Die Crew für Whistler – Ronny

Die Crew für Whistler wächst weiter. Hier gibt es das Interview mit Ronny:

Ronny hat es nach der Schule schnell in den hohen Norden verschlagen. Danach ging es auf die Weltmeere und mittlerweile arbeitet er auf einer Offshore-Plattform. 2017 hat er in Squamish debütiert und anscheinend hat es ihm gefallen, denn 2019 steht für ihn in Whistler der Triple Wammy (3 Tage, 3 Rennen: 93,5k und 5250 Höhenmeter) auf dem Plan.

Moin Ronny alter Seebär. Alles im Lot aufm Boot? Stell dich doch bitte kurz vor.

Ich glaube, das ist Dir in der Einleitung schon ganz gut gelungen. Wir kennen uns ja mittlerweile auch schon ein paar Jahre…Alte Säcke 😉 Ich bin mittlerweile 37 Jahre alt und lebe im schönen westlichen Hamburg. Ich bin leidenschaftlicher Segler und habe irgendwann dieses Hobby auch zum Beruf gemacht und bin das ein oder andere Jahr meines Lebens auf Containerschiffen in der weltweiten Fahrt unterwegs gewesen. Aktuell habe ich meine berufliche Heimat bei der Baubegleitung im Rahmen der Errichtung und Inbetriebnahme der Offshore-Konverter Plattform BorWin gamma gefunden. Das maritime Leben lässt mich also beruflich nicht los 😉

Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich dann mit dem Laufen begonnen, das ist tatsächlich noch gar nicht so lange her. Die ersten Strava Aufzeichnungen findet man von mir im Jahr 2013, allerdings noch sehr sporadisch. Richtig regelmäßig ist es erst im Jahr 2014 geworden, wobei ich zu Beginn immer wieder mit der Unsportlichkeit der Jahre davor gekämpft habe, tatsächlich habe ich seit dem Abitur 2001 absolut gar keinen Sport mehr gemacht sowie zusätzlich geraucht und getrunken. Das Rauchen habe ich glücklicherweise seit fast genau 8 Jahren eingestellt und mittlerweile ist das Laufen aus meinem Alltag nicht mehr weg zu denken. Tatsächlich fehlt mir ohne Laufen mittlerweile richtig etwas, was sich gerade in den Offshore-Wochen bemerkbar macht in denen ich wenig bis gar nicht zum Laufen komme.

Trailrunning in Hamburg auf dem Festland oder im Meer auf einer Plattform. Wie geht das?

Das frage ich mich jeden Tag aufs Neue auch wieder 🙂 Aber gerade Hamburg hat hier schon was zu bieten, klar ist es nicht zu vergleichen mit einem Mittelgebirge oder gar den Alpen, aber du kannst im Süden Hamburgs in den Harburger Bergen wunderschöne Trails laufen. Und nach Definition des Trail Runnings muss es nicht unbedingt jenseits der 1000 m Höhe aufwärts gehen, aber ich will nicht allzu philosophisch werden… Ein wenig Geographieunterricht für Ortsferne: Mit Hamburgs höchstem Punkt (Hasselbrack) oder einigen Hügeln weiter im Süden hat es hier schon Erhöhungen bis zu mächtigen 150m und man kann hier akkumuliert tatsächlich auch ein paar Höhenmeter sammeln.

Neben den Harburger Berge Trails gibt’s im Hamburger Westen in Blankenese das Treppenviertel und den Waseberg, wo man sich auch ein paar Höhenmeter in die Beine laufen kann. An dieser Stelle möchte ich auf eine besondere Veranstaltung am  17. und 18.08.2019 hinweisen, der „Waseberg-Everest“. Es geht 118-mal auf den Waseberg, was insgesamt ca. einer Distanz von 136 km und eben zusammen einem positiven Höhenunterschied des Mt. Everest entspricht. Verrückt, aber geil. Ich habe an diesen Tagen noch nichts vor, so dass man mich dort wohl antreffen wird. Ob es die vollen Umläufe werden wage ich allerdings zu bezweifeln, auszuschließen ist es aber nicht…Ein Versuch ist es wert 😉

Wie sieht dein Trainingsplan aus? Hast du wöchentliche Ziele die du dir gesteckt hast?

