Ultrarunning Magazin

Gefühlt redet halb Trailrunning-Deutschland zur Zeit über die „Ultrarunning“, die Sonderausgabe des TRAIL-Magazins zu allem was sich auf den Distanzen jenseits von 42,195 Kilometern abspielt.
Natürlich möchte ich da auch mitreden und bevor ich mich irgendeiner Meinung blind und bedingungslos anschließe, habe ich mir das Magazin natürlich gekauft.

Zu meiner aktuellen Position

Irgendwann 2011 bin ich auf die Online-Ausgabe des TRAIL-Magazins aufmerksam geworden und habe seitdem jede digitale Ausgabe gelesen. Seit dem ersten Tag war ich Leser und Abonnement der Print-Version, habe allerdings mit Ablauf des Jahres 2017 mein Abo gekündigt.
Man kann also ohne Probleme behaupten, dass mich TRAIL seit Beginn meines Läuferlebens begleitet hat und ich TRAIL seit Beginn des Printlebens begleitet habe.

Mit der Zeit wurde das Feuer beim Lesen, welches mich über all die Zeit begleitet hat und mich dazu bewogen hat, jeden noch so kleinen Artikel von Anfang bis zum Ende zu verschlingen, immer schwächer. Ich überblätterte das Magazin nur noch und blieb am Ende fast ausschließlich bei den Trainingsartikeln von Michael oder den Interviews von Clemens hängen.
Somit traf ich den Entschluss das Abo zu kündigen, da ich für mich keinen wirklichen Mehrwert im Magazin sah; nicht zuletzt, da sich viele Dinge im Laufe der Jahre für mich immer wiederholten und aufgrund der Fülle an Quellen im Internet, man auch sehr schnell und bequem, meist zeitlich noch wesentlich früher, an die benötigten Infos kommt.
Nach der Kündigung hatte ich mit Denis noch einige Male Emailkontakt. Er wollte natürlich meine Gründe für die Kündigung (nach all den Jahren als Leser) wissen, die ich im darlegte und er erklärte mir seine Sicht der Dinge.

Trotz meiner Kündigung, und das spricht sicherlich dafür dass wir „im Guten“ auseinander sind, bin ich weiterhin einer der Moderatoren im TRAIL-Forum.

Also hast du nicht wegen der Fehler gekündigt?

Nein!
Natürlich sind Fehler in einem Magazin immer ärgerlich. Über Rechtschreibfehler sieht man sicherlich immer mal wieder hinweg. „Gröbere“ Fehler wie abgeschnittene Artikel, doppelte Textblöcke etc. können vorkommen, dürfen aber eigentlich nicht sein.
Bei einem Online-Medium hat man den entsprechenden Beitrag schnell geändert und alles ist gut, aber in einem Print-Medium geht das nach dem Druck nicht mehr und so fällt der Fehler zwangläufig nicht nur einer Handvoll Lesern auf, sondern im schlimmsten Fall jedem.
Auch wenn die „groben“ Fehler immer schnell auf den Online-Kanälen des Magazins korrigiert werden, so bleibt dennoch ein kleiner bitterer Nachgeschmack.
Ist doof und ärgerlich; war aber für mich nicht der Grund für die Kündigung.

Und jetzt zum eigentlichen Thema: Wie ist die Ultrarunning?

Was mir zuerst auffällt ist die Werbung, denn sie ist quasi nicht vorhanden. Insgesamt verteilen sich zwei Werbeanzeigen auf 1 1/4 DIN A4 Seiten (die Umschlagsseiten ausgenommen) auf das gesamte Heft. Das ist Nichts ist im Vergleich zu anderen Magazinen oder zum normalen TRAIL-Magazin. Das rechtfertigt in gewisser Weise auch den Heftpreis von 8,90 € für 74 Seiten. Klar, wenn ein Heft außerhalb der Reihe produziert wird und dann auch noch keine Werbung enthält, dann kann man solch eine Produktion nicht zum gleichen Preis verkaufen wie das Serienheft.

Die Ultrarunning wird ihrem Titel gerecht, denn es geht ausschließlich um Ultrarunning, sei es in Interviews oder Renneberichten. Auch die Testschuhe sind speziell für die ganz langen Kanten ausgesucht (Straße und Trail).
Bei den Schuhtest findet man einen bunten Mix, wenngleich ich nicht alle Empfehlungen teile und es auch sehr schade finde, dass es kein Modell von Altra in den Test geschafft hat, denn wenn es eine Schuhmarke für Distanzen jenseits des Marathons gibt, dann es ist Altra.

