Festival des Templiers – The short version

Kann man vier Wochen nach einem 100 Miler (keine Angst, das Video kommt noch, es dauert nur ein bisschen) schon wieder 100 Kilometer laufen? Diese Frage habe ich mir damals bei meiner Rennplanung schon gestellt und eigentlich schnell für mich rausgefunden, dass man es sicherlich kann, aber dass die 60 Kilometer beim Festival des Templiers eigentlich auch ausreichen würden. Wie dem auch sei, meine Entscheidung blieb am Ende bei den 100 Kilometer und knapp 5000 Höhenmetern durch Südfrankreich. Nach dem Motto: „Der erste Gedanke ist meist der Beste!“ – Vorsicht, es heißt, „meist“, nicht „immer“. 😉

Je näher der Tag rückte, desto mehr beneidete ich Rupert, der in Whistler auch die 100 Meilen gelaufen ist, aber hier in Millau „nur“ die 60 Kilometer in Angriff nimmt. Aber gut, ich wollte es einfach wissen und habe mich auch nicht weiter zwecks einer möglichen Ummeldung erkundigt. Einfach ausprobieren, wenns klappt ist es cool, wenn nicht, dann eben nicht.

Spätestens mit der Ankunft in unserer Unterkunft war eh alles Wurscht, denn besser hätte es gefühlt nicht mehr kommen können.

Wir wohnen nämlich in einem alten Benediktiner-Kloster aus dem 11. Jahrhundert und da es hier nur 5 Doppelzimmer gibt, haben wir quasi den kompletten Komplex für uns alleine; ausgenommen natürlich der Bereich der Gastgeber; wobei wir aber jeden Morgen ein sehr leckeres Frühstück in deren Küche bekamen. Also quasi ein französisches Bed & Breakfast im alten Kloster.

Nebenbei gibt es hier noch Schafe, Esel und Hühner, eine Brücke die über einen Fluss auf das Gelände führt und bei Starkregen auch mal überflutet ist, kein Handynetz und das WLAN wird im Normalfall abends ab 22 Uhr abgeschaltet. Und das kann man hier auch…abschalten…und relaxen im Pool oder Jacuzzi.

Aber genug erzählt, wir sind ja hier zum Laufen und nicht zum Wohnen. 😉

Die Startnummernausgabe verlief relativ unproblematisch. Gut, wir müssen von unserem Kloster knapp 30 Minuten in die Zivilisation fahren, aber das nehmen wir gerne in Kauf.

Das Festival des Templiers ist das größte und älteste Trail-Rennen in Frankreich, mit über 12000 Teilnehmern, die sich hier am kompletten Wochenende auf insgesamt 15 verschiedenen Strecken tummeln. Gesprochen wird hier fast ausschließlich französisch, aber zum Glück haben wir mit Tom einen guten Dolmetscher dabei. Tom geht wie ich über die 100 Kilometer an den Start. Sandra wagt sich an ihren ersten Trail-Wettkampf und nimmt die 7 Kilometer in Angriff, während Silke, Rupert und die WUSAs die 60 Kilometer angehen. Tobi und Fanny haben es leider nicht zu uns geschafft, da Tobis Auto in Deutschland aufgebrochen wurde und sie somit es zeitlich nicht mehr bis Millau geschafft haben. 🙁

Um 2:30 Uhr klingelt am Freitagmorgen der Wecker und ich gönne mir ein paar süße Gebäckstückchen während ich meinen Instant-Kaffee trinke und meine Sachen zusammen packe. Gegen 3:00 Uhr sitzen Tom und ich im Auto und Sandra fährt uns nach Millau zum Start des Rennens. Eigentlich hatten wir am Flughafen einen Kombi gemietet, aber der war nicht verfügbar und wir bekamen einen 9-Sitzer. Schon ziemlich stark vom französischen Stadtverkehr mitgenommen, aber genügend Platz um die ganze Crew von A nach B zu transportieren. Hat auch was (abenteuerliches).

Am Start angekommen stellen wir uns gleich in die Aufstellung und um 4:00 Uhr geht es für uns auf die Reise.

