Berghaus Vapour Storm Jacket

Auf der diesjährigen OutDoor in Friedrichshafen hat die Berghaus Vapour Storm Jacket einen Industry Award gewonnen. Sicherlich ein guter Einstieg, für die ab Sommer 2013 erhältliche Hardshell, die dank der Gore-Tex Active Shell Membran und einem neuartigen Belüftungssystem, unter anderem eine sehr gute Atmungsaktivität besitzt.
Die Vapour Storm Jacket ist Teil der Vapour Light Kollektion und entstand im MtnHaus Design and Development Team.
Das zum Patent angemeldete Belüftungssystem ist einzigartig und sorgt für eine erhöhte Atmungsaktivität, ohne dabei auf die Vorteile einer Hardshell (wasserdicht und winddicht) zu verzichten.

Für eine Hardshell die gerade für „schnelle und schweißtreibende“ Aktivitäten in Frage kommt, eignet sich die Active Shell Membran von Gore-Tex.
Auf dem Gore-Tex Blogger Summit 2011 gab es ja bereits schon viele Informationen zum Thema Active Shell und den verschiedenen Membranen aus dem Hause Gore-Tex. Zusätzlich habe ich selbst diverse Jacken mit Gore-Tex Active Shell seit über einem Jahr im Einsatz. Der Einsatzbereich dieser Membran ist klar: „Fast and light, done in one day.“
Oft wird darüber diskutiert wie robust die Membran und die verwendeten Obermaterialien sind, ob sie wirklich so anfällig auf Rucksäcke reagieren, ob die Atmungsaktivität wirklich so herausragend ist, ob sie wirklich zu 100% wasser- und winddicht ist und und und.

Sicherlich gibt es robustere Materialen, aber ich bin keine drei Wochen mit 30 Kilo Gepäck auf dem Rücken in Skandinavien unterwegs und ziehe diese Jacke auch nicht auf rauen Klettertouren mit ständigem Felskontakt an. Bei meinen Bergtouren und den unzähligen Trailruns mit Rucksack konnte ich bisher weder Abnutzungserscheinungen, noch irgendwelche Einbußen im Schulterbereich feststellen.
Zum Thema Atmungsaktivität: Unter „normalen“ Bedingungen ist es schwer, verschiedene Membranen miteinander zu Vergleichen, da sich nie exakt die gleichen Umstände simulieren lassen. Hierzu müsste man schon ins Labor gehen, aber dann fehlt der Bezug zur „realen Outdoorwelt“.
Ich habe mit der Active Shell Membran immer gute Erfahrung gemacht. Sie ist sehr atmungsaktiv und natürlich wasser- und winddicht. Natürlich schwitze ich auch unter dieser Membran und manchmal sogar schon nach einem Kilometer, aber das würde ich bei einer anderen Membran in diesem Moment genauso tun.
Somit bleibt festzuhalten: Active Shell ist sehr atmungsaktiv und trägt sich auch im feuchten Zustand sehr angenehm. Dank der Winddichtigkeit kühlt man auch mit nassen Klamotten nicht so schnell aus. Hinzu kommen das geringe Gewicht und das kleine Packmaß.

Berghaus Vapour Storm Jacket

Berghaus und sein MtnHaus Design and Development Team geben sich mit der hohen Atmungsaktivität von Active Shell nicht zufrieden und wollen noch eins drauf setzen. Durch ein einzigartiges Belüftungssystem soll die Atmungsaktivität nochmals gesteigert werden, aber ohne dabei die Vorzüge der Membran (winddicht und wasserdicht) zu beeinträchtigen.
Hierzu wurden in die Jacke wasserdichte Belüftungsöffnungen eingearbeitet. 3 x 2 jeweils auf der linken und rechten Seite unter den Armen, 2 links und rechts auf Brusthöhe und 2 im Rückenbereich. Macht also insgesamt 18 separate Öffnungen, durch die Luft ein- und austreten kann.
Die Öffnungen halten das Wasser wirklich ab und es müsste schon von unten nach oben regnen, dass Wasser durch die Öffnungen in die Jacke eintritt und zudem müsste dann auch noch der überlappende Stoff überwunden werden.

Dass diese Öffnungen aber ihren Zweck erfüllen und Luft durchlassen, das merkt man auch. Ich erinnere mich an einen schnellen Trailrun über einen Grat, als auf dem Weg zum Gipfel ein heftiger Wind wehte, der mich kontinuierlich nach vorne geschoben hat. Ein kleiner Windhauch kam dabei auch durch die Öffnungen der Jacke…spürbar aber keineswegs unangenehm. Auch so würde ich behaupten, dass eine gesteigerte Atmungsaktivität im Vergleich zu anderen Jacken mit Active Shell erkennbar ist, aber diese nicht extrem gesteigert ist und natürlich stößt auch diese Jacke irgendwann an ihre Grenzen und man fängt zu schwitzen an.