Sehr gut gefallen hat mir das Interview mit Uli Calmbach, einer von zwei Deutschen die es beim UTMB bisher in die Top 5 geschafft haben. Das bringt dem Leser den UTMB und das Ultralaufen, auch abseits von Kilian und Co. näher. Das Interview macht es für den „Normalo“ irgendwie ein bisschen greifbarer.

Wenn man überlegt, was das Ultralaufen ausmacht und wo/wie es groß geworden ist, dann kommt man um Events wie Western States, Leadville, Comrades, aber auch die ganzen 6/12/24-Stunden-Events, die Meisterschaften auf der Straße, Lauflegenden wie Kyle Skags, Ann Trason, Rob Krar, Scott Jurek, Dean Karnazes und Co. nicht herum.
Diese Aspekte kommen mir im Magazin zu kurz bzw. werden teilweise überhaupt nicht erwähnt. Klar, es ist ein Sonderheft in der ersten Ausgabe und es fällt zwangsläufig etwas hinten runter, was man einfach nicht ins Heft bringen kann, aber lieber hätte ich für einen weiteren Bericht aus Amerika oder die Vorstellung einer Lauflegende auf einen Testbericht oder den Bericht über den ZUT verzichtet.
Denis schreibt zwar, dass er eine Lanze brechen will für die Straßenläufe und quasi alles, was da war, bevor der Ultra auf dem Trail bekannt wurde und den riesigen Zuspruch bekam, aber leider bleibt es nur bei ganz kurzen Ausflügen in diesen Bereich.

Sehr gut gefallen haben mir der Trainingsartikel von Michael Arend, sowie das Interview von Clemens mit Jim Walmsley. Der UTMB-Rennbericht von Florian Felch ist ebenfalls sehr lesenswert und lässt einen vom ersten bis zum letzten Kilometer mitfiebern.

Leider ist auch die Ultrarunning nicht frei von Fehlern und Makeln. Es gab wieder Rechtschreibfehler (schon beginnende im Vorwort), aber darum soll es nicht gehen. Schade fand ich, dass der Badwater aufgrund eines solchen Flüchtigkeitsfehlers von 217 Kilometer auf 127 Kilometer gekürzt wurde.
Am meisten missfallen hat mir die Tatsache, dass der Barkley Marathon erwähnt wird und man versucht hat, ihn in sechs bis acht Sätzen zu beschreiben, was diesem Lauf absolut nicht gerecht wird. Das fand ich persönlich etwas „lieblos“, denn der eigentliche Spirit dieses Laufs und die wirklichen Herausforderungen kommen bei solch einer kurzen Beschreibung nicht zum Tragen. Der Barkley lässt sich eben nicht wie viele andere Läufe kurz und knapp in ein Schema pressen.

Fazit

Ich denke nicht, dass man neben der klassischen TRAIL eine weitere Zeitschrift braucht, die sich nur mit Ultrarunning beschäftigt.
Dieses Thema hat sich bisher auch immer wieder in der TRAIL gefunden ohne das ich glaube, dass sich irgendeine Gruppe (Ultra und „Nichtultra“) in irgendeiner Form übergangen gefühlt hat.
Aufgrund der Tatsache, dass ich das Material (Schuhe, Stöcke, Rucksäcke, Regenjacken…) für Ultras und kürzere Strecken hernehmen kann, viele Events beide Streckentypen abbilden und jeder Ultraläufer auch mal weniger als Ultra läuft, finde ich, dass man beide Magazine einfach kombinieren sollte. So vermeidet man auch Doppelungen. Profitieren würden am Ende beide „Laufparteien“.
Vielleicht einfach die normale TRAIL ein paar Seiten dicker machen und in Zukunft noch ein bisschen mehr von Ultras berichten. Mehr von diesen authentischen Rennberichten und mehr zur Historie; und auch mehr von der Straße.
Wenn man den Ultraanteil in der TRAIL erhöht und das Magazin ein paar Seiten dicker macht, dann sind garantiert auch die meisten Leser einverstanden, wenn das Magazin am Ende teurer wird.

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