Dynafit MS Feline GTX

Man nehme eine Kettensäge, eine Fräse, eine gute Gummimischung, Stoff, eine Gore-Tex-Membran, textile Applikationen, gibt das ganze zu Dynafit in die Produktion und erhält den ersten Trailrunning-Schuh der Spezialisten für Skitourenausrüstung.
In einem Interview hat mir Benedikt Böhm zu Beginn der Saison gesagt, dass es jetzt die größte und auch eine historische Aufgabe ist, mit Dynafit als Ganzjahres-Marke zu wachsen.
Der Dynafit MS Feline GTX ist neben vielen anderen Produkten der Sommerkollektion „Alpine Running“ und „Alpine Biking“ der erste Schritt in die richtige Richtung.

Der Schuh ist sehr hochwertig und robust verarbeitet. Er soll passgenau und nahtlos abschließen und durch spezielle Materialen trotz der Bauweise ein geringes Gewicht auf die Waage bringen. „Sensitive Fit“ unterstütz diese Anforderungen und soll zudem die muskuläre Koordination fördern, sowie die Muskulatur fördern und die Balance und Kontrolle erhöhen.

Dynafit geht bei der Entwicklung des MS Feline den umgekehrten Weg und entwickelt aus dem Know-how von Klettersohlen, der Passform von Skitourenschuhen und der Erfahrung ihrer Athleten die schnell, leicht und kompromisslos unterwegs sind, diesen Schuh. Vom Berg auf den Trail und nicht vom Trail auf den Berg.
Der „Claw Grip“ der Sohle sorgt für perfekten Halt auf allen Untergründen, kombiniert mit dem „Mapping Compound“ von Vibram.

Die Sohle kommt mit drei unterschiedlichen Material-Mischungen:
Die grüne Zone ist weich und sorgt für guten Grip auf nassem Fels und bietet zusätzliche Dämpfung.
Die schwarze Zone besteht aus einer mittelharten Material-Mischung, ist besonders langlebig und bietet konstante Bodenhaftung.
Die weißen Zonen bestehen aus der härtesten Material-Mischung und bieten besten Grip.
Die „Multi Pad Midsole“ sorgt dafür, dass der Schuh nicht allzu steif ist und man noch ein gutes Gefühl für den Untergrund behält.
Um den Fuß auch im losen Geröll und bei alpinen Klettereinlagen bestens zu schützen, besitzt der MS Feline GTX einen Schutz im Zehenbereich sowie einen umlaufenden Geröllschutzrand.

Der „Aura Activator“ soll biokompatible Wellen aktivieren und so zur Leistungssteigerung beitragen. Widerstandsfähigkeit und Kraft werden gesteigert, das Gleichgewicht verbessert und weniger physische Anstrengung sorgt für eine schnellere Regeneration.

Soviel zu den technischen Daten, jetzt wird es etwas praktischer.
Trotz Gore-Tex-Membran und der robusten Bauweise trägt sich der Schuh angenehm und leicht. Die widerstandsfähige Verarbeitung und die hochwertigen Materialien machen einen sehr guten Eindruck und ich denke, dass ich mit diesem Schuh noch sehr lange Spaß haben werden, ohne das er mir irgendwann automatisch vom Fuß fällt.
Die Sohle des Schuhs ist der absolute Hammer und muss sich vor keiner Sohle der Konkurrenten verstecken. Grip überall und zu jeder Zeit. Ich konnte mich selten so schnell und sicher auf steilen und rutschigen Pfaden nach oben schrauben. Auch in puncto Abriebfestigkeit und Kontrolle in felsigem Gelände macht die Sohle eine sehr gute Figur und lässt keine Wünsche offen.

Die Vorteile die der Schuh in steilen Bergauf-Passagen bietet, die verspielt er leider wenn es wieder nach unten geht. Hier macht sich bemerkbar, dass der Schuh relativ hoch gebaut ist und es an Stabilität im Fersenbereich fehlt. Sobald es im Downhill etwas technischer wird und man gerade bei längeren Läufen nicht immer auf dem Vorfuß landet, merkt man den fehlenden Fersenhalt. Da heißt es: Tempo drosseln und/oder behutsam den nächsten Schritt wählen; denn Fehler verzeiht der Schuh nur selten.
Das liegt zum einen an der „großen“ Fersensprengung und an der Breite der Sohle im Fersenbereich. Dynafit will mit dem MS Feline keinen reinen Trailrunning-Wettkampf-Schuh abbilden, sondern einen Schuh, der sich sowohl für den flotten Zustieg zur Kletterroute eignet, als auch für den Trailrunner und Speed-Hiker. Da führt an so manchem Kompromiss, leider kein Weg vorbei.

Die Schnürung hält auch bei längeren Einheiten, allerdings wäre eine Verstaumöglichkeit für die Schnürsenkel wünschenswert oder am besten gleich ein Schnürsystem. Leider verrutscht die Lasche immer auf die Seite und bleibt, mangels Fixierung mit der Schnürung, nicht in der Mitte. Hier arbeitet Dynafit aber bereits an einer Lösung für das Nachfolgemodell.

Trotz Gore-Tex-Membran ist das Klima am Fuß auch bei heißen Temperaturen angenehm und wenn es mal etwas schmutziger und feuchter wird, dann hält die Membran auch absolut dicht. Zwar werden die Schuhe nie mehr wie am ersten Tag glänzen, aber das gehört eindeutig zum Trailrunning dazu.

