Watzmann-Umrundung

Nach der Königssee-Umrundung und der Watzmann-Überschreitung bleiben noch zwei weitere Kombinationsmöglichkeiten offen.
Für eine Königssee-Überschreitung ist es noch zu warm, aber vielleicht wird es diesen Winter ja kalt genug und die Eisfläche wird nach St. Bartholomä freigegeben.
Für eine Watzmann-Umrundung ist das Wetter heute perfekt und so mache ich mich auf, zum Parkplatz an der Wimbachbrücke und starte gegen 07:00 Uhr meine Tour.
33,4 Kilometer und dabei 2360 Höhenmeter im Aufstieg und noch mal genauso viele im Abstieg hat der Alpenvereinsführer ausgeworfen. Addiert man die Gehzeiten, kommt man auf 13 Stunden und 45 Minuten. Eine Zeit habe ich mir nicht gesetzt, aber aus der Erfahrung raus rechne ich mal mit 7-9 Stunden.
Von der Wimbachbrücke geht es zunächst ins Wimbachgries. Vorbei am Wimbachschloß und der Wimbachgrieshütte. Je tiefer man ins Wimbachtal kommt, umso kälter wird es. Die Strecke ist nicht gerade die abwechslungsreichste, überwindet aber auf den ersten 8,6 Kilometern nur 700 Höhenmeter; ein gemütlicher Einstieg.

Ein Vorteil haben die kalten Temperaturen: Durch den Bodenfrost der letzten Nächte ist der Boden schön hart gefroren, wodurch es sich auf dem losen Geröll wesentlich angenehmer laufen lässt.
Nach der Wimbachgrieshütte geht es zunächst noch etwas flacher dahin, bevor der erste richtige Anstieg des Tages zum Trischübel beginnt.

Ich bin jetzt knapp zwei Stunden unterwegs und warte noch auf die ersten Sonnenstrahlen. Die umliegenden Berggipfel werden schon angestrahlt, aber bei mir ist immer noch Schatten und die Kälte kostet Kraft. So ganz scheint der Körper noch nicht wach zu sein.
Am Trischübel angekommen stehe ich dann auch endlich in der Sonne, dir mir neue Kraft gibt. Ein tolles Gefühl nach über zwei Stunden bei kaltem Wind im Schatten, endlich in der wärmenden Sonne zu stehen.

Die Jacke verschwindet im Rucksack und in T-Shirt und kurzer Hose geht es nun weiter über die Sigeretplatte nach St. Bartholomä. Letztes Wochenende stand ich auf dem Schneibstein noch bis zur Hüfte im Schnee und heute liegen am Wegesrand nur noch kleine Reste, während ich sommerlich bekleidet den Downhill genieße.
Der Downhill nach St. Bartholomä bietet alles was man sich wünscht. Schmale Trails über steinigen und verwurzelten Waldboden, auf kleinen steinigen Wegen, über Geröllfelder und im Bereich der Sigeretplatte ein paar kurze ausgesetzte Passagen.

Der Königssee liegt noch im Nebel, aber es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis sich die letzten Schwaden aufgelöst haben.
Im Bereich der Sigeretplatte hat man ein paar tolle Blicke auf die Saugasse die sich mit ihren vielen Serpentinen Richtung Kärlingerhaus nach oben schraubt.

Unterhalb der Saugasse, vor der Schrainbachalm, trifft der Weg vom Trischübel auf den Aufstiegsweg von St. Bartholomä zum Kärlingerhaus.
Entlang des Schrainbachs geht es durch den Wald weiter nach unten und allmählich wird es wieder kühler. Die Sonne steht noch hinter den Gipfeln und auf den letzten Metern nach unten tauche ich in die Nebelschicht ein.

Die Leute die mir von St. Bartholomä entgegen kommen tragen alle lange Hose und Jacken; mit meinem kurzen Outfit wirke ich etwas befremdlich auf sie.
In St. Bartholomä angekommen gönne ich mir erst einmal eine etwas ausgiebigere Pause beim Fischer vom Königssee, denn schließlich wartet mit dem Aufstieg über den Rinnkendlsteig zur Archenkanzel, der wohl anstrengendste Abschnitt der Tour auf mich.
Nach einer halben Stunde, der Nebel hat sich inzwischen weitestgehend aufgelöst, geht es weiter.

740 Höhenmeter verteilen sich auf lediglich 3,7 Kilometer und anfänglich läuft es noch ziemlich gut.

Mit Verlassen des Waldes beginnen auch die ersten ausgesetzteren Passagen, die mit Drahtseilen, Trittstiften und Leitern entschärft sind. Hier macht es Sinn das Tempo etwas zu drosseln um keinen falschen Tritt zu setzten, zudem habe ich sowieso keine Power mehr in den Beinen und schalte gerne einen Gang zurück. Der Rinnkendlsteig zeigt sich mal wieder von seiner gnadenlosen Seite.

An der Archenkanzel angekommen gibt es neben dem obligatorischen Foto auch eine kurze Verschnaufpause, die ich nach diesem Anstieg auch nötig habe.

Mit gemütlichen, kurzen Steigungen geht es anschließend weiter zur Kührointalm. Vor dem letzten Anstieg gönne ich mir hier noch ein kleines Getränk, bevor es die letzten 195 Höhenmeter über den Falzsteig nach oben geht.
Im Vergleich zum Rinnkendlsteig, lässt sich der Falzsteig richtig gemütlich laufen. Nur im letzten Abschnitt, vor der Falzalm, muss man die Hände an manchen Stellen zur Hilfe nehmen.

An der Falzalm angekommen genieße ich, bei herrlicher Aussicht, eine letzte Pause. Bis zum Parkplatz sind es nur noch 6 Kilometer und dabei geht es 1010 Höhenmeter nur bergab. Bergauf muss ich heute nicht mehr.

Und so geht es die letzten Kilometer der Tour, vorbei an der Mitterkaseralm und der Stubenalm, zum Parkplatz an der Wimbachbrücke.
Überglücklich und natürlich auch etwas ausgelaugt komme ich nach insgesamt 7 Stunden und 6 Minuten wieder am Ausgangspunkt der Tour an.
Hinter mir liegen 33,4 Kilometer purer Trailgenus, bei herrlichem Wetter und besten Verhältnissen. Eine geniale Watzmann-Umrundung, an die ich mich sicherlich noch lange erinnern werde.

7 Gedanken zu „Watzmann-Umrundung“

  1. Verrückt! Toller Bericht, tolle Tour, super Fotos – aber bei denen Zeit- und Höhenmeterangaben schrumpft man unweigerlich zum dicken faulen Couch-Potatoe. Es ist unfassbar!

    1. Hallo Lisa, danke dir.
      So darf man das mit dem Couch-Potatoe aber nicht sehen, denn dann wäre ich auch einer weil es hier in der Gegend einige Leute gibt, die die Strecke noch schneller laufen.
      Also keine Angst, wir schrumpfen nicht; das passt scho 😉

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