Action am Hochstaufen

Ich war schon lange nicht mehr auf dem Hochstaufen!
Schon lange habe ich keinen Versuch mehr gestartet, von der Padinger Alm auf den Gipfel in unter einer Stunde zu kommen!
Heute war es mal wieder soweit.

Auf und ab am Hochstaufen

Bis zum 29. September 2014 will ich es schaffen, von der Padinger Alm, über die Bartlmahd, in unter einer Stunde auf den Gipfel zu laufen.
39 Sekunden fehlten mir im letzten Jahr, dieses Jahr hole ich die paar Sekunden noch raus…so zumindest der Plan.
Auf der Ambit habe ich mir dafür extra einen Modus erstellt. Nur ein Bildschirm, mit den drei wichtigsten Anzeigen. Zeit, zurückgelegte Höhenmeter und in der Mitte erscheint groß die vertikale Geschwindigkeit. Das muss reichen.

So ganz kann ich meine Form heute nicht einschätzen. Ich schwanke zwischen müde und topfit; mal schauen was das wird.
Die Vertical Up Playlist auf dem iPod habe ich modifiziert. Schnellere Beats, mehr Power, mehr Schub…Attacke!

Der Start verläuft mittelmäßig. Die Beine fühlen sich schwer an und gerade dieses erste Stück auf der Forststraße mag ich überhaupt nicht. Aber zum Glück geht es schnell auf den Trail und ab in den Wald.
Immer wieder wandert mein Blick auf die Uhr. Über 20 Höhenmeter pro Minute sollte sie schon anzeigen, gerne auch mehr. Der Plan scheint aufzugehen. Die Müdigkeit vom Start ist weg und ich schraube mich nach oben.
Nach einer halben Stunde bin ich auf Höhe der Bank und habe 562 Höhenmeter hinter mir. Leider fehlen mir die Vergleichswerte von meinem bisher schnellsten Lauf, aber ich habe das Gefühl, dass ich damals schneller war.
Also Tempo beibehalten bzw. erhöhen!
Die Musik schiebt mich nach oben…Meter für Meter.
Raus aus dem Wald, über die Baumgrenze, es wird alpiner. Der Mittelstaufen rückt ins Blickfeld und mein Blick wandert immer wieder auf die Uhr. Ich überschlage die Zahlen im Kopf, addiere die Höhenmeter, teile sie durch die gelaufene Zeit, multipliziere mit 60…es könnte klappen…oder auch nicht.
Nach knapp 55 Minuten knacke ich die 1000 Höhenmeter, jetzt sind es nur noch 100 bis zum Gipfel und die sollten in 5 Minuten machbar sein.
Wie immer unterschätze ich aber das flache Teilstück entlang des Grates. Die Uhr zeigt keine 20 Höhenmeter pro Minute an, auch keine 30, sondern nur 3. Die Minuten rennen und die magische Grenze von 59:59 rückt immer näher. Nach 58 Minuten bekomme ich das Reichenhaller Haus zu Gesicht. Die letzten Meter bis zum Gipfel ziehen sich wie Kaugummi und die Zeit rennt mir davon. Unterhalb des Hauses wird mir klar, dass das heute leider nichts wird. Eigentlich habe ich es schon auf der langen Geraden gemerkt, aber jetzt stellt sich die Gewissheit ein.
Die letzten Meter zum Gipfel werde ich langsamer und nach 1:01,26 erreiche ich das Gipfelkreuz.
Ich war schon schneller, aber auch schon langsamer.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Hochstaufen1
Das Bild schaut schlimmer aus als es eigentlich war. Bin da nur etwas außer Atem und war geflasht, denn ich war von Beginn an alleine am Berg und eigentlich ist die Zeit ja auch nicht so schlecht.
Habe dann mal ein paar Impressionen für euch festgehalten.

Hochstaufen2
Ja, schon ziemlich abgefahren würde ich sagen. Fix und alle und dabei ein total geiles Gefühl. So muss das sein.
Keine Menschenseele unterwegs. Seit der Padinger Alm habe ich niemanden mehr gesehen. Die aufziehenden Wolken haben wohl die meisten Leute vertrieben oder sogar ganz abgehalten…ich würde sagen: Alles richtig gemacht!
Dennoch geht es jetzt an den Downhill, denn besser wird das Wetter sicher nicht.
Hochstaufen5

Der verrückteste Downhill ever!