Es gibt den Schuh auch noch in einer anderen Version. Der Dynafit MS Feline Superlight ist, wie der Name vermuten lässt, leichter als die GTX-Version, was unter anderem auf die fehlende Gore-Tex-Membran zurück geht. Der Gewichtsunterschied liegt bei US-Größe 8, bei 30 Gramm.
Zwecks der Größe fällt der MS Feline GTX etwas kleiner aus als vergleichbare Modelle; vorher anprobieren empfiehlt sich auf jeden Fall.

Bis auf die GTX-Membran, einer etwas anderen Schnürung und unterschiedlicher Farben, sind beide Modelle baugleich.
Dass sich der MS Feline auch für lange und extreme Wettkämpfe eignet, hat Constantin Pade beim Zugspitz Ultratrail bewiesen, als der Läufer des Team-Dynafit, über 100 Kilometer, den zweiten Platz belegte…natürlich mit dem MS Dynafit MS Feline Superlight.

Alles in allem ist Dynafit mit dem MS Feline GTX ein sehr gutes Debüt gelungen. Die Sohle ist perfekt und bietet beste Performance im Aufstieg. Die Nachteile die der Schuh im Downhill mit sich bringt, werden sich mit den nächsten Modellen sicherlich erledigen, genau wie das Problem mit der Lasche in der nächsten Version sicher behoben ist.
Dynafit plant für die Zukunft mit weiteren Modellen und möchte verschiedene Schuhe, u.a. mit unterschiedlichen Fersensprengungen auf den Markt bringen. Somit würde sich das Problem mit der Instabilität sicher von selbst lösen und man hat eine gute Auswahl an Schuhen, je nach Anforderungsbereich.
Man darf gespannt sein, was sich die nächsten Jahre tut…ich freue mich schon auf weitere Produkte!

Gewicht: 770g (Paar / Größe 46 1/2)

Mehr Informationen unter http://www.dynafit.com/de

12 Gedanken zu „Dynafit MS Feline GTX“

  1. Ich liebe ja so lange ausführliche Testberichte 🙂 Und was mir immer noch wichtig ist – dass die Schuhe nämlich auch optisch etwas hermachen – wäre hier auch erfüllt! Ich setze mir diese mal gedanklich auf die Merkliste 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    1. Danke dir Ariana.
      Anschauen würde ich mir den Schuh auf jeden Fall. In den typischen Frauenfarben gibt es ihn leider nicht, aber auch in grau/weiß/grün macht er sicherlich einen schlanken Frauenfuß ;-).

      Liebe Grüße
      Steve

  2. das mit der lasche ist bei mir übrigens doch so. hatte es nie bemerkt weil nix drückte, verrutschen tut sie allerdings schon.

    womit ich allerdings nicht konform gehe ist, dass der schuh eine große sprengung aufweist und instabil wäre. bei deinem bereicht könnte man fast rauslesen der schuh wäre bergab gefährlich 😉

    gerade bergab empfinde ich ihn als zuverlässigen trainigspartner. ich glaube die sprengung ist sogar kleiner als beim speedcross.

    das schnürsystem finde ich aber verbesserungswürdig. so ne einfache konstruktion ist auf dem trailschuhmarkt nicht gerade der letzte schrei. bei dem preis müsste da ein bisschen mehr drin sein.

    grüße d.

    1. Servus Daniel,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Einschätzungen.
      Gefährlich ist der Schuh im Downhill nicht, aber nach meinem Empfinden nicht so stabil wie ein Speedcross 3 oder ein La Sportiva Crossover. Man kann mit ihm gut bergab laufen und auch schnell, aber es erfordert doch etwas Geschick bzw. Training.

      Ich freue mich schon auf den Nachfolger bzw. auf die kommenden Modelle. Da steckt definitiv eine Menge Potential drin.

      Viele Grüße

      Steve

  3. Servus Steve,

    nach unserem Austasch bei uns auf der Webseite war ich sehr auf deinen Bericht gespannt und ich kann mich Ariana nur anschließen, dass dein Testbericht sehr gelungen ist. Bei mir ist jetzt der Superlight im Postfach gelandet, bin sehr gespannt wie er sich verhält.

    Gruß Martin von alpinfieber.net

  4. Toller Bericht!
    Ich habe mir das 2014‘er Modell geholt, der Fersenhalt ist mittlerweile super. Und das obwohl ich in anderen Schuhen immer Probleme habe.

    Viele Grüße,
    Christina

    1. Hallo Christina,

      danke für den Tipp.
      Da scheint sich ja etwas im Hause Dynafit zu bewegen. Man darf gespannt sein, was die noch für tolle Schuhe bauen werden.

  5. Servus Steve,
    Wie ist denn das Leben Deines Feline GTX weitergegangen? Da Du quasi die Instanz in Sachen Trailschuh-Tests bist, wäre es natürlich toll, auch Langzeiterfahrungen hier zu lesen.
    Ich laufe das Nachfolgemodell SL und bin schwer begeistert – bis auf die Haltbarkeit der Sohlen. Du weißt schon…. die von der Liste.
    Grüße,
    Christian

    1. Servus Christian,

      naja, die Sohle ist das Hauptmanko gewesen.
      Der Schuh war in Version 1 leider nicht der Schuh, der sich im Schuhregal an vorderster Stelle platzieren konnte. 😉
      Bezogen auf den Grip war der Feline damals echt spitze und da konnten auch die neuen Modelle anschließen.
      Allerdings scheint Dynafit das Problem mit der Sohle nicht in Griff bekommen zu haben was wirklich sehr schade ist.
      Habe jetzt schon von vielen Seiten gehört, dass die Sohle zwar super Grip hat, aber eben tierisch schnell das zeitliche segnet.
      Wirklich schade, denn sonst hätte der Schuh echt Potential.
      Mal schauen was Dynafit draus macht.

      Viele Grüße

      Steve

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