert sich der Großglockner Ultra-Trail (GGUT) und da wird es Zeit auch mal wieder ein paar längere Läufe mit größerem Rucksack einzubauen. Wie passend, dass die Untersberg-Überschreitung sowieso schon länger auf meinem Plan steht. Und da es gerne auch mal ein bisschen länger sein darf, starte ich einfach direkt von der Haustür weg.
Von Marzoll geht es durch den Naturpark, hinauf zum Latschenwirt, runter nach Fürstenbrunn und rüber nach Glanegg. Schöne 9 Kilometer zum gemütlichen eincruisen, bevor es auf den Dopplersteig geht.

Wenn man sich halbwegs flach einläuft, dann bremst einen der Anfang des Steigs sofort von 100 auf 0 und die Oberschenkel fangen an zu brennen bevor es überhaupt losgeht. Aber zu einer Untersberg-Überschreitung gehören eben auch Höhenmeter!
Vorteil ist, dass jetzt wenigstens mal ein bisschen Aussicht dazu kommt, sobald man den Wald verlassen hat.

Aber eigentlich hat man nicht wirklich Zeit sich auf die Aussicht zu fixieren, denn die nächsten Stufen warten schon.

An der Oberen Rossitten angekommen habe ich die ersten 1000 Höhenmeter in den Beinen und gönne mir eine kurze Pause. Schnell einen Smoothie reinziehen und die Stöcke verstauen.
Ein kurzer Blick auf Salzburg,

und dann geht es richtig steil bergauf. Hier beginnt der eigentliche Dopplersteig, der steil und gut versichert durch die Dopplerwand, hinauf zum Taxhamer Kreuz führt.

Jetzt brennen die Oberschenkel richtig und es gibt eigentlich nur „Augen zu und durch“. Nur nicht nach oben schauen, einfach einen Fuß vor den anderen, bis man oben angekommen ist. Der Steig spuckt einen schön durchgekaut auf ein kleines Plateau nach dem auch sofort wieder der „normale“ Wanderweg beginnt.
Ein Blick zurück sollte man sich aber schon gönnen; einfach nur für das „Boah-war-das-geil-Gefühl“.

Von hier an sind es nur noch wenige Minuten bis zum Zeppezauerhaus, wo ich mir schnell eine Spezi gönne bevor es die letzten Meter hinauf zur Bergstation der Untersbergbahn geht.

Das Wetter will irgendwie nicht so recht aufreißen und immer wieder schieben sich dichte Nebelwände zusammen und lassen ein kühles Lüftchen aufkommen.
Vorbei an der Bergstation geht es zum Gipfel des Salzburger Hochthrons…mit einer fantastischen Aussicht.

Na gut, man kann nicht alles haben und so mache ich mich schnell wieder weiter, hinunter in die Mittagsscharte.
Die markante Einkerbung der Mittagsscharte erkennt man ganz schnell wenn man den Untersberg aus dem Tal betrachtet. Sie stellt zudem ein wichtiges Wegekreuz dar, denn hier geht es runter zur Toni-Lenz-Hütte, rüber zum Kanonenrohr oder eben weiter auf der Untersberg-Überschreitung, hinüber zum Berchtesgadener Hochthron.
Somit sollte klar sein, welchen Weg ich einschlage. Stetiges Auf und Ab sind nun meine Begleiter auf dem Weg über das karstige Plateau des Untersbergs.

Die Sonne kämpf und so langsam scheint sie die Oberhand zu gewinnen, denn die Wolkenlücken werden immer größer.
Das Fiese an diesem Plateau ist, dass man schon oft das Ziel in der Ferne sieht, denkt man ist gleich da, aber es eigentlich noch viel länger dauert, denn in den seltensten Fällen führt ein direkter Weg zum nächsten Gipfel und ohne Auf und Ab geht es schon gleich garnicht.

Knapp eine Stunde nachdem ich die Mittagsscharte passiert habe, erreiche ich den Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons; gleichzeitig der höchste Punkt des Untersbergs.
Ja liebe Salzburger, unser Gipfel ist größer als eurer. Ich weiß, ihr mögt das nicht und wisst es auch nicht immer, aber so ist es nunmal. Dafür ist euer Glockner größer als unsere Zugspitze.

Vorbei am Stöhrhaus geht es nun in den ersten und gleichzeitig finalen Downhill. Eigentlich hat der heutige Lauf ein ziemlich langweiliges Profil. Flach hin, steil rauf, etwas wellig, steil runter, flach weg.
Aber es macht trotzdem richtig viel Spaß und fordernd ist es natürlich auch.
Also nochmal, vorbei am Stöhrhaus, hinunter zum Gatterl und den herrlichen Almen.

Danach bekommen die Oberschenkel das Kontrasprogramm des Morgens, denn nun geht es, auf einem sehr gut laufbaren Trail, steil hinunter nach Hallthurm.

Der Trail weicht der Forststraße und die Forststraße weicht dem Asphalt. Von Hallthurm aus biege ich wieder in den Naturpark ein und es geht die letzten Kilometer, vorbei am Tannenwinkel und Hinterreit, zurück nach Hause.

Eine absolut geniale und äußerst abwechslungsreiche Untersberg-Überschreitung. Ich liebe diesen Berg und es ist ein unbezahlbares Privileg, dass ich solche Abenteuer immer an der Haustür beginnen kann.

Hier geht es zum Untersberg-Crossing-Loop-Move!

8 Gedanken zu „Untersberg-Überschreitung von der Haustür weg“

  1. Moin Steve,

    sind die Fotos „naturbelassen“ oder hast Du sie bearbeitet, die sind ja schon künstlerisch schön 🙂

    Ansonsten sind mir die Strecken zu steil, da kann man ja gar nicht mehr laufen 😛

    VGV

    1. Hey Volker,

      ich drehe immer ein bisschen an den Tiefen und Lichtern, aber nicht übermäßig viel.
      Es sieht dort eigentlich schon so aus. 😉

      Ob gehen oder laufen…völlig Wurscht. Hauptsache Untersberg. 😉

      Viele Grüße

      Steve

      1. Hallo Steve,

        mir „Ob gehen oder laufen…völlig Wurscht.“ sprichst für mich ein wichtiges Theam an. Die Bewegung im Freien und ganz besonders am Berg soll schliesslich Freude bereiten und nicht einen permanaenten Wettbewerb gegen sich oder andere darstellen. Nebenbei schadet es auch nicht noch ein paar Kraftreserven für den Heimweg zu bewaren.

        Danke für Deine tollen und motivierenden Berichte.

        Schöne Grüße aus dem nördlichen Landkreis BGL

        Simmerl

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