Relativ früh zu Beginn spüre ich meinen rechten Knöchel. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, kommt und geht immer wieder mal, aber normalerweise kommt es erst nach ein paar Stunden und nicht schon zu Beginn. Wenig später meldet sich der rechte Fuß mit leichtem Druckschmerz außen. Das ist die Seite, die bei meinem Crash kurz vor Abflug nach Whistler in Mitleidenschaft gezogen wurde (hier geht es zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=-Uq6ERM3IIk), die ich während Whistler, auf den kompletten 170 Kilometern, aber nicht gespürt habe.

OK, das sind jetzt nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, aber ich versuche es mal und beobachte wie sich das weiter entwickelt. Nach einiger Zeit melden sich dann auch nochmal die Fußsohlen, die seit Whistler noch etwas beleidigt zu sein scheinen, mit leichtem Druckschmerz hinter dem großen Zehengelenk.

OK, dass sind dann wohl die Anzeichen, dass es zu früh für einen 100 Kilometer-Lauf ist.

Eigentlich läuft es ganz gut, wenn man die Schmerzen mal ausblendet, aber das geht halt mal nicht so einfach. Das drückt natürlich auf die Stimmung und nach einer Zeit stellt sich eine Gewisse Leere im Kopf ein. Verstärkt wird das Ganze dadurch, dass dieses Rennen für mich eigentlich kein A-Rennen ist. Ich habe mit dem Lavaredo Ultra Trail meinen Qualifier für Western States und ich bin dieses Jahr meinen ersten 100 Miler gelaufen. Dem Kopf fehlen aktuell die „großen“ Ziele. Ziele, die in solchen Situationen ggf. das Adrenalin ausschütten, dass den Schmerz unterdrückt oder andere Hormone, die dafür sorgen, dass du einfach weiter läufst.

So beschließe ich bei Kilometer 20, bei der nächsten VP auszusteigen. Ich schreibe Sandra eine Nachricht, dass sie bei Kilometer 30 bitte auf mich warten soll. In der Ortschaft starten in 45 Minuten nämlich die 60k-Läufer und somit müsste sie im Normalfall nur noch weitere 45 Minuten dort auf mich warten und kann mich mit zurück nehmen.

Auf den nächsten 10 Kilometern geht mir dann alles nochmal durch den Kopf. War es die richtige Entscheidung? Geht vielleicht doch noch mehr? Soll ich doch weiterlaufen wenn ich bei der nächsten VP ankomme?

Spätestens nachdem ich über eine Wurzel gestolpert bin und mich einmal auf dem Trail komplett lang gemacht habe wusste ich, dass ich aussteige. Und um alle Zweifel zu beseitigen, bin ich 30 Meter später gleich nochmal gestolpert. Die Downhills waren, bedingt durch die schmerzenden Füße, auch alles andere als Rund und weitere 4000 Höhenmeter wären sicher nicht mehr drin gewesen; und wenn, es hätte definitiv keinen Spaß gemacht.

Und Spaß ist schließlich der einzige Grund warum ich das mache. So gehe ich immer an ein Rennen bzw. halte mir das währenddessen vor Augen.

Du machst es aus Spaß und wenn es keinen Spaß mehr macht, dann hör halt einfach auf!

Klar, es gibt die Momente wo man weiter macht und der Spaß kommt zurück, aber man merkt schon deutlich, wenn man an dem Punkt angekommen ist, wo der Spaß nicht mehr wieder kommt und man weiß dann auch, dass egal was passiert, es dabei bleibt. Und so ein Tag ist eben heute!

Gehört dazu, kann man nichts machen, weiter geht’s!

Hier geht es zum Festival-des-Templiers-sub-4h-Move!

Leider habe ich die schönsten Teile der Strecke verpasst. Das was ich in der Nacht gesehen habe waren schöne Singletrails, gespickt mit steilen Anstiegen und flachen/schnellen Passagen auf Forststraßen. Definitiv ein schnelles Rennen mit viel Potential. Die Gegend hier ist echt schön und vielleicht ein bisschen vergleichbar mit einer Mischung aus bayerischem Wald und sächsischer Schweiz. Eine ziemlich coole Kombination. Man kommt nie höher als 1100m/1200m und sammelt in vielen steilen Up-/ und Downhills trotzdem ordentlich Höhenmeter.

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