Ja, mein Plan sieht vor mindestens 50 km pro Woche zu laufen. Kommt dir sicher bekannt vor. Dabei soll es auch der ein oder andere Höhenmeter sein, hier habe ich allerdings keine Vorgabe. Das unterscheidet uns dann. Ich habe mittlerweile festgestellt, dass es mir wichtiger ist, Spaß zu haben. Dabei ist es egal wo der Lauf stattfindet und welche Art ich absolviere, tatsächlich habe sich seit gut einem Jahr auch versucht etwas strukturierter auch Tempotraining miteinzubauen und es macht sogar Spaß.

Tatsächlich gelingt es mir momentan eher weniger das geplante Pensum durchgängig zu laufen, da ich Offshore durch zu lange Arbeitstage und das unattraktive Laufband meistens viel zu wenig laufe. Das schaffe ich aber in den 14 Tagen an Land wenigstens etwas zu kompensieren und betrachte die Offshore Tage mittlerweile zumindest lauftechnisch als Erholungswochen. Inwieweit sich das mit den gesteckten Zielen dieses Jahr ausgeht, bleibt noch abzuwarten. Der HH Marathon Ende April war ein guter Indikator und absolut positives Lauferlebnis, was mir gezeigt hat, dass das aktuelle Pensum doch erstmal ok ist. Wie es bei Ultra Distanzen wird, wird sich bei meiner insgesamt 6. Teilnahme beim ZUT in Grainau, dieses Jahr wieder mal auf der Supertrail-Distanz zeigen.

(Leider hat es dieses Jahr mit dem Finish nicht geklappt. Das fehlende Training hat sich wohl doch etwas bemerkbar gemacht. Aber Ronny hat es sehr sportlich genommen!)

Das Laufband gehört bei deinen Trainings sicher zur festen Routine. Wie motivierst du dich für diese monotonen Workouts?

Hahaha, wie war noch mal die Frage? Leider mangelt es hier ziemlich stark an der Motivation. Habe es ja vorhin schon mal angerissen. Laufband laufen ist echt mega schwierig, gerade wenn du schon einen anspruchsvollen Arbeitstag von 12 h oder meistens sogar mehr  in den Knochen hast. Manchmal ist es da echt Überwindung sich nicht einfach in die Koje zu legen, sondern sich umzuziehen und in den Sportraum zu wechseln. Manchmal gelingt mir das, oft und zunehmend oft aber auch nicht…Das Ding ist, wenn ich es nicht tue, laufe ich 14 Tage gar nicht und das ist auch keine Lösung. Und in den meisten Fällen ist das geile Gefühl nach einer voll durchgezogenen Intervalleinheit einfach unbeschreiblich genial, auch hier draußen Offshore.

Anfang des Jahres habe ich auch wieder meine Jugendleidenschaft des Tischtennis spielen für mich entdeckt, ich spiele hier mittlerweile regelmäßig, so dass ich wenigstens etwas Bewegung verbuche. Außerdem habe ich mir auf der Plattform striktes Aufzugverbot verordnet, was bedeutet, dass ich seit einiger Zeit laut Fitness-App im Schnitt 60 oder mehr Stockwerke im Schnitt zurücklege.

Du bist auch schon viel rumgekommen und bist bei vielen berühmten Rennen mitgelaufen. Welches war dein Highlight und warum?

Ja, tatsächlich bin ich mittlerweile vor allem mit Tobias viel umhergereist, um an Trail-Wettkämpfen teilzunehmen.  Macht immer wieder Spaß und ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen Abenteuer. Ein Highlight? Würde ich separieren in unterschiedliche Kategorien.

Bei den Straßenrennen definitiv der New York Marathon 2016, auch wenn es mir an dem Tag nicht gut ging, aber es hat gerade noch gereicht um namentlich in der Ergebnisliste in der „NY Times“ zu erscheinen. Die Mutter aller Marathons ist echt eine Empfehlung für jeden Läufer, ich bekomme heute beim Gedanken daran bereits wieder Gänsehaut, unglaubliche Atmosphäre mehr oder weniger in der gesamten Stadt an der Strecke!