Außer diesen Belüftungsöffnungen hat die Jacke auch noch andere Details, die man unbedingt erwähnen sollte.
Die Ärmel sind auf der Oberseite etwas länger und es gibt am Bündchen keinen Klettverschluss, sondern einen halbseitigen Gummizug.
Diese Konstruktion bietet wesentliche Vorteile. Zwar schließen die Ärmel nicht zu 100% dicht ab, aber dafür lässt sich die Uhr jederzeit, ohne Probleme ablesen, da man nur den Ärmel in bisschen nach oben klappen muss. Zusätzlich sorgen Daumenschlaufen dafür, dass die Ärmel auch bei widriger Witterung und bewegungsintensiven Aktivitäten unten bleiben.

Ein weiterer, wesentlich größerer Vorteil, ist der Gummizug. Wenn es zu warm wird zieht man die Ärmel einfach nach oben und sie bleiben oben. Bei Klettverschlüssen hat man immer das Problem, dass man sie nur schwer fixiert bekommt und sie oft nach einer Weile wieder aufgehen und die Ärmel nach unten rutschen. Der Gummizug hält die Ärmel oben und so hat man die Möglichkeit, schnell für zusätzliche Abkühlung zu sorgen, wenn es unter der Jacke einmal zu warm wird.

Die Berghaus Vapour Storm Jacket hat natürlich auch eine Brusttasche die für das Nötigste (Geldbeutel, Schlüssel und Handy) Platz bietet. Es empfiehlt sich aber, wichtige Dinge zusätzlich wasserdicht zu verpacken, da die Brusttasche bzw. der Reißverschluss nicht zu 100% wasserdicht ist.

Ein einseitig fixierbarer Gummizug am Saum der Jacke, sorgt dafür, dass sich auch hier die Ventilation etwas regulieren lässt.
Die Kapuze der Jacke ist auch sehr durchdacht. Dank eines doppelseitigen Gummizuges lässt sie sich schnell in der Größe verstellen und optimal fixieren. Der Gummizug und somit auch die Bändel, liegen auf der Innenseite der Jacke, was bedeutet, dass keine unnötigen Schnüre außen an der Jacke herunterhängen oder bei schnellen Läufen ins Gesicht schlagen. Die Kapuze ist zudem so geschnitten, dass sie optimal der Kopfbewegung folgt und auch nach links und rechts ein freies Blickfeld gewährt. So macht das Laufen mit aufgezogener Kapuze richtig Spaß.

Die Berghaus Vapour Storm Jacket ist eine tolle Jacke mit interessanten Details und einer genialen Kombination aus Membran und Belüftungssystem. Die Verarbeitung und die Qualität lassen keine Wünsche offen.
Im Vergleich zu anderen Jacken mit Active Shell ist sie etwas schwerer, was sicherlich an der Konstruktion der Belüftungsöffnungen liegt. Zudem würde ich sagen, dass das Außenmaterial einen etwas robusteren Eindruck macht als die Vergleichsmodelle.
Trotzdem sind 324g bei Größe M ein sehr gutes Gewicht.

Die Unterschiede in puncto Atmungsaktivität sind spürbar, aber nicht signifikant. Von daher sollte man sich überlegen, ob man sich diese Jacke kauft, wenn man schon ein vergleichbares Modell hat.
Für alle, die auf der Suche nach einer neuen Hardshell für schnelle Aktivitäten sind, lohnt sich sicherlich ein Blick auf die Berghaus Vapour Storm Jacket, die ab Sommer 2013 in den Verkauf kommt.

Das OE Magazine hat auf der OutDoor ein kleines Video über die Berghaus Vapour Storm Jacket gedreht.

12 Gedanken zu „Berghaus Vapour Storm Jacket“

    1. Danke dir.
      Ja, ist eine interessante Lösung mit dem Belüftungssystem und somit sicherlich optimal für „schnelle“ Sportarten, wobei der Unterschied zu anderen Jacken nicht riesengroß ist.

  1. Eine stylische Jacke, hab sie ja schon live sehen können. Leider weis ich nicht was ich so richtig von dem Belüftungsöffnungem halten soll. Ich glaub ih würde es besser finden wenn man die auch mal komplett schließen könnte. Gerade wenn man mal irgendwo steht. Wird die Kapuze innen eingestellt? Kann da außen nichts sehen? Den Gummizug an den ärmelbündchen find ich jedenfalls schon mal Top.

