Regen, Regen, Regen

Bevor es am Samstag beim TRAIL-MANIAK um den Wörthersee geht, kann ich ruhig noch ein bisschen laufen um nicht einzurosten.
Das Wetter ist äußerst bescheiden, also fallen die hohen Gipfel aus, zumal im Laufe des Tages die Schneefallgrenze immer weiter sinken soll. Es wäre cool, wenn ich die Tour mit einem Aufenthalt in St. Bartholomä verbinden könnte, denn da habe ich wohl bei meinem letzten Besuch meine Stirnlampe liegen lassen.
Hmm…Trischübel: Fällt aus; zu lang, so kurz vor dem Lauf am Samstag.
Über Kühroint und den Rinnkendlsteig: Nicht bei diesem Wetter
Also irgendetwas auf der Ostseite des Sees. Gotzenalm und dann nach Salet. Mit dem Boot wieder nach vorne und ein kurzer Stopp in St. Bartholomä…das klingt gut.

11,5 Grad zeigt das Thermometer, als ich am Königssee aus dem Auto steige, meine Sachen zusammen packe und mich auf den Weg mache. Die ersten Regentropfen treffen auf meine lange Laufhose, die ich heute wieder zum ersten Mal anhabe, und ich frage mich, warum ich eigentlich nicht meine Regenhose angezogen habe. Gute Frage, los geht’s über den Hochbahnweg zur Königsbachalm.
Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass es regnet? Gepaart mit dem Schweiß ergibt sich eine interessante Mischung, die unaufhörlich über mein Gesicht läuft.

Mit aufgezogener Kapuze bleibt der Kopf zwar trocken, aber dafür wird es schnell sehr warm. Mit abgezogener Kapuze ist es wesentlich angenehmer, aber auch nasser. Ein Teufelskreis!
An der Königsbachalm biege ich nach rechts ab und folge dem steilen Anstieg Richtung Gotzenalm. Nach diesem kurzen, steilen Stück geht es gemütlich hinüber zur Gotzentalalm, wo nun der Teil beginnt, auf den ich eigentlich gar keine Lust habe.
Die lange und breite Forststraße zieht sich von nun an in vielen Serpentinen nach oben. Wir werden für die nächste knappe Stunde sicherlich keine Freunde werden. Schon im Abstieg kommt mir dieser Teil immer unsagbar lang vor; wie soll das nur jetzt im Aufstieg werden.

Sicherlich hätte ich auch über die Priesbergalm und den Unteren Hirschenlauf laufen können, aber aus irgendeinem Grund soll es heute mal dieses Meisterstück eines Anti-Trails sein.
Ja, der Weg zieht sich und der MP3-Player spielt „Stairway to Heaven“, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Ein Vorteil haben der Regen und der Nebel: Man sieht nicht wie weit man noch nach oben muss und konzentriert sich nur auf das kurze Stück das vor einem liegt. Aber auch dieser Vorteil ist schnell dahin, denn ich kenne diesen Weg zu gut und weiß ganz genau wo ich mich befinde und wie weit es noch ist.

Eigentlich wollte ich von der Gotzenalm rüber zum Landtal laufen und dann über den Landtalsteig hinunter zum Obersee, als ich aber irgendwann während des Aufstieges zur Gotzenalm ins Gehen übergehe und mich mit meinen Armen auf den Oberschenkeln abstütze, drücke ich das Wasser regelrecht aus der Hose heraus. Würde es eine Steigerung von nass geben, meine Hose wäre es. Ich beschließe also, ab der Gotzenalm, über den Kaunersteig, direkt nach Salet abzusteigen. Zwar wird das sicherlich eine rutschige Angelegenheit, aber ich war auch schon seit über zwei Jahren nicht mehr dort…es lohnt sich also.

Die Gotzenalm liegt in dichtem Nebel und das Thermometer an der Eingangstür zeigt 3 Grad. Zapfig kalt und ein weiterer Grund über den direkteren Weg abzusteigen.
Ich gönne mir eine große heiße Schokolade…die größte der Welt, wärme mich kurz auf und mache mich dann an den Weiterweg.
Relativ flach geht es hinüber zur Regenalm, welch passender Name, bevor es rechts weiter auf den Kaunersteig geht.

Anfangs verläuft der Steig noch eher flach und moderat durch den Wald, bevor er im weiteren Verlauf immer steiler wird. An manchen Stellen ist er mit Drahtseilen entschärft und Holztreppen erleichtern den Abstieg. Die Treppen und natürlich große Teile des Steiges sind bei diesem Wetter sehr rutschig und erfordern Trittsicherheit und Konzentration.
In der unteren Hälfte blitzt dann auch immer mal wieder der Königssee durch die Bäume.

Der Regen hat den Eisbach wieder hervorgebracht, der über die Stein-Sand-Bank in den Königssee fließt. Durch den Kalk und die vielen Mineralien färbt sich das Wasser des Sees wieder besonders grün. Karibisches Feeling bei Regen und einstelligen Temperaturen.
In Salet angekommen warte ich ein paar Minuten auf das nächste Boot, die heute bei weitem nicht so zahlreich unterwegs sind, wie an schönen Tagen.

In St. Bartholomä steige ich aus und habe Glück. Meine Stirnlampe liegt noch beim Fischer und nach einem Kaffee fahre ich mit dem nächsten Boot wieder nach vorne.
Es regnet immer noch, wie schon den ganzen Tag über. Spaß hat die Tour trotzdem gemacht, denn: „Bei gutem Wetter kanns jeder!“
Heute war nicht nur der erste Tag an dem ich wieder in langen Hosen gelaufen bin, sondern auch der erste Tag, an dem ich die Heizung im Wohnzimmer angeschaltet habe…dennoch hoffe ich noch auf einige sonnige Wochen in den Bergen, denn ein paar Touren schweben mir noch durch den Kopf.

4 Gedanken zu „Regen, Regen, Regen“

  1. Zweistellige Temperaturen und langen Hosen? Geht ja garnicht. Ich war noch mit kurzen Tight bei Temperaturen von 9/10° unterwegs. Allerdings war es auch trocken. Und bei 3° sieht die Sache eh schon ganz anders aus.

    Und dank 10 qm Fensterfläche im Dach ist es bei uns noch warm im Haus. Mit Glück noch bis in den Obtober.

    Regenklamotten sind immer irgendwie kontraproduktiv: Was von außen an Nässe draußen bleibt, schwitzt man von innen 🙁

    Grüße über den Weißwurstäquator
    Volker

    1. Ja, jetzt beginnt die Zeit, wo man nie genau weiß, was man anziehen soll. Gerade wenn du morgens los läufst und ein paar Stunden unterwegs bist.
      Am besten schnallt man sich da einen Kleiderschrank auf den Rücken.

      Viele Grüße in den Norden

      Steve

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