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Mensch gegen Maschine

Heute geht es auf den Jenner. Vom Parkplatz Hinterbrand geht es zunächst Richtung Mittelstation der Jennerbahn bevor nach links ein steiler Weg über die Skipiste zur Mitterkaseralm abzweigt. Von der Mitterkaseralm geht es dann weiter Richtung Bergstation und Gipfel.
Der Aufstieg dient eigentlich nur dazu sich nochmals mit dem Weg vertraut zu machen, denn im Vordergrund steht heute der Downhill. Während mein Bruder mit der Bergbahn vom Gipfel zur Mittelstation fährt, will ich nach unten laufen und dabei schneller sein als er.
Aber zuerst kommt der Aufstieg.

Als Treffpunkt vereinbaren wir die Stelle an der mich der Trail der Skipiste wieder auf den normalen Weg zur Mittelstation spucken wird. Von hier sind es noch ungefähr 300m bis zur Mittelstation.
Der Weg über die Skipiste ist relativ steil und schmal und mit Steinen durchsetzt. Noch ist es ziemlich nass, aber im Laufe des Morgens trocknet es sicherlich noch etwas ab.

Im oberen Teil des Weges geht es anschließend durch den Wald. Hier ist der Weg genauso schmal und steil, trocknet aber sicherlich nicht so schnell ab. Von daher werde ich in diesem Teilstück wohl etwas Geschwindigkeit raus nehmen müssen um nicht auszurutschen.

Am Ende des schmalen Trails stößt man dann wieder auf den Normalweg zur Mitterkaseralm. Breit, geschottert, teilweise geteert aber trotzdem schön steil.

Kurz vor der Mitterkaseralm kommt ein längeres, gerades Stück. Für den Aufstieg ist es ganz angenehm aber bergab könnte da ein bisschen Schub verloren gehen. Auch in der Mitte der Skipiste gibt es ein gerades Stück, das aber nicht ganz so lang ist.
Oberhalb der Mitterkaseralm ist der Weg dann durchgehend geteert und verläuft steil über den Hang Richtung Bergstation. Der Weg gabelt sich und führt sowohl links-, als auch rechts-umfassend Richtung Gipfel. Der linke Weg ist 30m kürzer, aber dafür im oberen Bereich mit grobem Schotter durchsetzt. Zudem hat er mehr Kehren, die im Downhill nur bremsen, also werde ich mich nachher wohl für die, von unten betrachtet, rechte Variante entscheiden.

An der Bergstation angekommen, ein kurzer Blick hinunter zu Mittelstation…

…sieht gar nicht so weit aus und im Gegensatz zu mir, fährt die Seilbahn den direkten Weg nach unten. Ob das zeitlich machbar ist.
Ein kurzer Abstecher zum Gipfel, denn für das Panorama werde ich gleich keine Augen mehr haben.

In der Bergstation lösen wir schon mal die Karte für die Fahrt zu Mittelstation. So verhindern wir, dass großer Andrang am Schalter das spätere Ergebnis verfälscht. 10,50 Euro für die Fahrt zu Mittelstation ist ein stolzer Preis, ärgerlich wenn man sich das Geld sparen könnte, läuft und dabei noch schneller ist.
In der Gaststätte wird noch kurz der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen, bevor wir uns zum Startplatz vor der Bergstation begeben. Hier geht es los. Ich starte meinen Downhill, mein Bruder geht in die Station, steigt in die Bahn, fährt zur Mittelstation und geht die 300 Meter zum vereinbarten Treffpunkt.

Auf die Plätze, fertig, los. Unsere Uhren starten und aus meinem iPod dröhnt The Offspring…
…640 Höhenmeter liegen vor mir. 1 Stunde 15 Minuten sind laut Homepage der Jennerbahn für den Weg veranschlagt…auf geht’s.
Gleich zu Beginn geht es die asphaltierte Strecke, steil zur Mitterkaseralm. Kurzer Blick auf die Uhr: 60 Höhenmeter in der Minute, super Geschwindigkeit. Die Oberschenkel fühlen sich komisch an.
Auf Höhe der Mitterkaseralm ein kurzer Blick auf die Uhr. 4 Minuten 30 Sekunden. Für die ersten 200 Hm eine gute Zeit. Jetzt kommt das flache Stück, das sehr viel Kraft kostet, denn der Schub fehlt. Umso besser geht es im Anschluss die steile Forststraße nach unten zum Abzweig des Weges durch den Wald und über die Skipiste.
Jetzt wird es anspruchsvoller und das liegt mir wesentlich mehr. Zwar ist die Geschwindigkeit nicht mehr ganz so hoch, aber es läuft sehr gut. Die Schuhe finden Grip und mit der Koordination klappt es auch sehr gut. In Höchstgeschwindigkeit fräse ich durch den Wald und habe sogar für die teilweise sehr verwunderten Wanderer noch ein flüchtiges “Servus” parat. Jetzt kommt wieder ein flaches Stück. Nach diesem Stück ist es dann schon fast geschafft, also noch mal Gas geben.
Kurz vor Beginn des letzten Downhill-Abschnitts sehe ich dann auch unten am Weg den vereinbarten Treffpunkt. Mein Bruder ist noch nicht da. Entweder liege ich gut in der Zeit, oder es kam bei ihm irgendwo zu Verzögerungen.
Knapp 200 Hm müssten es noch sein, aber auf die Uhr kann ich nicht schauen. Zu groß wäre die Gefahr in diesem kurzen Moment aus dem Tritt zu kommen. Also geht es einfach weiter nach unten. In den steilen Kurven komme ich immer wieder mal kurz ins Rutschen, aber die Schuhe finden den Grip…geniales Gefühl. Kurzer Blick zum Treffpunkt…immer noch niemand da. Ich kann es schaffen. Die letzten Höhenmeter spule ich perfekt nach unten. Ich finde genau die richtigen Stellen und habe einen sicheren Tritt. Hervorragend, so muss ein Downhill laufen.
Dann sehe ich meinen Bruder im Augenwinkel. Er kommt den Weg entlang und hat es nicht mehr weit bis zum Treffpunkt, ich habe aber auch nur noch wenige Meter vor mir. Ein letzter Sprung und der Trail spuckt mich wenige Meter vor völlig verdutzten Wanderern auf den Normalweg. Ein kurzer Sprint und ich erreiche wenige Sekunden vor meinem Bruder den Punkt.
14 Minuten und 22 Sekunden habe ich für die Strecke von der Bergstation bis hierher benötigt.
Die reine Fahrtzeit der Bergbahn für diese Strecke beträgt 9 Minuten 30 Sekunden. Für den Ein- und Ausstieg und das Stück bis zum Treffpunkt benötigt man weitere 5 Minuten, sofern man die Karte im Vorfeld schon gekauft hat.
Geschafft! Das Duell Mensch gegen Maschine geht an den Trailrunner. Zugegeben, im Downhill habe ich die Bahn besiegt, aber bergauf wird sie wohl gewinnen.

5 Gedanken zu „Mensch gegen Maschine“

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