    1. Mir ist im Stand nicht aufgefallen, dass es irgendwie übermäßig ziehen würde. Wie geschrieben, war selbst der strake Wind auf dem Gipfelgrat nur als Brise zu spüren.
      Das Kapuzen-Verstellsystem ist komplett innen verbaut. Im Video sieht man das ganz gut.

  2. Schöner Bericht einer interessanten Jacke. Von der Jacke an sich mal abgesehen gefällt mir vor allem deine ausgewogene Sichtweise. Insb. wie signifikant sich die Atmungsaktivität tatsächlich unterscheidet. Evtl. macht sich das Belüftungssystem in anderen Klimabereichen (schwül?/ trocken?) stärker bemerkbar? Immerhin sollte hier doch im Gegensatz zur Membran ein direkterer Luftaustausch stattfinden?
    Allerdings „neu“ ist dieses Belüftungssystem nicht. Montane hat z.B. schon seit einigen Jahren eine Jacke mit solchen „Kiemen“ unter den Armen. Vermutlich haben sie es einfach nur versäumt sich das patentieren zu lassen, oder das Patent bezieht sich auf die Kombination von ActiveShell und Lüftung.
    Schön gelöst finde ich die Tatsache, dass man die Ärmel auch einfach mal hochschieben kann. Das vermisse ich bei vielen Jacken.

    Danke für den Bericht und viele Grüße aus dem verregneten Rheinland (wo man jetzt gut eine dichte Jacke gebrauchen kann),

    Basti

    1. Danke dir Basti.
      Ich denke mal, dass System macht sich stärker bemerkbar, wenn die Aktivität der Membran an ihre Grenzen stößt; also bei einem zu geringem oder nicht vorhandenem Temperaturunterschied. Das sind dann aber meist solche Temperaturen, bei denen ich lieber ohne Jacke unterwegs bin als mit, da so ein warmer Sommerregen auch mal etwas Abwechslung bringt.
      Habe ein ähnliches Belüftungssystem schon einmal bei einer Gore-Tex-Testjacke (ähnlich unserer vom GTBS) gesehen, aber das kam mir bei Weitem nicht so „ausgeklügelt“ vor. Da wäre eher Wasser durchgekommen als bei der Vapour Storm.
      Die Lösung mit den Gummizügen in den Ärmeln ist für mich das absolute Highlight der Jacke.

      Viele Grüße aus den Bergen

      Steve

  3. Die zusätzliche Belüftung hatte meine damalige testjacke von Goretex damals auch, aber nur am Rücken. Ich bin von diesen Öffnungen zwar kein Fan, aber sie machen durchaus Sinn. Denn so gut das Active Shell auch sein nag, bei intensiven Läufen wirds trotzdem sehr warm. Mir gefällt die Jacke vom Styling her ganz gut – schaut geil aus.

    1. Ja, die Jacke macht einen schlanken Fuß 🙂
      Stimmt, du hast so ein Testmodell auch mal bei dir vorgestellt. Ich hatte es damals in Grainau beim Zugspitz Supertrail gesehen. Da machte das Belüftungssystem aber keinen sonderlich ausgeklügelten Eindruck auf mich. Hatte mir es aber auch nicht so genau angesehen. Denke aber, wenn man die Öffnungen nur am Rücken hat, dann ist die Zirkulation doch schon sehr stark eingeschränkt, noch dazu wenn man mit einem Rucksack unterwegs ist.

      1. ja stimmt. die rückenöffnungen sind nicht so der hit, bei dem testmodell war vermutlich das entwicklungsbudget nicht allzu hoch. schlecht war die jacke aber nicht. nit der rennt jetzt meine mom rum 🙂

        das kiemensystem ist da wesentlich ausgereifter. mein endo jacket von haglöfs (auch active shell) hat keine zusätzlichen entlüftungsmöglichkeiten. im sommer ist sie dann oft schon zu warm.

        insgesamt ist bei den wasserdichten funktionsmaterialien noch luft nach oben. da kommen bestimmt noch bessere laminate.

        1. Ja, da wird sich sicherlich noch einiges tun in den nächsten Jahren.

          Ich bin mit meiner Testjacke von Gore (grüne Variante, ohne Belüftungsöffnungen) noch regelmäßig unterwegs. Gerade wegen des geringen Gewichts ist sie sehr praktisch.

  4. Pingback: Dienstagabend

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.