Unterwegs auf einsamen Pfaden

WARNUNG:
Die nachfolgenden Ausführungen können, in Verbindung mit den Bildern, spontane Laufreaktionen hervorrufen. Es empfiehlt sich, sich am Stuhl festzuketten, die Haustür abzuschließen oder einfach die Trailschuhe anzuziehen, um direkt nach dem Lesen Richtung Trail zu starten.
Welche zwei gravierenden Fehler zeigt dieses Bild?

1. Der Schuh gehört an den Fuß!
2. Die Sohle ist viel zu weiß und darf nicht länger solch ein steriles Dasein fristen!
Beides wird sich innerhalb der nächsten knapp 8 1/2 Stunden ändern, wenn die Schuhe die Trails um den Königssee kennen lernen…auf zur Königssee-Umrundung!

Die Tour startet am großen Parkplatz am Königssee und führt mich zunächst, relativ unspektakulär über den Hochbahnweg, hinauf zur Königsbachalm.

Von hier geht es weiter hinauf Richtung Jenner und wenige Höhenmeter oberhalb der Königsbachalm nach rechts, Richtung Priesbergalm.
Ursprünglich wollte ich über das Hochgschirr und weiter durch das Landtal nach Salet hinunter, hatte mir aber schon zu Beginn der Tour wenig Hoffnung auf einen schneefreien Aufstieg gemacht. Der Winter brachte einfach zu viel Schnee, was auch die gestrige Skitour von Waldi auf das Watzmann-Hocheck deutlich macht.
Aber, man muss sich die Sache ja mal anschauen und so biege ich Richtung Priesbergalm ab und stehe wenige Meter nach der Enzianbrennhütte auf einer geschlossenen Schneedecke.

OK, das wird dann heute wohl nichts, zumindest mit meiner Ausrüstung, aber es ist immer gut, wenn man noch einen Plan B in der Tasche hat.
Also geht es wieder hinunter zur Königsbachalm und von dort nach links weiter. Ein toller Trail zieht, nach dem ersten Anstieg, relativ flach hinüber zur benachbarten Gotzentalalm. Einfach herrlich wenn man hier unterwegs ist und weit und breit keine Menschenseele trifft.
Die Wandersaison ist noch nicht wirklich eröffnet und die ersten Schiffe auf dem Königssee nehmen erst jetzt den Betrieb auf. Auch die Jennerbahn beginnt erst um diese Uhrzeit mit der ersten Fahrt und so ist es relativ unwahrscheinlich, dass man jetzt schon jemanden hier oben antrifft.
Rechts die Watzmann-Ostwamd, links Almwiesen und in der Mitte, auf dem Trail…ich.


An der Gotzentalalm angekommen, beginnt der Downhill hinunter zur Anlagestelle Kessel. Es ist ein genialer Trail, der sich in vielen Serpentinen hinunter zum Königssee schraubt. Den See immer im Blick, stellenweise blitzt St. Bartholomä zwischen den Bäumen hervor oder ertönt das Echo aus der gegenüberliegenden Echowand.

Kurz vor der Anlagestelle kommt mir der erste Wanderer entgegen und am Bootssteg treffe ich auf zwei Schneeschuhwanderer, die mir von den teils sehr bescheidenen Verhältnissen im Bereich der Gotzenalm und des Landtals berichten. Da habe ich mit Plan B wohl alles richtig gemacht.

Das Boot kommt, lädt die Schneeschuhwanderer ein und ich bin wieder allein. Herrlich, diese Ruhe, an diesem sonst so „lauten“ See.

Nach einer kleinen Stärkung (leckere Rosinen) geht es weiter. Es gibt einen alten, verfallenen Steig, der hinüber nach Salet führt. Er findet sich nur in wenigen Karten und wird auch nicht mehr gewartet. Dementsprechend sollte man sich bewusst sein, was einem passieren kann, wenn man auf diesem Weg unterwegs ist.

Wenn man den Einstieg gefunden hat, gestaltet sich die Wegfindung stellenweise etwas schwierig. Neben Trittsicherheit sollte man auf jeden Fall auch ein Auge für den Weg und den Wegverlauf haben. Ein guter Orientierungssinn ist unbedingt erforderlich. Fehltritte sollte man tunlichst vermeiden. Mit etwas Glück landet man nach einem Meter im Wasser, tritt man allerdings an der falschen Stelle daneben oder kommt auf dem vielen Laub ins Rutschen, dann kann es auch bis zu 70m in die Tiefe gehen. Vielleicht hat man aber Glück und wird vorher von einem hervorstehenden Baumstamm oder herausragenden Felsen gebremst.
Kurzum: Ja, es gibt diesen Steig, jedoch muss man bei seiner Begehung über die nötige Erfahrung verfügen. Man sollte wissen wo sich der Einstieg befindet und auch wie der Steig im Groben verläuft. Für die, die es auf sich nehmen, bieten sich durchaus ein paar geniale Single-Trail-Passagen.