Ich bin noch etwas wackelig unterwegs, denn der Aufstieg steckt mir noch in den Beinen.
Einfach schön gemütlich die Sache angehen und langsam in den Flow kommen.
Kurz unterhalb des Mittelstaufens passiert es dann!
Die Playlist spielt Macklemore und ich fange an mitzusingen. Nicht leise vor mich hin, sondern lauthals. Ich bleibe kurz stehen und tanze eine Runde.
Zwar habe ich vor kurzem noch behauptet ich kann nicht tanzen, das bezog sich aber nur auf den klassischen Paartanz; Discomoves habe ich schon drauf…und die sind jetzt gefragt.

Ja, ich tanze! Am Hochstaufen! Ich springe im Takt auf dem Trail nach unten, singe lauthals mit, breite die Arme aus, schüttle den Kopf, bleibe stehen, lege einen Move hin und laufe weiter.
Ich habe keine Ahnung in welchem Film ich gerade bin, aber er ist einfach nur geil!
Vor meinem Auge sehe ich die Zugspitze, sehe Grainau und Sekunden später bin ich in Squamish, steige aus dem Flieger in Vancouver, fahre mit einem SUV durch Kanada, laufe auf den genialsten Trails ever.
Ich habe immer noch keine Ahnung was hier los ist…abgefahren! Ich weiß nicht wie die Droge heißt, aber sie hat mich im Griff!
Das Lied ist zu Ende und die Playlist spielt den nächsten Kracher!

Weiter geht’s! Wenn mich hier jemand sieht, ich würde für verrückt erklärt werden; garantiert!
Ich tanze den Trail nach unten, springe im Takt von Stein zu Stein, laufe seitwärts, tipple auf der Stelle!

Es ist der genialste Downhill aller Zeiten. Kaum ist das Lied zu Ende, drücke ich zweimal auf Back und der Spaß geht von vorne los.

Ich komme am Auto an und bin total geflashed, paralysiert, hypnotisiert, was auch immer!
Ich weiß nicht was das war, aber es war genial…so muss es sein!
That’s it!
Awesome!

Hier geht’s zum Move!
Hochstaufen3

9 Gedanken zu „Action am Hochstaufen“

  1. Statt der Musikvideos hättest Du mal lieber ein Video von Deinem getanzten Downhill einstellen sollen! 😀

    Ob Dein Gesichtsausdruck dabei noch noch aussah wie auf dem Foto?`;-)

    LG Volker

  2. Hey Steve,

    ich habe erst vor ein paar Monaten mit dem Trailrunning begonnen. Bisher bin ich auch noch nicht so viel gelaufen. Meine „Stammstrecke“ ist der Wallberg am Tegernsee. Jetzt lese ich immer von Deiner Strecke auf den Hochstaufen. Wie würdest Du die Strecke einschätzen? Kann ich die auch als Anfänger gut bewältigen oder zählt sie eher zu den schwierigeren Strecken?

    Freue mich auf eine Antwort.

    LG David

    1. Servus David,

      ich kenne die Strecken am Wallberg nicht.
      Der Weg über die Bartlmahd auf den Hochstaufen ist ein roter Wanderweg, teilweise ziemlich steil, aber nicht gefährlich.
      Kann man sehr gut laufen und wenn es nicht mehr geht, dann schaltet man einfach einen Gang runter.
      Ich denke du kannst dich da auch gut austoben.

      Viele Grüße

      Steve

  3. Hallo Steve
    Das ist alles ganz einfach.
    Aufwärts hat dein Verstand (2% deines Körpers) den Rest deines Körpers (98%) kontrolliert. Wie du geschrieben hast: Immer wieder wandert mein Blick auf die Uhr. Das war schon Kontrolle. Du kannst nicht frei Laufen. Abwärts lies dein Verstand es wieder zu, daß dein „gesamter“ Körper (100%) wieder bewußt arbeiten darf. Deswegen die Freude. Dein Körper bereitet sich jetzt schon auf Grainau und Squamish vor. Während ich dir diese Zeilen schreibe, kommt der Gedanke, daß du nach Squamish unter einer Stunde zum Hochstaufen laufen wirst. Schritt für Schritt. Alles zu seiner Zeit.
    Viel Erfolg in Grainau.

    Herzliche Grüsse

    Papa

  4. Pingback: Hochstaufen

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