Bei den Trail Läufen war es definitiv der UTCT in Kapstadt im Dezember letzten Jahres. Die Kombination aus Bergen, Meer und Stadt und dazu eine super anspruchsvolle Strecke, das war überragend, auch wenn ich die Strecke tatsächlich unterschätzt habe!

Drei Rennen an drei Tagen. Hast du schon irgendeine Idee wie du das mit der Regeneration zwischen den Rennen machst?

Hoffentlich gut schlafen, das ist bei mir schon mal viel wert. Vielleicht vertraue ich auch auf eure Taktik vom Squamish 50/50 vorletztes Jahr. Die gute alte Eis Tonne bzw. Eisbad. Aber ansonsten will ich mir da momentan gar nicht so viele Gedanken machen. Ich glaube viel wichtiger ist es bei den jeweiligen Rennen die richtige Balance zwischen Ballern und Kräfte sparen zu finden. Wenn du dich irgendwo verballerst, das wird schwer weg zu regenerieren 😉

Welches Ziel hast du dir für Kanada gesteckt?

Also erstmal freue ich mich primär riesig darauf Zeit mit Dir, deiner Frau und allen anderen unserer genialen Reisegruppe (Tobias und Fanny, Gabriel und Angela, Benni, Rupert und nicht zuletzt unseren australischen Freund Peter) zu verbringen, weil wir leider in unseren Wohnorten hier viel zu wenig Zeit haben dazu…

Und jetzt zum Sportlichen: Tatsächlich ist es bei mir wie so oft eigentlich das Ankommen in den letzten Jahren, gerade bei den längeren Kanten, vielleicht auch weil mir das bislang ab und an nicht gut gelungen ist. Bei mir steht in erster Linie wirklich der Spaß und die Herausforderung bei Trail-Rennen im Vordergrund, gerade auf der Ultra Distanz. Hierbei habe ich aber eben auch meine körperlichen Grenzen immer im Blick als limitierenden Faktor. Und so werde ich das in Kanada auch angehen, vor allem beim letzten Rennen in Kanada am Sonntag wird das definitiv auch das Primärziel sein. An den beiden Tagen davor versuche ich wie bereits erwähnt den Spagat zwischen einigermaßen schnell über die Runden kommen und trotzdem noch genug Körner in den Beinen zu haben für die Ultra-Distanz am Sonntag. Ein schwieriger Spagat, ich gebe mir Mühe 😉

Wenn du die Wahl hättest, zwischen einem Bürojob in Berg Nähe und deinem jetzigen Job, wie würdest du dich entscheiden?

Die Frage ist echt gut. Gerade weil ich sie mir vor einigen Monaten öfter selbst gestellt habe unter verschiedenen Szenarien. Nicht unbedingt nur mit alternativen Wohnorten in Berg Nähe.

Ich liebe Wasser, ich liebe Hamburg als Stadt, weil sie so facettenreich ist und so viel hat, was ich einfach wahnsinnig schätze. Ich liebe auch Hamburg, weil es eben so nah an der See gelegen ist, aber auch nicht, und ich mittelfristig mein Segelboot wieder in der Nähe haben kann, sollte ich jemals die Zeit finden, es in Abstimmung mit meinem Vater hier her zu überführen… Leben direkt an der See ist wohl eher nicht denkbar, ich habe das Stadtleben schon sehr zu schätzen gelernt in den letzten Jahren, deswegen würde ich mich wohl auch gegen einen Wohnort nur in Berg Nähe entscheiden. Daraus entnehmt ihr vielleicht schon eine Einschränkung. Wie oben erwähnt ist die Kombination aus Wasser, Bergen und Stadt immer wieder so faszinierend, dass ich mir sowas eventuell vorstellen könnte. Allerdings ist das so hypothetisch, da dies ja auch irgendwie bedeutet auszuwandern, dass ich das nicht weiter beschreiben werde… 😉

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