Halbzeit ist an der Wildtierfütterung, gegenüber von St. Bartholomä.


Die zweite Hälfte hinüber nach Salet verläuft ähnlich wie der erste Teil, jedoch gestaltet sich die Wegfindung deutlich schwieriger und an manchen Stellen müssen kurze Kletterpassagen überwunden werden.

Am unteren Ende des Kaunersteigs trifft der Steig wieder auf bewirtschaftete Wege und in wenigen Minuten geht es hinüber nach Salet.
Jetzt heißt es Wasser auffüllen, kurze Abkühlung im Königssee und weiter geht es.
Entlang dem Seeufer zum Einstieg in den alten Viehtriebsteig. Diesen Steig findet man in mehreren Karten verzeichnet, jedoch wird auch er nicht gewartet und ist stark verfallen.

Die Wegfindung gestaltet sich noch schwieriger und das Gelände es extrem absturzgefährdet. Hinzu kommt, dass diesen Winter wohl viele Bäume unter der enormen Schneelast zusammengebrochen sind und nun auf vielen Stücken des Steigs liegen.
An Laufen ist hier nur an wenigen Stellen zu denken und meine Stöcke erweisen sich als gute Hilfe, bei den teils sehr steilen Aufstiegen.
Ich bin froh, als mich dieser ursprüngliche, wilde Trail wieder auf den Wanderweg von St. Bartholomä zum Kärlingerhaus spuckt.
Im lockeren Downhill geht es nun wieder hinunter ans Ufer des Königssees.

Eine kurze Abkühlung im See und danach geht es hinein ins Touristengetümmel in St. Batholomä. Ein kurzer Cola-Stop bei Marianne und Thomas und dann kommt der letzte große Brocken der Tour.
Der Rinnkendlsteig!
Auch heute macht er seinem Namen „Scharfrichter“ (powered by Gripmaster) wieder alle Ehre. Schon am unteren Einstieg wird aus dem lockeren Laufen ein nicht ganz so lockeres Gehen. Über 700 Höhenmeter liegen vor mir…das muss doch nicht sein.

Eigentlich ist es ein ziemlich genialer Trail im unteren Bereich, aber ich kann ihm heute leider nichts abgewinnen. In Blick auf den Höhenmesser und die Hoffnung, dass dieser nicht die richtige Höhe anzeigt und ich in Wirklichkeit schon viel höher bin.
Im oberen Bereich wird es dann etwas entspannter und durch die sehr direkte Wegführung macht man auch gleich ein paar Höhenmeter mehr pro Schritt.


Der Aussichtspunkt Archenkanzel ist zum Greifen nahe und oben angekommen, gönne ich mir erst mal eine kurze Pause und genieße die Aussicht.

Über die geschlossene Schneedecke geht es hinüber zur Kühroint-Alm. Jetzt eine Cola oder eine Johannisbeerschorle, das wäre ein Traum, aber die Alm hat noch geschlossen.

Also geht es an den finalen Downhill. Besonderes Trailpotential hat dieser Weg nicht. Im oberen Bereich liegt noch Schnee und weiter unten wird er dann zur breiten Forststraße, die an einigen Stellen ein ordentliches Gefälle aufweist. Das gibt noch mal etwas Feuer in den Oberschenkeln.
Vorbei am Einstieg zum Isidor-Klettersteig geht es die letzten Meter hinunter zum Ausgangspunkt der Tour.

Eine absolut geniale Tour die es in sich hat. Viele ursprüngliche Trails, die aber ein gehöriges Maß an Erfahrung erfordern, denn ein Fehler und die Sache kann böse ausgehen.
Lasst euch überraschen wie es diesen Sommer, rund um den Königssee, weiter geht. Ich habe da schon eine Idee!

14 Gedanken zu „Unterwegs auf einsamen Pfaden“

  1. Vorgestern der Hattrick, heute Trails ohne Ende am Königssee. Bist Du denn überhaupt nicht kaputt zu kriegen? 😉

    Den Königssee habe ich vor etlichen Jahren mal als normaler Touri gesehen. Das war damals so richtig kitschig schön. Gefallen hatte es mir aber trotzdem 🙂

    Gruß Volker

    1. Jetzt kommt die Pause. Wird schwer, aber der Körper wird’s mir danken.
      Ja, der Königssee kann schon sehr kitschig sein und bedient alle Klischees die man als Tourist von dieser Gegend hat. Es gibt aber auch die Ecken, die ein ganz anderes Bild zeigen.

      Viele Grüße

      Steve

  2. Respekt für Deine Fitness, Steve! Deine Tour wäre mir doch zu krass.
    Irgendwann wird der Watzmann mich einmal erleben, oder vielmehr ich ihn/sie – wie auch immer.
    Gruß, Bernd

  3. Coole Leistung, sehr schöne Bilder und super Schuhe 😉 Bei mir stehen Sie etwas gelangweilt im Regal, habe zu viel Arbeit. Aber du hattest recht, es kribbelt sofort in den Füßen…

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